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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-16 · 38 (16.9.1892) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 38 Drkrrrrichischr WochenschrM. Seite 699 über wahren, richten wir die ergebene Bitte, uns nachträglich, falls die Zahlungen an uns bereits erfolgt sind, oder bei zukünftigen Zahlungen gleichzeitig davon Mittheilung machen zu wollen, was wir mit dem Gelde beginnen sollen, wenn der Mörder nicht entdeckt werden sollte und folglich die beabsichtigten oder ausgesetzten Preise an den oder die Entdecker nicht zur Auszahlung gelangen können. Das Geld würde überdies, da bis zur Aufklärung des kanten er Knabenmordes unter Umständen noch eine lange Zeit verstreichen könnte, als todtes Capital bei uns lagern, während wir für Zwecke der Preßagitation gerade jetzt, vor dem beginnenden Herbstquartal große Summen benöthig en. Wir wären den Einsendern deshalb dankbar, wenn sie uns gestatten würden, die uns zur Verfügung gestellten Summen vorläufig für nuferen Zeitungs- Agitationsfonds verwenden zu dürfen, natürlich mit der Verpflichtung, nach der etwaigen Entdeckung des Mörders des Knaben Joanchen Hegemann die Beträge im Sinne der Spender unter Zustimmung des Comites, das den bekannten Aufruf erlassen hat, auszuzahlen". Es ist ein Abgrund von Gemeinheit und Niedertracht, der sich da vor uns aufthut. Hält man den Zweck, zu welchem diese Gelder gesammelt wurden, mit der Verwendung zusammen, welche Dr. Erwin Bau r nunmehr seinen Freunden vorfchlägt, dann muß man sich entsetzt fragen, ob solche Bestien in Menschengestalt thatsächlich existiren und frei herumlaufen dürfen. Ein armer, unschuldiger Jude wird durch falsche Zeugenaussage des rituellen Mordes verdächtigt. Die Gerichtsverhandlung erweist auf's Glänzendste seine Unschuld. Das Geschäft, das durch eine etwaige Verurtheilung Buschhoff's in Aussicht stand, ist demnach gründlich verdorben, und die Antisemiten-Häuptlinge sinnen auf Ersatz. Da man die Juden nicht plündern kann, so plündert man die — Christen im Wege von Sammlungen zur Entdeckung des wirklichen Mörders. Und in dem Augenblicke, da eine genügende Summe zusammengebracht ist, wird erklärt, daß diese Summe nicht zu ihrem eigentlichen Zweck, sondern zur neuerlichen Judenhetze verwendet werden soll. Der wirkliche Mörder braucht nicht entdeckt zu werden, er wird auch nicht entdeckt werden, denn im antisemitisches Lager weiß man sehr wohl, daß dieser Mörder kein Jude ist, daß kein ritueller Mord vorliegt, sondern daß der Verbrecher von der antisemitischen Baude selbst gedungen war. Das Blut des kleinen Johann Hegemann schreit zum Himmel, es verlangt seine Sühne. Der Herausgeber der „Neuen deutschen Zeitung" aber hat dieses Blut in Mark und Pfennig umgesetzt und frischt damit die leeren Cassen seines Hetzblattes auf. Die antisemitische Propaganda hat ungeheure Schmach über das „Volk der Dichter und Denker" gebracht. Der Chef der „Neuen deutschen Zeitung" aber ist das gräßlichste Brandmal, das diesem Volke auf die Stirne gedrückt werden kann. Es ist unmöglich, für den Abscheu, den solche Entmenschlichung weckt, das richtige Wort zu finden. An dem Räuber in den Abbruzzen, an dem Mörder, der das Leben seiner eigenen Erzeuger vernichtet, mag man noch immer menschliche Züge entdecken. Dieser Dr. Erwin Bauer aber ist nur der Hyäne zu Dergleichen, die sich mit dem faulenden Aas der Wüste mästet. Lügrn-Fsbrikation. Daß unser anttsemitischer Mimiker in der Entstellung und Verdrehung der Wahrheit Ungeheuerliches leistet, ist so notorisch, daß darüber noch ein Wort zu verlieren, Eulen nach Athen tragen hieße. Unseren Lesern dürfte der neueste Lemberger Sensationsproceß aus den Tagesblättern bekannt sein. In einer vorwöchentlichen Nummer des Deutschen Volks-, recte Schmutzblattes war schwarzauf weiß zu lesen: „Der Jude Dr. Medwey zielte eine halbe Minute lang — sür die Secundanten eine Ewigkeit" u. s. w. mit Grazie. Um aus dem Proceß, wie überhauvt aus jedem Conflict. antisemitisches Capital zu schlagen, entblödet sich das Blatt nicht — aus einem Christen einen Juden zu machen. Und wenn nun der Betreffende zur Steuer der Wahrheit eine Berichttgung einsendet, dann ist halt wieder eine jener unliebsamen Verwechslungen daran Schuld gewesen. Wie weit der Schwindel getrieben wird, zeigt Herr Vergani im Abendblatt vom 13. d. M. Dort heißt es unter der Ueberschrift: „Wie der ungarische Judenwein gemacht wird! Bekannt ist, wie ungarische Weinschwindler besonders die angrenzenden Theile Cisleithaniens mit dem Produkte ihre Ginmischerei. das diese Gauner den kleinen, schwer zahlungssähigen Wirthen als „Wein" anzuhängen verstehen, nbrischwemmen und dadurch den Weinbauer, den reellen Weinhändler und Wirth tief schädigen. Einer unserer Abonnenten sendet uns nun die Geschäftsreclame eines Budapester Juden, Namens Dömei Karoty zu, in welcher derselbe „seinen ans Trauben erzeugten Gallisir-Extracl", von dem die Flasche die Kleinigkeit von 20 il. kostet — wobei er selbstverständlich den Betrag voraus eingesendet verlangt — anpreist. Außerdem gibt er folgende Anweisung zur Weinpantscherei: „Zur Weinlese kann man durch Gallisiren des Mostes einen vorzüglichen >!> und billigen Wein erzeugen. Man mischt einfach: eine Original-Flasche Gallisirextract mit 5 Hectoliter Most, 10 Hectoliter Wasser (!!!), 50 bis 80 Kilo Zucker zusammen und hat sofort 1 öV-» Hectoliter guten f!;, genießbaren (!"?> Most und nach beendigter Gührung einen sogleich klaren und flaschenreisen (!> Wein," Es ist kein Zufall, daß wir es hier mit einem Budapester Schwindler zu thun haben-, ist doch Ungarn das gelobte Z!and des jüdischen Weinschwindels." In Wahrheit ist dieser Dömei kein Jude, sondern e i n Arie r und Gesinnungsgenosse des Herrn Vergani. Bor circa 2 Jahren wurde alsB ezugsquelleder Carl Dömei, Wien, IV., K ette n brücken ga ss e, sogar im „Deutsch en Vo lksbla tt" empfohlen. Herr Dömei wohnr circa 1 Jahr in Pest und ist ein Hauptschwindler Das erinnert mich aber auch gleichzeitig an einen sehr heiteren Auffitzer desselben Schundblattes aus den Eröffnungstagen der Musik- und Theater-Ausstellung. Mehrere Freunde des Chef-Architecten Marmorek haben sich verabredet, dem antisemitischen Organ einen Bären aufzubinden. So kam es, daß eines Tages in einem Ausstellungs-Artikel Marmorek als der Schöpfer von Alt-Wien in tönenden Worten gefeiert wurde. Enffetzt über die Berhimmlung eines Semiten in den Spalten des Deutschen Bolksblattes, beeilten sich natürlich mehrere Leser, den Artikelschreiber über seinen Jrrthum aufzuklären. Nun war aber doch ein Widerruf der Verdienste und der Bedeutung des Mannes nicht mehr möglich, das hieße sich noch lächerlicher machen. So war denn in der Correspondenz das verschämte Geständniß zu lesen: Wie wir erfahren, ist Herr Marmorek ein — Jude. Grundbesitz der Juden in Galizien. Die Münchener „N. Nachr." entnehmen einer Schilderung der „Nowoje Wremja" der Agrarverhältnisse in Galizien. Darin heißt es: Noch im Jahre 1867, wo es den Juden noch verboten war, in Galizien Land zu erwerben, gab es dort 38 jüdische Grundbesitzer. Mit dem Berfaffungsgesetze dieses Jahres, das den Juden die Gleichberechttgung brachte, sei dies ganz anders geworden. Innerhalb drei Jahren sei die Zahl der wahlberechtigten Grundbesitzer jüdischen Glaubens auf 68 gestiegen. Die Krise des Krachjahres 1873 habe dann 289 große Güter an sie übergehen lassen und heute seien von den 3700 Gütern Galiziens bereits 684 in jüdischem Besitze. Ebenso sollen innerhalb der Jahre 1874 bis 1892 über 43,000 Bauernparcellen jüdisches Eigenthum geworden sein. Das cittrte russische Blatt will wissen, daß derart 7/10 der gesammten galizischen Culturfläche Eigenthum von Juden geworden ist. Wenn die „M. N. Nachr." behaupten, es sei manches Wahre darin enthalten, so bezweifeln sie am Schluß diese Behauptung selbst mit dem richügen Einwand: „Es ist unerfindlich, woher die „N. Wremja" diese Daten erlangen konnte, da die österreichische Grundbefitzstatistik über die Religion der Besitzer nichts enthält." In der That muß man darauf Hinweisen, daß die „Now. Wremja" höchst unzuverlässig ist. Auch hat Abg.

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