Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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i I; ä \\ I' § i, f; |:! k ' « Seae 700 VrstrrrrtchWr WochenschriN. ser. 38 Prof. Zucker am 7. Februar 1890 im Anschluß an ein nationalöconomisches Werk des Herrn v. Szepanowski im Reichsrath bewiesen, daß die Juden 7? der Bevölkerung ausmachen, und nur des Grundbesitzes ihr Eigen nennen. Das hätte der Correspondent der „N. N." wissen sollen. — Die galizischen Juden sind zum größten Theil bettelarm. Wenn ein Theil des Grundes in jüdischen Händen ist, so bedenke man, daß es in Galizien 600.000 Juden gibt, die auch ettvas Ackerbau treiben dürfen. Oder sollen sie alle „handeln?" Das wäre doch auch nicht recht! Die Preußen und der Vlutmord. Die mittelalterlichen Beschuldigungen gegen die Juden über Blutmorde gingen meist dahin, daß die Juden aus Haß gegen Christus ein Kind gekreuzigt hätten. In derartiger Fassung wird die sittliche Empörung über den Mord noch durch das religiöse Gefühl verstärkt, das durch die Erinnerung an die Kreuzigung bervorgerufen wird. Auch die Franzosen haben begriffen, daß man mit den Erzählungen von gekreuzigten Kindern Eindruck erzielen kann. Uns liegt eine Sammlung französischer Lieder vor, darunter eines: Der kleine elsässische Märtyrer oder „Das gekreuzigte Kind", Gedicht von Latapie. Der letzte Vers lautet: „Dann, durch seinen Haß hingerissen, hob ihn der Preuße in die Höhe, und dies Scheusal mit Menschenantlitz nagelte die Hände des Unschuldigen an die Mauer. Obgleich von Schmerzen gebrochen, rief das Kind mit einer letzten Anstrengung laut: „Es lebe Frankreich." Und dann erwartete es den Tod." Refrain: Der kleine Märtyrer lernte das Leiden kennen und trotzdem er nur 12 Jahre alt war, starb er muthig für Frankreich. Was sich nie und nirgends hat begeben, das allein veraltet nie. — Fr. Eurtius überglas alte Testament. Entgegen den Verunglimpfungen, welche das „alte Testament" unausgesetzt von Seiten des waschechten Antisemitismus erfährt,- wollen wir ein Urtheil über dasselbe anführen, das aus dem soeben erschienenen Buche von Friedrich Curttus über Heinrich Gelzer (Gotha, 1892. S. 5 f. F. A. Perthes) stammt, dessen Widmung der Großherzog Friedrich von Baden angenommen hat. „In der That enthält das alte Testament ein System von Gedanken, welche dem neuen Testament ganz fremd und doch für eine christliche Weltanschauung unentbehrlich sind ... Das neue Testament enthält die ewig giltigen Grundzüge des sittlichen Lebens für den Einzelnen, die Familie und die kirchliche Gemeinschaft. Aber es gibt schlechterdings keine nationale Ethik. Es enthält keine anderen polittschen Grundsätze als das Gebot des Gehorsams gegen die Obrigkeit, keine ausreichende ethische Würdigung des Berufs und der Aufgaben dieser .Obrigkeit, keine Weisungen für das Leben und Handeln der Nattonen. Daher die Mißgriffe und Mißverständnisse bei der Betrachtung von Fragen aus Gesichtspunkten des neuen Testaments, daher die ganz entgegengesetzten Resultate, zu denen auftichttge Christen kommen konnten, wenn sie eine politische Tagesfrage nach dem Canon des Evangelismus beurtheilen wollten. Soll man hieraus folgern, daß die normale Gesinnung des Christen eine völlige Indifferenz gegen die' Welt des Staates sei, eine deMüthige Unterwerfung unter die Ergebnisse der polittschen Entwickelung, wie unter das Walten der Naturkräfte? Keineswegs, sondern das neue Testament hat seine nothwendige Ergänzung in dem alten Testament. Hier ist eine Fülle nattonaler Ethik, religiöser Politik. Hier ist vor allem der gemeinsame Grundgedanke des Staatsrechts und der Politik — die Persönlichkeit des Volkes — mit einer genialen Sicherheit und Klarheit vorgetragen, wie sonst nur in den Schriften der römischen Juristen." Neber arischen Besitz. Es ist ein beliebter Kniff antisemitischer Agitatoren, ihren k. Tarischen Mitbrüdern mit dem jüdsschen Capital die Augen auszuwischen, während sie über dm ungeheuren Besitz einzelner chrer Glaubens- und Gesinnungsgenossen den Mantel chrifllicher Nächstenliebe breiten — wahrscheinlich um ihn den begehrlichlüsternen Blicken ihrer unverfälschten Cumpane zu entziehen. Es gewährt uns eine besondere Befriedigung, den vorlauten Schreiern einmal mit ihrem ureigenen Knüppel auf die langen Finger klopfen zu können. Nicht einer Erzählung aus „Tausend und einer Nacht" — dem „Fürst S chw arzenb erg- Jahrbuch" vom Jahre 1892 verdanken wir nachstehende Daten : „Der Haushalt des Fürsten Adolf Josef Schwarzenberg, und seines Sohnes, des Erbprinzen Johann, besteht aus 44 Bediensteten und der herzoglichen Garde-Grenadierleibwache mit einem Gardehauptmann und 21 Gardegrenadieren. Die auf den einzelnen Herrschaften und Gütern vertheilte Beamten- und Dienerschaft besteht aus einem Centtalbuchhalter, 70 Rechnungs¬ und Cassenbeamten, 2 Rechnungsanwälten, 8 Archivsbeamten, 10 Herrschaftsdirectoren, 40 Guts-, Sections- und Naturalverwaltern, 30 Oekonomie-Adjuncten und Assistenten, 53 Kanzlisten und Diurnisten, 55 Amts- und diversen Dienern mit einem Oeconomie-Auffichtspersonal von 319 Schaffern, Oberdreschern rc. Das Forstpersonal besteht aus einem Oberforstmeister, 9 Forstmeistern, 24 Oberförstern und Forstcontroloren, 76 Revierförstern,. 27 Förstern und 83 Forstadjunkten und einem Revier-Aufsichtspersonal von 300 Forstwarten und Hegern. Das Fabriks- und Industrialien-Personal besteht aus 4 Directoren (Leitern) 36 Beamten und 103 Unterbeamten und Dienern. Das Bau- und Ingenieur Personal besteht aus 31 Ingenieuren und Geometern und 14 Baubeamten. Das Schloß- und Gartenpersonal besteht aus einem Jnspector, 2 Schloßverwaltern und 40 Gärtnern. Gehilfen rc. Das Fischereipersonal besteht aus: 70 Angestellten als Fischmeister, Teichheger rc. Das Sanitätspersonal weist auf: 30 Herrschaftsärzte und 8 Thierärzte. Die Patronatsgeistlichkeit weist auf 207 und die Lehrerschaft 26 Personen. Die Gesammt- Area beträgt circa 185.000 Hectare mit einem Personalstand von rund 1760 Beamten und Dienern. — Der Haushalt des Fürsten Karl Schwarzenberg und seiner beiden Söhne Carl und Friedrich setzt sich aus 39 Bedienten zusammen, die Beamten und Dienerschaft aus:'je 1 Kanzleidirector, Casserath, Secretär, Concipisten und Archivar, 5 Herrschaftsdirectoren, 5 Guts- und Wirthschaftsverwaltern und 3 Oeconomie-Adjuncten und Assistenten mit einem Oeconomie-Auffichtspersonal von 40 Wirthschaftern, Oberdreschern rc.; das Forstpersonal aus einem Forstmeister, 3 Oberförstern und 1 Conttolor, 12 Revierförstern, 5 Förstern und 16 Adjuncten und Practikanten mit einem Revter-Aussichtspersonal von 68 Hegern re.; weiter 14 Fabriks- und Jndustrialbeamten, Io Rechnungsbeamten, 5 Ingenieuren und Baubeamten, 2Herrschastsärzten, 1 Thierarzt, 24 Schloß- und Gartenbediensteten und 10 Diurnisten, Cassedienern rc. Die Pattonatsgeistlichkeit besteht aus 27 Personen. Die Gesammt-Area beträgt circa 48.000 Joch mit einem Personalstande von rund 300 Beamten und Dienern." So viel aus dem Reiche des Königs von Böhmen, des Fürsten Schwarzenberg. Das sind dieselben Schwarzenberge, die ihren Arbeitern 25 Kreuzer Taglohn zahlen, die auf die in ihren Wäldern Holz sammelnden amten Teufel schießen lassen und die, wenn sie sterben, den Armen Wiens 1000 Gulden — sage und schreibe: tausend Gulden — vermachen! Man muß wirklich ein Dummkopf, ein Antisemit oder — beides sein, wenn man Angesichts solcher Thatsachen noch von einem „jüdischen" Capital faselt. _ Ernst Lemberg er. Suum cuique. Herr Redacteur! In Nr. 36 der „Oesterr. Wochenschrift" wird der Essay „Die Schriftgelehrten" von Moses Stark, welcher im Jahresberichte der I. deutschen Staatsrealschule in Prag erschienen ist, besprochen. Der Herr Referent gibt der Meinung Ausdruck, daß dies „der erste Fall in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland sei, daß eine Mittelschule ihr Programm mit einer dem Gebiete der Wissenschaft des Judenthums entnommenen Abhandlung einleitet." Dieser Meinung gabelt anch andere Referenten in beu verschiedenen jüdischen Journalen Ausdruck; sie ist jedoch falsch. Bor mehreren Jahren nämlich, etwa zu Anfang der achtziger Jahre (die betreffenden Jahresberichte liegen mir hier nicht vor) veröffentlichte Herr Dr. Adolf Weiß isr. Religionslehrer am academischen Gymnasiunt in Wien, in zwei aufeinander folgenden Jahresberichten einige Artikel, welche die Geschichte der Juden bettafen. G. Wolf, t Weidlingau, 5. September 1892.