Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 692 OrArrrrtrhtlchr Wochenschrift. Nr. 38 affefforen Dr. Ad. Dawidowicz und W. Amirowicz und der Herr Stadtarzt Dr. I. Mehrer besondere Verdienste erwarben. Bei dieser Gelegenheit wurde auf Anregung dieser Herren unter Leitung des wackeren Herrn Bürgermeisters die Wafferleitung verbessert, die Brunnen renovirt, Straßen und Gassen sorgfältig gereinigt, sämmmtliche Canäle in den besten Zustand versetzt, Aborte auf allen öffentlichen -Plätzen errichtet und für Nothspitäler gesorgt, so daß wir mit Beruhigung und Muth der drohenden Gefahr entgegentreten können. Aus diesem Anlaffe fühlt sich die hiesige Bevölkerung verpflichtet, diesen Menschenfreunden für ihre zeitraubende und uneigennützige Thätigkeit hiemit öffentlich wärmstens zu danken. Marseille, 5. September. Das Pariser israelitische Comite hat dem israelitischen Comite in Marseille mitgetheilt, daß es angesichts der durch die sanitäre Lage entstandenen Schwierigkeiten von nun ab nicht mehr möglich sei, Transporte russischer Juden aufzunehmen. Osthofe«. (Kreis Worms.) Bei der gegenwärtig in Heidelberg stattfindenden Ausstellung der „Freien Deutschen Bäckergenoffenschaft" erhielt die Rheinheffische Walzmühle A. Lorch dahier für ihr bekannt vorzügliches Fabricat den ersten Staatspreis, die goldene Medaille als höchste Auszeichnung. Labischm, 1. September. Herrn Alex. Lippmann ist der Titel „Commerzienrath" verliehen worden. Stratzbnrg i. E., 29. August. Die Reichsstatthalterschaft hat angeordnet, daß das Drumont'sche Hetzblatt „La parole libre", ehe es in Elsaß-Lothringen zur Ausgabe gelangt, die Censur zu paffiren hat. Tckpio Szelle, 6. September. Der berüchtigte Rabbiner Lichtenstein, der für christliche Missionsgesellschaften thätig gewesen, hat endlich abgedankt. Max Klein. Jerusalem. Die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist nunmehr vollendet und wird am -26. September vollständig dem Betriebe übergeben werden. Die erste Locomotive erreichte am 21. August die heilige Stadt. Der Bahnhof, welcher noch nicht vollendet ist, wird an der Westseite der Straße nach Bethlehem gelegen sein, etwa eine halbe Meile vom Jaffa-Thor, da das Thal Hinom die Eisenbahn von der Stadt trennt. Feuilleton. Darlehen. Prager Ghettobild von S. Kohn, Berfaffer von „Gabriel." Der unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Schluß.) VII. „Je näher der Sabbath rückte, desto weher wurde mir ums Herz; der Kummer und die Verzweiflung hatten schon die Erinnerung an meinen Traum verdrängt, und ich quälte^ mich jeyt nur damit ab, es zu ersinnen, wie ich denn doch meinem Gatten auf Schabbes etwas Gekochtes verschaffen könnte. Ich war eben Nachmittags mit dem Scheuern der Stube fertig geworden, als ein Fleischerjunge hastig die Thüre anfriß. Es war eines Hausirers Sohn, der bis vor einem Monat, ivo chn sein Vater zu einem Fleischer in die Lehre gegeben, bei meinem Manne Unterricht genommen. „Mein Vater", sagte der Bursche, „hat heute bei einer Licitation ein paar Gulden verdient, und schickt gleich dem Herrn Lehrer den Zwanzlger, den er für Unter»ichtsgeld für mich schuldig ist, und läßt sich schönstens bedanken dafür, daß ihn der Herr Lehrer so lange gar nicht gemahnt hat! ... . Ich hatte nie gedacht, daß mich der Besitz eines Zwanzigers so glücklich machen könnte." „Mir ist's ja auch geradeso ergangen!" rief Schöndl. „Es war schon zu spät um etwas zu kochen, ich wollte daher nur schnell in eine Garküche laufen, um etwas für Freitag Abend und Samstag Mittag zu kaufen, ich hatte schon die Hand auf die Thürklinke des Garküchlers gelegt, als mir plötzlich wieder mein Traum einfiel. Meine Mutter hatte mir in diesem gerathen, kurz vor Sabbathanbruch in die Lotterie zu setzen — und ich war ja unerwartet in den Besitz einer kleinen Summe gelangt, der mir das möglich machte. Ich eilte, so rasch als ich es vermochte, zu dem nächsten Collecteur in der Karpfengasse und kam ganz athemlos dort an. ,Geben Sie mir drei Nummern!^ rief ich. ,Anf welche wollen Sie setzen?' ftug er mich. ,Das ist ja ganz gleich', antwortete ich, ,wenn mir von dem gütigen Gotte bestimmt ist, zu gewinnen, so werden, was immer für Nummern, die ich gesetzt habe, gezogen'. Darauf sieht mich der Collecteur ganz verwundert an und sagt: ,Eine so vernünftige Rede habe ich schon lauge nicht gehört. Man sieht, daß Sie keine Gewohnheitsspielerin sind. — Wie viel wollen Sie setzen?' — Ich wollte doch eine Kleinigkeit für die Sabbathkost erübrigen und sagte: ,Einen Zehner!") Der Collecteur schüttelt aber den Kopf und sagt: ,Einen so niedrigen Satz kann ich, so nahe an der Ziehung, nicht mehr annehmen.! Ich überlege es einen Augenblick, aber es erscheint mir, als ob ich keine Wahl hätte, und lege den Zwanziger vor ihn hin. Der Collecteur schiebt diesen zurück und sagt: ,So nahe am Zuge können nicht weniger als vierzig Kreuzers gesetzt werden!' Ich bin sonst eine ziemlich gefaßte Person; aber bei den Worten des Collecteurs begann mein Herz so heftig zu pochen, daß ich glaubte, es wolle bersten! Das, was man nicht hat, was dem Menschen unerreichbar erscheint, erscheint begehrenswerther, als alles Andere. Jetzt glaubte ich, wenn ich setzen könnte, würde ich ganz gewiß gewinnen, meine Mutter hatte mir ja im Traume angerathen, knapp vor Sabbathanbruch zu setzen; und auch daß mir unerwartet ein Zwanziger eingegangen, bestärkte mich darin, meinem Traume eine höhere Bedeutung beizulegen. Ich mußte mir den zweiten Zwanziger um jeden Preis verschaffen, und ich stürzte wie wahnsinnig aus dem Laden des Collecteurs,'; — aber an wen sollte ich mich um diese kleine Anleihe wenden? Plötzlich überkam es mich wie eine Eingebung Gottess Deine Schwester ist eine arme Frau, die selbst mit dem Leben hart zu ringen hat, ich hatte noch vor Kurzem Mittags Deinen Mann unter einer schweren Last keuchend mit tief betrübter Miene nach Hause gehen sehen — aber vielleicht finde ich doch bei ihr den Zwanziger, der uns mit Gottes Beistand zu unserem Glück verhelfen kann.Ich habe gesehen, wie schwer Dir. Du gute, edle Schwester, der Entschluß fiel, Dich von dem Geldstück zu ttennen. Du kannst mir's glauben, mir hat mein Herz nicht wenige.' geblutet als Dir. daß ich von Dir das große Opfer annehmen mußte. ... Ich eilte athemlos zu dem Collecteur zurück und als er mir den Riscoutozettel in die Hand drückte, fühlte ich mich einen Moment so glücklich, wie ich es schon lange Zeit nicht gewesen; aber schon auf dem Heimwege verflog nach und nach der Wonnerausch der Hoffnungsseligkeit — und bald glaubte ich sogar ein schweres Unrecht begangen zu haben. — Als ich zu Hause anlangte, war mein Mann über mein langes Ausbleiben, so nah am Sabbathanbruch, schon verwundert und fast besorgt und eben im Begriff in Schuld zu gehen. Ich mußte mich sputen, die Sabbathlichter anzuzünden; ich konnte jetzt kein Wort mit meinem Gatten sprechen^E eilte fort. Ich fand während seiner Abwesenheit nicht die nöthige Andacht, das Abendgebet zu verrichten. Ich nahm wir vor, etwas zu thun, was ich während unserer ganzen Ehe noch nie gethan, — ihm etwas zu verheimlichen, ihm vorläufig zu verschweigen, daß während seiner Abwesenheit ein kleiner Ausstand von einem Zwanziger eingegangen und ich diesen und leichtsinniger Weise noch einen zweiten, der nicht mir gehörte, in die Lotterie gesetzt, wie ich jetzt glaubte, thörichterweise verschwendet hatte; allein als mein Gatte so ruhig, so friedlich mit herzlich „Gut Schabbes"-Gruß in's Zimmer ttat, als wäre er ein sorgenfreier, glücklicher, nicht ein von schwerster Sorge bedrückter Mann, als er sich so gottesfreudig an dem mit einem weißen Tuche bedeckten Tische,' auf dem nichts als zwei kleine Brote lagen, niederließ, als wäre es eine reichbesetzte Tafel, da erschien es mir unmöglich, etwas vor ihm zu verbergen, ich mutzte mein bedrücktes Gemüth durch Mittheilung, durch ein Geständniß erleichtern; — ich erzählte ihm Alles; als ich geendet, fragte ich, tief athemholend, schüchtern: Bist Du mir böse? Habe ich unrecht gehandelt? Glaubst Du, daß wir gewinnen werden? Hältst Du's für möglich? Mein Gatte antwortete mit seiner unerschütterlichen, milden Ruhe. ,Jch will alle Deine Fragen der Reihe nach, in der Du sie gestellt, beantworten. Ich bin nicht böse auf Dich, denn Du thust gewiß nichts, was Du, während Du es eben thust, für unrecht hältst; Du hast auch unter dem Eindruck der Stimmung, in der Du Dich befandest, gar nicht anders zu handeln vermocht. Daß wir gewinnen werden, glaube ich, offen gestanden, nicht, allein für unmöglich halte ich es nicht — das liegt eben, sowie alles Andere, in des allmächtigen, allwaltenden Gottes Hand .... liajipole mehoschem dowor?*) . . . . *) 17 V2 Neukreuzer 35 Pfennige. 2) 70 Neukreuzer 1 Mark 40 Pfennige. a) In die Synagoge. 4) Erscheint Gott etwas wunderbarunmöglich)? Gen. Cap. 14, V. 18.