Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 38 Bgftgrrghftiftfgg Wochenschrift. Seite 891 sonders bei unserer weiblichen Jugend, in Folge des vielen Sitzens in der Schule, Blutarinuth, schlechte Haltung und Rückgradsverkrümmungen ein viel verbreitetes Uebel. Darum halten wir, zur Zeit des Schulbeginns die Mahnung dringend angezeigt, daß nebst der geistigen, auch auf die körperliche Ausbildung der Kinder die nöthige Sorgfalt ausgedehnt werde. Schwächliche Kinder, und solche, die zu Rückgradsverkrümmungen neigen, sollten gleich zu Schulbeginn auch einer entsprechenden orthopädischen Behandlung zugeführt werden. So manches Uebel, welches, rechtzeitig bemerkt, leicht behoben werden kann, wird bei Nichtbeachtung und Vernachlässigung ein Quell häßlichster Verunstaltungen und lebenslänglichen Siechthums. Darum ^niögen alle gewissenhaften Eltern, ehe sie ihre Kinder in die Schule aufnehmen lassen, dieselben auf ihren Gesundheitszustand untersuchen lassen. Zu diesem Zwecke können wir die renommirte orthopädische Anstalt des Herrn Dr. Roth am Rudolfsplatz Nr. 11 allen Eltern bestens empfehlen, da diese Anstalt sowohl bezüglich ihrer großartigen Einrichtung für orthopädisch-heilgymnastische Zwecke, wie ihrer Heilerfolge den besten Ruf genießt. Wien. Die Wahl Dr. Kronawetter's in der Inneren Stadt an Stelle Dr. Herbst's steht zweifellos in Aussicht, nachdem beide fortschrittlich gesinnten Parteien sich, ohne erst ein förmliches Compromiß abzuschließen, auf die Candidatur dieses populären Mannes geeinigt haben, der seine Urberzeugung fest und furchtlos vertritt. Das Abgeordnetenhaus wird durch den Eintritt dieses echten Votksvertreters eine charakteristische Jndividualität zurückgewinnen. Floridsdorf, 11. September. Man schreibt der „Neuen Freien Presse": Die politische Behörde hat auch an die Gemeinde Floridsdorf die dankenswerthe Anregung gerichtet, sich für den Fall des Eindringens der Cholera eine Sanitäts- Wehr zu constituiren. Dieser Anregung hat die Gemeindevertretung entsprochen, indem sie die hiezu berufenen Ortsvereine, darunter die beiden Turnvereine, zu einer Besprechung einlnd. Der Oesterreichische Turnverein erklärte sich bereit, seine Kräfte zur Verfügung zu stellen, der antisemitische Floridsdorfer Turnverein dagegen ließ durch seinen als Agitator bekannten Sprecher rund imd nett erklären, daß es ihm seine Grundsätze verbieten, mit Nicht-Antisemiten oder gar Juden zusammenzuwirken. Dieses Vorkommniß bietet ein scharfes Relief zu den Segnungen der antisemitischen Hetze. Welches Capital hätte die antisemitische Propaganda daraus geschlagen, wenn der freisinnige Oesterreichische Turnverein seine Mitwirkung etwa mit der Begründung versagt hätte, daß er mit Antisemiten nicht in Berührung kommen wolle? Es wäre nun in der Hand der Gemeindevertretung von Floridsdorf gelegen, die Sanitätswehr unter Nichtberücksichtigung der Antisemiten zu organisiren; der Effect wäre aber nicht nach dem Geschmacke desjenigen Theiles der Wählerschaft, dem gegenüber man Connivenz üben zu müssen glaubt, und was geschah? Die Bildung einer Sanitätswehr wurde gänzlich fallen gelassen. Unter dem Eindrücke dieser Ungeheuerlichkeit kann die Erinnerung daran kaum mehr ein allgemeines Interesse beanspruchen, daß dieselben antisemitischen Heißsporne seinerzeit keinen Anstand nahmen, das Vermögen des Floridsdorfer Turnvereins, welches zum nicht geringen Theile aus jüdischen Taschen stammt, für sich zu confisciren, die Juden aus dem Vereine zu drängen, sich der aus allgemeinen Mitteln erbauten Gemeindeschul-Turnhalle zu bemächtigen und dadurch den Anlaß zur Gründung des freisinnigen Österreichischen Turnvereines zu geben. Heute ist der antisemitische Turnverein im Besitze einer eigenen Turnhalle, zu deren Erbauung ihm die Gemeinde-Sparcasse Geld vorstreckte, zu welcher ihm die Gemeindevertretung eine Gasleitung baut und den Weg zur Turnhalle aus Gemeindemitteln beleuchten läßt. —■ Sapienti sat! Baden bei Wien. (Im Curparke insultirt.) Kurz vor Schluß eines vorwöchentlichen Abendkonzertes spielte sich hier in dem sehr belebten Curparke eine peinliche Scene ab. Ein seit vielen Jahren hier ständiger Curgast saß in der Hauptallee und hörte die Musik an, als er von einem Briefträger, welcher zweirecommandirte Briefe für ihn hatte, gerufen wurde, um die Recepisse zu unterschreiben. Kaum hatte pch der Curgast von seinem Sessel erhoben, als ihm von zwei gegenübersitzenden Cadettenschülern die Worte „russischer Trottel" zugerufen wurden, worauf ihm einer der jungen Leute auch einen Stoß in den Rücken versetzte. Mehrere andere Personen beschimpften den Mann ebenfalls mit antisemitischen Zurufen. Die Intervention des Parkwächters und des am Parkeiugange postirten Wachmannes machten dem Auftritte ein Ende. Der insultirte Curgast hat bei dem Militär-Stationscommando über den Vorfall, welcher unliebsames Auffehen erregte, die Anzeige erstattet, und es ist zu erwarten, daß dieses über die beiden Cadettenschüler eine strenge Bestr afung verhängen wird. Nimburg, 12. September 1892. Am 8. d. M. fand in Nimburg a. E. die feierliche Einweihung des neuen Tempels statt. Biele Christen hatten aus Anlaß der Feier ihre Häuser beflaggt. Die Festpredigt hielten die Rabbiner Dr. K. Kohn aus Königgrätz und I. Goldstein ans Nimburg. Unter den Anwesenden bemerkte man: Die Beamten der k. k. Bezirkshauptmannschaft Podebrad, die Beamten des k. k. Bezirksgerichtes und des k. k. Steueramtes in Nimburg, den gesammten Stadtrath mit dem Bürgermeister JU. Dr. B. Kronsky, der den Tempel eröffnet, die Landtagsabgeordneten JU. Dr. Josef Zalud und S. Hampel, Vertreter des 0r toiaid und Ceska Akad. Zida in Prag, Deputationen der Cultusgemeinde» Prägt Kolin, Jungbunzlau, Liffa, Golz Jenikau, Podebrad, Sadska, Kohl Janovic rc. rc. Ein Eliteball beschloß das herrliche Fest. Brünn. (Aufnahme in den Richterstand.) Das mährische Oberlandesgericht hat den Rechtspracticanten, Herrn Berthold Schwarz, zum k. k. Auscultanten ernannt. Seit länger als einem Decennium ist dies der erste Fall, daß ein Jude wieder in den Richterftand aufgenoinmen erscheint. Gott helfe weiter. Czernowitz, 9. September. Am 6. d. M. fand hier eine solenne Hochzeitsfeier statt, welche die Theilnahme der weitesten Kreise für sich hatte. Es fand nämlich an diesem Tage die Trauung des Herrn Moritz Kellner mit Frl. Susanne Schiffer, der Tochter des allgemein beliebten Secretärs der hiesigen israel. Cultusgemeinde Herrn Meschulem Schiffer, statt. Als Ausdruck der Sympathie, die ihm allenthalben entgegengebracht wird, muß die Thatsache angesehen werden, daß zu der im elterlichen Hause der Braut stattgefundenen Trauungsfeierlichkeit der Bürgermeister der Landeshauptstadt Czernowitz, Herr Anton Ritter v. Kochanowski, der Landeshauptmann-Stellvertreter und Führer der deutsch-liberalen Partei in der Bukowina, Herr Dr. Josef Rott, und die Herren Stadträthe Baron Fürth und Statthaltereirath v. Wazl, sowie der Präses-Stellvertreter der Cultusgemeinde Herr Hauptmann a. D. Baltinester mit dem gesammten Cultusvorstande und Cultusrathe, dann der Lehrkörper der israel. deutschen Volksschule, ferner eine überaus große Anzahl von Vertretern aller Stände und Bcrufsclaffen erschienen waren. Prag. (Syiragogenein weihung.) Am II. d. M. wurde die neue Synagoge in der Petersgaffe eröffnet. Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld hielt die Festrede in Anwesenheit der Synagogeu-Mitgliedcr, der Festgäste. Mitglieder der Prager Cultus - Repräsentanz der Vorsteher der hiesigen Synagogen, der humanitären Vereine und vielen Andersgläubigen. An 60 Jahren ist es her. daß einige in der von dem Bereiche der Synagogen weit entfernten Umgegend aus Poric ansässige Gesinnungsgenossen sich zusammenthaten, um in der Rahe ihr^Wohnungen einen regelmäßigen Frühgottesdienst an Sabbathen und Feiertagen einzurichten. Die Wohnung einer hochachtbaren hilfsbedürftigen Lehrerswitwe tvurde Anfangs als Betstube verwendet und als solche einige Jahre hindurch benützt, bis ungünstige Verhältnisse schließlich die Witwe zur Verlegung ihres Wohnsitzes bestimmten. Letzterer Umstand bot Anlaß dazu, die bisherige improvisirte Betstube in eine ausschließlich dem Gottesdienste geweihte Stätte umzugestalten, so gut dies eben bei den zu Gebote stehenden beschränkten Mitteln anging. Im Hvftracte eines ebenfalls in der Goldschmidtgasse gelegenen Hauses wurde di-: Synagoge eingerichtet und etwa 20 Jahre hindurch unter einer reger werdenden Betheiligung der Besucher erhalten. Anfangs beschränkte man sich auch in diesem neuen Locale auf Abhaltung des Gottesdienstes an Samstagen und den hohen Festen; das auf- ' pfernde Streben des heuer im besten Mannesalter 'verstorbenen Vorstehers Herrn Samuel Jrmenbach.S. A. bewerkstelligte jedoch, daß seitelwa 4 Jahren täglich Früh und Abends wie in den andern Synagogen Gottesdienst stattfindet. Auch für die .würdige Ausstattung des Gotteshauses und Gottesdienstes hat der Dahingeschiedene besondere Sorgfalt verwendet und in erster Linie seiner Opfenvilligkeit hat diese Synagoge ihr hübsches Inventar an Thorarollen und Paramenten zu verdanken. Auch der Gesammtvorstand dieser Synagoge verdient dankende Anerkennung. Sniatyn (Galizien). Wie überall' so wurden auch in unserem Orte gegen die drohende Choleragefahr Vorkehrungen auf höhere Anordnung getroffen, bei deren Durchführung sich insbesondere und in aufopferndster Weise die Herren Ehren-