Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 690 Vesterreichische Wochrnschrist Nr. 38 Lemberg. (R ab bin atsc an di dateninGalizien.) Das k. u. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat eine Verordnung erlasten, durch welche das für das Amt eines Rabbiners in Galizien erforderliche Maß allgemeiner Bildung festgescht wird. Darnach haben die Candidaten für das Amt «nes Rabbiners in de» Hauptgemeinden: Brody, Brzezany, Drobobycz,Jaroslau, Jaslo, Kolomea, Krakau, Lemberg, NeuSandec, Podgorze, Przemysl, Rzeszow, Sambor, Sanok, Stanislau, Stryi, Tarnopol. Tarnow, Zloczow und Zolkiew in Bezug auf chre allgemeine Bildung nachzuweisen, das ste zum mindestens das Oberghmnasium vollständig mit gutem Erfolge absolvirt haben. Dw Candidaten für das Amt eines Rabbiners in allen hier nicht namhaft gemachten Cultusgemeinden Galiziens haben behufs Nachweisung ihrer allgemeinen Bildung zum mindesten ein vorschriftsmäßig ausgestelltes Entlaffungs-Zeugniß über die vollständig mit entsprechendem Erfolge zurückgelegte vierclassige Volksschule beizubringen. Der Statthalter für Galizien ist jedoch bis auf Weiteres ermächtigt den Rabbinats-Candidaten in Galizien behufs ihrer Anstellung als Rabbiner daselbst in rückfichtswürdigen Fällen die vorgeschriebene Nachweisung über die erlangte allgemeine Bildung im Namen des Cultusministers zu erlaffen. Lemberg, 4. September. Die anläßlich der getroffenen Maßnahmen der städtischen Sanitäts-Commission bei den vorgenommenen eingehenden Revisionen an den Häusern des hierstädtischen sogen, jüdischen Viertels: die erfolgten Delogirungen einer Anzahl von armen Parieren, riefen von Neuem eine bittere Noth unter der armen jüdischen Bevölkerung hervor, die wennglttch sie mit allerhand Entbehrungen zu kämpfen leider genügend geschult ist, bis nuu zum wenigsten nicht der Obdachlosigkeit und dem Campiren unter freiem Himmel ausgesetzt war. , Dieses Elend neuesten Datums, Angesichts des drohenden unheimlicben Gastes gab so manchem unserer von Nächstenliebe beseelten Männer genügenden Anlaß zum ernsten Nachdenken, welche Vorkehrungen denn zu treffen seien, der drohenden Gefahr bei Zeiten einen Hemmschuh zu setzen. Herr Dr. Hoher berief darum die jüdische Gemeinde zu einer Versammlung in die -alte Synagoge. Er wies in warmen Worten auf die Nothwendigkeit der Adaptirung der hiesigen jüdischen Volksküche in eine öffentliche Suppen- und Theeanstalt hin und forderte die Anwesenden und die ganze Gemeinde unter Schilderung über die geradezu ernste Lage der nothleidenden jüdischen Bevölkerung zur raschesten Bildung eines aus tüchtigen Männern zu schaffenden Actionscomites, das für die Aufbringung der nöthigen Geldmittel, der Herbeischaffung billiger Wohnungen, gesunder Lebensmittel Sorge zu tragen haben wird. Die Worte verfehlten ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht und werden ohne Zweifel die Grundlage für das zu bildende Hilfscomite bilden. Der anwesende thatkräfttge Director Lazams versprach auch die Angelegenheit mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Herr Director Lazarus und Herr Dr. Holzer haben sich dadurch ein neues Anrecht auf die Dankbackit unserer Glaubensgenossen erworben. Czernowitz. (Ein jüdischer Antisemit.) „Die Bukowinaer Rundschau" in Czernowitz erzählt: Ein Curiosum, das man, ohne zu übertreiben, unter die Weltwunder setzen könnte, ist ein „Mediciner", der, einer der jüdischesten hiesigen Familien enffproffen, jetzt Judenhaß betreibt. Dabei kann er sich über ein ettoa''zu prononcirt arisches Aeußere durchaus nicht beklagen. Nachdem der Edle in Wien einige Zeit seinen Studien oblag, kehrte er in seine Heimatstadt Czernowitz zurück, um hier unter gleichgesinnten Genoffen als „Bollblutgermane" über seine ehemaligen Glaubensgenoffen die ganze Schale seines bitteren Geifers auszuschütten. Da man aber hier für ihn höchstens ein mitleidiges Lächeln bereit hatte, suchte er den Curort Lpfiuszna auf, um den heimatlichen Bergen sein Germanenthuni zu verkünden. Daselbst machte er die Bekanntschaft einer Notarsfamilie, und diese würdigte er seines Umganges, da er sie für Arier hielt. Als aber der Wackere erfuhr, daß er es mit Juden zu thun babe, ließ er seine neue Bekanntschaft seine ganze Verachtung spüren. Seinen antisemitischen Vorbildern gemäß zeichnete er sich nun durch ein Benehmen aus, wie es gewiß in keinem Knigge enthalten ist, und die Folge war ein Säbelduell zwischen ihm und dem Notar. Die „Bukowinaer Rundschau" meint, daß einem solchen Burschen gegenüber eine andere, wenn auch weniger ritterliche Saüsfactton am Platze gewesen wäre. Rom. Mr. Jeffe Seligmann aus New-Iork hatte während seines letzten Aufenthaltes in Rom eine Unterredung mit Cardinal Rampolla, Secretär des Papstes, und erbat htebei die Intervention des Baticans zu Gunsten der in vielen Theilen der Welt verfolgten Juden. Seine Eminenz bemerkte hierauf, daß der Vatican zu allen Zeiten die Juden beschützt habe, so daß sie in Rom in Sicherheit lebten, während sie überall verfolgt wurden. London. Der internationale Orientalistencongreß wurde Montag in den Räumen der Londoner Universität von dem Präsidenten Prof. Max Müller feierlich eröffnet. Unter den anwesenden Theilnehmern des Congresses befanden sich: Professor David H. Müller aus Wien, Dr. D. Goldzieher aus Budapest, Dr. Winternitz aus Oxford, Prof. Darmesteter aus, Paris, Prof. Geiger aus München, Prof. Ascoli aus Mailand, Rev. Dr. Gaster, Dr. Friedländer und Dr. Hirschfeld von Ramsgate. Bern. Die „Tribuna" bringt einen Bericht aus der Feder der Comteffe Larn über die Statue des Christoph Columbus, welche der bekannte Bildhauer Moses Jakob Ezekiel für Chicago ausgeführt hat. Die Statue ist gegen zehn Fuß hoch und stellt den Entdecker Amerika's in dem Momente dar, wo derselbe beim Morgengrauen die Küste der Neuen Welt erblickt. Eine große Zahl von hervorragenden Künstlern, Cardinäle und Damen der Gesellschaft besuchten das Atelier des Künstlers und beglückwünschten ihn zu der Vollendung seines Meisterwerkes. VmniMes. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 11. September 1892 wurden getraut: Herr Dr. Arthur Eichwald mit Frl. Fanni Kohn (Simonson); Hetr Gustav Kohn mit Frl. Jda Laura Abelcs; Herr Max Löwy mit Frl. Eleonore Stein; Herr Isidor Weiß mit Frl. Mathilde Gerst l. Wicn. (Personalnachrichten.) Herr G. Bettelheim, Vorsteher dcs Bethausvereines im 9. Bezirk, begeht Sonntag, den 18. September l. I. die Hochzeitsfeier seiner Tochter Frl. Melanie mit Herrn Armin Lövy aus Neupest. Die Trauung findet im israel. Tempel IX., Grüncthorgasse (Zufahrt Müllnergasse), statt. Wien. Frl. Flora Hofsmann, Tochter des Cultusvorstehers Herrn Emanncl Hofsmann in Währing, hat sich mit Herrn Med. Äd. Michael Alt in Wien verlobt. Wien. Dev Chef der Weingroßhandlungsfirma Emanuel P o l l a k & Söhne, Herr Hoflieferant Emanuel Poll a k, hat der Statthalterei fünfzig Eimer Rothwein für die hiesigen Cholera-Stationen zur Verfügung gestellt, für welche Spende der Statthalter Herrn Poll.ak den Dank ausdrücken ließ. Wien. Der Religionsprofessor Herr Phil. Dr. H. Po llak wird an den kommenden hohen Feiertagen im Tempel des IX. Bezirkes predigen. Wien. (Von der Bäcker-Genossenschaft.) Anläßlich einer sanitätspolizeilichen Revision wurden bei einem Wiener Bäckermeister derartige sanitäre Uebelstände angetroffen, daß sich die Behörde veranlaßt sah, dieses beanständete Gewölbe sofort zu schließen. Die von dieser Geschäftssperre verständigte Wiener Bäcker-Genossenschaft hat aus diesem Anlaffe ein Circular an sämmtliche Genossenschaftsmitglieder versandt, worin dieselben aufgefordert werden, anläßlich der Choleragefahr in ihren Geschäftslocalen und Backstuben ungesäumt die größte Reinlichkeit herzustellen und die Aufrechthaltung derselben strenge zu überwachen. Derartige Fälle sind leider nicht vereinzelt und kommen häufig vor. Was würden die Antisemiten für Lärm schlagen, wenn jüdische Gewerbetreibende so sträflich gegen Leben und Gesundheit der Bevölkerung verfahren würden. Wien. (Zum Schulbeginn.) Wieder öffnen sich die gastfreundlichen Thore der Schulen, um unsere lernbegierige Jugend aufzunehmen. Nun beginnt auch der edle Wettbewerb der Eltern, ihre Sprößlinge in die besten Schulen unterzubringen, und für dieselben die besten Lehrkräfte zu acquiriren. Glücklich sind jene Eltern zu Preisen, denen es gegönnt ist, ihren Kindern eine gute Erziehung angedeihen zu lassen und ihnen auf den Lebensweg einen großen Vorrath von Bildung und Wissen mit zugeben. Daß die Kinder diese geistigen Schätze in sich aufnehmen können, ist es unerläßlich, daß sie über einen gesunden Organismus verfügen. Allzu häufig ist in unseren Tagen die Klage, daß die Ausbildung des Geistes zu oft auf Kosten des Körpers geschieht; daß schwächliche Kinder unter der Last des Studiums körperlich siech werden. Ja, wie allbekannt sind be-