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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-16 · 38 (16.9.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Oestrrrirhifrhr Wochrnfrhrifl. Seite 685 in einer mit der Büste des Helden geschmückten Säule aufbewahrt werden. Es sei gestattet, hier die Schlußverse des epischen Gedichtes von Frankl, als zeitgemäß und sinnreich für die jetzige Säcularfeier zu reproducircn: Was aber soll der Tote mit dem Ruhme. " Und die Bewunderung der Nachwelt tobtet Die Qualen nicht des kampfersüllten Lebens. Es will, so lange sich die Wange röthet Und freudig blüht des Daseins frische Blume, Es will der Mensch den Lohn auch seines SUebens. Und daß er nicht vergebens Gedacht, gekämpft aus seiner Lebensstraße, Will einen Strahl der Mitwelt er auch immer, Der wie durch Wolken oft ein flüchtiger Schimmer Den Sonnenball ihn leuchtend ahnen lasse. Doch jedem Kämpfer soll die Feier sagen, Es geh' im Dasein keine That verloren, Wenn starke Geister sie ins Leben rufen, Wenn sie die Selbstsucht eitel nicht geboren. Wie Götterbilder, die im Schutte lagen Durch ein Jahrtausend in Pompej's Tiefen, Wo sie vergessen schliefen: Wird großer Thaten Riesengeist entstehen Und wird verwandter Geister sich bemeistern, In Flammen setzen und mit Glut begeistern, Ein Sturmwind Gottes durch die Nachwelt wehen Und klingend zieh'u, ein schöpferisches — Werde. Colombo's Denkmal ist und bleibt die — Erde! Es sei bei diesem Anlasse bemerkt, daß der Name „Columbus" nach der Sitte der mittelalterlichen Zeit, latiuisirt ist und daß er selbst sich stets „Cristoforo Colombo" uannte und unterschrieb. _ J. W. Die Juden und die Cholera in Rußland. Petersburg, 28. August. Eine nicht unbedeutende Eigenthümlichkeit der Judey ist in der gegenwärtigen Zeit in sehr frappanter Weise zu Tage getreten, es ist dies die größere Immunität der Juden gegen die Cholera. Während in den Städten, wo die Epidemie wüthet, Hunderte täglich an der Cholera erkranken, ist es an vielen Orten vorgekommen, daß von der stellenweise ziemlich dicht wohnenden jüdischen Bevölkerung kein einziger erkrankt war. In Nischni-N.owgorod, wo mehr als zehntausend Inden sich befinden, hat die Cholera einige Wochen grassirt, ohne daß ein einziger Jude ihr erlegen ist, außer dem bekannten jüdischen Arzt Jdelsohn, welcher sich selbst bei der Hilfsleistung Anderer aufopferte und starb. In zahlreichen anderen Städten hat die Epidemie bis zum Augenblick keinen einzigen Fall der Erkrankung von Juden aufzuweisen. In Rostow am Don, wo gegen 15.000 Juden wohnen, ist die Zahl der jüdischen Patienten zu der der christlichen eine minimale, ebenso in vielen anderen Städten. Ganz besonders auffallend ist der Umstand, daß die Städte, in welchen die Juden in großer Zahl ansässig sind, von der Epidemie verschont geblieben sind, so z. B. Odessa, Berditschew und die Stätte des südwestlichen Rußlands, welche alle große Handelscentren bilden. In den wenigen jüdischen Städten, wo die Cholera aufgetreten ist, wie Poltawa, Jekaterinoslaw rc., ist sie notorisch sehr schwach und bereits im Erlöschen begriffen. Es findet dies seine Erklärung in der ganzen Lebensweise des russischen Juden, welche von derjenigen der Christen wesentlich abweicht. Unsere Speisegeietze und die rationelle Schachtmethode üben ihre guten Wirkungen. Ausschweifungen kennt der russische Jude nicht, und wegen seiner höheren Intelligenz wendet er auch die Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Seuche an. Die russische antisemitische Presse hat vergebens beim Ausbruch der Cholera einen Feldzug gegen die Juden unternommen, indem sie gerade die jüdischen Städte für einen künftigen Herd der Epidemie erklärte und in ihnen eine große Gefahr für das ganze Vaterland erblickte. Zu gleicher Zeit zeigen die Juden eine Rührigkeit im Kampfe mit der Cholera, wie sie bei der christlichen Bevölkerung kaum zu verzeichnen ist. Die jüdischen Gemeinden im Süden des Landes haben überall Theehallen für die unbemittelte Bevölkerung eröffnet und Summen, gesammelt, um beim Ausbruch der Cholera die Mittel zu ihrer Bekämpfung an der Hand zu haben. Ihrem Beispiel folgte auch die sonst so apathische russische Bevölkerung. Eine besondere Anerkennung verdienen die Juden, welche sich freiwillig in den Sanitätsdienst stellen, zahlreiche jüdische Aerzte, namentlich aber Studenten, begeben sich von ihren Geburtsorten nach dem Wolgagebiet, sowie nach dem Kaukausus und laffen sich in die Krankenhäuser und Spitäler als Gehilfen aufnehmen. Unwillkürlich drängt sich dabei die Frage auf, ob auch die Söhne des Fürsten Meschtscherski, des Grafen Jgnatjew, des Pobedonoszew und der übrigen Judenfresser Rußlands, eine solche Aufopferungsfähigkeit ihrem Volke gegenüber beweisen, wie der geächtete, verfolgte und gejagte russische Jude. Eine Zeit schien es, als ob man mit den Verfolgungen innehalten würde und das hatte eigene Ursachen. Die Finanznoth Rußlands hat eine Höhe erreicht, vor welcher man sich auch in Gatschina entsetzt und zur Bekämpfung dieser Noth ist jedes Mittel gut oder schlecht genug, nachdem es Herrn von Wyschnegradsky, trotz aller krampfhaften Anstrengungen nicht gelungen ist, in Berlin, London oder Paris eine neue Anleihe aufzutteiben. Wohin auch Herr von Wyschnegradsky blickte, er fand zugeknöpfte Taschen. Da mußte nun ein anderer, ein neuer Weg eingeschlagen werden. Wyschnegradsky wurde krank und Herr v. Witte sein Nachfolger. Die antisemitischen Blätter in .Rußland begannen bei den russischen Juden plötzlich gute Eigenschaften zu entdecken und sprachen sich gegen die Auswanderung aus. In Paris lehnte der russische Botschafter die Sammlung des antisemitischen Hetzblatt s ab und aus St. Petersburg wurde die Nachricht in die Welt gesendet, daß der neue Finanzminister mit Genehmigung des Czaren eine Jüdin geheirathet habe. Kann man noch mehr Proben judenfreundlicher Gesinnung geben? Wenn das Haus Rothschild jetzt noch immer nicht der russischen Regierung das Geld auf dem Präsentirteller entgegenttägt, dann — ja dann ist auch Herr v. Witte mit seiner Finanzkunst am Ende. Da haben wir das Geheimniß der scheinbaren Wandlung im Gatschina mit nackten Worten bloßgelegt. Der Czar ist groß und mächtig, aber den europäischen Finanzmächten kann er doch nicht commandiren. Der Czar kann die Juden austreiben und das Haus Rothschild kann seine Caffen zusperren, — das sind zwei Dinge, die scheinbar gar nichts mit einander zu thun haben. Jetzt aber erkennt man den tieferen Zusammenhang. Der Antisemitismus der russischen Regierung hört genau an demselben Punkte auf, wo er bei dem Wiener Lumpengesindel aufhört — bei der Geldfrage. Nachdem das Geld der Juden auf andere Weise nicht zu haben ist, spielt man vorläufig wieder den Anti-Antisemiten. Im Schlosse zu Gatschina wohnen stolze Empfindungen und es mag dort schwer fallen, eine Comödie aufzuführen. Aber die Noth drängt und wenn Herr v. Witte es über sich gewann, eine Jüdin zu heirathen, darf der Czar wohl die Sammelgelder des „Libre Parole“ zurückweisen. Der Zweck heiligt die Mittel! Sobald aber das Mittel als unwirksam sich erweist und Rothschild seine Taschen nicht öffnet, wird die Maske abgelegt und die alten Verfolgungen werden von Neuem beginnen. Der Idealismus des Judenhasses ist überall derselbe. Erinnerung an Majer Kohn Bistritz bürgerlich genannt: Moritz Kohn, gest. am 7. September 1892 im 73. Lebensjahre. Der Name Cohen, mit dem die Nachkommen des ersten israelitischen Priesters Aharon bezeichnet werden, ist ein sehr verbreiteter. Im Verhältnis zur übrigen Zahl der Juden bietet er geradezu ein ethnologisches Räthsel. Dem war schon so im Älterthum. Der Talmud spricht von einer Stadt, die nur von Cohanim bewohnt ist; mag sein, daß viele, um in eine höhere Rangclaffe zu gelangen, den Namen usurpirt haben. Nach den physischen Eigmthümlichkeiten und Characterzügen, die der Talmud von den Aharoniden angibt, läßt sich vielleicht bei Personen dieses Stammes auf die genetische Berechtigung desselben schließen. Der selige Herr Moritz Kohn, dem wir diese Zeilen widmen, war seinem Wesen nach ein echter Aharonide. Bon

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