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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-16 · 38 (16.9.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©dlc SS« Vesterttichkschr Vochenschrlst. Nr. Ss Antisemitismus kann als vaterlandslos gebrandmarkt werden. Dadurch, daß man Weizen kaust oder verkauft, wird man ja noch nicht international. Allein Vergani brummt gedankenarm vor sich hin, ebenso wie das liebe Vieh. Und worin besteht denn das Verbrechen, welches den Herrn Vergani in moralische Entrüstung versetzt? Das Verbrechen besteht darin, daß die internationalen, sagen wir gleich, die jüdischen Getreidespeculanten, wie Vergani meint, die Getreidepreise künstlich herabgesetzt haben. Deswegen, weil man dem Volke das Brod wohlfeiler macht, „internationales Banditenthum". Man zählt aber zu den Volkssteunden, wenn man das Hinaufschrauben der Brodpreise wünscht. Das wird dem Sonntagspublikum des „Deutschen Volksblattes" aufgetischt und dieses Publikum erträgt es. Arme Antisemiten! Die Ungeheuerlichkeiten des Artikels sind damit nicht erschöpft. Mechaniker Schneider interpellirte im Landtage wegm des Saatenmarktes, den man der Cholera wegeir hätte verbieten sollen. Der Saatenmarkt ist vorüber; die Cholera ist nicht nach Wien gekommen. Die Interpellation des Mechanikers Schneider ist sinnlos und gegenstandslos, von welcher Seite man sie auch betrachtet. Allein Vergani findet sich doch zu dem Wunsche angeregt, daß man den internationalen Saatenmarkt in Wien überhaupt abschaffen solle. Und warum soll das geschehen. Well der Saatenmarkt die Getreidepreise feststellt und diese nicker geblieben sind. Der Saatenmarkt bringt fünf Tausend Fremde nach Wien, hat somit für die meisten Berufsclaffen unserer Stadt einen unbedingten Nutzen. Wenn der Saatenmarkt in Wien nicht stattfindet, so wird er eben anderswo abgehalten, zum Beispiel in Budapest. Und wenn es überhaupt keinen Saatenmarkt geben würde, so hätten doch die Getreidespeculationen damit kein Ende gefunden. Was also Vergani wünscht, wäre nur ein großer Nachtheil für Wien, ohne dH anderweitig irgendwelcher Vortheil erwachsen könnte. Allein Vergani wünscht theures Brod für das Volk mrd wünscht, daß die Stadt Wien des Verkehrs beraubt werde. Das Alles ertragt das Sonntagspublicum des „Deutschen Volksblattes". Der internationale Saatenmarkt, der officielle Berichte aus allen Ländern über die vorhandenen Getreidemengen schafft und publicirt, ist bekanntlich ein Mittel gegen die Auswüchse und Allsschreitungen der Speculation; semitische und arische Getreidekaufleute waren seit je wenig begeistert vom Saatenmarkt, welcher die wirkliche Lage des Weltmarktes jedem Landwirth offenbart. Aber die österreichische Regierung hat diese Institution jederzeit gefördert — im Interesse der Volkswirthschast. Da aber das Brod billiger zu werden droht, speit Vergani Gift und Galle! Was Vergani über Getreidehandel, Getteid »speculation, Kornbrödchen u. s. w. sagt, ist Lüge und Unsinn. Das kann er seinem Publicum weiß machen; es ist nicht zu verlangen, daß alle Leute diese Dinge verstehen. Es gibt keine Scheinkäufe und diejenigen, die darauf ertappt werden, könnten den unangenehmsten Folgen sich nicht entziehen. Es gibt keine künstlichen Preisregulirungen und der Versuch solcher künstlicher Preisregulirungen wurde in der Regel von den Mitgliedern der jeweiligen Ringe mit schweren Millionen gebüßt. Wir sehen Herrn Vergani, wie er einem Gespenste gleich an den Thoren der Getreidebörsen herumirrt und alle Vorübergehenden mit der Frage behelligt: warum ist der Weizen im Laufe eines halben Jahres von 11 Gulden 70 Kreuzer auf 7 Gulden 85 Kreuzer gefallen? Gerade diese Frage quält sein edles Gemüth, beschäftigt sein ganzes Denken. Die Antwort sucht er, wie man den Stein der Weisen sucht. Er ist Faust und Hamlet wenn es sich um Weizen, Roggen, Mais, Raps und Hafer handelt. Eine erhabene Seele, ein großer Denker, oder wenn man beim ehrlichen Deutsch bleiben will, ein Repräsentant der brutalsten Ignoranz, der den Stolz seiner Meinung aus dem Umstande empfängt, daß er mit allen Culturelemrnten auf feindlichem Fuße steht. Vergani ignorirt vollständig die ruffische Hungersnoth und die russische Getreidesperre des letzten Jahres, blos um das internationale Banditenthum anklagen zu können, daß das Brod künstlich wohlfeiler gemacht wurde. Herr Vergani versucht es, seiner Schamlosigkeit em Cchnupftüchlein umzuhängen, indem er behauptet, daß die Speculation das Getteide späterhin wieder künstlich vertheuern werde. — Erst werden die Produccnten und daun die Consumenten benachtheiligt. Wir gestatten uns die bescheidene Bemerkung, daß die Consumtion nicht erst mit Ostern ihren Anfang nimmt und was die Producenten betrifft, so erinnern wir daran, daß sie zuweilen eine günstige Conjunctur vergessen, weil sie noch höhere Preise anstreben. Wäre Herr Vergani überzeugt, daß die Getreidepreise wirklich steigen werden, so würden wir ihn bald genug mitten im internationalen Banditenthum, mitten unter den Getreidespeculanten sehen. Und wenn er auf seine Rechnung gekommen wäre, würde er vielleicht seine empfängliche Hand vom Antisemitismus abziehen. Wir hoffen aber nicht, daß dem Antisemi ismus solches Glück zufallen. In Wahrheit erwartet Vergani die Erhöhung der Getrcidepreise nur von einer Coalition, das heißt von einem Ring der Bodenpro ducenten. Dieser Ring ist der dritte Wunsch des Herrn Vergani. Es ist nun gewiß, daß ein solcher Ring nur Erfolg haben könnte bei exorbitanten Getreidezöllen und das Resultat wäre wohlfeiles Getteide für die Ausfuhr, theures Brod für die Einheimischen und man hätte dann beiden Brodpreisen noch schlechtere Verhältnisse als jetzt bei den Fleischpreisen. Das also sind die drei Herzenswünsche Vergani's: theures Brod fürs Volk, permanenter Krieg zwischen Produccnten und Consumenten, Abhaltung der Fremden von Wien. Die Antisemiten sind rben allem Bestehenden feindlich; das Wohl des Volkes ist ihnen so gleichgiltig, wie das Wohl der Stadt. Der Saarenmarkt ist zu einer werchvollen Institution für Wien und Oesterreich geworden. Fünftausend. Fremde kommen nach Wien, Getreidehändler, Müller und alle Interessenten dieses Handelszweiges. Diese Gäste der Stadt werden nachträglich in unerhörter Weise beschimpft, blos aus dem Grunde, weil Herrn Vergani die Getreidepreise nicht hoch genug sind. Das ist ein namenloses Vorgehen, ein zügelloser Mißbrauch des Rechts der freien Meinungsäußerung. Auf diese Art wird Wien compromittirt, wird bei uns Alles gewissenlos zu Grunde gerichtet. Vergani hat seinen Titel mit richtigem Jnstincte gewählt; der Antisemitismus in Oesterreich schadet mehr als das Banditenwesen in Italien. Die Entdeckung Amerikas und die Inden. Unter dieser Aufschrift ist in Ihrer vielgelesenen „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 33 nach dem in London erscheinenden „Jewish Chronicle" eine längere Notiz enthalten, welche auf den Antheil hinweist, welchen die Juden auf die Entdeckung Amerikas haben. Es heißt in derselben, daß der Gelehrte Doctor M. Kayserling eine Schrift darüber vorbereitet. So dürfte in derselben auch die nachfolgende literarische Reminiscenz einen bescheidenen Raum einnehmen, daß es ein Jude war, welcher d er erste in deutscher Sprache in einem Epos die Heldenfahrt des Columbus besungen hat, dem viel später erst Friedrich Rückert eine dramatische Behandlung widmete, in der, wenn ich nicht irre, auch ein Jude auftritt. Die bezeichnete Epopoe in sieben Gesängen und ottave rime ist, von unserem Dichter Ludwig August Frankl verfaßt, im Jahre 1836 in Stuttgart erschienen. Sie war dem tragischen Könige Carola Alberto, speciell als Herzog von Genua, gewidmet. Er erwiderte die Widmung durch ein kostbares Andenken, das die Initialen des königlichen Namens ,,C. A.", darüber die savoyische Krone in Diamanten zeigt. Die Stadt Genua, als die Geburtsstätte des Helden, übersendete dem Dichter ein Ehrendiplom, begleitet von einem Exemplar des „Coäiee Colombo“ den die Stadt nur in 100 Exemplaren drucken ließ und zu Geschenken an ausgezeichnete Personen verwendet. Der Index enthält alle auf Columbus bezüglichen Documente und historischen Nachrichten, die sich im Besitze der Vaterstad Columbus' befinden und im Rathhaussaale

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