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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-09-16 · 38 (16.9.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Orstrrrrirtzischr WortzrnfchrM. Seite 683 Fünfte Lüge: „Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß die christlichen Fleischermeister in überwiegender Mehrzahl dem rituellen Schächten unüberwindliche Abneigung entgegenbringen." Das „Grazer Tagblatt" bemüht sich, die beiden christlichen Fleischermeister in Graz zu verdächtigen, welche die Berechtigung, das Fleisch an die orthodoxen Juden zu verkaufen, von der Grazer jüdischen Gemeinde gepachtet haben. Es ist möglich, daß christliche wie auch jüdische Fleischermeister aus geschäftlichen Gründen eine Abneigung gegen das Schächten und gegen die damit verbundene sanitäre Untersuchung (durch den Schächter) empfinden. Das „Grazer Tagblatt" aber will den Eindruck erwecken, als seien die Grazer Fleischhauer sentimental geworden und Mitleid für die Thiere sei in ihr Herz gedrungen. Das Hinüberführen eines gesunden kräftigen Thiers vom Leben zum Tode wird immer ein Schauspiel bleiben, das auf ein empfindendes Gemüth einen tiefen Eindruck zurückläßt. Der Fleischhauer ist aber von Jugend auf gegen diese Empfindungen abgestumpft und wer jemals dem Schlagen eines Ochsen nach der gewöhnlichen Methode anwohnte, wer es sah und hörte, wie oft die Fleischhauerhacke auf den Kopf des Ochsen niedersauste, bis das Thier betäubt zusammenstürzt, der hat genug für einige Tage. Nur durch die Gesetze wurde eine schonungsvollere Behandlung der Thiere erzwungen und da tischt uns das Grazer Blättchen, über dessen Unwissenheit ein Fleischerlehrjunge lachen würde, die Fabel auf, von der Empfindsamkeit der Fleischernreister. Das trefflichste Wort in der Sache hat unbedingt Professor Dr. Röll, k. k. Regierungsrath und Director des Thierarznei-Jnstitutes in Wien, im Jahre 1867 gesprochen: „Schwer begreiflich aber ist es, wie jemand, in der Absicht den Thieren Schutz zu gewähren, eine große Anzahl von Personen, welche durch ihre religiösen Vorschriften auf den Genuß des Fleisches rituell geschlachteten Viehes angewiesen sind, in die größte moralische Aufregung und Besorgniß versetzen mag. Es ist wohl auch kaum möglich, daß eine Regierung zu einem Anträge ihre Zustimmung geben wird, welcher der religiösen Ueberzeugung einer bedeutenden Zahl der Staatsangehörigen geradezu entgegentreten würde." In Oesterreich werden diese Anschauungen immer die herrschenden bleiben; davon darf man in Graz fest überzeugt sein. Das aber, was in Sachsen und in der Schweiz versucht wird, ist ein willkürlicher Eingriff in die religiöse Ueberzeugung, steht im diametralen Gegensätze zu jeder wahren Humanität und gereicht den genannten Staaten keineswegs zum Ruhme. Stachelxaundraht. 9 Hält man so, was man verspricht? Hartberg harrt in Aengsten — Wenn du auch warst ehrlich nicht, Währst du doch am längsten.? Frech thust du, groß, Nimnlst alles krumm, Und schlägst dich blos — Herum! _? Haare hat er auf den Zähnen, Uebertollkühn ist sein Wagen, Und er schlägt sich blos mit denen, Die mit ihm sich niemals schlagen. 9 Will sich wo ein Blutproceß In Europa vorbereiten, So verursacht's ihm indeß Allerlei Beschwörlichkeiten. 9 Deutsch muß man reden. Schuft, mit dir Franzen nicht, noch wälschen! — Will dir dieses Stammbuchblatt In dein Album fälschen. Nur mit feinstem Publicum Geht der Mann ausschließlich um, Dieser Bravste aller Braven: Mit Fürsten und Litho — Grafen.? Hört, wie er prahlt sich: „Wenn Schnorrgeld erhalt' ich, Nimmer erkält' ich, Lügen gestalt' ich, Haare zerspalt' ich- Zaubergewaltig!!"? Büsten, Stöcke, Pfeifenköpfe! Ob sie all' ihm ähnlich wohl find? Eines steht nur — daß sie hohl sind. 9 Ach' er mußt 'das Parlament Wider Willen schwänzen. Seine Wuth darüber kennt — Keine Grenzen!? Im Landtag und Gemeinderath Ist er nimmer faul; Führt er nicht das große Wort, Führt er's große Maul. 9 Die Rettungsgesellschaft Ist ihm ein Grauen; Und gründlichst haßt er Erwerb der Frauen; Den hungernden Kindern Wehrt er die Speisen — O wienerisch Goldherz. Wie bist du zu preisen! Dr. Minus. Die Wünsche des Herrn Vrrgani. Es fehlte nicht viel und das „Deutsche Volksblatt" wäre am letzten Svnntag mit Trauerrand erschienen. Vergani ist tief betrübt: sein zartes Gemüth ist bewegt und erschüttert; denn er hat ein Herz für's Volk und er kämpft nur gegen Ausbeutung und Capitalismus. Am letzten Sonntage aber gab er einen vollkrästigen Beweis seiner edlen Gesinnung. Der Inhalt seiner Klage war: „Das Brod ist zu wohlseil; das Getreide ist nicht theuer genu7g. Das Getreide steht zu nieder im Preise." In solcher nackter Unverschämtheit hat wohl noch niemals eine Zeitung, selbst wenn sie von einer interessirten Seite direct bestochen und besoldet war, einen solchen Satz auszusprechen gewagt. Man glaube nicht, daß man erst die übliche Verhüllung entfernen muß, um in die armselige Gedankenwelt Vergani's hinein zu schauen. Nein es ist in aller Klarheit und Deutlichkeit ausgesprochen : „Das Brod ist zu wohlfeil; um 30 Percent zu wohlfeil." Vergani's Menschenfreundlichkeit hat immer diese bei einem Wucherer ausgeborgte percentuale Ausdrucksweise. Der erwähnte Sonntagsartikel aber trägt die merkwürdige Ueberschrift: „Internationales Banditenthum". Wer sind nun nach der Behauptung Vergani's die „internationalen Banditen?" Das sind die internationalen Getreidespeculanten, die Besucher des Saatenmarktes. Unter diesen Herren befinden sich jedenfalls viele gute Patrioten und gerade der Vergani'sche

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