Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 676 Orsterretchifchr Wochenschrift Nr. 37 ßandesschulrathes für feine langjährige, stets gewissenhafte und ersprießliche Wirksamkeit an dem dortigen Gymnasium die volle Anerkennung schriftlich auszusprechen. In Verhinderung: Kutschers". Von der genannten Direction wurde dieser Erlaß mit den folgenden Worten begleitet: „Ich kann aus diesem höchst befriedigendem Anlasse nur wiederholt dem lebhaftesten Bedauern unumwunden Ausdruck geben, Euer Wohlgeboren aus dem Verbände unseres Lehrkörpers scheiden sehen zu müssen, danke Ihnen nochmals herzlich für Ihre stets so hingebungsvolle und musterhafte Lehrthätigkeit und bin nicht im Stande, beredter auch meiner persönlichen warmen Anerkennung Ihrer in jeder Hinsicht ausgezeichneten Haltung au unserer Lehranstalt Worte zu leihen." Wien. (Ein Arbeitsjubilar.) Ein Geschäftsdiener in Wien hat in diesen Tagen das Jubiläum seiner fünfzigjährigen Dienstzeit begangen. Ein halbes Jahrhundert treuer Pflichterfüllung ist werth, verzeichnet zu werden auch dann, wenn der Jubilar nur eine bescheidene Stellung einnimmt. Se. Majestät der Kaiser hat den alten Arbeiter durch Verleihung des silbernen Verdienstkreuzes ausgezeichnet. Es sei dem lvackeren Jubilar, Leopold Notes heißt derselbe, vergönnt, sich dieser Decoration noch lange zu erfreuen. Die Firma, in deren Diensten der alte Mann sich durch fünfzig Jahre in Ehren behauptet hat, ist die bestrennommirte Firma Kopel Benedikt's Söhne, Enkel des weiland hochgeehrten Landrabbiners und Gelehrten Mordche B e n e d t (Benedikt.) Wie«. (Antisemitisches.) Man schreibt uns aus Stockerau: Am Sonntag, den 7. August, ging der technische Chemiker Franz Hutter in Sierndorf vor dem dortigen Bahnhofe in Begleitung seiner Cousine, des Fräuleins Hermine Scheich, spazieren. Da kamen in einem Wagen drei Sonntagsjäger aus Obermallebern, die dort auf Rebhühner gejagt hatten, auf der Fahrstraße daher. Einer dieser Herrn, der Juwelier am Graben in Wien, Johann Hueber, rief dem Hutter, welcher dem Wagen auswich, das Wort „Hiesel!" zu. Am Bahnhofperron , wo zahlreiche Personen den Wiener Abendzug erwarteten, stellte später Hutter den genannten Jäger wegen dieses Zurufes zur Rede. Darob wurde Herr Hueber so aufgebracht, daß er Hutter mit eiuer Fluch antisemitischer Schimpfwort; überschüttete und sich sogar zu Thätlichkeiten Hinreißen ließ. Herr Hutter setzte sich zur Wehre und es entstand nun eine veritable Rauferei. Vor dem hiesigen Bezirksgerichte hatte sich nun der Wiener Juwelier, von dem Angegriffenen geklagt, wegen dieser seiner Ausschreitung zu verantworten. Der Richter Dr. Kratochwill suchte einen friedlichen Ausgleich zu Stande zu bringen und seine Bemühungen führten insoferue zum Ziele, als Herr Hueber eine Ehrenerklärung abgab, welche er am nächsten Sonntag in einem Kremser Blatte einzurücken hat. E. B. Wien. (Abgetrumpfte Propaganda für antisemitische Zeitungslectüre.) Ein Gast verlangte vom Besitzer einrs Cafe im zweiten Bezirke das Abonnement der „U D. W.". Der Cafetier, der ohnehin schon „der Noth und nicht dem eigenen Triebe gehorchend" ein antisemitisches Blatt aufliegen hatte, wehrte sich dagegen. Auf wiederholtes Audrängen erklärte sich der Cafetier hiezu bereit, jedoch nur gegen dem, daß der Gast die Einwilligung ertheile, daß der Letztere sich in den „U. D. W." u. zw. auf Kosten des Cafebesitzers durch drei Monate inserire. Dies verfehlte die Wirkung nicht, denn der eifrige Propagateur für antisemitische Zeitungen ist ein Kaufmann, dessen Clientel sich nahezu ausschließlich aus jüdischen Kreisen recrutirt. Es bestätigt sich leider immer mehr die Wahrnehmung, daß gerade diejenigen, die das Brod der Juden essen, deren grimmigste Feinde sind. Wien. (Zum Distanzritte Wien-Berlin.) Unter den vorliegenden Nennungen finden sich unter andern auch: OberlieutenantBeujamin Redlich, Lieutenant Richard Spitzer, Lieutenant Jacob Scherber, Lieutenant Heinrich Scherber, Lieutenaut Rudolf Goldstein und Lieutenant Adolf Wagner. Wien. Am Namenstage des Kaisers, den 4. October, wird im Wiener Hofoperntheater Ignaz Brüll's neue Oper „G r i n g o i r" zum ersten Male in Scene gehen. Brüll hat neuerlich eine dreiactige Oper „Schach dem König", Libretto von Victor Leon, vollendet. Wie«. Anläßlich des Todes des Feldzeugmeisters Baron Rosenzweig bringt das „Deutsche Volksblatt" eine spaltenlange Notiz, in welcher die Feldherrntalente, die Bravour und die Tapferkeit dieses Generals besonders herausgestrichen erscheinen. Feldzeugmeister Baron Rosenzweig ist aber von Geburt Jude, was dem anttsemittschen Organe gewiß nicht bekannt gewesen ist. denn es würde sonst kaum das Lob des Verblichenen als Judenstämmling gesungen haben. Wien. (Dermatologen-Congreß in Wien.) Nachstehende Professoren aus Oesterreich sind auf dem derzeit in Wien tagenden Dermatologen-Congreß vertreten: M. Kaposi, Stöckl, Grünfeld und Zeisel. Professor Kaposi ist überdies mit dem Präsidium betraut. Wien. (Mädchenpension der Frau D o cto r B r echer in Leipzig.) Wir machen auf das Inserat der Frau Doctor B recher in Leipzig in der heutigen Nummer aufmerksam. "Bessere Familien, welche ihren Töchtern gründlichen Unterricht in fremden S pracheu, Musik und Haushaltung ungedeihen lassen wollen, können wir das Pensionat der Frau Doctor Brecher wärmstens und bestens empfehlen. Die Pensionäre finden bei der durch Intelligenz bekannten Familie Brecher beste Verpflegung, liebevolle Erziehung und herzliche Behandlung. Med. Doctor Brecher, der Gemal von Frau Doctor Brecher, überwacht überdies den Unterricht und die Pension in hygienischer Richtung, so daß vollständige Gewähr für die besten Erziehungs- und Fortbildungs-Resultate geboten erscheint. Baden bei Wien. Vor dem Badener Bezirksgerichte fand gestern die Ehrenbeleidigungsklage wider den antisemitischen Agitator Jos«'f Herzog statt, welcher am 28. Juli den in Baden wohnhaften Geschäftsagenten Jacob Rabenstein in der Heurigenschänke des Gemeindeausschusses Karl Fischer ohne jede Veranlassung mit folgenden Worten apostrophirte: „Frecher Jud', schau daß D' weiter kommst, sonst hau' ich Dich nieder." Aus der zur Verlesung gelangten Leumundsnote ging hervor, daß Josef Herzog bereits zweimal tvegen Ehrenbeleidigung gerichtlich bestraft ist. Der Thatbestand wurde durch Zeugen festgestellt und der Strafrichter Dr. Gaber verurtheilte den Angeklagten zu einer Arreststrafe von 48 Stunden, verschärft mit einem Fasttage. Schaff«. Sonntag den 4. September l. I. feierten einerseits der hiesige Bürgermeister Herr David Wallisch und dessen Frau Johanna Wallisch, andererseits der Director des hierortigen Spar- und Vorschußvereines Herr Isaak Wallisch mit dessen Gattin Frau Cäcilie Wallisch im engen Familienkreise ihre silberne Hochzeit. Weistkirchen in Mähren. Die am 14. August stattgehabte Einführung unseres neuen Rabbiners, Herrn Dr. Adolf Leimdörfer, gestaltete sich für unsere Gemeinde zu einem erhebenden Feste. Die Einholung Dr. Leimdörfers erfolgte durch den Gemeinde- und Cultusvorstand, durch die beflaggten und geschmückten Straßen in den reich decorirten Tempel. Dem darauffolgendem Gottesdienste wohnten an außer den Vorständen der isr. Gemeinde- und sämmtlicher Cultusvereine, der Schuljugend und Hochschüler, der Bezirkshauptmann Graf Coudenhove, die Gemeindevertretung der Christenstadl, das Professorencollegium mit Dr. Fr. Kucera an der Spitze. Der weihevolle Vortrag Dr. Leimdörfer's fand allgemeinen Beifall und schloß der Gottesdienst mit Absingung der Volkshymne. Budapest. (Vom königlichen Opernhause.) Capellmeister Josef Rebicsek ist von seinem Urlaube zurückgekehrt. Herr Rebicsek, der bekanntlich vom Intendanten Grafen Geza Zichy mit dem Einstudiren von Auber's „Maurer und Schlosser" und MihLlovich' „Toldi" betraut worden ist. wird die Vorbereitung dieser beiden Opern unverzüglich in Angriff nehmen. Budapest. (Decorirung). Der Sultan hat den Chef des Budapester Hauses, der k. u. k. Hoflieferantenfirma Moritz Tiller u. Comp., Herrn Samuel Tiller, Mitglied der Hauptstädtischen Repräsentanz, in Anerkennung vorzüglicher Lieferungen durch Verleihung des Medjidie-Ordens ausgezeichnet. Komoru, 5. September. Unter den Deputationen, welche heute bei Tisza vorsprachen, befand sich auch jene der israelitischen Cultusgemeinde. Tisza betonte in' seiner Antwort, er hoffe, die Zeit werde kommen, in welcher die Fesseln von den Confessiouen fallen werden. Um 2'/2 Uhr fand ein großes Festbankett statt, bei welchem zahlreiche Begrüßungs-Telegramme, unter Anderm vom Minister-Präsidenten und von den Ministern zur Verlesung gelangten. Es wurden Toaste auf Se. Majestät ferner auf den Jubilar und auf die Armee ausgebracht. TemesvLr. Die Gattin des hiesigen Oberrabbiners Dr. Moriz Löwy fuhr gestern mit ihrem 7 Jahre alten Söhnchen auf der Budapest-Arader Strecke in einem Coupe zweiter Classe. Als der Zug bereits in die Station Bekes-Csaba einzufahren begann, öffnete sich Plötzlich die Thür des Coupe's und der