Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 OrArrrrtchifchr Wvchenfchrifi. Seite 675 gang des Prvcesses sie entwaffnet und ihr ein minder ungeberdigeS Verhalten aufnöthigt. Das Buch des schrecklichen Enthüllers Mermeix ist übrigens durch die kaum zmällige Gleichzeitigkeit feines Erscheinens mit der Verhandlung dieses Prvcesses sehr ä propoi gekommen. Es zieht den Schleier hünoeg. der bis nun gewisse Umtriebe jener fragwürdigen Gesellschaft verhüllt hat, welche in Frankreich an der Spitze der antisemitischen Bewegung marschirt. Auch erfährt man ans diesem Werke, das; die Bundesgenossenschast der Judenfresser sr-lbst dem Bonlanger unerlvünscht gewesen. Was dieser sonst durchaus nicht wählerische Abenteurer mit Ekel von sich abgewiesen, damit wird sich wohl die öffentliche Meinung des französischen Volkes kaum befreunden, wie sehr auch die Gilde der Laur, Drumont und Mores sich darum bemühen möge. — Die Geschichte von den 30.000 Iran es, welche Herr Drumont für die nothleidenden Nüssen gesammelt, ist eines der amüsantesten Details in der russich-französischen Berbrüdernngs- Burleske. Baron Mohrenheim hat im 'Namen des Zaren die Spende zurückgetviesen. Als Grund der ablehnenden Haltung Mohrenheim's, welche ans einen direeten Befehl des Zaren znrückgeführt wird, wird eine Reihe von Taetlvsigkeiten angeführt, welche sich die antiiemitischen Spender erlaubt haben. Die An Hänger Drnmont's spendeten 10 Eentimes und begleiteten diesen „Art der Wohlthätigkeit" mit Bemerkungen, lvie z. B.: „Es lebe Mvrös und der Zar! Nieder mit den Inden!" „Dem Zaren, welcher versteht, die Inden zur Thür hinausznwersen!" Ans das; die Freunde Drnmont's sich gar keiner Täuschung über die Stimmung hingeb.ii, tvelche in Petersburg über ihr Treiben herrscht, hat der russische Botschafter das Ergebnis; eines fran zösijchrnssischen WohlthätigkeitssesteS zu Brest, 4nl Francs, 70 Eent., mit herzlichem Danke entgegengenommen. Zum Schluffe aber gab der Baron Her.n Drumont den Rath, die 30.000 Francs — direct an bas Wohlthätigkeitseomite in Petersburg ztl schicken! London. Das Auftreten der Cholera in Hamburg ist ein trauriges Ereignis;, dem besonders wir Juden unsere Ansmerk samkeit znwenden müssen. Dieser Hafen ist die große Absahrtsstalion der russischen Inden nach Amerika, und der Ausbruch einer Epidemie in dieser Stadt, hat natürlich die verschärfte Aufmerksamkeit der englischen Hasenbehörden erregt, wo russische und deutsche Inden ans ihrer Fahrt nach Amerika anlanden. Hier tverden nun alle nvthwendigen Vorsichtsmaßregeln ge^ troffen, um die Einschleppung der Epidemie zu verhüten. Es ist Pflicht aller jüdischen Organe, die diesbezüglichen Behörden mit allen Mitteln zu unterstünen. Kein Ztveisel, das; das Londoner Jewish Board of Guardians tvie in vergangenen Jahren auch jetzt ganz besonders bemüht sein wird, die ausländischen Armen zu veranlassen, sich an die hier zu Lande geltenden sanitären Vorschriften zu halten. Viel kann hier in London wie in den einzelnen Provinzen durch jüdische Besucher unter den Armert gewirkt werden. In Hüll speciell könnte die jüdische Gemeinde die Bemühungen der localen Behörden nachdrücklichst unterstützen und ein Hilfs comite sollte gebildet werden, um den ärztlichen Personen beider Publicirnng der Verfügungen und anderen Maßnahmen fördernd zur Seite zu stehen. In allen früheren Epidemien haben Juden weniger gelitten, als die übrige Bevölkerung, aber diese Immunität kann nur durch gewissenhafte Befolgung jener Verordnungen-gesichert tverden. die sich ans die persönliche Reinlichkeit und auf die Diät beziehen. Diese beiden Umstände werden nicht ohne Gefahr iür das eigene Leben und die Sicherheit der Bevölkerung außer Acht gelassen. Petersburg. (Ein T oaft B irch ow's.) Professor Rudolf Virchow hat, wie telegraphisch gemeldet wurde, nach Schluß des anthropologischen Eongresses in Moskau mit seinem Sohne Dr Hans Virchow einen Abstecher nach Petersburg gemacht, wo derselbe seitens sümmtlicher wissenschaftlicher Capaeitären Gegenstand herzlicher Ovationen war. Die Gesellschaft der Aerzte gab zu Ehren des berühmten Gelehrten ein Diner, bei welchem der Leibarzt des Zaren, Prof. Sdekauer, ein geborner Prager, einen Toast aus Virchow ausbrachte. Pros. Sdekauer sagte unter Anderem, die Anwesenheit Virchvw's in Petersburg sei auch vom anthropologischen Standpunkte anerkennenswerth. In dem Streben nach Wahrheit gleichen sich die Verschiedenheiten ans, ein Volk vervollständigt da das andere: Der Stamm der Slaven besitzt die Gabe, Ideen schnell ausznfassen und sich dieselben anzueignen; den Deutschen obliegt gewissermaßen von Natur aus die^wissenschaftliche Bearbeitung dieser Ideen. In Professor Virchow vereinigen sich diese beiden "Punkte. Wir, Slaven, gehen nach Deutschland, um dort zu lernen, tragen unsere frischen Gedanken dahin und bringen dieselben dann wissenschaftlich erläutert in die Heimat zurück." Die Antwort Birchow's lautete folgendermaßen r „Im anthropologischen Bande der Volker sind die Fäden der Verwandtschaft so dicht vermengt, daß sie schwer zu lösen sind. Es ist mir daher besonders angenehm, daß mich Professor Sdekauer vom anthropologischen Standpunkt characterisirte, indem er mich in der Wissenschaft einen Slaven und Germanen nannte. Tie Wissenschaft ebnet alle Wege, sie kennt keinen Unterschied der Per'vn und des Stammes. Die Medici« gebietet in ihrer Grundlehre nur — Humanität, ohne Rücksicht aus die Rasse. Für dieselbe ist nach dem ärztlichen Sinne ans dem Schlachtfelde Jeder der Hilfe würdig, der verwundete Freund und der verwundete Feind — sie Beide sind Menschen, und es ist die höhere Ausgabe der Medici», Beiden Hilfe zu bringen — im Namen der Humanität. Es möge daher leben und gedeihen die Einheit der Ideen in der stammverschiedenen, aber in Erfassung ihrc'r Pflichten einigen Familie der Aerzte. Ter Arzt ist der Vertreter uns der Angehörige der ganzen Menschheit. Im Lause meines Lebens habe ich Alles, tvas ich erlernt und gervußt, mit Anderen getheilt, ich habe es weitergegebeu. Allein dieses Weitergeben war nur ein Tausch gegen das, was ich in mir ausgenommen." Lebhafter Beifall folgte diesen Worten des berühmten Gelehrten. Damaskus, 6. August. Abermals ist hier der ruchlose Versuch gemacht worden, das Blutmärchen anfzusrisc! en. Mehrere elende Gesellen, die unbekannt geblieben sind, brachten am frühen Morgen einen Ehristenknaben in das Haus des Herrn Aktie, eines der Notabel« der hiesigen jüdischen Gemeinde. Die HauSbetvvhner lagen noch in tiefem Schlafe, als die Schurken die Gelegenheit benutzten, durch eine ossenftehende Thür, die ein nachlässiger Diener offen gelassen hatte, ihren teuflischen Plan anszuführen. Sobald sie das Kind in den Hausflur geschoben hatten, verschlossen sie die Thür und verschwanden. Eine Stunde spater schon toar das griechische Viertel in Aufruhr; man suchte das Kind und beschuldigte die Juden öffentlich, dasselbe entführt zu haben, um es zu „rituellen Zwecken" zu schlachten. Tie Rädelsführer toußten nun nichts Eckigeres zu thun, als das Gerücht zu verbreiten, daß man das Kind in Attie^s Hause ftubcu würde. Losort wurde das Haus erstürmt, die Thüre erbrochen und die Bewohnerschaft mißhandelt. Man fand auch bald das Kind, welches ruhig im Garten saß und ein Stück Brod verzehrte. Glücklicherweise sind Herr Attie und seine Familie französische Unterthaneu und stehen btt der Bevölkerung in hohem Ansehen; wer weiß, was sonst mit ihnen geschehen wäre'? Tie Ansfindnng des Kindes und seine Angaben hielten die Ellern desselben jedoch nicht zurück, die Angelegenheit dem Gericht zu übergeben und gegen die Fatnilie Attie die Anklage wegen Entführung aus böswilliger Absicht zn erheben. Das Gericht tvies jedoch die Anklage zurück. Diese Umtriebe beweisen, welchen satanischen Haß die Christen hier gegen die Juden nähren. _ föcrmifdttes Wien. (Traunngen.t Sonntag, den 4. Sepleniber 1392 wurden getraut: Herr Tr. Moriz Ascher mit Frl. Pantine Fln — Dienstag, den <>. September 18!>2: Tr. Wilhelm Flies; mit Fa!. Jda Bondv. — Tonnerskaa, den 8. September 1892: Herr Theodor Brener mit Frl. Friederike Knlka. Wien. iPersonatnachrichten.) Frön ein Anna^Oslersetz e r, Tochter des Herrn A. S sl e r > e n e r, hat sich mit Herrn^Lalamon R a N, Sohn des Herrn R. Ran verlobt. — Sonniag am 11. September 1 Uhr Nachmittags findet im iirael. Tempel der Leopoldau dl die Trauung des Frl. Ernestine Kvhn mit Herrn Alexander Markus statt. — Sonntag am 11. September, 12 Uhr Bvlnckliags, fitibet in Lemberg die Trauung des Frl. Foiefine Rapavort, der Tochter des Herin Tavid Rap apart, mit Herrn Bernhard Folt'es statt. Wien. Der Verkauf der Betsitzkarlen im Bethause „Liwias CLeua, II., obere Tonanstraße 89, nächst der Stesaniebrücke findet täglich statt, und zwar von 7 bis 9 Uhr Früh und von 6 bis 8 Uhr Abends. Wien. Da jede hochortige Würdigung und Anerkennung, die heutzutage dem Einzelnen zutheil wird, zugleich als ein erfreuliches Anzeichen objectiver und unparteilicher Gerechtigkeit unserer Gesammtheit gegenüber zu betrachten ist, so gestatten wir uns hier die nachstehende Mittheilung. Mit hohem Erlasse des k. k. n. ö. Landesschulrathes vom 9. Augnst 1892, Z. 7159 wurde die Direction des k. k Staatsgymnasiums im XIl. Bezirk von Wien beauftragt: „Dem aus diesem Lehrkörper ausscheidenden Dr. Abraham Adolf Schmie dl, namens des k. k. n. ö.