Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 36 (2.9.1892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Orstrrrrlchischr WorhenschrW. Seite 659 sich auch Reichsraths-Abgeordneter Dr. Götz, die Ehrenbürger kaiserlicher Rath Severin und Stenzl, die Staatsbahnbeamten u. s. w. eingefunden. Kuffner machte anläßlich seines 70. Geburtstages eine Stiftung von 10.000 fl. zur Unterstützung des Kleingewerbes. Arme Lundenburger, sowie mehrere Gemeinden des Bezirkes wurden mit erheblichen Geldspenden bedacht. — An dein Festbankett zu Ehren des Jubilirenden nahm auch Reichsraths-Abgeordneter Dr. Promber theil. Der erste Toast galt dem Kaiser, in mehreren Trinksprüchen wurden der Jubilar und dessen Familie gefeiert. Die Genossenschaften Lundenburgs werden Kuffner zum Danke für dessen 10.000 fl.-Spende zum Ehrenmitglieds ernennen. — Der Gemeinde - Ausschuß von Kostet hat in seiner Sitzung vom 10. d. M. den Mitbesitzer der dortigen Zuckerfabrik und Bürgermeister von Lundenburg, Herrn H. Kuffner, anläßlich dessen 70jähriger Geburtstagsfeier zum Ehrenbürger ernannt, und es wurde das schön ausgestattete, aus der artistischen Anstalt von W. Burkart in Brünn stammende Diplom durch Bürgermeister Aschkenes dem Herrn Kuffner überreicht. Prag. (E r n e n n u n g v o n S a n i t ä t s ä r z t e lt.) Der Statthalter von Böhmen ernannte zu Bezirksärzten II. Clasfe die Doctoren Leopold Bloch, Adolf M e t z l, Emil Fischet, Samuel K o h n, Karl Oe st er reicher; ferner zu Sanitätsassistenten die Doctoren; Israel Stein, Leopold Gottlieb, Josef Arnstein, Julius Strauß und Friedrich Fuhr m a n n. Herr Neftali Koch in Raubowitz, wurde mittelst Erlaß der Statthalterei am 6. August d. I. zur Anstellung als Rabbiner in Böhmen geeignet befunden. E. b. Böhnr.-Leipa. (Prob epred ig t.) Ueber Einladung des Cultusvorstandes hielt am Samstag den 27. August Rabbiner Herr Dr. Karl Thieberg er aus Goltsch-Jenikau, eine Probepredigt. Zum Borwurf wählte sich Dr. Thieberger den Wochenabschnitt der Histora. Er entwarf ein reichillustrirtes Bild über die Aufgaben des jüdischen Seelsorgers der Jetztzeit und gelangte zu dem Schluffe, daß derselbe weder dem starren Formalismus huldigen, noch überstürzten Neuerungen sich zulvenden dürfe. Der Redner, dem ein sympathisches Aeußere zustatten kommt, hat mit seinem Probevortrage aus die zahlreich versammelte Gemeinde einen nicht ungünstigen Eindruck hinterlassen. Pardubitz. Am 17. August feierte hier in voller Rüstigkeit der hiesige Cultusvorsteher H. Marcus Oesterreicher mit seiner Gattin Laura O esterweicher geb. Löwit das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlasse wurden bem Jubilar, der in der hiesigen Cultusgemeinde seit 36 Jahren die Würde eines Cultusvorstehers bekleidet, mehrfache Ovationen zutheil. Umgeben von den zahlreich versammelten, Familienmitgliedern empfing das Jubelpaar die vielen, sich einfindenden Gratulanten. Im Namen des Vorstandes gratulirte mit einer herzlichen Ansprache dessen Vicepräses, der Großgrundbesitzer Jac. Winternitz, einen prachtvollen Silberpocal überreichend. Der Großindustrielle Herrn Ignatz Werthheim er hielt, im Namen der Gemeindemitglieder gratulirend, an den Jubilar eine gediegene Ansprache, in welcher er die vielfachen Verdienste desselben und den Aufschwung der hiesigen Cultusgemeinde hervorhob und als Spende demselben eine künstlerisch ausgestattete Dankadresse überreichte. Die Erbauung des hiesigen monumentalen Tempelgebäudes, die Anlage eines neuen Friedhofes sind das verdienstvolle Werk des Jubilars. Nebst dem Landtagsabgeordneten und Bürgermeister der Stadt Pardubitz, Dr. Z a k, gratulirten noch persönlich viele Honoratioren der hies. Stadt und zahlreiche Telegramme von auswärts bekundeten die Verehrung, deren sich das Jubelpaar erfreut. Budapest, 16. August. Der Eigenthümer und Chef- Redacteur des „Neuen Pester Journal" hat aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit 50.000 fl. zur Errichtung einer Stiftung für arme israelitische Studirende der hiesigen Universität gespendet. Budapest. In Nr. 29 der „Oest. Wochenschrift" vom 14. Juli 1892 war nach Mittheilungen Budapester u. Wiener Blätter eine Notiz abgedruckt worden, wonach Herr Michael Singer, gewesener Secretär der Ungar. Wohlthätigkeits-Kanzlei des Herrn Baron Hirsch, flüchtig geworden wäre. Diese Mittheilung, welche auch in Budapester Blättern zu lesen war, stellt sich schließlich als eine vollständige Erfindung heraus. Die Präsidentin Frau Johanna Bischitz selber hat durch ihren Rechtsfreund, im Neuen Pester Journal vom 12. Juli erklären lassen, daß diese Nachricht der Wahrheit nicht entspricht. Es hat wohl ein Angestellter der Wohlthütigkeitskanzlei seine Stellung vor einigen Monaten verlassen, da dieser aber mit der Geldgebahrung nicht betraut war, so hat er natürlich auch keine Defraudation begehen können. Daß Herr Singer nach Amerika auswanderte, ist Thatsache, und Herr Dr. S. Klein, Advocat in Budapest, schreibt uns über die Ursachen dieses Schrittes: Ein gescheitertes literarisches Unternehmen, welches das bescheidene Vermögen des Herrn Singer verschlang, gekränkter Stolz und getäuschte Hoffnungen, verbitterten den unglücklichen, aber als wahrhaft edlen Menschen anerkannten Schriftsteller derart, daß er sich entschloß, alle Verbindungen abzubrechen und sich in der neuen Welt einen neuen Wirkungskreis zu schaffen. — Dies der wahre Sachverhalt! — Fetta-Zips, 19. August. (Str.) Der in den Comitaten von Neutra, Preßburg. Trencsen, A r v a, T h u r o c z, L i p t a u, Z i p s und S a r o s bestbekannte seit länger als 40 Jahren in Neustadtl an der Waag ansäßige Herr Michael Tauber, beging am Samstag, den 27. August die Feier der goldenen Hochzeit mit seiner Gattin, der Frau Sophie Tauber. Herr Michael Tauber, bekannter unter dem „noni de guerre“, R. Meir Tauber, ist ein ebenso gediegener, weit und breit berühmter Gelehrter auf rabbinisch-theologischem Gebiete, als er vermöge seines biedern und humanen Characters, seines vornehmen weltklugen Wesens sich schon längst die allgemeinste Hochachtung aller, die ihn kennen, erworben hat. Dabei ist er unablässig seinem Studium und den wissenschaftlichen Vorkommnissen ergeben und hat sich n.mentlich durch die Herausgabe eines talmudisch-halachischen Werkes, welches er vor zwei Jahren unter dem Titel „Meir Ajin" veröffentlichte, einen großen Ruf erworben. Darnboritz. Samstag am 20. v. M. feierte unser Rabbiner das Fest der silbernen Hochzeit und empfing aus diesem Anlasse zahlreiche Gralulationen. aus Nah und Fern. Nachmittag fanden sich die angesehensten Gemeindemitglieder persönlich zur Gratulation ein, und Abends wurde auf Veranlassung des Herrn Vorstehers und mehrerer Damen dem Jubelpaare ein freilich etwas ländliches Ständchen gebracht. Oswieeiru. (T e m p e l b a u). Am 18. August fand hier die Einweihung des neuerbauten isr. Gotteshauses statt. Zu dem feierlichen Acte hatten sich sämmtliche Honoratioren unserer Stadt eingefunden. Es waren anwesend: Der k. k. Herr Bezirksrichter mit dem Gerichtspersouale, die Vorstände und Beamten der österreichischen und preußischen Bahnen und Zollämter, der Bürgermeister mit dem Gemeinderathe, die Beamten des k. k. Steueramtes, Vertreter der Gendarmerie, Advocaten, Aerzte u. s. w. Nach einem von Herrn Obercantor Fischer, der mit seinem Chorpersonale aus Krakau hier eingetroffen war, verrichteten Gebete und nach den usuellen Ceremonien bestieg Herr Oberrabbiner Schnur die Kanzel, um in schwungvoller Rede Ziel und Zwecke des neuen Gotteshauses zu beleuchten, das unter dem Schutze unseres erhabenen Landesvaters gebaut und unter dessen Aegide auch weiterhin gedeihen werde. Nach Verrichtung des Gebetes für das allerhöchste Herrscherhaus und Absingung der Bolkshymne hatte die erhebende Feier ihr Ende erreicht. Das neue Gotteshaus verdankt sein Entstehen hauptsächlich der Energie und dem Eifer des verdienstvollen Cultusvorstehers Herrn B. Pilz er, der diesen Tag als einen glänzenden Tag seiner erfolgreichen Wirksamkeit betrachten darf. Berlin, 18. August. Unter der Spitzmarke: „Der Weg zum Reichthum — aber nicht für Juden", verkündete ein Zeitungsinserat eines hiesigen Blattes, daß mit einem einmaligen Einsatz von 3000 Mark monatlich 4000 M. zu gewinnen seien. Herr N. sandte seine Meldung ein und der Glückverkünder bestellte ihn zu sich. Kaum aber hatte er ihn erblickt, da schien er Bedenken zu bekommen und sprach das edle Wort: „Das ist aber nichts für Juden". Nach einer weiteren Minute gedankenschweren Nachsinnens nahm er das Wort wieder zurück^ „Mit Ihnen will ich jedoch eine Ausnahme machen. Geben Sie mir also 3000 Mark: damit gehe ich nach Monaco und nach einer von mir aufgestellten Berechnung lverde ich vom Resultat des Spiels in der Lage sein, Ihnen die annoncirten 4000 monatlich zu zahlen". Selbstverständlich machte Herr N. von dem ihm gegenüber besonders geltenden Privileg ausgiebigsten Gebrauch und verzichtete auf das Geschäft zu Gunsten Derer, die nicht alle werden. Dem Hoflieferanten Herrn A l b e r t P h i l i p p Meyer in Berlin ist das Ritterkreuz 2. Klaffe des bad. Ordens vom Zähringer Löwen verliehen worden. — Herr Amtsgerichtsrath Peltasohn in Bromberg ist zum Landesgerichtsrath ernannt worden.