Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 35 OrAerrrtchisthr Mochrnschrist. täubung der Thiere vorschreibt, sich mit der übrigen Welt in Widerspruch setzen und einen Act der Intoleranz begehen würde, ohne dabei sicher zu sein, daß ihre Anschauung als die nachweisbar richtige gelten kann. Der Thierschutzverein sagt ganz einfach, das Schächten ist eine Thierquälerei, darf aber angesichts der vielen in dieser Sache abgegebenen Gutachten nicht behaupten, dasselbe sei eine größere Thierquälerei, als. die bei den Christen gebräulichen Methoden. Woher denn diese Hartnäckigkeit, diese Verbissenheit? Es ist eben auch in der gegenwärtigen.Agitation etwas von einem giftigen Hauch zu verspüren, dessen Wirkungen anläßlich des Prozesses von Cleve die civilisirte Welt in Erstaunen gesetzt haben. Es ist etwas Antisemitismus dabei, und wenn dieser sich bei der Sammlung der Unterschriften für die Initiative noch nicht weiter hervorwagt, so liegt der Grund wohl darin, daß für eine schästre, eine lärmendere Kundgebung kein Anlaß vorhanden ist. Wird diese äußere Ruhe anhalten während der leider unvermeidlich gewordenen Abstimmungsbewegung? Man denke sich doch, daß jeder Bürger während dieser Bewegung das verfassungsmäßige Recht besitzt, offen für ja oder nein, d. h. gegen das Schächten, also gegen die Juden oder für sie aufzutreten. Wenn das Schweizervolk diese schwere Probe gut besteht, so wird es einen höchst ehrenvollen Beweis seiner Aufklärung geleistet haben. VermiMes. Wien. (Trauungen.) Sonntags den 21. August 1892 wurden getraut: Herr Berthild Machlup mit <yvt. Eücilie Haqmann; Herr Wilhelm Wengraf mit Frl. Gisela Reumann; Herr Ernst Fischer mit Frl. Rosine Krakauer; Herr Samuel Frost mit Frl. Bertha G r ü n a u e r. Wien. (Personalnachrichten.) Herr Julius Noffal, Procurist der Creditanstalt, hat sich mit Fräulein Lori Koritschoner, Tochter des Direktors der Länderbank, Herrn Moriz Koritschouer, verlobt. Frl. Regina Friedländer, Tochter des bekannten Gelehrten und Schriftstellers, Herrn Rabbiner Doctor M. H. Friedländer (in Pisek, hat sich mit Herrn Heinrich Neumann in Chodau verlobt. Wien. Professor Benedikt, welcher derzeit an den Sitzungen des in Moskau tagenden Antropologen-Congresses theilnimmt, wurde zum Vice - Präsidenten dieses Congreffes gewählt. Wien. (Kaiserfeier). Anläßlich des Geburtsfestes SeinerMajestät desKaisers sind uns aus einer überaus großen Zahl von Cultusgemeinden Berichte zugekommen, welche sich über die stattgefundenen Sunagonalen Feierlichkeiten verbreiten und in denen die intensivste Lojalität für unseren geliebten Monarchen zum Ausdrucke gelangt. Aus Raummangel müssen wir uns zu unserem lebhaften Bedauern blos aus die Constatirung dessen beschränken. Wien. (D e c o r i r u n g). Der bekannte Großindustrielle, Herr Alois Reich, Chef der Firma S. Reich & Co. in Wien, wurde infolge seiner hervorragenden Verdienste um die Hebung und Förderung der heimischen Glasindustrie, von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens ausgezeichnet. Wien. (Antisemitischer Exceß.) Man berichtet aus D ü r n st e i n vom 18. d>: „Unser friedliches Städtchen war am Sonntag der Schauplatz einer antisemitischen Heldenthat, welche uns einen Vorgeschmack von dem gibt, was wir zu erwarten haben, wenn der durch den Antisemitismus bewirkten Verrohung der Jugend nicht bald Einhalt gethan wird. Geht die Sache noch länger so fort, so werden wir den Jungtschechen bald nichts mehr vorzuwerfen haben, denn werden in Böhmen die Deutschen von den Tschechen geprügelt, so besorgen das unsere nation.len Bursche an ihren eigenen Landsleuten, sobald sie ihnen nicht „judenrein" genug erscheinen. Seit Schönerer in Krems seinen Aufenthalt genommen, scheint sich dort unter der Jugend der „nationale" Gedanke besonders stark zu regen, wie wir bei' gelegentlichen Besuchen, welchen uns die Kremser nationalen Bursche abstatten, nicht zu unserem Vergnügen wahrnehmen können, wenn wir in unseren Gasthäusern gezwungen sind, das vorlaute Treiben der jungen Schonerer-Garde mitanzuhören. Letzten Sonntag waren wieder etwelche von diesen Zukunstspolitikern hier zu Gaste. Nachdem sie genügend gezecht und Heil Schönerer! gerufen, faßten zwei von ihnen, ganz junge Leute und Söhne bekannter Kremser Schönerianer, den Entschluß, einer Sette 645 hier im Schlöffe wohnenden Wiener Judenfamilie einen Besuch abzustatten. Um 10 Uhr Nachts zogen die beiden Helden also vor das Schloß und begannen zu schimpfen und ihrem Judenhaß Luft zu machen. Nicht genug damit, begannen sie auch über den „judenliberalen" Bürgermeister von Krems, Dr. Heinemann, zu lästern. Da der Scandal nicht aufhören wollte, machten der Förster und einige Dürnsteiner demselben damit ein Ende, daß sie die Stänkerer recht gründlich über Anstand und Sitte belehrten und ihnen in empfindlicher Weise nahelegten, wie man mit nächtlichen Ruhestörern in Dürnstein umgeht. Der Verhaftung entzogen sich die beiden Burschen durch die Flucht." Wien. (Arische Lebensmiitelfälschung.) Ein würdiges Pendent zu dem letzthin gerichtlich verurtheilten arischen Selcher Stiasny, welcher an die Aermsten der Armen, verwestes, madiges und finnisches Wurstzeug für theueres Geld verkaufte, bildet die laut Polizeianzeiger als berüchtigt bekannte arische Milchpantscherin Katharina Hammerschmied aus Kierling. Die arischen Selcher fälschen die unentbehrlichsten Lebensmittel für die Großen, die arischen Milchmeier für die Kinder im zartesten Alter. Wo man hinsieht, arische Fälschung, ist das vielleicht das practische Christenthum? Doch lassen wir dem hochinteressanten Polizeibericht über die biedere Arierin Katharina Hammerschmied das Wort, derselbe lautet: „Den Marktcommissären des IX. Bezirkes wurde seitens des Bezirksamtsleiters, Magistrathsrathes Dr. K eitler, der Auftrag zutheil, ihr Augenmerk besonders scharf auf die Milchwagen zu richten und die Milch-Llpprovisionirung strengstens zu überwachen. In Ausübung dieses Auftrages fahndeten die behördlichen Organe mit verschärftem Eifer nach den profeffionsmäßigen Milchpantschern, und ihre Bemühungen wurden auch von Erfolg gekrönt. Gestern Früh sechs Uhr paffirte die als „Milchpantscherin" berüchtigte Katharina Hammerschmied aus Kierling mit einem Milchwagen die Spitalgaffe; kaum wurde sie jedoch gewahr, daß sie die Aufmerksamkeit zweier Marktcommiyäre erregt hatte, so wandte sie die Pferde und fuhr davon; die Commiffäre setzten jedoch der Milchpantscherin nach. Die Jagd währte nicht allzulange, die Pferde vor dem Milchwagen machten es den Verfolgern nicht allzuschwer und Frau Hammerschmied, die in der Schnelligkeit ihrer Roffe noch ihr letztes Glück versucht hatte, lieferte, in ihrem Vertrauen enttäuscht, sich und die Milch den Marktcommiffären aus. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Milchpantscherin allen Grund hatte, die Ladung des Milchwagens den wachsamen Augen der Commiffäre zu entziehen. Die Milch wurde für verfälscht besimden und in den Canal geschüttet, unter dem lauten Beisalle der dieser Operation beiwohnenden Menge. Die ertappte Milchpantscherin wird sich wegen Lebensmittelverfülschung vor Gericht zu verantworten haben." Wien, 24. August. Montag, den 29. d. M., Abends 6 7* Uhr, werden nach sechswöchentlichem Aufenthalte in Schattmannsdors die Kinder der neuen ist. Ferien-Colvnie mittels Staatsbahn wieder zurückkehren. Qlmütz. Herr Rabbiner Dr. B. Oppenheim aus Mißlitz ist von dem hiesigen Vorstand zum Rabbiner der hiesigen isr. Cultusgemeinde einstimmig gewählt worden. Herr Dr. Oppenheim stammt ans einer berühmten Gelehrten-Familie Mährens und ist den Wienern als ein tüchtiger Kanzelredner bestens bekannt. Wir können Vorstand und die isr. Cultusgemeinde zu dieser Wahl nur herzlichst beglückwünschen. Kolomea. Diestag am 23. d. M. fand in Dublany-Kranzberg die Trauung des Herrn Friedrich Baron mit Frl. Marie Steige 1f e st aus Sambor, einer Enkelin des berühmten ^iabbiners Wittmayer, statt. Brod a./S. Herr Rabbiner S. Stern aus K u t i n a hat in der hiesigen Cultusgemeinde mit duchschlagendem Erfolge eine Gastpredigt abgehalten und wurde am 10. d. M. einstimmig zunl Rabbinats-Verweser bestellt. Krakau. Dr. Leo Sternbach wurde zum auß.rordentlichen Professor der classischen Philologie an der hiesigen Universität ernannt. Berlin, 11. August. Antisemitische Spitzbuben haben in der Nacht vom 15. zum 16. Juli einen Einbruch im Geschäftslocal der Herren Gebrüder Jacoby in der Kommandantenstraße verübt und dabei ihrer Gesinnungstüchtigkeit dadurch Ausdruck gegeben, daß sie einen mit den Worten „A'antener Knabenmordfabrik" beschriebenen Zettel zurückgelaffen und die sogenannte „Mesusa" von dem Thürpsosten abgerissen hatten. Dieselben sind jetzt ermittelt worden. Es haben ihrer drei den Einbruch verübt. Bon dem gestohlenen Gute — es sind Waaren