Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 638 Vrsterrrtchifchr Wachrnschrist. Nr. 35 Hilfe mit ihren eigenen Mitteln zu den ihnen abgeforderten i billigen Preisen mit einer Anzahlung von Doll. 853.000 erworben. I Gegenwärtig repräsentirt dieser Besitz einen Kaufwerth von ' Doll, 105.000 oder Doll. 10.70 Per Acker incl. Baulichkeiten. Dazu kommt, daß die Leute jetzt schon einen — gleichfalls aus eigenen Mitteln beschafften — ziemlich bedeutenden Besitzstand an Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen aufzuweisen haben. Der practische Sinn dieser Neuansiedler ließ es ihnen bald klar werden, daß die in Besitz genommenen Farmen seit einer Reihe von Jahren zu stark in ihrer landwirthschaftlichen Cultur gelitten hatten, als daß sie es hätten für richtig finden können, sich allein und ausschließlich auf die Producte dieses neuer Sorge und Pstege bedürftigen Landes zu verlassen. Sie erkannten die Nothwendigkeit, sich während der ersten Jahre der Ansiedlung hauptsächlich der Milchwirthschaft zu widmen und als Nebenerwerb Hausindustrien zu begründen, bei denen sie ihre Arbeitskräfte verwerthen könnten, während der Zeit, wenn solche sich — wie im Winter — bei den Verrichtungen des Ackerbaues nicht genügend beschäftigen lassen. In intelligenter Weise haben die Ansiedler in Chesterfield, Conn., um nicht bei jenen Hausindustrien eine Ueberproduction und Unterwerthung einzelner Zweige ihrer Arbeit zu erzeugen, sich acht verschiedene Industriezweige nutzbar gemacht und diese gewährten ihnen die Möglichkeit, selbst mit erstzeitigen geringeren Ergebnissen ihrer landwirthschaftlichen Arbeit durchzukommen, bis sie die Mittel erwerben, ihre Besitzungen zu höherer Culturfähigkeit zu bringen. Die benachbarten amerikanischen Farmer lernen durch dieses Beispiel ihrer neuen Erwerbsgenossen den Werth und die Hilfsfähigkeit der in Europa auf dem Lande allgemein verwertheten Hausindustrie kennen und werden daraus ohne Zweifel auch für ihre eigenen Interessen Nutzen ziehen. Es ist alle Hoffnung vorhanden, daß der Erfolg dieser vorsichtig arbeitenden neuen Ansiedler nicht nur durch Zuzug genügend bemittelter Farmer aus Rußland eine Neubelebung der landwirthschaftlichen Industrie jener Gegenden herbeiführen, sondern auch ihren jüngeren amerikanischen Nachbarn neuen Ansporn zum Behalten und Erwerben jener so leicht zu höherem Werthe zu bringenden Farmen gewähren wird. Dieses Zusammenwirken einer vergrößerten einheimischen wie neu einwandernden Bevölkerung dürfte die Gebiete Neu-Englands mit ftischem Leben beschenken und schon nach wenigen Jahren wird man durch den wiedererwachsenen Schaffenseifer eines verjüngten Geschlechtes jenes entmuthigende Bild verwischt sehen, welches während der letzten Decennien in jenen ältesten Staaten des Landes uns meilenweit dargeboten wurde, das Bild von verlassenen und verödeten alten Heimstätten des Farmers. Während wir im Vorstehenden den Nutzen landwirthschaftlicher Betriebe geschildert haben, in die Neueingewanderte aus Rußland mit eigenen Mitteln und auf eigene Gefahr eingetreten sind, müssen wir ausdrücklich feststellen, daß keinerlei Hilfsacte, weder von einzelnen Personen noch von Gesellschaften, jenes Unternehmen gefördert oder auch nur angeregt haben. Kein Zoll Land ist in den New Englands-Staaten seitens solcher zur Besiedelung angekauft worden, noch wird dieses beabsichtigt. Jene wackeren Pionniere in Connecticut allein verdienen für ihren Muth, ihr Selbstvertrauen, ihre Liebe zu landwirthsch östlicher Arbeit die volle Anerkennung unserer amerikanischen Mitbürger und des Landes, für welches das Gedeihen der Landwirthschaft von so unschätzbarem Werthe ist. Seitens früher bestandener Hilfsgenoffenschaften unternommene Versuche zur Begründung landwirthschaftticher Colonien in Dakota und Kansas haben zwar zur Zeit zu keinem Erfolge geführt, bieten den jetzigen Unternehmungen aber sichere Anhaltspunkte, damals begangene Organisattonsfehler zu vermeiden. Jene Versuche sind mißlungen durch Aufnahme gänzlich unbrauchbarer Elemente, die mtt keinerlei eigenen Mitteln an dem Erfolge der Colonisation interessi pwaren. Seit zwei Jahren bringt uns die Einwanderung aus Rußland erfahrene und bemittelte Farmer, deren selbstthätige Schaffenskraft den Erfolg ihrer Unternehmung außer Frage stellt. Was neuerdings seitens eines diesen Einwanderern dienenden Institutes, des Baron de Hirsch-Fonds, zur Förderung landwirthschaftlicher Interessen geschehen ist, steht außer allem Zusammenhänge mit jenem Einzelerwerb von Farmen durch jüdische Einwanderer aus Rußland. Während der Erwerb von Einzelnfarmen den Besitz bestimmter Geldmittel und prakttscher Erfahrung im landwirthschaftlichen Gewerbe voraussetzt, bezweckt die seitens jenes Fonds erfolgte Begründung einer Farm-Colonie in Woodbine, N. I. — bestehend aus 5200 Ackern uncultivirten Landes — auch sochen Einwanderern, die bereits tu Rußland Farmer waren, aber nicht genügende Mittel zum Erwerb einer Einzelfarm besitzen,' die Möglichkeit zu bieten, unter leichten Zahlungsbedingungen kleine Farmen von 15 bis 30 Acker mit den erforderlichen Baulichkeiten, Geräthen und Viehbeständen zu erlangen, — mit anderen Worten: eine Ermuthigung und Erleichterung der Aufnahme des Farmbetriebes in diesem Lande. In der Colonie Woodbine wird den aus Rußland neu eingewanderten Farmern durch einen in Theorie und Praxis geschulten landwirthschaftlichen Leiter die hiesige Methode lohnenden Ackerbaues beigebracht und so bildet sie eine practische Erziehungsanstalt für Farmer, die später vermehrte Mittel und Erfahrung zur Aufnahme größerer Farmbetrieve des Landes befähigen werden. Von dieser Stätte der Gewährung und der Ermuthigtmg der Landarbeit aus dürften sich bereits in naher Zukunft ihre Jünger über das ganze Land ausbreiten, um dessen weite und noch unbearbeitete Strecken in fruchtbare Stätten des Gedeihens zu verwandeln. In nicht weiter Entfernung von Woodbine floriren jetzt drei, vor 9 Jahren durch russische Einwanderer begründete Colonien: Alliance, Carnut und Rosenheim, N. I., mit einer tüchtigen und prosperirenden Farmbevölkerung von ca. 600 Familien. Die öden Landstrecken, die vor 10 Jahren werthlos dalagen, repräsentiren jetzt das werhvollsteEigenthum jener Gegend und die Besitzer derselben, Amerikaner sowohl als russische Einwanderer, arbeiten harmonisch zusammen an der Hebung schon jetzt großer landwirthschaftticher und industrieller Interessen. Geora Schönerer contra Papst Leo XIII. Die mahnenden Worte, welche Leo XIII., das Oberhaupt der katholischen Christenheit, zu Madame Severene gesprochen, kommen den Antisemiten selbstverständlich höchst unbequem und versetzen sie in eine fatale, unerquickliche Situation. Es gewährt ein wahres Gaudium, wie sich die Antisemiten die Aussprüche des Papstes zurechtlegen, wie sie an ihnen deuteln und zu dem Conclusum gelangen, daß, wie Schoppenhauer das weibliche Geschlecht nicht zu den Menschen gezählt wissen wollte, Papst Leo Xlll. die Juden nicht gemeint haben könnte, als er „die Judenfrage" als Frage der Rassenschädlichkeit für Existenz, Sitte und Cultur der Völker einer vernichtenden Kritik unterzog. Schönerer macht in herablassender Weise die Concession, daß er in Leo Xlll. den hehren Priester erblickt, wie er sein soll, allein er fühlt sich in seinen antisemitischen Gefühlen durchaus nicht gekränkt durch dessen Ausspruch, „daß es keine Rassen gebe, nachdem doch alle Menschen von Adam und Eva abstammen und daß die Seele aller Menschen aus demselben Stoffe ungeachtet ihres Habitus sind." Schönerer versteht vielmehr unter Seele den substantiellen Träger der Empfindungen und Gefühle. Liebe u. s. w. hätten die Völker und Rassen mehr oder minder gemein (welch' gnädiges Zngeständniß!), aber Glicht die accidentalen Eigenschaften. Den Deutschen, meint Schönerer, reißt ein rauschender Wald, ein durchdachtes Buch zu Begeisterung hin. Wenn er, der Deutsche nämlich, sich beim Anhören eines Wagner'schen Waldeswehen, Walkürengesanges oder einer Mozartweise von einem beseeligenden Zauber märchenhaft gefangen fühlt, so ist dies z. B. von dem Volke der Juden (wobei dieses Wort nicht als Schimpf betrachtet werden darf) mit einigen die Regel bestätigenden Ausnahmen nicht der Fall." Was soll man auf diesen hellen Blödsinn, der von einer nur einem Antisemiten möglichen tendenciösen Entstellung der Thatsachen Zeugniß gibt, eigentlich erwidern? In der gesammten arischen Literatur, der griechischen und germanischen mit eingerechnet, findet sich nicht ein einziges Stück Naturpoesie von der Erhabenheit der hebräischen. Bei Herder und Humboldt härte der unwissende Schönerer solches erfahren. Thatsache ist, daß gerade bei den Juden der Sinn für die Reize der Natur und des Landlebens hoch entwickelt ist. Jede besser situirte Famili: sucht im Sommer in Gottes Natur ihr Lueu retiro währenddie Arier das Geld beim Heurigen verputzen. Man frage doch in hen Buchhandlungen und Leihbibliotheken, aus welchen Kreisen sich ihre Kundschaft recrutirt und wer zu den besten Abnehmern klassischer Werke zählt, und man wird gewahr werden, daß es die vielgelästerten Juden sind. Arier haben viel höhere Ziele, die in der Cultivirung bairischer, reichsdeutscher Bierbeisel gipfeln. Zu den begeistertsten