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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-19 · 34 (19.8.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 628 Drflrrrrtchifchr Wochenschrift. Nr. 34 In Korncuburg erregte gestern die Verhaftung eines jüdischen Mvocaten enormes Aufsehen. Derselbe ist der aus Leitmeritz nach Stockerau eingewanderte jüdische Advocat Dr. Heinrich Reiß/ der vor ungefähr einem halben Jahre die Kanzlei von dem früheren Besitzer Dr. Frankl übernahm. Dr. Reis;, der nur über eine kleine Clientel verfügte, hatte Wechselfälschungen vorgenommen und wurde gestern inhaftirt. Drei Gensdarmen cscortirten den unredlichen Advocaten mit dem um 3/412 Uhr abgehcnden Zuge nach Korneuburg, woselbst er dem dortigen Äeisgerichte eingeliefeil wurde, k Aus Haida, 9. August, wird uns hiezu geschrieben: „Das Verganische Lügenblatt hat flugs den Advocaten Dr. Reuß, der angeblich Wechsel gefälscht haben soll, zu einem Juden gemacht, um auch an diesem Vorfall wieder die Schlechtigkeit der Juden zu zeigen. Dabei hat es aber, wie gewöhnlich in solchen Fällen, gelogen; denn Dr. Reuß ist kein Jude, sondern ein Christ und war während seiner Anwesenheit als Advocat in Haida ein eifriger Antisemit, ein sehr guter Freund des gewesen^ Reichsrathsabgeordneten Dr. Knotz und ein Anhänger der Steinwender-Partei, für welch' letztere, die hier nur sehr spärliche Anhänger zählt, er warm eintrat. So schlagen sich diese Herren, welche hinter einem jeden Betrüger einen Juden sehen, oft selbst aufs Maul. Die Notiz des Verganischen Lügenblattes sollte eigentlich überschrieben sein: „Ein antisemitischer Advocat als Wechselfälscher." Wien. (Max Müller gegen den Antisemitism u s.) Die eben erschienene Nummer 19 des „Freien Blattes" veröffentlicht folgendes an die Redaction dieser Zeitung gerichtetes Schreiben des Orientalisten Friedrich Max- Müller in Oxford: Oxford, 7. August 1892. 7, Noiham Gardens. Verehrter Herr! Ich habe schon zu wiederholtenmalen mein Mißfallen gegen das Treiben der 'Antisemiten ausgesprochen. Ich bin in allen Dingen gegen seichtes Generalisiren. Wenn man die allgemeinen Urtheile über Engländer, Franzosen, Deutsche rc. hört, so möchte man immer fragen: Wie viel Engländer haben denn Sie gesehen und gekannt? Vielleicht zwanzig, und dennoch urtheilt man über zwanzig Millionen! Ich habe viele Juden gekannt, bin ja in Dessau geboren. Viele meiner besten Freunde waren Juden. 9hm gibt es ja auch schwarze Schake unter den Juden, aber nach ihnen das ganze Volk zu beurtheilen und zu verurtheilen, das geht doch gegen alle Regeln der inductiven Logik! Ich habe seit lange jedem Deutschen in England gepredigt, daß er als Einzelner für den guten Namen des deutschen Volkes in England verantwortlich ist. Dasselbe möchte ich jedem Juden predigen können. Jeder einzelne Jude ist für den guten Namen der Juden verantwortlich. Wenn jeder einzelne Jude das fühlte oder wenn die Gemeinde ihn das fühlen ließe, so würde es keinen Antisemitismus geben. Das in Bausch und Bogen Aburtheilen ist der Ruin aller Wissenschaft; was für Unheil es in der Gesellschaft und im Staate anrichten kann, sehen wir in den Excessen der Antisemiten. Ich bin Anti-Antisemit und werde es bleiben. Hochachtungsvoll ergebenst F. Max Müller. Klosterneuburg, 15. August. Der provisorische Vorstand, der seit 20. April 1892 constituirten Cultusgemeinde Tulln hat in seiner am 30. Juni 1892 abgehaltenen Sitzung beschlossen, den „Jugend-Gottesdienst" in der Gemeinde einzuführen. Dieser Beschluß wurde von dem in Klosterneuburg angestellten Religionslehrer Herrn Ignaz Aschkenes am verflossenen Samstag zum erstenmale zur Ausführung gebracht. Durch theilweise Vorderes tung der Jugend für diesen Gottesdienst, welcher nach den von der löblichen Cultusgemeinde Wien herausgegebenen Jugendgottesdienstbüchern abgehalten wird, hat Herr Aschkenes durch einen Vorckrag, den Wochenabschnitt betreffend, die Aufmerksamkeit der dem Gottesdienste anwohnenden Jugend- und Gemeindemitglieder auf die Bedeutung dieser Einrichtung zu lenken gewußt; es wäre daher erwünscht, wenn durch regere Theilnahme von Seiten der Eltern der Schuljugend als auch von den sonstigen Mitgliedern, die Erhaltung dieser Einführung unterstützt würde. Goiser« bei Ischl. Prof. Julius Epstein feierte am 7. d. M. hier in aller Stille seinen 60. Geburtstag. Dessenungeachtet sind dem Jubilar aus Nah und Fern zahlreiche Glückwünsche zugekommen. Goffensatz. (Enthüllung des Redwitz-Denkmals in Gossen saß.) Hier wurde am 7. d. M. das Denkmal des Dichters Oscar Freiherrn von Red Witz enthüllt. Die Festlichkeiten begannen mit einem Concerte, das Frau Hofrath Di ttel arrangirt hatte. Es wirkten mit Frau Professor Pruckner und Frau Dr. Tauss ig aus Wien, sowie die Herren Professor Sko p aus Innsbruck, ferner Rechnungsrath Unter egg er (Innsbruck) und Herr Roth aus Budapest. Um 3 Uhr Nachmittags fand die eigentliche Feier statt, die durch eine Festrede des Hofrathes Professor Dittel eingeleitet wurde. Professor Dr. Ludwig Frey tag aus Berlin feierte den Dichter in schwungvollen Versen. Nun fiel die Hülle und ließ auf einem aus Felsfindlingen gefügten Sockel, um den sich Edelweiß, Edelraute und Alpenblumen ranken, die sprechend ähnliche Büste des Dichters sehen. Der Schöpf * des Kunstwerkes, Herr Beer, der zur Enthüllung aus Paris hiehergekommen war, konnte viel Schmeichelhaftes über seine Büste hören. Die Büste ist in der Erzgießerei Hodod in Paris gegossen. Nach der Enthüllung wurde ein von Professor Sko p für die Feier componirter Chor mit einem unterlegten Gedichte von Red Witz vorgettagen, und sodann sprach Frau Baronin Arnim „Das Taufgedicht an den Redwitzplatz", Namens der Familie dankte nun Alex. Freiherr v. Redwitz allen denen, die sich um die Errichtung des Denkmals bemüht hatten, insbesondere dem Künstler. Frau Hvfrath Dittel schmückte das Erzbild mit einem mächtigen Lorbeerkranze. — Salzburg. (Israelitischer Friedhof.) Der hiesige Hofantiquar Albert Pollak ist namens der israelitischen Glaubensgenossen des Kronlandes Salzburg bei der Bezirkshauptmannschaft um die Bewilligung zur Anlage eines israelitischen Friedhofes eingeschritten und wurde hierüber die commissionelle Verhandlung behufs Erhebungen hinsichtlich der Eignung der beantragten Grundfläche zur Friedhofsanlage auf den 23. d. M. anberaumt. Brün«. Am 10. d. M. beging der hier seit dem Frühjahre domicilirende bekannte Schriftsteller Hironymus L orm die Feier seines 71. Geburtstages in vollster Geistesfrische, aus welchem Anlasse demselben seitens seiner Brünner und auswärtigen Collegen die herzlichsten Ovationen bereitet wurden. Prag. In Smichow ist der Obercantor der dortigen Cultusgemeinde, Herr Joachim Körner im 69. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene wirkte vor Jahren als Obencantor im Prager israel. Tempel in der Geistgaffe und sodann durch lange Zeit am Smichower Tempel. — Die Statthalterei hat die Anstellung des Schulleiters Joachim Lamm in Hostiwitz als Rabbiner in Böhmen mit Erlaß vom 5. Juli bestätigt. Mähr.-Oftrau. (Stipendium.) Frau Jda Kafka, Witwe nach Herrn Joachim Kafka, hat zum Andenken an ihren Gatten für Schüler der hiesigen Oberrealschule ein Stipendium von 1100 fl. gestiftet und dasselbe der Stadtgemeinde in Verwaltung übergeben. Von den Zinsen dieses Stipendiums sollen alljährlich am 16. April, als dem Todestage des Herrn Joachim Kafka, Geldbeträge an je einen christlichen und jüdischen Schüler der genannten Anstalt zu gleichen Theilen vertheilt werden. Holleschau, am 10. August. (S p e n d e.) Frau Rosa Kohn, Mutter des hierorts wohnenden Fabrikanten, des Herrn Felix Kohn, hat für die hiesigen jüdischen Armen den Betrag von 100 fl. gespendet. Neubydzow, am 12. August 1892. Am 9. August verschied nach kurzem Krankenlager im 59. Lebensjahre Herr Dr. Peter Kraus, Stadt- und Gerichtsarzt, Mitglied der Stadtvertretung und der isr. Cultusgemeinde-Repräsentanz und Ehrenmitglied und Mitglied vieler anderer Vereine. Der Dahingegangene war ein tadelloser Charakter, ein gewissenhafter Arzt, ein Mann der strengsten Pflichttreue, ein stets hilfsbereiter Freund der Armen und Unglücklichen, ein Schul- und Jugendfreund und ein aufrichtiger Bekenner und Verfechter des Judenthums. Welche Liebe und Verehrung sich der Dahingeschiedene bei Allen, die ihn kannten, erworben und erhalten hatte, davon gab das am 11. d. M. stattgefundene Leichenbegängnis ein beredtes Zeugnis. Eine nach vielen Hunderten zählende Menge von Trauergästen gab dem Verblichenen das Geleite zur letzten Ruhestätte. Den langen unübersehbaren Trauerzug eröffnet die städtische Musikcapelle. Hierauf folgten die Veteranen mit schwarzumflorter Fahne, die städtische und Bergmann'sche Fabriksfeuerwehr, die Gerbergenossenschaft, die Schüler der isr. Schule mit ihren Lehrern, der Gesangsverein „Lubor" und die Gesangsection des Vereines „Mercur." Hinter dem mit prachtvollen Kränzen geschmückten Leichenwagen bemerkte mau die katholische Geistlichkeit, die k. k. Beamten in Uniform, die Mitglieder der Stadtvertretung mit dem Herrn Bürgermeister, den Gesammtvorstand der isr. Cultusgemeinde und sämmtliche Honoratioren der Stadt. Im Trauerhause sang nach dem ritu-

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