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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-19 · 34 (19.8.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 34 Vrstrrrrichische Wochenschrift. Sette 637 Rom, 5. August. Die Erklärungen, welche der Papst einer bekannten französischen Schriftstellerin in Ansehung des Antisemitismus gegeben hat oder haben soll, haben hier umso größeres Interesse erweckt, als man täglich und stündlich Gelegenheit hat, Zeuge der skandalösen antisemitischen Helzen der vaticanischen Blätter zu sein. Indessen sind diese Hetzen vielleicht ans Rechnung jenes Kreuzzuges gegen die Weltherrschaft des Capitals zu setzen, über welche der „Osservatore Romano“ noch gestern alle Flammen des Himmels herabwünschte. Den vaticanischen Baukrach und die Geschäfte mit dem Laneo di Roma hat der „Osservatore“ längst vergessen. Die „Riforma“ schreibt: Die Schande des Antisemitismus sei nur Dank den rohen Verdächtigungen der clericalen Blätter und der von denselben systematisch betriebenen Verblödung des parlamentarischen Stimmviehs über die Welt gekommen. In Italien sei man davon rein geblieben, bis der „Os8ervatore Romano“ und der Mailänder „Osservatore Cattoiieo“ sich den heulenden Menschenjägern zugesellten. Sollte es, fragt die „Riiorrna“, möglich sein, daß der Lärm all dieser wüthigen Fanatiker niemals an das Ohr des Papstes gedrungen sei? Sollte er nicht vernommen haben, wie Gottes Gebote und die Grundsätze der reinen Moral verhöhnt, mißachtet, mit den Füßen getreten wurden? Wim er gesprochen hat, werde man sehen, ob den Sophisten und Casnisten in der Bedeutung seiner Worte nicht auch diesmal freies Spiel gelassen werden wird. VmniMer;. Wien. (Trauungen.^ Sonntag, den 15. August 1S92 wurden getraut: Herr Emanuel L in du er mit Fr. Karoliue Mahler. Herr- Heinrich Bauer mit Frl. Amalia Schafrauek. Herr Tobias Chiger mit Frl. Katharina Riesenbach. Herr Hermann Etbert mit Frl. Antoinette IolleS. Wien. (Personalnachrichteu.) Frl. Hirsch, Tochter des bekannten Großindustriellen Herrn Moritz Hirsch, in Firma Karpeles L Hirsch, Wien, hat sich mit Herrn Stern, Fabriksbesitzer in Wien, verlobt. — Am 16. d. M. fand in Sanislau die Trauung des Herrn Jsak Schleien aus Sniatyn mit Frl. Fani Kitzler, einer Tochter des Herrn Samuel Kitzler in Stanislau, statt. Mittwoch am 24. August findet im isr. Betbause in Mödling die Trauung des Fräulein Sabine Freistadt, Tochter des Herrn F. L. Freistadt mit Herrn Bernhard Horn statt. Wien. (Geschäftsjubilänm.) Anfangs dieses Monats feierte Herr Hermann Färber, Margarine-Fabrikant in Breitensee, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum, ans welchem Anlasse derselbe seitens seines Personales mit herzlichsten Ovationen bedacht wurde. Zur Erinueruug an diese Feier hat Herr Färber für sein Personale einen Pensionsfond gegründet und erklärte sich bereit, auch für alle Jene, welche bis jetzt außerhalb des Maschinenbetriebes sind, die Unfallsversicherungs-Prämie aus Eigenem zu erlegen. Schließlich spendete Herr Färber einen größeren Betrag mit dem Wunsche, daß das gesammte Fabrikspersonale einen vergnügten Tag verbringen möge. Wien. (Deutsche Naturforscher-Versammlung.) Die iu diesem Jahre in Nürnberg tagende Deutsche Naturforscher- Versammlung hat den Professor an der Wiener Universität, Med. Dr. K a s s o w i tz, eingeladen, einen Bortrag zu halten. Prof. Dr. Kassowitz ist dieser Einladung nachgekommen und lvird einen Bortrag über „Kinderkrankheiten im Alter der Zahnung" halten. Wien. (Sport-, Fischerei- und Pferde-Ausstellung in Schemen in gen.) Auf der Ausstellung in Scheweniugen wurden unter Änderen auch folgende Aussteller aus Oesterreich prämiirt, und zwar erhielten das Diplom der goldenen Medaille Ludwig Politzer; das Diplom der silbernen Medaille D. Fischl's Söhne, D. I. Deutsch, Friedrich Böhm & Sohn, Josef Horner, Carl Janowsky; das Diplom der Bronze-Medaille M. Schlesinger. Wien. Der durch seine frühere Stellung als Mitglied des Hofopern-Orchesters in Wiener musikalischen Kreisen bekannte Violinspieler Herr Hermann Csillag, gegenwärtig erster Concertmeister des Symphonie-Orchesters der Ausstellung, wird auch nach Schluß derselben in Wien verbleiben, um seine reiche Erfahrung sowohl als Spieler wie als Lehrer hier zur Geltung zu bringen. Herr Csillag hat in dem jüngsten Ausstellnngsconcert der Alice Barbi mitgewirkt und hat sich dort neben dieser großen Sängerin ehrenvollen Beifall errungen. Wien. (Antisemitisches.) Der Comptoirist Ludwig Bittner und der st«<l. med. Rudolf Schreiber wurden am 11. v. M. gegen 10 Uhr Abends im Prater von vier jungen Leuten aus gar keinem anderen Grunde überfallen und mit Stockhieben mißhandelt, als — weil sie für Juden gehalten wurden. Die Ueberfallenen setzten sich zur Wehr und es gelang ihnen, einen der Angreifer, den Schneidergehilfen Johann Cermak, festnehmen zu lassen, während die anderen drei die Flucht ergriffen. Bittner und Schreiber erlitten Verletzungen leichteren Grades. Ihrer Angabe nach war Johann Cermak derjenige, der den Ueberfall veranlaßt und mit den Worten: „Was wollt'» denn hier haben, Juden!" auf sie eindrang und auf die harmlos im Prater Lustwandelnden ohne jede Veranlassung mit seinem Stock losschlug. Die drei anderen Bursche, die ihm hiebei Snccurs leisteten, konnten nicht eruirt werden. Johann Cermak, der sich gestern vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt zu verantworten hatte, behauptete, sie nicht näher zu kennen. Der Richter Dr. Sedlac'zek verurtheilte den Angeklagten zu einer zehntägigen Arreststrafe. Wien. (Abg. Prälat Treuinfels und Berga ui.) Der Briefkasten unserer antisemitischen Presse ist eine Art Hinterhalt, aus welchem dieses moderne Stranchritterthnm seine Gegner meuchlings überfällt. Jüngst wurde im Bergani'schen antisemitischen Blatt das Privatleben des Prälaten Treuiufets angegriffen, indem von ihm unter Anderem gesagt wurde, der Prälat sei als Student bei einem „gewissen Deutsch" in Pflege gestanden, von dort aber weggekommen, weil das Kostgeld ansgeblieben wäre rc. Vom Apotheker Wilhelm Deutsch in Imst nun erhielt das „Neue Wiener-Tagblatt", welches dem Bergani tüchtig auf die Finger geklopft hatte, ein Schreiben, welches darthut, daß die Verdächtigung des Prälaten Treninfels seitens des antisemitischen Blattes selbstverständlich eine Unwahrheit war. Herr Wilhelm Deutsch schreibt nämlich: „Als der Aelteste der Familie Deutsch, dem das tadellose Vorleben und die Art der Erziehung des so verleumderischer Weise angegriffenen Reichsrathsabgeordneten Herrn Prälaten Treninfels wohlbekannt ist, halte ich es für meine Pflicht, die vollkommen erlogenen Angriffe auf dessen Privatleben richtigzustellen. Es ist zum Beispiel vollkommen erlogen, daß die Verpflegung und Ueberwachung »u meiner Familie deshalb aufhörte, weil das Kostgeld ausblieb. Der Uebertritt in das löbliche Benedictinerseminar geschah nur aus dem einzigeu Grunde, weil es meiner Mutter durch Alter und meiner Schwester durch Krankheit unmöglich wurde, den liebgewonnenen und talentirten Zögling in der Familie lveiter behalten zu können. Wien. (Antisemitische Rohheit.) Unter diesem Titel haben wir in der vorwöchentlichen Nummer einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung gebracht, dessen Held der in Meidling, Schulgasse, etablirte Wäschefeinputzer Anton Brat war. Brat war bekanntlich der wörtlichen und thätlichen Ehrenbeleidigung angeklagt, deren er sich dem Hausirer Moriz Blum gegenüber schuldig gemacht hätte. Dieser Bericht entbehrte aber seiner^ bezeichnendsten Pointe, auf die wir nun von befreundeter Seite aufmerksam gemacht werden und die wir hiemit nachtragen, weil sie die ganze erbärmliche Feigheit dieses antisemitischen Maul- und Öhrfeigenhelden in das richtige Licht stellt. Als nämlich Brat nach der Berurtheilung von dem Richter belehrt wurde, daß er gegen die Strafe die Berufung anmelden könne, erwiderte er wörtlich Folgendes: „A nix! Mi ärgern nur die 7 fl., die i eahm zahl'n soll. I zahl' f eahm halt nur in Raten!. . . . Dann m ö ch t' i b i t t'n, daß die G's ch i ch t' net in d' Zeitung kommt, es schadet mir bei meinenjüdischenGeschäftsleu t'n." Nun die „G'schicht" ist halt doch in die Zeitung kommen und hoffentlich werden sich die „jüdischen Geschäftsleute" die Adresse des Herrn Brat wohl merken. Wien. (Die Aeußerung eines Staatsanwaltes). Aus der von der Seelenpest stark heimgesuchten Rheingegend wird uns von einem Freunde unseres Blattes^ folgende charakteristische Aeußerung eines königlich preußischen Staatsantoaltes mitgetheilt: „Wenn ich hier einen der Führer der Antisemiten sehe, so betrachte ich ihn nur als auf freiem Fuße befindlich, denn hereinspazieren werden sie früher oder später Alle." Wien. (Der Erzlügner Bergani.) Wir lesen im „Freien Blatte": Das Abendblatt des..Deutschen Bolksblatt" vom d. M. brachte folgende, „Ein jüdischer Advocat als Wechselfälscher" überschriebene Notiz:

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