Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 34 Orstrrrrtchifchr Wochenschrift. Seite 625 Baden. Nach Hunderten zählen die Telegramme, Briefe und Karten, welche dem trauernden Gatten der dahingeschiedenen Frau Rosalie Jellinek und seiner Familie das innigste Beileid ausdrückten. Folgende Personen mögen besonders genannt werden: Geheimrath Dr. Unger, Baron Albert Rothschild, Baron Moriz Königswarter und dessen Gattin Frau Baronin Charlotte Königswarter, Baronin Sophie Todesco, Baronin Jelly Oppenheimer, Wilhelm v. Guttmann, David v. Guttmann und dessen Gattin Frau Sophie v. Guttmann, Frau Adele Löwenstein, geb. Baronin Popper, Baron Alex. Popper, Baron Berthold Popper und Gattin, Frau Max Friedländer, Frau Dr. Kuranda, Frau Anica Benvenisti, Ministerialrath v. Scherzer, österreichischer General-Consul in Genua; Baron Ludwig Oppenheimer, Superintendent Dr. Haase, Dr. Format), evangelischer Prediger in Wien; SectionZ-Chef und Reichsraths-Abgeordneter Dr. Gniewosz; Dr. Arnold v. Rappaport, Dr. Bloch; die Professoren der Wiener Universität Dr. Grün Hut, Dr. Gomperz, Dr. Müller, Dr. Störk, Dr. Lorenz u. Hofrath Professor Nothnagel, der persönlich in Baden erschien; der Redacteur M. Szeps, Dr. Theod. Herzka; der Pnblicist D. H. Spitzer in Budapest; Dr. A. Luzzatto in Görz; die Frauen Emilie v. Epstein, Ottilie Bondi, Emilie Singer, Philipp Wertheimber, Sigm. v. Hofsmannsthal; fast sämmtliche Rabbiner in Böhmen und Mähren; die Vorstände der Wiener Cultusgemeinde, der Wiener türkischisraelitischen Gemeinde, der Gemeinden in Prag, Lemberg und Hohenems, Pilsen; der Lehrkörper an der Landes-Rabbiuerschnle in lBudapest; Mitglieder des Wiener Cultusvorstandes; Horschauspteler Adolf v. Sonnenthal; Sigmund v. Bauer und Gattin: Dr. M. Kayserling, Dr. Samuel Kohn, Professor Dr. Kaufmann in Budapest, Negierungsrath Dr. Angelo v. Kuh, Dr. Porges in Leipzig, Dr. G. Wolf, Jnspector der israelitischen Religionsschulen in Wien; Professor M. Lazarus, Dr. Ad. Brüll in Frankfurt a. M., Hofrath Liharzik in Wien; Dr. Stier und Gattin; Dr. Ungerleider und Gattin in Berlin; Banguier Max Rosenbacher und S. Kohn, der Verfasser des „Gabriel" in Prag: die Bankdirectoren Dr. Joly und Moritz Bauer in Wien; Dr. Fischhos in Emmersdors u. s. w. Frau Baronin Sophie v. Todesco schrieb an den trauernden Gatten: „Sie, Hochverehrter, der Sie auch mein oft todmüdes wundes Herz stärkten, Sie möchte ich heute aufrichten können." Frau Baronin Charlotte Königswarter versicherte in ihrer herzlichen Zuschrift, daß sie der Verewigten eine dankbare Erinnerung stets bewahren werde, da sie in derselben eine sehr gute Freundin verloren habe. — Der Dichter Dr. Ludwig August Frankl von Hochwart sandte folgende Börse von Gmunden: „Worte, die trösten nicht--— Worte erlösen nicht — einen tiefsten Schmerz. — Klage nicht d'rum, — Frage Du stumm, — Menschenherz!" — Aloczüw, den 9. August 1892. Bald nach der Gründung des hiesigen Localcomite's der Baron Hirsch-Stiftung wurden 30 jüdische Burschen im Alter von 14—16 Jahren durch Ver Mittelung des hiesigen Handwerkervereines „Jad Charuzim" unter glaubensgenössische Meister vertheilt, um eine Profession zu erlernen. Die ganz Armen unter diesen Lehrlingen werden auch vom Localcomite gespeist und gekleidet. Zur geistigen Bildung derselben ist eine Abendschule mit täglich zweistündigem Unterricht in der Landessprache,- dem Deutschen, Rechnen und der jüdischen Religion geschaffen worden. Außerdem hat das Localcomite für alle jüdischen Normalschüler einen hebräischen Unterricht eröffnet, der täglich eine Stunde Vor- und die andere Nachmittags ertheilt wird. Aus dem hiesigen Localcomite hat sich besonders Herr Josef Knttyn, Gutsbesitzer hier, ein echt jüdischer Mann und eifriger Förderer alles Guten unter seinen Glaubensgenossen, verdient gemacht. Sind schon die segensreichen Schöpfungen der Baron Hirsch'schen Stiftung hier, wo fast die gesammte jüdische Jugend durch befriedigende Theilnahme an dem Unterrichte in den staatlichen Unterrichtsanstalten immer mehr einem culturellen Leben zngeführt werden, es besuchen nämlich über 30 Percent jüdische Knaben die öfstl. Schule, von großer und unermeßlicher Bedeutung, um wie viel höher sind diese anzuschlagen, wenn sie ihren fruchtbringenden Samen einem solchen Boden anvertranen, wie es das Zloczow benachbarte Städtchen Sassow ist, wo der intellectuelle Zustand der jüdischen Bewohner sehr viel zu wünschen übrig läßt. Nun soll zu Sassow, wo ein Localcomite schon in's Leben gerufen worden ist, mit dem Beginne des neuen Schuljahres eine zweiclassige Normalschule von Seiten der Stiftung errichtet werden. Es ist zu hoffen, daß diese Neugründung einen sehr schönen Erfolg erzielen )vird, umsomehr, als sich bereits einhundertvierzig Knaben eingeschrieben und an der Spitze des dortigen Localcomites eine Person wie Herr Sigmund Ritter von Weiser, Fabriksbesitzer daselbst, steht. Herr Ritter v. Weiser, (ec wurde auch vom verewigten Kronprinzen bei seiner Reise durch Galizien mit einem Allerhöchsten Besuche beehrt) ist darauf bedacht, daß in der zu gründenden Schule den jüdischen Unterrichtsgegenständen der denselben gebührende Platz angewiesen werde. 4. M. Berlin. Major Franz Rudorfs in Steglitz hat an Stöcker nachstehende Kundgebung gerichtet: „Steglitz, Uhlandstraße 1, 10. 8. 92. Euer Hochwürden beehre ich mich den anbei erfolgenden Aufsatz in Nr. 369 der Bossischen Zeitung vom heutigen Tage: „Eine Schuld der Gesellschaft" zur Kenntnißnahme zu überreichen. Ich bekenne mich voll zu den in diesem ebenso ruhigen, wie sachlichen Aufsatz ausgesprochenen Ansichten und habe die unbedingte Ueberzeugung daß die weitesten Kreise des gebildeten preußischen und deutschen Volkes, die nicht durch die roheste Judenhetze verwildert sind, meine Auffassung theilen. Ich habe geradezu die Pflicht, gegen Ihre Zuschrift an das Volk, die ich in der heutigen Morgennummer der Kreuzzeitung lese, und gegen Ihre unerhörten Angriffe gegen Alle, die sich an Sammlungen für die Familie Busch hoff betheiligt haben, aus das Bestimmteste Stellung zn nehmen, als ich — aus Grund meines christlichen Standpunktes — nach Beendigung des Buschhoff'schen Processes als einer der ersten, nach meinen Mitteln, beizusteuern gesucht habe, um dieser bedauernswerthen Familie die Möglichkeit zu gewähren, sich die Bedingungen für ein ferneres menschenwürdiges Dasein zu schaffen. Ich schicke eine Abschrift dieses Brieses der Boss. Ztg. und der Kreuzztg. mit der Bitte ein, den Brief in ihre nächste Nummer aufzunehmen, um so auch öffentlich gegen Euer Hochwürden Angriff auf mich und viele wahrhafte Christen Stellung zu nehmen. Hochachtungsvoll ergebenst Franz Rudorfs, königlich preußischer Major a. D., bis Juli 1891 Bataillons-Commandeur im Grenadier-Regiment König Friedrich I. " Wir entnehmen den Wortlaut dieser Veröffentlichung der Bossischen Zeitung, denn die Kreuzzeitung hat sich anscheinend nicht entschließen können, dem an sie gerichteten Ersuchen nachzukommen. Berlin. Ein großer Proceß, der sich gegen eine Anzahl antisemitischer Führer richtet, wird, wie eine Local-Correspondenz meldet, demnächst vor dem Landgericht Berlin II verhandelt werden. In einer vom Deutschen Reformverein einberusenen antisemitischen Bersanunlung in Charlottenburg waren kürzlich von einigen Rednern, namentlich von einem Herrn Wehr, Schriftführer des „Deutschen Antisemitenbundes", in Hinblick auf den Verlauf des Buschhoff-Processes die ungeheuerlichsten Behauptungen ansgestellt worden. Außer einer Aeußerung, welche den Kaiser in Beziehung zum Ausfall des Buschhoff-Processes brachte, wurde behauptet, der Justizminister habe in unzuverlässiger Weise einen Einstuß auf das Gericht ausgeübt, der Kreisphysikus Dr. Bauer sei von jüdischer Seite bestochen worden, das Blut des ermordeten Knaben Hegmannseivon mehreren Juden heimlich über die holländische Grenze geschafft worden, und dergleichen Albernheiten mehr. Dieselben Beschuldigungen waren schon am Tage vorher, zumeist von denselben Rednern, in einer Versammlung in Spandau erhoben worden. Dies mag der Grund gewesen sein aus welchem die Behörde, um den Wortlaut der Anschuldigungen festzustellen, die Ausführungen der antisemitischen Redner in der Charlottenburger Versammlung stenographiren ließ. Gegen den Vorsitzenden des „Deutschen Reformvereins" in Charlottenburg, Habel, sowie gegen Wehr und einige andere Redner ist, nunmehr das Strafverfahren von Seiten des Ersten Staatsanwaltes am Landgericht II. eröffnet worden und zwar wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Präsidenten des Schwurgerichtes in Cleve, sowie der beiden Staatsanwälte, die im Buschhoff-Proceß thätig waren, ferner des Landgerichtsraths Brixius und des Kreisphysicus Dr. Bauer. Berlin, 7. August. Antisemitische Blätter reproduziren eine Mittheilung der „Preuß. Litt. Zeitung" von einer rein jüdischen Colonie in der Nähe von Pillaken bei Lasdehnen, die wichtig genug erscheint, um auch in einem jüdischen Blatte notirt zu werden. Bei der Auslosung von Land hätten jüdische Familien jede 5 Aecker erstanden, und es sei aus solche Weise eine jüdische Niederlassung gebildet tvorden, die in Preußen einzig.dastehe. Die Niederlassung enthalte 40 Häuser mit oO bis 70 Familien. Weswegen aber die antisemitische Presse die Meldung mit solcher Selbstbefriedigung obdrnckh da sich doch kein Capital für ihre Zwecke daraus schlagen läßt, ergibt eine