Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 34 Orstrrrrichifchr Wochenschrift Seite 633 tischen Typus von fremden Raffenelementen frei erhalten haben. Gerade diese Repräsentanten des unverfälschten Semitenthums sind aber characterisirt durch die langköpfige Schädelform, sowie durch eine Nase, deren Form mit derjenigen, die man im getvöhnlichen Leben als „Judennase" bezeichnet, durchaus nichts gemein hat. Den langköpfigen und geradnasigen Arabern standen nach den uns erhaltenen Darstellungen zu schließen, die alten Phönizier insofern nahe, als sie ebenfalls ausgesprochene Langschädel tvaren. Dagegen zeigen die Hebräer und Aramäer (auf die übrigen der semitischen Sprachenfamilie zuzurechnenden Völker gehen wir nicht näher ein) insofern wesentlich verschiedene Verhältnisse als bei ihnen die Kurzkvpfigkeit vorherrscht. Die an den heutigen Inden vorgenommenen zur Zeit allerdings noch wenig zahlreichen Schädelmessungen haben 80 Procent Kurzköpfe und nur 5 Procent Langköpfe ergeben; auch ist durch die unter Birchow's Leitung angestellte Schulkinderstatistik, betreffend die Bertheilung des blonden und brünetten Typus, im deutschen Reiche festgestellt worden, daß nicht weniger als 11 Procent aller deutscher Juden blond sind. Woher stammt aber nun die unter den Inden in relativ großer Häufigkeit anftretende Blondheit? Die von dem hervorragenden englischen Ethnologen Flinders Petrie unlängst angestellten Untersuchungen haben über diesen bisher dunklen Punkt Licht verbreitet. Der besagte englische Forscher stellte nämlich fest, daß auf den Wandgemälden der altegyptischen Gräbern. Tempelbauten dieAmaur oder Amar, welche zweifelsohne identisch sind mit den Amvritern der Bibel, mit blauen Augen, röthlichen Haupthaar, Bartu. Augenbrauen, mit subaquilinen Nasen und anderen Eigenthümlichkeiten dargestellt sind, welche keinen Zweifel darüber bestehen lassen, daß wir in den Amvritern ein Volk zu erblicken haben, welches dem germanischen Zweige der großen arischen Völkerfamilie angehört hat. Es hat also bereits im 13. Jahrhundert der vorchristlichen Aera in Palästina ein Volk von arischer indogermanischer Abstammung existirt — ein Volk, welches nur einen Zweig bildete jener blonden Bevölkerung, welche damals außer in Palästina und Syrien in einenl großen Theile der nordafrikanischen Küstenländer ihre Wohnsitze hatte und, soweit sie die letzterwähnten Gebiete bewohnte, von den Altegyptern „Tamehn" d. i. „Volk der Nordländer" genannt wurde. Andererseits lassen die in der Bibel enthaltenen Angaben keinen Zweifel darüber bestehen, daß die Israeliten während ihres Aufenthaltes in Palästina mit diesen ebenso wie mit anderen fremden Bolkselementen eheliche Verbindungen eingegangen sind. Was ferner die zuvorerwähnte Kurzkvpfigkeit der Juden anlangt, so ist es im hohen Grade wahrscheinlich, daß sie dieselbe durch Vermischung mit den der sogenannten alarodischen Völkergruppe zuzurechnenden Armeniern sich angeeignet haben. Bei den Armeniern finden wir auch jene gebogenen Nasen, die, wie bereits erwähnt, keineswegs von vornherein eine Rasseneigenthümlichkeit der Semiten gebildet haben und bei den von der Vermischung mit anderen Völkern und Stämmen frei gebliebenen Arabern noch heutzutage fehlen. Wir werden somit zu dem Schluffe gedrängt, daß auch die gebogenen Nasen der Israeliten das Product einer Vermischung sind, welche dieselben mit den Armeniern eingegangen haben. Alles in allem genommen kann nach des Redners Ausführungen kein Zweifel darüber bestehen, daß wir in den heutigen Juden ein Product vor uns haben, welches aus der innigen Vermischung von Semiten, Jndogermanen (Amvritern) und einem alarodischen Volke hervorgegangen ist, daß also die in den weitesten Kreisen und auch unter den Anthropologen bisher verbreitete Lehre von der angeblichen Rassenreinheit des jüdischen Volkes nicht länger ausrecht erhalten werden kann — ein Schluß, zu dem auch M. Alsberg in seinem unlängst veröffentlichten Untersuchungen (Vergleiche „Die Rassenmischung im Judenthume Hamburg, 1891") gelangt ist. Zn .den Völkern von alarodischer Abstammung, mit denen die Juden ähnliche Verbindungen eingegangen haben, sind, wie der Vortragende dann weiter ausfnhrt, auch die Hethiter (auch als Hittiter oder Chata bezeichnet) zu rechnen, die an den Grenzen Palästina's und in Syrien Jahrhunderte hindurch eine einflußreiche Stellung behauptet, mit den altegyptischen Pharaonen Kriege geführt und in Syrien und Kleinasien bemerkenswerthe bis jetzt noch nicht entzifferte hieroglyphische Inschriften hinterlaffen haben. Ist aber — so fährt Dr. von Luschan dann weiter fort — in den heutigen Juden, wie nicht bezweifelt werden kann» indogermanisches Blut in beträchtlichen Mengen enthalten, so fallen damit alle Bestrebungen in sich zusammen, welche aus der heutigen Judeufrage eine Rasfenfrage zn machen geneigt find und die Juden als ein dem Deutschen Volke fremdes Element hinstellen möchten. Die innige Blutmischung — mit diesen Worten schließt Luschan seinen Bortrag — die schon seit 3000 bis 4000 Jahren zwischen Ariern, Semiten und Alarodiern stattfindet, wird, wenn sie auch durch kurzsichtige und undankbare Gesinnung und brutalen Jnstinct zeitweise gestört und unterbrochen werden kann, doch schließlich zu einem allgemeinen Verschmelzen und Jneinanderaufgehen dieser Raffen führen. Inzwischen aber erkennt der gebildete vorunheilsfreie Europäer der Gegenwart in seinen jüdischen Mitbürgern nicht nur die lebenden Zeugen und Erben einer uralten und ehrwürdigen Cultur, sondern er achtet, er schätzt und liebt dieselben als seine besten und treuesten Mitarbeiter im Kampfe um die höchsten Güter dieser Erde, im Kampfe um den Fortschritt und die geistige Freiheit." An den im Vorstehenden in seinen Hauptumrissen nach der „Frkf. Ztg." wiedergegebenen Bortrag F. von Luschan's schloß sich eine Discussion, in welcher Rudolf B i r ch o w die von Luschan bezüglich der Kurzköpfigkeit der Juden gemachten Schlußfolgerungen bestätigte und zugleich bemerkte, daß es unmöglich sei, aus einer Anzahl von germanischen Schädeln den eines Inden herauszufinden. GllrreliponäenLen. Wien, 15. August 1892. (Ein ungünstiges Terrain.) Königstätten in Niederösterreich scheint eine beliebte Sommerfrische werden zu wollen. Obwohl von den „oberen Zehntausend" und den wandelnden Modejvurnalen wegen der etwas unbequemen Zufahrt nicht besonders stark frequentirt, kommen doch alljährlich eine stattliche Anzahl gutbürgerlicher Wiener Familien hieher, und finden, Dank der frischen, balsamischen Luft und dem liebenswürdigen Entgegenkommen der gemüthlichen Einwohnerschaft, auch beste Erholung. Bon großer Besorgniß erfüllt, daß diese Sommerfrische vielleicht, borribite diotll! ganz verjudet werden könnte, veranstalten die profeffionsmäßigen Hetzer Lueger, Schneider et tutti quanti, hier und in den Nachbarorten „Wanderverfammlungen", um der hiesigen Bevölkerung die Heilslehre des Raffenhasses zu verkünden, finden aber zu ihrem Leidwesen hier keine gläubigen Nachbeter. — Um jedoch das Fiasco einigermaßen zu verdecken, bringen diese Herren einen Mob aus Wien mit, welcher für Freibier rc. die obligaten „Hoch Schönerer" und „Hoch Lueger" hinausbrüllt, daß die Berge erzittern. Die heutige Predigt des hochwürdigen Herrn Pfarrers Schmikal hat die Bestrebungen der antisemitischen Schwefelbande gründlich ad abs urdum geführt. Mit schlichten, zum Herzen.dringenden Worten ermahnte er seine Pfarrkinder zur Nächstenliebe und betonte, daß man jeden Menschen, ohne Rücksicht auf seine religiösen Anschauungen, lieben und schätzen müsse. Hanpffächlich sind es die Juden, die das Gebot der Menschenliebe schon von den Patriarchen ererbten und dasselbe bis auf den heutigen Tag in unvergleichlicher Weise bochhalten. — „Wir müssen," sagte er unter Anderem, „dieses einstens von Gott uns auserwählte Volk wegen seiner beispiellosen Menschenliebe, des musterhaften Familienlebens und moralischen Lebenswandels, stets lieben und verehren." Mit Nachdruck betonte er, daß Christus nicht etwa durch Mordlust oder in irgend welcher egoistischer Absicht von den Urahnen unserer jüdischen Mitbürger getödtet wurde, vielmehr wurden sie durch ihren Fanatismus hiezu verleitet, da sie neben dem allmächtigen Gott „Zebaot" keinen zweiten Gott dulden wollten. „Wir haben daher keinen Grund, die Juden zu hassen, vielmehr müssen wir sie wegen ihrer Glaubensstärke, in welcher sie trotz unausgesetzter Verfolgungen verharren, stets verehren und ihnen nachzueifern streben." u. A. m. Wahrlich! Tieffte Ehrfurcht vor einem solchen greisen Priester! Ein Priester, wie er sein soll! Ein Priester, der die wahren Worte Gottes verkündet, welche nicht nur von rechtgläubigen Christen, sondern auch von Juden beherziget werden. In der Aera der Eichhorn, Wiesinger, Schnabl und der sonstigen Hetzcapläne, welche durch ihre Hetzereien das priesterliche Kleid und das Christenthum selbst schänden, ist es sehr