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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-19 · 34 (19.8.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 -rstrrrrichischr Wochrnfchrist. Seite 619 „Und da endlich die Mittel der Landesfürsten sich verringerten, so haben sich derlei Minister, um sich remuneriren zu lassen, an die Länder gewendet, woraus sodann ihr groß s Uebergewicht erwuchs." Wenn die Kaiserin trotzdem fortsuhr, den Adel in mancher Beziehung zu bevorzugen, so geschah es zum Theil wohl deshalb, weil er eine Macht geworden war, vor deren Widerstand selbst die Monarchin mitunter zurückweichen mußte. Namentlich war dies in Böhmen der Fall, und die Kaiserin klagte, daß sie „wenn sie dort etwas zu erreichen wünschte, gegen den Willen des obersten Kanzlers damit schwerlich durchzudringen vermochte. . . Diese immer weiter gehende Ausdehnung seiner Macht habe sich zuletzt mit der nothwendigen Aufrechterhaltung des Ansehens der königlichen Würde, und zwar in umso höheren Maße unvereinbart gezeigt, als gewisse Familien es durch ihren Einfluß so weit gebracht hätten, daß, so lang nur irgend eines ihrer Mitglieder dazu vorhanden war, die Besetzung jenes Postens immer wieder aus ihrer Mitte geschah." 8 9) Adel und Geistlichkeit, welche die großen Reformbestrebungen des edlen Kaiser Joseph vereitelten, waren auch diejenigen, welche den bescheidenen Reformen seiner Mutter den größten Widerstand entgegensetzten. „Das größte Geschrei war jedoch," sagte sie, „an dem Hofe selbst und von Seite Jener, die theils von meiner Gnade leben, theils durch die ihren Voreltern von meinen Vorfahren erwiesene Milde und Großmuth zu dem Reichthum und Ansehen gekommen sind, in welchem sie und die Ihrigen sich befinden, weshalb sie freilich auch durch Abstellung der unerlaubten Mißbräuche und durch das Bestreben, geordnetere Zustände und eine gleichere Vertheilung der Lasten herbeizusühren, am meisten betroffen wurden/") Interessant ist es aber, daß die böhmischen Stände sich erst dann zur Bewilligung der neuen Steuer auf zehn Jahre herbeiließen, als die Kaiserin ihrem Begehren, die von ihr angeordnete Austreibung der Juden ebenfalls aus zehn Jas re zu sistiren, willfahrte. Sagten einst die Schweizer Miethsoldaten point d’ argent point de Suisses, so hieß es jetzt beim böhmischen Adel point de juifs point d’ argent. Freilich mußten die Juden von Böhmen, Mähren und Schlesien auf Verlangen der Kaiserin sich noch zu einer Contribution von 300.000 Gulden verpflichten. 10) In unserm Jahrhundert kommt es oft vor, daß von Überschwemmungen, Feuersbrünsten oder anderen großen Unglückssällen heimgesuchte Gemeinden und Bezirke sich an den Staat mit Gesuchen um Unterstützung wenden, und diese Gesuche finden in den meisten Fällen Berücksichtigung. Erst in jüngster Zeit ist über viele derartige Gesuche im Reichsrathe verhandelt worden. In der „guten alten Zeit" hörte man nichts, oder jedenfalls sehr wenig von solchen Unterstützungen an das „Bürger-und Bauernpack". Dagegen liegen, wie Adam Wolf berichtet, in den Archiven der Ministerien und Stände viele Gesuche von Edelleuten, größtentheils von Herren der hohen Aristokratie, welche um die Fristung und Ermäßigung der Steuer betteln. Aber die hohen Herren begnügten sich nicht immer mit Steuernachlässen und ließen sich, wo sie nur konnten, Güter und sogar bares Geld, (mobiles Capital!) vom Monarchen schenken. Ich will aus der großen Menge hier nur einige Fälle anführen: Eine der traurigsten Zeiten für die österreichischen Staatsfinanzen war die des spanischen Erbfolgekrieges am Anfänge des vorigen Jahrhunderts"). Der Staat konnte Anlehen nur zu hohen Zinsen aufnehmen, und auch diese nicht auf seinen bloßen 8) Worte Maria Theresias, bei Arneth IV, 29. 9) Arneth a. a. 0. IV. 34. 10) ib. IV. 49, G. Wolf, die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahrb. f. Geschichte der Juden. Leipzig 1868. n) S. den Bericht des Hofkammerpräsidenten Grafen Starhemberg vom 4. Oktober 1703 im Feldzuge des Prinzen Eugen von Savoyen, Bd. V. 657. Credit. Bergwerke, Kronjuwelen und Taselsilber mußten mitunter verpfändet werden. Kein hochadeliger Herr, kein reicher Kirchenfürst half dem Staate mit patriotischer Schenkung, wohl aber ließ sich eine Fürstin Dietrichstein 120.000 Gulden, ein Graf Harrach 50.000, ein Gras Dietrichstein 40.000 Gulden im Jahre 1706 schenken. Rechnet man die Zrnsen nur zu 5 Perzent, so ergeben diese Schenkungen mit Zinseszinsen bis heute ungefähr 1040, 433 und 346 MillionenGulden. Der von mir bereits citirte Franzose sagte i. I. 1705: „Der Kaiser könnte von Heute auf Morgen ails dem Königreich Böhmen allein dreißig Millionen ziehen, wenn er dem Bauernstände die Freiheit geben möchte". Und unser bester Historiker sagt 170 Jahre später: „Mit einer Freigebigkeit ohne Gleichen, welche in manchen Fällen an Verschwendung grenzte, vertheilten die Fürsten aus dem Hause Oesterreich, insbesondere Maria Theresia's drei unmittelbare Vorgänger, Geld und Güter an ihre Umgebung. So wenig wußten sie darin Maß zu halten, daß das Erbübel des österreichischen Staates, seine Finanzverlegenheiten in den vergangenen Jahrhunderten, zum großen Theile dieser nicht glücklich angebrachten Großmuth zugeschrieben werden muß." ") Wahrlich, hätte der Adel seit zwei Jahrhunderten nicht doppelt und dreifach wie die Juden, sondern gleich allen anderen Bürgern gesteuert und sich nicht durch Geschenke aus dem Staatsvermögen, durch den Frohndienft der Bauern bereichert, so wäre Oesterreich jetzt ein reicher Staat, wir hätten nicht seit Decennien ein Disagio unserer Banknoten und unser Parlament brauchte nicht wochenlang über die Herstellung der .Valuta zu debattiren. Ich könnte hier schließen. Doch ich habe dieses Eapitel mit dem Prinzen Liechtenstein begonnen und es wäre vielleicht unhöflich, mich nicht von Sr. Durchlaucht zu verabschieden. Nun denn, ich will ihm etwas mittheilen, das ihm Gelegenheit zu einer wahrhaft vornehmen, patriotischen That geben wird: Im Jahre 1707 wurde Fürstin Eleonore Liechtenstein zur Obersthofmeisterin der nach Spanien reisenden Braut König Karl III. (später Kaiser Karl VI.) ernannt. Sie unterließ es nicht, den allerhöchsten Herrschaften auseinanderzusetzen, welch' großes Opfer sie dem Hose durch Uebernahme dieses Amtes bringe und ließ sich 3000 Gulden ans Reisekosten auszahlen. Dann hat sie aber einen Vorwand gefunden, die Reise nicht anzutreten, und es mußte eine andere Obersthofmeisterin ernannt werden, der wieder Reisegeld gegeben wurde. In den Eassebüchern, in denen diese Ausgaben eingetragen sind, konnte ich keinen Vermerk über die Rückzahlung dieser 3000 Gulden finden. Vielleicht findet sich im fürstlich Liechtenstein'schen Archive eine Quittring darüber? Wenn aber nicht, dann bedarf es keines großen Rechenmeisters, um leicht berechnen zu können, daß diese 3000 Gulden mit Zinseszinsen seit 185 Jahren die Kleinigkeit von circa 25 Millionen Gulden ausmachen. Prinz Alois ist zwar kein directer Nachkomme der Fürstin Eleonore, aber er gehört derselben Familie an, und Noblesse adlige! Sollte er die paar Milliönchen nicht sobald herbeischaffen können, so wird er doch hoffentlich bis zu deren Rückzahlung keine Reden über mobiles Capital und jüdische Ausbeuter- Halten. I*. Antisemitische Hetze gegen die Wiener Dsmenklridrr- Consertianäre. Wien, im Juli. Jüngst brachte das „Deutsche Volksblatt" einen heftigen Ausfall gegen die Wiener Damenkleider-Confectionäre. Es bedarf wohl keines Hinweises, daß alle von dem antisemitischen Hetzorgan vorgebrachten Verdächtigungen, Anschuldigungen und Vorwürfe sämmtlich jeder Begründung entbehren, den Thatsachen ganz und gar nicht entsprechen und einfach erlogen sind. Wie stets, wenn sich ,2) Arneth a. a. 0. I. 61.

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