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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-12 · 33 (12.8.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Geile 612 Oryerrrichifche Wachrnschrist. Nr. 33 mit, daß Graf G. nicht nur die Diäten als Landtags-Abgeordneter, obwohl er den Sitzungen ständig fern blieb, wiederholt zu Unrecht erhoben hat, sondern auch versucht hat, die hohen Diäten als Provinzial-Landtags-Abgeordneter der Provinz Schlesien zu erheben. Er hat sich auch dort von den Sitzungen ferngchalten und ist immer erst nach Beendigung derselben erschienen, um die Beträge zu beheben, dies wurde aber rechtzeitig verhindert; die Caffe erhielt den Auftrag, nicht zu zahlen. Bade«. (Danksagung). Allen Denen, welche in der Nähe wie aus der Ferne anläßlich des Hinscheidens meiner theuren Gattin, Frau Rosalia Jellinek geb. Bettelheim, mir und meiner Famllie ihr Beileid ausgedrückt haben, namentlich den Cultusvorständen in Wien, Prag, Lemberg, Hohenems, dem Lehrkörper an der Landesrabbinerschule in Budapest statte ich auf diesem Wege den ergebensten und tiefgefühlten Dank ab. Besonders fühlen ich und meine Familie uns zum innigsten Danke verpflichtet gegen meinen geehrten Collegen, Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann, welcher von Marienbad aus, kaum dort angelangt, die Nacht hindurch nach Baden zurückfuhr, um der theuren Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen und an ihrem Sarge sinnreiche und dem Herzen entstammende Worte zu sprechen. Dr. Ad. Jellinek. Teplitz. Unter jenen Persönlichkeiten, die seitens des hiesigen Stadtverordneten-Collegiums anläßlich ihrer 25jährigen Mitgliedschaft zur fteiwilligen Feuerwehr mit Ehrendiplomen ausgestattet wurden, befindet sich auch Herr A. Perutz. Boskowitz. (Bon der Cultusgemeinde.) Bei der Constittlirung des neugewählten Cultus-Ausschuffes wurde Daniel Eisler zum Cultusvorsteher, D. Weiß als dessen Stellvertreter und Emanuel Basch zum Cuttusrath gewählt. Der ftühere Cultusvorsteher, Moriz Häusler, der auf jede Wahl verzichtete, bekleidete diese Stelle sechszehn Jahre hindurch und v.-rsah mit Fleiß und Hingebung den ihm anvertrauten Ehrenposten, bis ihn zuletzt sein erschütterter Gesundheitszustand zwang, sich von seinem Ehrenamte zurückzuziehen. Poftelberg, den 7. August, Wichtige Entscheidung für Cultusgemeinden in Böhmen.Laut Entscheidung der hohen k. k. Statthalterei in Prag vom 15. Juli d. I. ist die Hereinbringung rückständiger Beiträge an isr. Cultusvereinigungen im Wege der politischen Execution gesetzlich unbegründet, und demnach unstatthaft. — Durch diese Entscheidung ermuntert, werden gewiß sehr viele Mitglieder von Cultusvereinigungen in Böhmen (Cultusgemeinde ist.nur eine, u. zw. in Prag) die Zahlung der Cultusbeiträge verweigern, wie dies hier der Fall ist, und es entsteht die Frage durch welche Mittel werden die div. Vereinigungen ihre Weiterexistenz erhalten können? Traurig genug wenn in solche für das Judenthum bedrängte Zeiten es noch Leute gibt, die trotz ihrer großen Wohlhabenheit sich nicht scheuen, das Weiterbestehen unserer über 200 Jahre alte Cnltusgemeinde in Frage zu stellen. Prag. Jsr.Fortbildung s-Verein.Am lO.Juli haben in den Räumen der Pinkas-Synagoge Lehrer und Zöglinge dieses Vereins has Schuljahr in einfacher, würdiger Weise beschlossen. Aus diesem Anlässe wurde in Gegenwart der Schulcommission und deren Obmannes, des Ober-Rabbiners Dr. N. Ehrenfeld, sowie des Vereinsvorstandes vom Präses, Rabbiner Dr. N. Grün, die Schlußprüfung vorgenommen. Die treffenden Antworten der Kleinen befriedigten die Anwesenden ungemein und rechtfertigten die ziemlich lange Liste der am Schluffe mit paffenden Prämienbüchern Betheilten. M. Weiftkirchen. Das hiesige seit fünf Jahren vacante Rabbinat ist nunmehr durch die Wahl des Herrn D r. Adolf Leimdörfer aus Böbm. -Leipa zum Rabbiner von Mähr.-Weißkirchen besetzt worden. Herr Dr. Leimdörfer, dem der Ruf eines tüchügen Redners und vielseitigen Gelehrten vorangeht, wird am 14. d. M. seinen neuen Posten übernehmen. Dem neugewählten Rabbiner wird ein festlicher Empfang vorbereitet, zu welchem Behufe ein eigenes Festcomits sich constituirt hat. B. Taruopol. (S chenkung). Der greise Oberlehrer an der Tarnopoler israelitischen Hauptschule, Herr Meier Steinschneider, hat, veranlaßt durch den Director dieser Schule, Dr. S. A. Taubeles, sieben Zehntel seines Gesammtvermögens, circa 22.000 fl., zu verschiedenen gemeinnützigen und wohlthättgen Zwecken der Cnltusgemeinde Tarnopol in das Eigenthmn übergeben. Die Stiftungsurkunde wurde in der Wohnung des Direktors in Gegenwart des Cultusrathes, der Spitals¬ und Tempelverwaltung und dreier Bürger der Stadt als Zeugen durch den k. und k. Notar Dr. Adolph Prominski ausgefertigt. Die Gemeinde sprach dem Stifter Dank und Anerkennung aus. Berlin, 2. August. Eine interessante Aeußerung hat der berühmte Kunsthistoriker, Geheimrath Professor Hermann Grimm für den „Anttsemitenhammer" gegeben: Ich habe von meiner Jugend an das Glück gehabt, mit Juden und Männern jüdischer Abkunft zu verkehren, und es sind daraus Freundschaften erwachsen, die ich zn meinen kostbarsten Besitzthümern zähle. Ideale Gesinnung, Höbe der geschichtlichen Anschauung, Fleiß und geistig. Produkttonskraft traten bei ihnen in gleichmäßiger Reinheit hervor. Berlin. (Ein Wort Kaiser Wilhelms I.) Friedrich Curtius veröffentlicht soeben eine interessante Schrift „Ueber Heinrich Gelzer", den Freund Kaiser Wilhelm's I. und des Großherzogs Friedrich von Baden, den Erzieher des Fürsten zu Wied. „Als die geistigen Mächte, welche der Friedensmission entgegenstanden, bezeichnet Gelzer drei Formen des Hasses: den Rassenhaß, den Classenhaß und den Sectenhaß. Diese drei Feinde waren zu bekämpfen, daher heißen die drei Losungsworte Aller, um die sich alle Patrioten vereinigen müssen: Religionsftieden, Classeufriedeu und Völkerftieden!" Die interessante Schrift enthält auch einen Brief, den Gelzer am 21. März 1879 an Kaiser Wilhelm I. zu dessen Geburtstag, gerichtet und in welchem cs u. A. heißt: „Erst wenn es gelingt, die Dämonen des Elasten-, Völker- und Sectenhasses innerlich zu überwinden, wird ein dauernder Friede in Deutschland und Europa 'begründet werden." Kaiser Wilhelm I. antwortet am 4. April 1879 folgendermaßen: „Mit aufrichtigem Dank für Ihren Geburtstagsbrief und seine Wünsche verbinde ich die Versicherung, daß jedes Wort Ihres Briefes mir aus der Seele genommen ist." Paris. Was so ein Antisemit für kolossale Dummheiten der Welt aufbinden zu können glaubt, und wie wenig Respekt die Antisemiten vor dem Verstände und dem Urtheil ihre Anhänger haben müssen, beweist ein lieblicher Korrespondent des Pariser „Figaro", der über die russische Judenfrage dem französischen Blatte folgenden, geradezu pudelnärrischen Schmarren auftischt: „Die russischen Juden sprechen alle deutsch und empfinden daher unwiderstehlichen Drang nach Deutschland. Die Gefahr ist umso größer, als die russischen Juden gerade an der deutschen und österreichischen Grenze zusammengedrängt sind. In diesen reichen Ländern hat Bismarck durch eine weise und kluge Politikseit Langem Deutsche zu kolonisiren begonnen (!), um so von langer Hand eine neue Annexion, ähnlich der vonElsaß-Lolhringen, vorzubereiten! Ungeachtet dessen hat Rußland nie daran gedacht, die Juden auszutreiben. Das ist eine Erfindung deutscher und englischer Blätter . . ," Wozu sortfahren? Das ist einfach zu dumm. Kopenhagen, 29. Juli. Der Director der hiesigen Nationalbank, Conferenzrath Levy, ist bei der Katastrophe im Badeorte St. Gervais ebenfalls umgekommen. Levy, einer der hervorragendsten Finanzmänner von Dänemark, war im Jahre 1824 geboren und in Hamburg erzogen. Von 1850 bis 1854 war er bei der Intendantur in Schleswig angestellt, kam dann nach Altona als Münzdirector und erhielt 1860 den Posten als Bankdirector in Kopenhagen. Levy war Mitglied zahlreicher Ausschüsse und Präsident des „Nattonalökonimischen-Bereins". Die hiesigen Finanzkreise haben durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. Petersburg. Die strenge Durchfiihrung der Gesetzesbestimmung. welcher zufolge Juden in den Dörfern des Gouverments Wolhynien keinen Jmmobilienbesitz haben dürfen, und die Ausweisung vieler Juden aus ihren bisherigen Wohnsitzen, hat für den Detailhandel in den Dörfern viele Unbequemlichkeiten nach sich gezogen. In Folge dessen hat der Gouverneur von Wolhynien ein Circular verlautbart, in welchem er ausführt, es sei zu seiner Kenntniß gekommen, daß in einigen Dörfern, aus denen sämmtliche Juden entfernt seien, der Handel mit Gegenständen bäuerlichen Bedarfes gänzlich ausgehört habe, so daß die Bauern oft selbst zur Anschaffung der gewöhnlichsten Bedarfsartikel gexwungen seien, sehr bedeutende Strecken zurückzulegen. Um diesen Mißstand zu beseitigen, wird den JsprawnikS und Friedensrichtern anempfohlen, der Entwicklung des Kleinhandels auf den Dörfern ernste Anfmerksamkeit zuzuwenden und darauf hinzuwirken, daß in den Dörfern Gemeindebuden für de» Detailhandel eröffnet werden. Baltimore, 4. Juli. Herr Dr. Klein, Rabbiner des Oheb Zedeck-Tempels in New-Iork, wurde gestern einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde Scheerith-Jsrael erwählt.

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