Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 33 (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Ehrenlegion dem Hauptmann im 1. Tonkiner Tiraillenr-Regiment, Emil Emanuel Oppenheim ertheilt, der in einem kürzlich stattgefundenen Gefecht mehrfach verwundet wurde. Algier. Die Juden von Medeah sind mit Müh' und Noth einer großen Gefahr entronnen, die vor kurzem ihr Leben und Eigenthum bedrohte. Zwischen einem Juden und einem Araber fand eine Rauferei statt, in der der letztere in einer Weise den kürzeren zog, daß er darauf in das Hospital transportirt werden mußte. Am nächsten Tage sprengte eine Anzahl Eingeborener das Gerücht aus, daß ein Araber von einem Juden getödtet wurde und sein Tod müsse durch einMassacre gesühnt werden. Glücklicherweise wurde die Ausführung dieser Absicht durch die Wachsamkeit der Polizei und die Energie und Klugheit der Behörden vereitelt, doch wurden trotz aller Vorsichtsmaßregeln eine Anzahl Läden erbrochen und Fenster eingeschlagen, ja mehrere Juden sogar in den Straßen am hellichten Tage angefallen. Chicago. Auf den Vorschlag mehrerer Comites der Alliance in den Vereinigten Staaten, hat das Central-Comite beschlossen, die Alliance theilnehmen zu lassen an der Weltausstellung, welche im Jahre 1893 in Chicago eröffnet wird. Die Gesellschaft wird Hefte und Bücher aus allen Schulen der Alliance, photographische Ansichten von Bauten und Schülergrnppen bringen, Erzeugnisse aus der Ackerbauschule zu Jaffa und Arbeiten, welche an der Gewerbeschule zu Jerusalem ausgeführt werden; endlich Proben von den in den Lehrlings Werkstätten ausgesührteu Gegenständen, sowohl aus den von der Alliance unterhaltenen wie unterstützten Anstalten für Mädchen und Knaben. Die Gesammtheit dieser Leistungen wird es gestatten, sich ein Bild zu machen von den erlangten Resultaten des Vereins seit seiner Gründung, sowohl bezüglich der Elementar-Erziehung wie der gewerblichen Ausbildung der Israeliten. Auch noch andere Documeute sollen Rechenschaft geben über das Wirken der Alliance zu Gunsten der Israeliten in den'verschiedenen Ländern, wo sie noch Ausnahmegesetzen unterworfen sind. VmniMes. Wien. (Tr a u u'n g e n.) Sonntag den 7. August 1892 wurden getraut: Herr Heinrich Pollak mit Frau Mathilde Back geb. Schwarz; Herr Ede Kramer mit Frl. Jenny Szamek; Herr Josef Adler mit Frl. Angela Goldberg; Herr Maximilian Wiener mit Frl. Olga Singer; Herr Gottlieb Braunwald mit Frl. Netti Birnbaum; Herr Moritz Huschak mit Frl. Lotti Plaschkes; Herr Bernhard Klein mit Frl. Regina Hochberg; Herr Berthold Broch mit Frl. Leni Kauder; Herr Dr. Hersch Leb Meiersohn mit Frl. Lea Weinstock. Dienstag den 9. August 1892: Herr Dr. Arnold Heller mit Frl. Hermine Morgenstern. Wien. (F e st g o t t e s d i e n st.) Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes unseres Kaisers Franz Josef I. lverden bei dein im Bethause „LiwiasChen“ II. obere Donaustraße 89, nächst der Stefaniebrücke, Donnerstag 18. August stattfindenden Morgengottesdienste die rituellen Gebete für das Wohl unseres erhabenen Monarchen verrichtet werden. Beginn 'J.J Uhr Früh. Wien. Dienstag am 9. August fand in Kolomea die Trauung des Frl. P a ul in e F r i e d m a n n mit Herrn D r. Jacob Hulles, statt. — Sonntag am 14. August findet im isr. Tempel zu Floridsdorf die Trauung des Frl. S i d o n i B u ch w a l d mit Herrn Johann Heinrich Schmidt aus Raab statt. Wien. Am 15. d. begeht der in weilen Kreisen bekannte Großindustrielle Herr Hirsch K u f f n e r zugleich mit seinem 70. Geburtsfeste das 25jährige Jubiläum als Bürgermeister der Stadt Lundenburg. Der Jubilar wurde für seine hervorragenden Verdienste vor mehreren Jahren mit dem Ritterkreuze des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet. Wien. (Sehr verdächtig.) Das „Deutsche Volksblatt" vom 5/August 1892 Nr. 1289 bringt nachstehende Briefkastennotiz: „B.P. Abt Treuinfels hieß als Gymnasialschüler Treuenfels und wußte selbst nicht, wer seine Eltern seien. Er war bei einem gewissen Herrn Deutsch in Verpflegung und lleberwachung; als er sich in einem der letzten Jahrgänge befand, wurde er. weil — so sagte man — das Kostgeld für ihn ausblieb, von den Benedictinern in das mit dem Gymnasium verbundene Seminar ausgenommen, wo er auf Kosten des Benedictiner- Stiftcs seine Studien absolvirte. Soviel stcht fest, daß der Abgeordnete Treuinfels mit dem Tirolervolke niemals in eine nähere Berührung kam oder mit demselben in einem engeren Verkehr stand, daß er die Bedürfnisse und Anschauungen desselben nicht kennt und ans der Hand des Volkes auch schwerlich ein Mandat erlangt hätte. Sette 611 Darum ist es mehr als abgeschmackt, wenn er sich als einen Vertreter der Stimmung des Tirolervolkes aufspielt, lieber seine Abstammung werden wir Ihnen, sobald wir aus Meran Näheres erfahren, berichten. Jedenfalls war der Eifer für die Valutaregulirung verdächtig." Wien. D i e a ntis e m i tisch e I n t ern a ti o n a l e. Rector Ahlwardt theilte in einer am 30. Juli in Berlin abgehaltenen Versammlung mit, daß der österreichische Abg. Schneider, sowie ein Freund D ru m o n t s, Blista, in nächster Zeit nach Berlin kommen würden, um über eventuelle internationale Abkommen zu Nutz und Frommen der antisemitischen Sache zu berathen. — In der „Autistin. Corr.„ lesen wir: „Der Proceß gegen Paasch und Genoffen wird am 6. August, Vormittags 9 Uhr, zur anderweitigen Verhandlung in Berlin, Altmoabit, Saal 68, stattfinden. „La Libra Parole-4, die von Ed. D rn m on t herausgegebene französische antisemitische Zeitung sendet zu der Verhandlung einen eigenen Berichterstatters Herrn A. P o n t i g n y. Herr Pontigny, der den Besuchern den Bochumer Parteitages noch in angenehmer Erinnerung sei dürfte, wird auf der Rückreise nach Paris den größeren Reform vereinen Besuche abstatten!" — Wien, 10. August. (Antisemitische Rohh eit.) Vor dem Rudolfsheimer Einzelrichter, Adjunkten Dr. Kichler. erschien gestern der in Meidling, Schulgasse 38 etablirte Wäschestinputzer Anton Brat der Uebertretung der leichten Körperverletzung und der wörtlichen, wie auch thätlichen Ehrenbeleidigung angeklaqt. Als Privatbetheiligter und Privatankläger erschien der 42jährige jüdische Hausirer Moriz Blum. Am 16. Juli d. I. (einem Samstage) ging Blum mit seinen drei Kindern durch die Meidlingergaffe in Sechshaus. Unmittelbar vor dem Polizeikommiffariate kam der Blum bislang gänzlich unbekannte Angeklagte entgegen. „S . . jud, Enk soll man Niederschlagen!" rief Brat dem friedlichen Passanten zu und erhob die Hand. „Was wollen Sie?" frug Blum bestürzt. Die Antwort war — eine schallende Ohrfeige. Blum eilte in die Wachstube des Commiffariats und veranlaßte die Arretirung Brat's. Doch auch im Amtszimmer war Blum vor Beschimpfung und Mißhandlung nicht sicher. Während der Aufnahme seines Nationales schrie Brat: „Gebt's nur dem Juden Recht, laßt's mi zu dem Juden hin", und ehe die anwesenden Polizei - Agenten es zu hindern vermochten, stürzte er auf Blum zu und versetzte diesem einen derartig wuchtigen Faustschlag ins Gesicht, daß sofort das linke Auge aufschwoll. Und die gestrige Rechtferttgung vor Gericht? ,.J war so bettunken, daß i gar net g'wußt Hab, wia i auf d' Polizei 'kommen bin," sagt er. Wenzel Doms und Johann Knirsch. Polizei-Agenten, schildern den Auftritt im Amtslocale des Polizeicommissariats conform der obigen Darstellung. Sie und auch andere Zeugen negiren entschieden die Volltrunkenheit des Angeklagten. Blum erklärt sodann, daß er acht Tage in Folge der Geschwulst am Auge seinem Geschäfte nicht nachgehen konnte, zwei Gulden für das ärztliche Parrere zahlen mußte und für eine sünfköpfige Familie zu sorgen habe. Richter (zum Angeklagten): Ihr Vorgehen ist unqualificirbar! A n g e k l.: I zahl' Steuer! Blum: Ich bitte sehr, auch ich! Richter: Ob Sie Steuer zahlen oder nicht, der Steuerbogen ist kein Freibrief für Brutalität! In seinem Strafantrage erklärte der klägerische Vertreter, Dr. Max Deutsch, die individuelle <^eite des vorliegenden Falles — trotz der großen Verlockung — nicht zu berühren. Er wies nur auf die Erschwerungsumstände hin, welche in der großen Geringschätzung gegen eine Religionsgenoffenschaft, in der Verletzung des kindlichen Gefühls, der Verhöhnung des Amtsortes und der Wiederholung gelegen sind, und beanttagt strenge Bestrafung. Der Richter erkannte Anton Brat der Uebertretung der Paragraphe 441 und 496 schuldig und verurtheilte ihn zu einer fünftägigen Arrest strafe, Ersatz von fünf Gulden Berdienstentgang und zwei Gulden für das Parrere an B l u m, sowie zur Tragung der Proceßkosteu. Wien. (Ein antisemitischer Abgeordneter.) Graf Gersdorff, der im Wiener Landesgerichte für längere Zeit unfreiwilligen Aufenthalt genommen, ist bekanntlich auch Landtags-Abgeordneter und ein eifriger Apostel Stöckers, des antisemitischen Hofderwisches. Die „Freisinnige Zeitung" theilt Vestrrrrichischr Wochenschrift.