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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-12 · 33 (12.8.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Orstrrrrlchischr Worhenfchrist. Seite 607 von dem Rector Ahlwardt Geld zu bekommen und sollte noch neues Geld beschaffen. Eines Tages, während wir bei Tische saßen, erschien Ahlwardt ganz aufgeregt in meiner Wohnung mit den Worten: Ich habe mich von Grünau nur fortgestohlen. Die ganze Schule ist noch draußen. Wir haben eine Landpartie gemacht, seitens der Schule sind die zur Bezahlung der Kremser nothwendigen 150 Mark vorher gesammelt worden. Der Betrag ist mir mit dem ausdrücklichen Aufträge eingehändigt worden, die oben erwähnte Zahlung zu leisten. Ich habe aber das Geld für mich verbraucht und besitze gerade noch so viel, um meme eigene Zeche zu bezahlen, das Geld für die Kremser aber fehlt. Sie müffen unbedingt und auf alle Fälle bis heute Abend um 8 Uhr 150 Mark beschaffen. Auf meine Entgegnung, daß dies bis Abends 8 Uhr unmöglich sein würde, daß ich aber, wenn es so fürchterlich brenne, den gewünschten Betrag bis zum andern Morgen um 8 Uhr beschaffen wollte, erwiderte Ahlwardt: Na, dann ist es gut, dann muß es auch so gehen, ich werde dann den Kutschern sagen, ich wäre heute so aufgeregt, sie sollten sich morgen das Geld holen. Als ich am nächsten Morgen im Schulgebäude erschien, stürzte mir Ahlwardt sofort entgegen, nahm mir das Geld ungezählt ab, da die Kutscher bereits warteten." Alles das kann Lehrer Gollmick bezeugen. Das ist eine regelrechte Unterschlagung des Ahlwardt. Es ist nicht die einzige. Ein Schuhmacher Jonas, Gerichtsstraße 64, hat die folgende Erklärung abgegeben. „Kurz vor seiner Suspension bestellte Ahlwardt im Aufträge des Lehrercollegiums zurWeihnachtsbescheerung fürKmder armer Eltern Schuhzeug im Werthe von 190 Mk. Das Schuhzeng wurde ratenweise geliefert, d. h. so, daß eine Abtheilung Kinder, die Ahlwardt bezeichnet, zu mir kam, die Stiefeln anpaßte und gleich mit sich nahm. Den Betrag hierfür habe ich nur ganz ratenweise erhalten, und zlvar durch Frau Ahlwardt, die mir versicherte, ihr Mann habe kein Geld im Amtszimmer, sie aber wollte die Sache reguliren und aus der Welt schaffen. Die letzten Raten mit 10 Mark, resp. 5 Mark, dagegen ordnete Ahlwardt selbst aber erst Weihnachten 1891. Ich bemerke noch, daß ich auf besondere Bitte Ahlwardt's, als ich noch Geld zu bekommen hatte, ihm Generalquittung über die ganze Summe ausstellte, damit er sich durch diese rechtfertigen konnte. Nachträglich bekunde ich noch, daß ich die nicht der Wahrheit entsprechende Generalquittung nur gegeben habe, weil Ahlwardt mir wiederholt gesagt und geschrieben hatte, das Lehrer-Collegium verlangt die Quittung, d. h. den Nachweis, daß der Schuhmacher befriedigt ist. Ich bezahle den Rest ja bald und Sie haben also nichts zu befi'irchten." Herr Jonas, fuhr Herr Mundt weiter fort, ist heute hier anwesend. Herr Jonas halten Sie Ihre Erklärungen aufrecht? (Jonas ruft: Jawohl.) Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß in dem bekannten Proceß gegen die Lehrerin Thümecke der Gehalt der Lehrerin immer in der Wohnung lag, hier liegt das Geld für den Schuhmacher in dem Amtszimmer. Warum hat der Gehalt nicht im Amtszimmer und das Geld fi'ir den Schuster in der Wohnung gelegen. (Stürmischer Beifall.) Ahlwardt hat nicht nur unterschlagen, er hat auch einen Meineid geleistet und einen Wechsel gefälscht. Der Meineid besteht darin, daß Ahlwardt im Januar des Jahres 1886 einen Manifestationseid geleistet hat und eine außenstehende Forderung, die er zu dieser Zeit an einen Kaufmann Aron Meyer hatte, nicht mitangegeben hat. Der Wechsel lautet auf 150 Mark und der angebliche Aeceptant ist der Rector der 42. Gemeindeschule, H. Zander, Naunynstraße Nr. 63. Der Wechsel ist fällig, und Rector Zander hat die Zahlung abgelehnt mit dem Bemerken, er habe seinen Namen weder geschrieben noch irgend Jemanden ermächtigt, ihn zu schreiben. Der Wechsel befindet sich jetzt in meinem Besitz. (Lebhafter Beifall.) Herr Ahlwardt hat noch keine Anstalten gemacht, ihn einzulösen. Es ist ihm vielleicht unangenehm, sich mit mir in Verbindung zu setzen. (Große Heiterkeit.) Die gemeinste aller Ahlwardt'schen Betrügereien ist aber die folgende: Ahlwardt war vor drei Jahren in Warnemünde und hatte dort sein ganzes Geld ausgegeben und kein Geld zur Rückfahrt für sich und seine Familie. Er verleitete nun den Schaffner Peckereit, Grenzstraße Nr. 81, ihn und seine Familie auf schon einmal abgestempelte Billets fahren zu lassen. Er hat dem Schaffner Peckereit noch später nach und nach 180 Mark abgeborgt, und als der Mann schließlich sein Geld wieder haben wollte, ihm das Geld nicht etwa gegeben, sondern ihm— wegen der damaligen Pflichtverletzung mit der Strafanzeige gedroht. (Anhaltende Pfuirufe.) Herr Mundt sprach die Hoffnung aus, daß sich der Staatsanwalt der Sache nun bald bemächtigen werde und schloß unter stürmischem, nickt endenwollendem Beifall. Nachdem Herr Blankenburg noch das Wort ergriffen, unl klarzulegen, weshalb man Ahlwardt gegenüber berechtigt sei. den Kampf zu einem persönlichen zu machen, wurde die Discussion eröffnet, in der besonders die Ausführungen eines Kirchenvorstehers Preuß allgemeine Aufmerksamkeit erregten, weil dieselben scharfe Streiflichter auf das luxuriöse Leben der Fauiilie Ahlwardt warfen. Um zwölfeinhalb Uhr wurde die Versammlung geschloffen. Lefefyüchte. Die Entdeckung Amerikas und die Inden. Das Londoner „Jewish Chronicle" schreibt: Die 400jährige Jubelfeier der Entdeckung Amerikas durch Columbus ist auch für die Juden nicht ohne Interesse. Als Columbus seinen Plan, auf der westlichen Fahrt nach Indien zu segeln, vorlegte und auf diese Weise Amerika entdeckte, übergab König Johann von Portugal den Plan dem jüdischen Astronomen Josef Vecinho, der seine herzliche Billigung des Vorhabens aussprach. Das nautische Astrolabium, welches Josef Becinho erfunden hatte, trug viel zn dem Erfolge der Reisen von Columbus und Basco de Gama bei. Es ist bekannt, daß Columbus zwei Juden, wenn auch getaufte, mitnahm, damit dieselben mit den Eingeborenen Hebräisch sprechen möchten, da man glaubte, daß diese Sprache der Weltsprache am nächsten käme. Ost ist auf das Zusammentreffen hingewiesen worden, das in demselben Jahre, 1492, in welchem Amerika entdeckt wurde, die Inden ans Spanien vertrieben wurden. Unter diesen Umständen muß die Nachricht, daß sich auf der Madrider Ausstellung von Urkunden, die sich auf Columbus und die Entdeckung Amerikas beziehen, auch viele Schriftstücke über die alten jüdischen Bewohner Spaniens befinden, die Freunde der jüdischen Geschichte interessiren. Dr. M. Kayserling wird diese Doeumente sicherlich für das Werk benützen, welches er über den Antheil der Juden an der Entdeckung der neuen Welt zu veröffentlichen beabsichtigt. Auch Josef Jacobs dürften diese Quellen manche Zusätze liefern für seine Chronik der spanischen Juden, welche am Anfänge des nächsten Jahres erscheinen wird. Es müßte in der Thal seltsam sein, wenn nicht jede Sammlung spanischer Geschichtsurkunden vorl 1492 eine Menge von Dingen enthielte, die auf die Inden des Landes Bezug haben. Ein Ghetto in Paris. Als im Jahre 1882 nach dem Regierungsantritte Alexander Hl. die Austreibungen der Juden aus Rußland ihren Anfang nahmen, suchte eine Anzahl von Familien dieser Unglücklichen Schutz und Asyl in Paris, wo man damals von einer französisch-russischen Allianz weder hüben noch drüben etwas träumte und daher den heimattosen Flüchtlingen freundlich entgegenkam. Der Pariser Gemeinderath stellte dem Baron Alphonse v. Rothschild, der sich der Vertriebenen zuerst annahm, eine Anzahl von leerstehenden Häusern in der Rue Eugene-Sue in Montmartre gegen billiges Entgelt» zur Verfügung, wo die Auswanderer untergebracht wurden. Doch die Fremdlinge erhielten bald Zuzug ans der Heimat, so daß sich die gemietheten Häuser für die Aufnahme der Neuangekommenen als zu eng erwiesen. Es mußte nun ein neues Terrain ausfindig gemacht werden. Das gelang auch bald. Der Eigenthümer des weiten,' unbebauten Grundstückes auf der.Place du Trone gestattete, daß auf einem Terrain von etwa tausend Quadratmetern Hütten für die russischen Flüchtlinge errichtet werden. Auf diesem Platze erbebt sich heute eine Anzahl dieser allerdings äußerst dürftig eingerichteten hüt>enartigen Wohnstätten, in denen die Vertriebenen, etwa siebenhundert an der Zahl, ihr Dasein fristen. Ein Vertreter des „Figaro", der dieses eigenartige, moderne Ghetto in Paris besuchte, rühmt die große Reinlichkeit und Ordnung, die in den Hütten herrscht. Der Monatszins für eine Hütte beträgt sechs Francs. Die Männer befassen sich mit Arbeiten; sie sind theils Schuhmacher, theils Schneider, Scheercnschleifer, Mützenmacher, Strvhflechter u. dgl. m. Die arbeitsfähigen Knaben finden meistens in Schuhwaarensabriken Beschäftigung. Für die Verrichtung ihres Gottesdienstes haben die Bewohner dieser Hütten einen größeren Raum in einem Hause der Rue Saint-Paul gemiethet, wo sie unter Leitung eines mit ihnen aus Rußland vertriebenen Rabbiners ihre Andacht verrichten. Die Bevölkerung des Viertels kommt den armen Opfern des russischen Fanatismus menschenfreundlich entgegen und läßt es an milden Spenden und Gaben für die arbeitsunfähigen Greise, Frauen und Kinder nicht fehlen. Richard Wagners Judenfeindschaft. In der von Franz Muncker jüngst erschienenen Skizze aus dem Leben Richard Wagner's wird folgender Vorfall berichtet, der des Musikers unnatürlichen und unvernünftigen Haß gegen Juden und Alles, was jüdischen Ursprungs ist, so recht zur Anschauung bringt: Die Schauspielerin Minna Planer, welche Wagner heirathete, war nicht seine erste Geliebte. Dieser Auszeichnung hatte sich vielmehr eine Jüdin von seltener orientalischer Schönheit, Namens Le ah David, zu erfreuen. Die wenig einnehmende Erscheinung polnischer Juden, welche die Leipziger Messe besuchten, hatte Wagner schon in jüngeren Jahren mit einer gewaltigen Aversion gegen die jüdische Rasse erfüllt, aber die schöne Leah hatte zu jener Zeit seinen Judenhaß umgestimmt.! Wagner besuchte sie oft in ihrer Wohnung, doch erregte seine

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