Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 33 (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 604 Orsterrelchlfchr Wochenschrift. Nr. 3Z „Sprich, Jude, hast Du es gethan?" wendet sich der Richter an den Jnculpaten. „Bei dem Gott meiner Bäter, ich habe es nicht gethan." Denker, legt dem Beschuldigten das Capistrum in den Mund," befiehlt der Richter. Isaak erbebt. Er kennt das Capistrum, er weiß, daß es eine Vorrichtung ist, welche die der Folter Unterworfenen am Schreien verhindern soll. „Habt Ihr dem Jnculpaten die Haare abgeschoren?" Der Henker bejahte die Frage. „So verfahrt nach Eurer Instruction." Der Henker kennt sein Amt. Er gießt dem Beschuldigten Branntwein auf den Kopf und zündet ihn an. Er wird alsdann an den Händen gebunden, aufwärts nach der Decke gezogen, so daß er frei in der Lust schwebt, und dann hält der Henker chm brennenden Schwefelfaden unter die Arme und unter den Hals. Isaak wird, nachdem man ihm das Capistrum aus dem Mund genommen, gefragt, ob er nunmehr seine Schuld gestehen wolle. „Bei dem gerechten Gott, ich habe nichts Böses gethan." .Henker, so waltet weiter Eures Amtes." Isaak wird auf ein Bett mit eisernen Stacheln gelegt und wieder mtt den Händen bis an die Decke gezogen. Die beiden großen Fußzehen und die beiden Daumen werden ihm zusammengeschraubt, und da er trotz der fürchterlichen Qualen noch kein Schuldbekenntniß ablegt, werden seine Lenden mit einer ledernen Peitsche bis auf's Blut gehauen. Auch das war stuchtlos. Es wurden nun dem Beschuldigten spanische Stiefel angelegt, aber obwohl sein Gesicht sich vor Schmerz bis zur Unkenntlichkit verzerrte, blieb er dabei, daß er unschuldig sei. Nach einigen Tagen wurde die Tortur bei Isaak wieder ausgenommen. Er wurde rückwärts aufgezogen, beide Schulterknochen aus ihrer Verbindung gedreht und alsdann wurde er abermals mit der ledernen Peitsche gehauen. Der Beschuldigte ertrug alle Qualen und blieb dabei, daß er unschuldig sei. Ein scharffinniger Beisitzer des Gerichtshofes kam auf die Bermuthung, daß, wenn Jnculpat die ihm zur Last gelegte That nicht verübt habe, dieselbe wohl von dessen Toch- 1er Sarah ausgeführt worden sein könne. Sarah wurde gefänglich eingezogen und vor den Augen des Vaters gefoltert. Auch sie bestritt ihre Schuld. Man wandte einen höheren Grad der Tortur bei ihr an, und wieder mußte der Vater Zeuge sein ihrer fürchterlichen Qualen. Sie blieb standhaft, als aber der Richter befahl, dem Mädchen kochendes Pech auf den geschorenen Kopf zu gießen, schrie der Vater herzzerreißend auf und sagte: „Laßt das Mägdlein gehen — ich bekenne mich schuldig, ich lege jedes Geständniß ab, das Ihr haben wollt." Damtt war man nicht einvechanden; er solle nur gestehen, daß er dem christlichen Knaben Blut abgezapft habe. Und er gestand es. Er wurde zum Feuertode verurtheilt, und sein Vermögen wurde eingezogen und die Habe seiner ganzen Sippschaft zu Gunsten des Gerichtes und der Richter . . . Und man hatte ein „historisches Zeugniß", ein gerichtliches Domment, das auf die Nachwelt überkommen ist und laut und vernehmlich spricht für die Blutschuld der Juden . . . * * * Wer nach solchen Beweisen noch nicht daran glaubt, daß die acht Millionen Juden, welche über die ganze Erde zerstreut sind, Christenblut gebrauchen und deshalb alljährlich zu ihrem Passahfeste viele Tausende von Christenkindern hinschlachten, dem ist nicht zu helfen. Und wenn der Buschhoff von Xanten nicht verurtheilt, sondem steigesprochen worden ist, so lag es nur daran, daß der hmtigen Justtz das fürttefflichste Mittel, die Wahrheit zu erfahren, die Folter, nicht mehr zur Verfügung steht. Die menschenfreundlichen Herren, die ihn so geme auf das Schaffst gebracht hätten, werden das sicherlich sehr bedauern. Juden und Russen. Die officiellen Berichte über das Fortschreiten der Cholera in Rußland geben kaum einen annähernden Begriff von den furchtbaren Verheerungen der Seuche. Die Ziffern, welche die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle in den größeren Städten angeben, sind falsch, sie müssen verdreifacht und vervierfacht werden. Vom flachen Lande aber fehlen alle Nachrichten. Und doch weiß man, daß im Don- und Wolgagebiet eine Bevölkerung lebt, die durch die Hungersnoth decimirt worden und derart entkräftet ist, daß sie zu vielen Tausenden der Cholera zum Opfer fallen muß. Man weiß, daß in den Wolgastädten und selbst in Moskau die Unreinlichkeit eine geradezu entsetzliche ist, daß der Unrath jahrelang auf den Straßen und Plätzen liegen bleibt, daß es an allen Hilfsmitteln der modemen Hygienie fehlt, daß der abergläubische, systematisch verdummte Pöbel die Lazarethe demolirt, die Aerzte erschlägt und allen Schutzvorkehrungen Widerstand leistet. Der officielle Telegraph lügt eben, wie in Rußland Jedermann lügt, von der höchsten Verwaltungsbehörde bis hinab zum letzten Tschinovnik. Der officielle Telegraph meldet auch nichts darüber, daß die pflichtvergessenen Beamten ihre Stellen verlassen, daß die von der Regiemng angestellten Aerzte sich weigern, in die Choleraspitäler zu gehen, daß die Kranken zu Dutzenden auf den Eisenbahnstationen liegen bleiben — kurzum, daß der Zustand tiefster Entsittlichung, in welchem sich das ganze Land befindet, einen geradezu ideellen Nährboden für die Cholera bildet. Je lügenhafter und unvollständiger aber die officiellen Berichte sind, umso ergreifender klingt eine gleichfalls officielle Kundgebung des General-Gouverneurs von Nischni-Novgorod, des Generals Baranow. Dort verstarb am 27. Juli an der Cholera ein Arzt des Cholera-Hospitales, namens Jakob Idelsohn. General Baranow widmete ihm in einem Tagesbefehl den folgenden Nachmf: „Mit Selbstverleugnung für das Wohl Anderer wirkend, wurde er selbst ein Opfer der Krankheit und mußte sein Leben für seine Nächsten lassen. Er bewies rein christliche Eigenschaften, obgleich er zu den Befolgern des mosaischen Gesetzes gehörte. Ich werde das Andenken dieses würdigen Mannes zu ehren suchen, indem ich seiner Beerdigung beiwohnen werde." Der Tagesbefehl des Generals Baranow verdient Glauben. Baranow ist ein ehrenwerther Mann, ein hochherziger Beamter. Als die Cholera in der großen Handelsstadt Nischni-Novgorod ihren Einzug gehalten hatte und Hunderte von Opfern forderte,da ging der General selbst in die Choleraspitäler, um die Kranken zu trösten, und da die Lazarethe.nicht mehr ausreichten, die Zahl der Kranken zu fasstn, da räumte er selbst das Regierungsgebäude und ließ dasselbe zu einem Choleraspital einrichten. Dem General Baranow darf man glauben, wenn er den Todesmuth und die Selbstaufopferung des jüdischen Arztes Jacob Jdelsohn preist und dessen Andenken ehrt. Auf den sittlichen Zustand des heutigen Rußland aber wirst diese. Episode ein bezeichnendes Schlaglicht. Ein Jude ist es, der den russischen Aerzten und russischen Beamten als ein Muster selbstloser Pflichterfüllung vorgesuhrt wird. Während die russische Autokratie und ihr Helfershelfer die Juden mit den ausgesuchtesten Qualen verfolgen, weil sie dem Bekehrungseifer eines Pobiedonoszow widerstehen, ist es der Stellvertreter des Czaren in Nischni-Novgorod, der von einem jüdischen Arzte sagt, daß er „rein christliche" Eigenschaften bewiesen habe und den Märtyrertod für seine christlichen Mitbürger gestorben sei. Ein erkrankter Jude hat in Rußland keinen Anspruch auf Hilfe, kein öffentliches Spital darf es wagen, ihm Aufnahme zu gewähren. Aus all jenen Badeorten, wo Leidende Genesung sich holen, sind sie gesetzlich verbannt. Erblickt man dort einen Juden, so wird er per Schub weggeführt. Ein Jude aber opfert sein Leben, geht steiwillig in den Tod, um den christlichen Kranken in ihren Todesnöthen beizustehen. Jacob Jdelsohn hat nicht „rein christlich" sondern „rein jüdisch" gehandelt, so echt jüdisch, wie die Politik des Czaren echt russisch ist. Pflichttreue und Opfermuth sind unbekannte Begriffe unter der russischen Beamtenschaft. Dasselbe System, welches darauf angelegt ist, die gesammte Bevölkerung zu einer Heerde willen- und gedankenloser Sclaven zu machen und jede selbstständige Regung, jedes Bewußtsein der Menschenwürde zu ersticken, hat dazu geführt, die Beamtenschaft schrittweise in einem wahrhaft ungeheuerlichen Maße zu corrumpiren. Das Volk sollte verthiert werden, und zu diesem Zwecke mußte man aus den Beamten menschliche Ungeheuer machen. Man lese nach, was hierüber Lanin in seinem Buche „Russische Zustände", gestützt auf authenttsche Quellen, schreibt. Diebe, Räuber und Mörder, Ehebrecher, Wüstlinge und Saufbolde sind berufen, den Willen des Czaren durchzuführen und in seinem Namen Recht zu sprechen. Als loyal und unverdächtig gilt ein Tschinovnik erst dann,