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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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OsSerrrrchlfchr Wochrnschrifk. Sckk m Nr. ge nachdem er sich einen Moment ausgeschnauft hatte, kletterte er i die vier steilen, dunkeln Treppen zu seiner Wohnung empor. Seine sechs Kinder eilten ihm entgegen und küßten ihm I die Hände, seine Frau frug hastig: „Baruchleben"), bringst du etwas Geld?" Benatek that zuerst als ob er die Interpellation überhört hätte, es wäre ihm sehr lieb gewesen, wenn seine Frau nicht auf der Beantwortung dieser kitzlichen Frage bestanden wäre, — sie that dies auch nicht mit Worten, aber sie starrte ihm so angstvoll ins Gesicht, daß er verlegen, leise murmelte. „Warum fragst Du?" „Ich Hab einen guten Taam"'2) erwiderte Schöndl mit dem mißlungenen Bestreben einen scherzhaften Ton anzuschlagen, aber es klang wie schwer unterdrücktes Weinen, „unsere braven Kinder haben außer einem Stückl Brod heut' noch keinen Bissen im Munde gehabt, es is kein Stückl Holz, kein Tropfen Oel im Hause, ich hätte gerne eine helle warme Schabbesstube und möchte auch gern etwas zum Nachtmahl und morgen zum Mittagmahl, für Dich und die Kinder kaufen .... Baruchleben, ich sag' Dirs nit gern, ich will Dir nit Dein treu Herz beschweren, — es is uns in den zwölf Jahren, die wir, zu Gutem, verheirathet sind, oft sehr schlecht gegangen aber . . . Schöndl hielt einen Augenblick inne, dann stieß sie schluchzend hervor, „daß unsere goldenen Kinder Schabbod nix zu essen haben, friern, Freitag Abends im Finstern sitzen sollen — das haben wir doch noch nit erlebt!" „Hast Du denn nit Oel, Fleisch und Holz gekauft, meine goldene Schöndl?" „Du hast mir ja kein Geld da gelassen .... und der Kajow4'), der Szochore") und der Holzhändler wollen nit eher borgen „als bis wir den alten Chow^) bezahlt haben". „Ribbon Lebet olomim!"10) rief Benatek, die Zähne in die Unterlippe bohrend .... „aber sorg' dich nit, ich werd' mich gleich um e Bisst Geld umsehen, ich werd' mir etwas ansborgen!" Benatek wollte seine Frau beruhigen, er durfte sich nicht muthlos zeigen, er schritt der Thüre so zu, als wenn er nur zum ersten, besten Bankier zu fahren brauchte, um jede beliebige Summe von seinem dort liegenden Capitale erheben zu können; aber als er an der Schwelle zufällig den Blick zur Zimmerdecke erhob, blieb er vor Schrecken wie eingewurzelt stehen und lallte: „Wa .... was ist das? Warum hängt die Lampe nit an ihrem Platz? Hat sie Reb Zodek Daubner noch nit hergeschickt?" Um diese Frage und das Erschrecken des armen Benatek, dem geehrten Leser zu erklären, ist es nothwendig die geschäftlichen Beziehungen, die zwischen ihm und den braven, wohlhabenden Tuchhändler Reb Zodok Daubner, bestanden, darzulegen. Der Letztere nämlich hatte dem erfteren schon vor mehr als zehn Jahren ein Kapital von fünf Gulden Wiener Währung") zum Betriebe . seines Hausirgeschäftes geborgt und da der Schuldner zu bescheiden war, einen so großen Personal-Credit - in Anspruch zu nehmen, hatte er sich freiwillig angeboten, ihm als Faustpfand die messingene Hänglampe, die er von dem Onkel seiner Frau einstens zum Hochzeitsgeschenke erhalten hatte, als Faustpfand zu übergeben. Nun aber ist es nach dem biblischen Gesetze ^) verboten, dem Schuldner sein Pfand zu einer Zeit, woes diesem unentbehrlich ist, vorzuenthalten, was dem frommen Reb Zodok Daubner die Verpflichtung auferlegte, die Sahbathlampe seinem Schuldner für jeden Freitag Abend zur freien Verfügung zu stellen, wogegen der ehrliche Benatek dieselbe sofort nach Sabbathaüsgang wieder mit herzlichem Danke zu Reb Zodok Daubner zurück trug. Als nun Benatek seinen schönsten Zimmerschmuck, die wie Gold glänzende Messinglampe, welche am Freitag Abend ihr sanftes Licht über die Sabbathsttrbe verbreiten sollte, permißte, stieg der schreckliche Gedanke in ihm auf, Reb Zodok Daubner wäre nach zehnjähriger Jndulgenz auf die schreckliche Idee verfallen, sein Kapital von fünf Gulden Wiener Währung, von dem leider ein großer' Theil gar nicht mehr vorhanden, der andere aber in vorläufig unverkäuflichen Werthen, als ein altes Schaukelpferd, unbrauchbare eiserne Geräthe, eine saitenlose Guitarre und einem unvollständigen Schachspiele, festgerannt war, zurückzufordern. Er konnte vor fieberhafter Spannung die Antwort seiner Frau nicht er- ") lieber Baruch. 12) Grund, Ursache, 13) Fleischer, ") Krämer, ift) bif alte Schuld, '") Herr der Welten! n) fl. 210 4 Mark 20 Pfennige, 1H) Exod. Kap. 22 V. 25.26. warten. Was ihnr Schöndl in heftiger Aufregung erwiederte, bestätigte allerdings diese Befürchtung nicht, aber war nichts weniger als beruhigend. „Ich Hab Dir errew Schabbes,9) keine Bsuro rooh2n) sagen wollen . . . aber mach' der nix daraus, wenn Gott will, kann er doch helfen. Der brave Reb Zodok — hundert Jahre soll er glücklich und gesund leben — hat die Lampe, wie gewöhnlich kurz nachdem Du fort gegangen bist, durch seinen Meschores hergeschickt. Ich Hab' sie schön geputzt und Hab' sie grad' aufhängen wollen als ich zum großen Glück vom Fenster aus den Executor kommen gesehen habe. Wir sind ja noch zwei Gulden Zinssteuer fiir unser Theilhaus schuldig. Das Herz hat mir geklopft, daß ich geglaubt Hab', es wird zerspringen. Der Executor ist ein böser Mensch, bei dem ist en rachmim badm 22) ich Hab' daher die Lampe geschwind auf den Boden hinaufgestellt. Wie der Executor dann gekommen is und im ganzen Zimmer nix gesehen hat was zwei Groschen werth war, daß er hätt' pfänden können, hat er geschrien, daß die Scheiben gezittert haben. „Miserables, armes, jüdisches Gesindel" und is ganz broges ^) weggegangen. Auf der Schwell' hat er sich noch einmal umgedreht und hat gesagt: „Wenn Ihr net in ein paar Tagen den Steuerrest bezahlt, wird man Euch Euere elende Hundshütte verkaufen, dann könnt Ihr mit Euerem Kinderpack auf offener Straße erfrieren!" . . . Ich Hab' Gott boruch hu ") für das Glück gedankt, daß der Executor nit gekommen is wie die Lampe schon gehängt hat — e kapore") wär ste gewesen!" „Ein großer Masel -y) auf Dir und mir!" stieß Benatek, deffen Stimmung durch die Erinnerung an die schuldige Steuer eben nicht verbessert wurde, mit Bitterkeit hervor; . . . aber was nutzt das Alles ... ich muß trachten mir etwas Geld auszuborgen, ich geh', — ich hoff' zu Gott, ich werd' nit mit leeren Händen zurückkommeu!" (Sortsetzung folgt.) ‘ Das Gebet Muysptz. Bon Jaroslav Brchliek). Beröffentl. im „Xalenllüt Ceako-Zidovskr’ 1892—1803. Aus dem Böhmischen übersetzt von I. S. Kraus. Mit dem Rabbi Amnon spielte Schach der Mainzer Cursürst oft. Daß der Rabbi bei ihm esse, trinke, stets umsonst er hofft. Ansred' fand der Rabbi immer, eilte dann zik kernen heim. Einmal nur hat er gezögert. Herbem Leide ward's zum Keim. Stets verbirgt der alte Satan auf des Bechers Grund sein Ziel, Rüttelt an dem festen Willen, an Granit und an Gefühl, llns're Sinne er umschleiert, er verwirrt des Urtheils Red', Daß der Weise unfreiwillig mit dem dümmsten Narren geht. „Werther Rabbi", spricht der Cursürst, „Du, der Weisen große Zier, Men und dein Gott weiß es, daß Du immer bist willkommen mir. Schade aber, daß Dein Glaube, ein gar schweres Bleigewicht, llns're Bruderschaft behindert, unsrer Freundschaft steht im Licht. Zwischen Deinem oder meinem Gotte ist kein Unterschied, lleberlege, wohl erwäge, was im Guten ich Dir die?. Mir zu Lieb' verlasse Deinen Glauben. — Rasch Dein Glas erheb'? Willst Du nicht? denn gut, ich dräng' Dich nicht. Es zu ergründen streb.' Wenn Du bist ein Weiser, wirst zum Kerne richten Du den Blick, Wo es hell ist, und wo dunkel, wo die Wahrheit und wo Lüg'." Amnon nippt vom Rand des Bechers, traumversunken er dann spricht: „Alles will ich, Herr, erwägen. In drei Tagen kommt Bericht". Bange Tage, bängre Nächte waren das voll herbem Leid. Auf dem Lager wälzt der Rabbi sich in stetem Widerstreit. Reich' dem Teufel einen Finger und er will die ganze Hand, Rasch die Zeit entfliehet, wie das scheue Reh an Waldrs and. Einen Abgrund sah er vor sich, einen Abgrund finstrer Nacht. Ueber ihm thront Gott, umgeben von Cherubim voller Pracht. Gott verhüllen Wolken, jeder Cherub eine Waffe hebt. Mit dem Rufe „Du Berräther", jeder ihn zu stürzen strebt! Einen Schritt nur — denken, was zu wollen, ist noch keine That! Er kann widerrufen .... Nein, die Hand er reichte zum Berrath! Fliehen wird er weit vom Hofe, taghell noch bevor das All. — Doch am vierten Tage hört er wüsten Lärm und Trommelschall. 'o) Am Rüsttage des Sabbaths. Freitag. 2ö) böse Nachricht, unangenehme Mittheilung. 21). Diener, 22) keine Barmherzigkeit, er besteht yuf seinem Rechte. 23) in Zorn, erzürnt, -4) gelobt sei er, '") kaput. ac) Glück.

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