Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 32 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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SeÜr 596 Vesterrerchifchr Mochrnfchrist. Nr. 32 Also beut der Curfürst; »Schließlich meine Güte geht zu End', Trotzdem drei Tag' schwanden, schweigst Du, Niemand Deine Antwort kennt. Ich befehle: Meine Lust Du athmest, effest auch mein Brot. Meinen Gott wirst du verehren. Rur ein Glaube sei und Gott " Bor den Fürsten fuhrt man Amnon: „Mög' die Erd' verschlingen mich, Rur ans gutem Willen und aus Achtung vor Dir fehlte ich. Au Verrach wenn wir nur denken, so begehen wir Verrath. Recht hast Du! Ich brach mein Wort. D'rnm ruf die Henker nun zur That. Nicht die Seele, nicht der Wille, nur die Zunge hat gefehlt, Selbst küud' ich mein Urtheil: Meine Zunge werde ausgeschält. Gottes treuer Diener bin ich, meine Zunge nur war schwach. Gieb mir eine Zange, ich will sie ausreißen mir zur Schmach." Weit das Schachbrett schob der Curfürst, bei dem Beide oft geweilt, Sein Gesicht verzerrt sich, wie im Gras die Schlange ringelnd eilt. Nicht die Zunge, Rabbi, mehr noch sündigten die Füße Dein. Um sind nun drei Tage und Du kamst nicht. Das soll Dich nun reu'n. Auf die Folter mit Dir, Rabbi. Schwöre ad!" — »Nein, nimmermehr". »Deine Füße hau' ich dir ab." — „Herr, das schmerzet auch nicht sehr". „Werden sehn“. — Die Wache ruft er. — Was geschah dann? — Blut stoß viel, Alles Andere verschweiget dieses Lied aus Mitgefühl, An des Rosch-Haschono Morgen in dem Tempel war's gar voll, Die Kaduscha der Gemeinde nun der Cantor sagen soll. Bei der Dhüre hört man sprechen. Dunkler wird der Lichter Schaar, Amnon wird einhergetragen, halb ohnmächttg auf der Bahr. Seine Glieder furchtbar blutig, abgehackt im Korbe sind. Zum Attar wird er getragen. Still der Cantor nun beginnt Mit dem Chore vorzutragen die Kaduscha allbekannt. Krüppelhast erhebt sich Amnons Körper ohne Fuß und Hand. „Halt ein" ruft er. Und der Cantor schweigt. Im Tempel wird es still. „Meiner Seele letzter, schwacher Hauch noch Gott jetzt Preisen will. Jsak sah die Götzen und der Opfer Rauch in seinem Haus, Will nicht sehen Gottes Schande, loscht der Augen Licht selbst aus. Und ich sag': Der Reujahrstag ist des Gerichtes großer Tag, Der Posaunen Töne hör' ich, Dich zu preisen Gott ich mag. Herr, die Welt Du viermal richtest, eh' ein Jahr uns wiedeckhrt, Richtest furchtbar, doch mit Gnade, und wir bleiben unversehrt. Herr, Du bist ei» starker Gott von Ewigkeit zu Etvigkeit, Böller Kraft und Stack lenkst Du unser Weltall jederzeit. Deine Hand beschinnet Alles. Auf des Meeres dunklem Grund Wandeln mit gezücktem Schwerte Engel bei der Blitze Rund'. Offen ist das große Schuldbuch! Aller Namen stehen dort. Was die Seck träumt und hoffet immer und an jedem Ort. Wie Gewäffer kommen Menschen, kommen wie die Lämmer-Hecrd' Und Du richtest, sonderst, theilest, wägest ih'.er Fehler Werth. Ungezählt sind Deine Tage Deine Jahre ohne Wahl, Deiner Macht und Throne Ursprung Niemand, niemals kennt die Zahl. Selbst Dein Name ist ein Räths.l, das mit Dir hat gleichen Klang, Schreck erfaffet die Cherubim, selbst die Sterne stehen bang. Des Gerichts Posaune tönt, die Erd' in ihren Tiefen dröhnt, Meere senden Diademe, Alles Deine Herrschaft kennt. Fremde Götzen sind im Staube, Glanz umhüllt Dein Angesicht, Mit dem Tag erwacht der Gute, aber nicht der Bösewicht. Hör', Gerechter, unser Flehen, die Gebete ohne Zahl, Tu bist unsre Hoffnung, Stack, unsre Treue allzumal. Ueberaroß ist keine Milde, Deine Güte, Deine Macht, Gott, Du bist der Welten König, ohne Dich ist finstre Nacht. Könige die Fahnen senken, streuen Asche auf ihr Haupt, Der Posaunen Donner sowohl Land als Meer die Ruhe raubt. Auch ich habe schwer gesündigt. Zum Berrathe nickt' ich gleich. Ich kann nicht die Hände falten. Aber Du bist gnadenreich." Still uud dunkel wird's im Tempel. Kraftlos sinkt der Rabbi hin Und zu seinem Körper neigt sich Ben Rabenu Kilonim. Rührt an's Haupt ihm, rührt an's Herz ihm: „Allelujah, er ist lobt", Die Nwuscha sagt der Cantor, weinend preisen Alle Gott. Frohen Muchs und guter Dinge saß im Schlöffe dazumal Der Herr Curfürst mtt viel Herren, häufig hebend den Pokal. „Ueberlegte fich's der Rabbi? .... Wer kann geben mir Bericht? Warum gibt mir Niemand Antwort? Weiß es auch der Henker nicht? „Rust ihn! Hebt zuvor die Becher! Warum seid Ihr Alle still? Warum unter der Madonna Bild das Licht nicht leuchten will? Kommt der Henker das zu mir? Rein. Amnon ist's, der drübend ringt Der blutigen Hände Rest'" — Der Curfürst todt zur Erde sinkt. Ltterakur. Lulonckak cesko—fcidovsk^ XU. 1892—1893. Der 12. Jahrgang des vom spolek eesk^eb akaderniku—iidu in Prag herausgegebenen israelitischen Kalenders reiht sich in würdiger Weise den früheren Jahrgängen an. Der kalendarische Theil ist mit gewohnter Präzision zusammengestellt. Der literarische Theil wird auch diesesmal von einem Gedichte Jaroslav Vrchlicky's eing,leitet. Dieser größte, böhmische Dichter, der sich auch in her böhmischen Weltliteratur einen Namen guten Klangs erworben hat, behandelt in formvollendeter, geistreicher Weise die Lage von der Entstehung des „Unesane Tokef* und erlaube ich mir. Ihnen eine deutsche Uebersetzung dieses Gedichtes zur gütigen Veröffentlichung zu übersenden, damit die Leser Ihres geschätzten Blattes den Grundgedanken desselben kennen lernen. Außerdem enthält der Kalender eine Abhandlung aus der Feder des Landtagsabgeordneten Herrn Dr. Josef Zalud, in welcher die Gesetzgebung seit der Regierung der Kaiserin Maria Theresia, soweit selbe die Juden betrifft, skizzirt und der Nachweis geliefert wird, daß das Deutschthum den Juden in Böhmen aufgedrängt wurde. Auch die anderen, in diesem Kalender veröffentlichten Artikel, deren ausführliche Skizzirung.ich, wenn Sie erlauben werden, später bringen werde, machen diesen Kalender fiir einen jeden böhmischen Juden sehr lesenswerth, und sei derselbe diesen Kreisen aus's Beste empfohlen. I. S. Kraus. Wochenkalender. Wachen- Juli August 1892 Aw. 5652 Kalender Freitag 5 12 Samstag 6 13 «rmifi Sonntag 7 14 Montag 8 15 Dienstag 9 16 Mittwoch 10 17 Donnerstag 11 18 Freitag 12 19 Briefkasten. M. Jahrzeit 16—17 August; Dienstag Abend — Mittwoch! I. Kaufmann, Frankfurt a/M. Ihr Inserat ist zu umfangreich und wir können es aus diesem Grunde nicht publiziren. Die Polizze eines 50jährigen. Beispiel N. 49. (keine Tontine) Nr. 127,181, Dollars 10,000 einfache Ablebens-Versicherung, ansgestellt 1871, ansgezahlt 1891, Jahresprämie 471.80 Doll. Bilanz der Polizze: 20 Prämienzahlungen 9436 Doll. Reingewinn Ob. Kosten 5811 Doll. Doli. 15,250 Versicherungsbetrag 10,000 Doll. 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