Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020932--01625-3025673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 596 und andere Freunde und Verehrer des Poeten angehören. Man erwartet zahlreiche Festtheilnehiner. Wie«. Se. Majestät haben mit allerhöchster Entschließung vom 15. Juli d. I. dem Borstande der bestandenen 4fr. Cullusvereinigung in Ächshaus, Fabriks- und Realitätenbesitzer Gottlieb Taussig in Wien, das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Bade». Gestern fand das Leichenbegängniß dcr FrauDr.Je ll ine.k unter großartigerBetzeiligung der Bevölkerung statt. Der Badener Ortsfriedhof konnte die große Anzahl der Trauergäste kaum fassen und die fast unabsehbare Wagenreihe staute sich zu wiederholtenmalen. Die Trauerrede hielten die Rabbiner W. Reich und Oberrabbiner Dr. Güdemann, den Trauerchoral sang Oberkantor Singer. Unter den nach Hunderten zählenden Condolenzen. welche Herrn Dr. Jellinek anläßlich des Trauerfalles zukamen, sind zu erwähnen theiluehmende Zuschriften der Cultusvorstände von Wien und Prag, von Geheimrath Dr. Unger, Barone Königswartcr, Albert Rothschild. Baron Alexander Popper, Reichsrathsabgcordneten v. Oppenheimer und Dr. Bloch, Universitätsprofeffor Dr. G r ü n h u t, evangelischem Pfarrer Formet), Ritter v. Borkenau, Oberst- Lieutenant v. B l u m a u e r, Sängerin B i a n ch i u. v. A. ' Karlsbad. (Die Billa der Kaiserin in Karlsbad). Herr Hof-Tapezierer Sigmund Jaratz, welcher in der von der Kaiserin während ihres Aufenthaltes in Karlsbad bewohnten Billa das Bade- Appartemeut eiurichtcte, hat vom Karlsbader S adtrathe folgende Zuschrift erhalten: „Der gefertigte Stadtrath siehl sich angenehm veranlaßt, Ihnen mitzutheilen, daß sich Ihre kaiserliche Majestät über die überaus geschmackvolle und schöne Einrichtung der Kaiscr-Badclvge auf das anerkennendste ansznsprechen geruhte, und wird Ihnen für die exacte Durchführung der Arbeiten und die gehabte Mühewaltung der beite Dank ausgesprochen. Stadtrath Karlsbad, am 25. Juni 1892. Der Bürgermeister Karl Zörkendörfer m. p." Gtyrttfeittt. Dem Religionslehrer der hiesigen Bolks- und Bürgerschulen, Herrn M. Goldschmid wurde von der k. k. Statthalterei auf Grund der Ministerial-Berordnung vom 27. Deceniber 189 t die Befähigung behufs Anstellung als Rabbiner in Böhmen znerkannt. Darmstadt, 20. Juli. Gegen mehrere hiesige Subalternbeamte, die sich in der antisemitischen Agitation bervorgethan haben, ist seitens der Regierung DisciplinarUntersuchung eingeleitet worden. Es wird denselben namentlich zum Vorwurf gemacht, daß sie in amtlichen Lokalitäten Eintrittskarten zu antisemitischen Versammlungen vertheilt haben. Müuche«. Der erste Cantor der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Emanuel Kirschner, ein wegen seines prächtigen Baritons und seiner Meisterschaft als Stimmbildner in weitesten Kreisen geschätzter Künstler, ist zum Professor an der königlichen Akademie der Tonkunst ernannt worden. Frankfurt a. M. Die Kaiserin Friedrich, das griechische Kronprinzenpaar, sowie Prinzessin Margarethe von Preußen und Prinz Friedrich Karl von Hessen hallen sich am vorigen Dienstag mit der Landgräfiu von Hessen bei der Familie Willy von Rothschild ein Rendezvous gegeben. Nachdun sie über eine Stunde auf der Grüneburg verweilt und daselbst den Thee eingenommen hatten, fuhren sie, nachdem ihnen noch beim Abschied von der Baronin v. Rothschild prachtvolle Blumeubouquets überreicht wurden, nach Homburg zurück. Feuilleton. Darlehen. Prager Ghettobild von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". Zeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Streuge verfolgt werde«. UebersetzungSrechte Vorbehalten. I. Es war ein Freitag und einer der abscheulichsten Wintertage des durch seine große Kälte und die Vernichtung der napoleonischen Armee in Rußland berühmten Jahres 1812. Es hatte vierundzwauzig Stunden unablässig geschneit, der Schnee lag stlßhoch auf der Straße und wer dieselbe passiren mußte, versank bis an die Knie in demselben. Ein wilder Sturm fuhr brüllend, pfeifend, sausend, heulend durch die Lüste, peitschte die Schneeflocken, daß sie bevor sie niederfielen, zuerst einen tollen Hexentanz vollführten, fegte die Schneemassen von den Dächern, riß die Eiszapfen von den Dachrinnen und schleuderten sie den Nr. 32 wenigen Personen, die es trotz des grimmigen Unwetters, die : Sttaße zu betreten wagten, unbarmherzig in's Gesicht, Zu diesen zählte ein Mann, der eben über die berühmte, alte Karlsbrücke kommend, den Weg nach der Judenstadt einschlug. Es war dies der Hausirer Baruch Benatek, der unter der Last eines schweren Sackes gebeugt, sich mit der Rechten auf einen derben Knotenstock stützte. Baruch Benatek war ein großgewachsener, magerer Mann von vierzig Jahren, aber die Mühsal seines undankbaren Berufes, die harten Entbehrungen, die er sich bei seiner Dürftigkeit und seiner zahlreichen Familie auferlegen mußte, und die schweren Sorgen, die unaufhörlich an seiner Seele nagten, hatten ihn frühzeitig gealtert und man hätte ihn nach seinen grauen Haaren, seinen welken Zügen und der tiefdurchfurchten Stirne für einen Sechziger halten können. Baruch Benatek befand sich in sehr trüber Gemüthsstimmung und da er weit und breit keinen Menschen sah, der ihn behorchen konnte, machte er seinem gepreßten Herzen in folgenden Worten Luft.; „Ich Hab' doch in meinem Leben Zores') genug ausgestanden, aber so miserablig wie jetzt is es mir doch noch nit gegangen! So e Woch und so e Tag is mir doch noch nit vorgekommen was ich in Mokom') geh' . . . Ich Hab die ganzen sechs Tage nit einen Kreuzer verdient! Wie ich heut früh vom Hans weggegangen bin, hat mein braves Weib ein paar Groschen, auf Schabbodi) * 3), haben wollen, — ich Hab ihr nix geben können, ich Hab nit einen Wierer4) in der Tasch gehabt .... Ich Hab ihr versprochen ich werd ihr Mittag etwas Geld bringen. Ich Hab gedenkt, ich werd das alte Schaukelpferd, das ich vor vierzehn Tagen eingehandelt Hab, beim Fürsten Fürstenberg'schen Portier auf der Kleinseite, verkaufen, oder werd mir der Schäuker Tochaczek, der mir für ein Fußbankl, was ich ihm verkauft Hab, ein paar Groschen schuldig is, zahlen. Ich wär sonst heut in dem miserabligen Wetter, in dem man nit einen schlechten Hund ans dem Haus-jagen thut, gar nit ausgegangen, — aber was thut man nit für Weib und Kind?! schlepp ich das große Schaukelpferd ■ in meinem Sack auf die Kleinseite hinüber. — Der Portier hält' mirs für seinen Enkel äbgekauft, aber dem schlemodrigen') Jüngl") gefällt es nit, e r will e Schimmel und meiner is e Rappe . . . Und wie ich dann zum Schanker Tochaczek komm und ihn bitt', er soll mir die paar Groschen bezahlen, ich brauch sie auf Schabbod, brüllt derTaschkasch') wie ein meschüggener8) Ochs, eh soll mich hinauspacken, ich Hab ihn mit den Füßenschemel bettogen! Schrei ich ganz fein und höflich, Pane'') Tochaczek, was reden sie da für Dummheiten? Wie kann man einen Menschen mit e Fußbänke! betrügen? Is effcher'") das Holz nit echt? oder is es inwendig schlechter als auswendig? Endlich nach vielen Reden, Schreien und Bitten und weil seine Frau eine ganz brave Person — mir recht gegeben hat, macht er mir den Vorschlag, ich soll statt Geld altes Eisen nehmen . . . Denk ich mir, bevor ich gar nix krieg, nehm' ich doch lieber das alte Eisen .... So schlepp' ich das große Schaukelpferd und das schwere alte Eisen von der Kleinseite in die Judengasse herüber .... Der Buckel kracht mir schon, wenn ich mir zu dem alten Eisen einen Träger genommen hätt' ich hält' mehr zahlen müssen, als es werth is, Unter diesem wenig vergnüglichen Selbstgespräche war Benatek endlich, zu Tode ermüdet mit vor Kälte erstarrten Händen und Füßen und schmerzenden Rücken, dagegen ohne einen Kreuzer in der Tasche, an dem Thore seines Hauses in dem alten Postzäßchen in der Prager Judenstadt angelangt. Wenn wir sagen an dem Thore seines Hauses, haben wir uns eigentlich nicht ganz richtig ausgedrückt, er besaß nur einen winzigen Bruchtheil des ganzen Grundstückes, er theilte nämlich den Besitz des vierstöckigen Gebäudes mit nicht weniger.als zweiundzwanzig Condominatoren und er war' unter den dreiundzwanzig der „allerkleinste" Theilhausbefitzer, er nannte nur zwei Stuben im vierten Stockwerke sein Eigenthum. Benatek lud sein fliegendes Magazin mit den darin befindlichen Maaren, den Sack mit dem Schaukelpferde und dem alten Eisen im Hofe ab. Er setzte unbeschränktes Vertrauen in die Redlichkeit seiner Nachbarn und war auch überzeugt daß selbst der unvorsichtigste und leichtsinnigste Dieb nicht so unüberlegt wäre, ihm seine Kostbarkeiten stehlen zu wollen. Dann, i) Leiden, -) in den Stadthäusern, 3) für den Sabbath, 4) Pfennig, 5) unglückseligen, 6) Jungen, 7) Schelm, jüdisch-böhmisch, 8) wahnsinnig, 9) Herr, 10) vielleicht.' Orstrrretchtschr Wochenschrift.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.