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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 594 Wurfes zur Begrenzung der Rechte und Pflichten der israelitischen Religionsdiener u. s. w. einige Bedenken vorzubringen. Bor allem die Frage: Weshalb soll ein Cantor, dessen Anstellung nicht einmal der behördlichen Genehmigung bedarf, österreichischer Staatsbürger sein muffen? Sollte ihm vielleicht die Bornahme von Aufbietungen übertragen werden? Hier in Böhmen werden Eheschließungsverkündiguugen in jenen Gemeinden, welche einen Rabbiner haben, von diesem vorgenommen, und die keinen Rabbiner haben, werden ihn nach Inkrafttreten des Gesetzes vom 20. März 1890 bestellen muffen, so daß der Wirkungskreis der Cantoren sich ausschließlich auf das Gebiet der Liturgie beschränken wird. Und wenn ausnahmsweise mehrere Gemeinden Einen Rabbiner anstellen werden, W müßten dann die Tochtergemeinden einen behördlich autorisirten Religionslehrer haben, welcher die auffälligen Ausbietungen vorzunehmen hatte. Warum soll also ein Nicht-Oefterreicher von der Ausübung des Cantorates hierzulande ausgeschlossen werden? Das Petitum der österreichischen Staatsangehörigkeit wird aber die israelitischen Cultusgemeinden noch empfindlicher treffen, als die Cantoren selbst, da man bekanntermaßen speciell in Böhmen mit dem vorhandenen Cantorenmateriale sein Auslangen nicht finden kann, so find z. B. die Cantoren der israelitischen Cultusgemeinden: Prag (Moor, Singer, Löwensohn), Reichenberg, Pilsen, Budweis, Tabor, Tachau, Pisek, Schültenhofen, Strakonitz, Horazdiowitz, Slabetz u. v. a., von denen sich wohl einige die österreichische Staatsbürgerschaft erworben haben, Ausländer, und durch welche Kräfte sollen nun diese zahlreichen wichtigen Posten besetzt werden? Wenn das Petitum der österreichischen Staatsangehörigkeit der Cantoren von den israelitische» Cultusgemeinden angenommen und von der löblichen Behörde bestätigt werden sollte, würde dies jene bedauerliche Erscheinung zu Tagefördern, welche sich leider durch die Zulaffnng von zumeist jeder Fachkenntniß baren Volks- und Bürgerschullehrern zum Rabbinate in so auffälliger und betrübender Weise bemerkbar macht; daß nämlich — mit wenigen Ausnahmen — dadurch die unfähigsten und zum Theile höchst unwürdige Elemente zu israelitischen Seelsorgern ernannt werden, wodurch dieser bislang ehrwürdige Stand ganz entwürdigt und der Religion selbst der empfindlichste Schaden zugefügt wird. Hoffentlich werden es die löblichen israelitischen Cultusgemeinden reiflich erwägen, bevor fie die Nothwendigkeit der österreichischen Staatsbürgerschaft auch auf den vom obgenannten Gesetze ganz ignorirten Cantorenstand ausdehuen werden, sowie es im Interesse des Judenthums gelegen wäre, nur geeignete und befähigte Kräfte zum Rabbinate zuzulaffen und als Seelsorger zu bestellen. M. Friedman», Cantor und Religionslehrer. Berlin. Der bekannte deutsche Mitarbeiter der deutschen St. Petersburger Zeitung kennzeichnet das Verhältniß des Ultramontanismus zum Antisemitismus folgendermaßen: Jntereffant ist das Verhalten der Centrumsblätter, welche ftarf antisemitisch austreten, viel stärker als sonst, und damit wohl den Gefühlen eines großen Theiles ihrer Leser und besonders auch in der niederrheinischen Bevölkerung entgegenkommen müssen. Wer die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland genauer verfolgt hat, weiß übrigens sehr wohl, daß es nicht die orchodox-conservative Presse vom Schlage Stöckers war, die vor mehr als zehn bis fünfzehn Jahren die schlummernde antisemitische Bewegung wachrief, sondern gerade die Centrumspreffe. In ihr erschienen die ersten und schärfsten Angriffe, sie sammelte und verbreitete jenes statistische Material gegen die Juden, aus welchem Stöcker und seine Freunde nachher schöpften. Das damalige Wachrufen des Antisemitismus war ein ultramontaner Schachzug, um die lebhafte Betheiligung eines Theiles der liberalen Presse an dem Culturkampf gegen die Papstkirche einzudänunen. Haust du meinen Papst, so Hane ich eure Juden! war die einfache Parole. Und die Centrumspreffe hatte damit sowett Erfolg, daß der damalige Hofprediger Stöcker und seine Anhänger zu demselben Mittel griffen, um die Angriffe radical-liberaler Blätter gegen die orthodox-protestantische Geistlichkeit einzuschränk«, welche damals wegen innerer Kirchenfragen viel von sich reden machte. Als der kaiserliche Hofprediger sich des Antisemitismus annahm, zupfte die Centrumspreffe — wohl auf Wink ihrer klugen Führer — leise zurück und geberdete sich gelegentlich sogar als wohlwollende Protectorin gekränkter jüdischer Mitbürger. Da Herr Stöcker die antisemitischen Geschäfte mit Feuereifer besorgte, konnten die Centrumsbläser wohl vergnügt schweigen und sich damit begnügen, nnr von Zeit zu Zeit verstohlen in den Brand zu pusten, damit er hübsch weiter lohe. Nr. 33 Wer einmal die jüngste Geschichte des Antisemitismus in Deutschland schreibt, soll diese Anfänge nicht vergeffen und nicht die Rolle übersehen, welche er zuerst in ultramontanen Händen als Hebel spielte. Erstens: um einem bestimmten Theil der liberalen Culturkampfpresse de» Mund zu stopfen. Zweitens : um der großen Menge an Stelle des Culturkampfes zur Ablenkung einen andern aufregenden Brocken hinzuwerfen. Denn in dieser Menge zitterten noch die Aufregungen der Kciegsjahre 1866 nnd 1870 nach, sie war an starke Actio neu und lebendige Bewegungen gewöhnt, wie solche ja anfangs auch der Culturkampf mit sich brachte. Dem Kampfruf: das ultramontane Papstthum ist der Feind! wurde das Kriegsgeschrei: das Judenthum ist der wahre Feind des deutschen Volkes! entgegenstellt. In den unruhigen Träumen des deutschen Michels wurde damit allmählich der „geisttödtende Hetzcaplan" durch den „blutsaugenden Schacherjuden" ersetzt. Anscheinend brauchen Völker und Kinder durchaus einen grauslichen Fürchtemann, um befriedigter zu sein. Eigenthümlich und recht beachtenswerth ist aber, daß unter dem neuen Curse die protestantische Orthodoxie an ihrem Leibe schmerzlich erfahren mußte, wie der Antisemitismus officiell nicht mehr als hoffähig gilt, während die Presse des Centrums, also der augenblicklich einflußreichsten politischen Partei in Deutschland, antisemitischer als je aufttitt und damit lebhafte Erinnerungen an gewisse Anfänge der antisemitischen Bewegung weckt. Berlin. Die „Staatsbürgerztg." brachte diese Woche folgende Aufforderung: „Zehntausend Lire sind zu gewinnen." Vielleicht wagt rs der talmudfeste Herr Professor Nöldecke, sie sich zu verdienen. Der officiöse „Osservatore cattolico" in Mailand bietet nämlich in seiner Nr. 8538 vom 14. v. M., also jedenfalls infolge der Vorgänge bei dem Processe Buschhoff, diese Summe demjenigen, der die in 75 Artikeln des Blattes gebrachten wissenschaftlichen Beweise für das Vorhandensein des jüdischen Ritualmordes widerlegt. Die Summe wird in Mailand auf der Redaction der Zeittrng bereit gehalten. Mit Bezug hierauf richtete Herr Professor Dr. H. Strack folgendes Schreiben an die Redaction jenes Blattes: „Geehrter Herr Redacteur! Der in Mailand erscheinende „Osservatore cattolico" bietet, wie Sie mittheilen, demjenigen zehntausend Lire, der die in 75 Artikeln des Blattes gebrachten wiffenschaftlichen Beweise für das Vorhandensein des jüdischen Riütalmordes widerlegt." Ich erkläre mich bereit, die Unwiffenschaftlichkeit und Unrichtigkeit jener Aufsätze zu beweisen, sobald drei Schiedsrichter ernannt sind, deren Namen in der Welt irgend welchen Klang haben. Ich stelle dem „Osservatore cattolico" frei, selbst diese drei Schiedsrichter, von denen zwei Katholiken sein können, aus der Zahl derer zu erwählen, welche an irgend einer Universität des Deutschen Reiches (oder an der gleichstehenden Akademie zu Münster) Theologie oder Orientalia lehren. Sobald die Erklärung des „Offervatore cattolico" mir im italienischen Wortlaut Vorgelegen hat, werde ich die Redaction dieses Blattes direct benachrichtigen. Hermann L. Strack. Dr. theol. und außerordentlicher Professor der Theologie." Professor Strack publicirte hierauf im „Berliner Tagblatt" nachstehende Erklärung: Eben erfahre ich von einem Collegen, daß das „Berliner Tageblatt" dir. 377 nach dem „Volk" melde, der „Offervatore cattolico" habe mein Anerbieten, die Beweise des „Offervatore cattolico" für den Ritualmord bei den Juden zu widerlegen, angenommen. Diese Meldung des „Volk" ist durchaus falsch, im Gegentheil, der „Offervatore cattolico" hat sich in feiger Weise zurückgezogen. Er scheint überzeugt zu sein, daß in Deutschland nrcht drei Universitätslehrer zu finden sind, welche das kriüklose Geschwätz des „Offervatore cattolico" für wiffenschaflich haltbar erklären werden. Mit einem Entgegenkommen, wie es in solchen Fällen selten stattfindet, das ich aber zeigen konnte, weil ich der Triftigkeit meiner Gründe gewiß bin, habe ich dem „Offervatore cattolico" freigestellt, drei Schiedsrichter selbst zu wählen, nur die Bedingung stellend, daß es Männer seien, die in der wiffenschaftlichen Welt (das Wort „wissenschaftlich" fehlt in dem Abdruck meiner Herausforderung in den Zeitungen durch einen Druck- oder Abschreibefehler) einen Namen hätten. Die Ansichten nun über das, was ^wissenschaftliche Namen", sind so verschieden, daß eine äußere Norm gegeben werden mußte. Die Race-Antisemiten, welche keinen Buchstaben Hebräisch verstehen, streiten mir Kenntniß der hebräischen Elementargrammatik ab; ich und mit mir Wohl alle des Hebräischen kundigen deutschen Universitätslehrer sind der Ueberzeugung, daß Professor Rohling, Orstrrnichlschr Wochenschrift.

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