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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 32 Orstkerrrichische Wochenfchrist Seite 592 „Zum Vismarck-Culkus". Das clericale „Vaterland" vom 4. August 1892 Nr. 215 enthält unter vorstehender Ueberschrift nachstehenden Artikel: „Bei Gelegenheit des Bismarck-Cultus, welcher gegenwärtig in Deutschland grassirt, wird cs vielleicht intcressiren, wem Bismarck die Gwße seines Namens verdankt. Keinem Anderen, als dem socialistischen Juden Laffalle. Bekanntlich hat Bismarck mit diesen, Juden viel verkehrt, und seine socialistischen Ideen hoch angeschlagen. Emil Laveleye, ein echter Liberaler und Freimaurer, schreibt in seiner Schrift: „Die socialen Parteien der Gegenwart" (Ueberfetzung von Eheberg, pag. 100): „Im Drama „Franz Sickingen" entwickelt (Lassalle) jene Ideen, welche später von Bismarck wieder dargelegt wurden, nämlich, daß die großen geschichtlichen Aenderungen sich vollzogen haben durch Eisen und Feuer .... Im Jahre 1859 veröffentlichte er; eine Brochüre „Der italienische Krieg und die Aufgabe Preußens", in welcher er der deutschen Demokratie denselben Feldzugsplan auseinandersetzte, welchen Bismarck dem König von Preußen unterbreitete, und welchen er, als er Kanzler geworden, sieben Jahre später zur Ausführung brachte." . . Der Jude Lassalle hat, als der König von Preußen im Jahre 1859 sich anschickte, im Angesichte der Siege Napoleons III., und in Folge des Aufrufes des Kaisers von Oesterreich ein Armeecorps an den Rhein zu schicken, dm Ausspruch gethan: „Widersinnige Politik! Napoleon fil. schafft die Geschicke der Demokratie und Deutschlands! Indem er die Errichtung der italienischen Einheit begünstigt, ruft er das Aufblühen der germanischen Einheit hervor. Preußen sollte sich deshalb mit Frankreich verbinden und diese Allianz dazu benützen, um die sämmtlichen deutschen Völker unter seiner Hegemonie zu vereinigen." Laffalle machte sogar mit der Gräfin Hatzfeldt die Reise nach Italien, um Garibaldi zu sehen, welchen er dafür zu gewinnen suchte, eine Expedition nach Wien zu machen zu dem Zwecke, damit die italienische Einheit und die germanische auf den Ruinen Oesterreichs sich ausrichten könnten. „Der König von Preußen billigte damals diese Ideen nicht, obgleich sie ihm vrn Bismarck mit Beharrlichkeit vorgelegt wurden, aber im Jahre 1866 verwirklichte sich das Programm Lassalle's von-Punkt zu Punkt." Wäre es daher nicht billig, daß, nachdem die Größe Deutschlands durch die in Ausführung gebrachten Joeen des Juden Laffalle begründet wurde, damit nicht nur der Ruhm des Berrathes Bismarck's an Oesterreich, sondem auch der Haß des Juden Laffalle gegen das kathollsche Oesterreich von den Nationallib^ralen und den Deutschliberalen gefeiert werde?" chorresxonäenLen. Wie«. Wir lesen in einem Berliner Blatte: „Die Sammlungen für die leidgeprüfte Familie Buschhoff, zu denen gleichzeitig von mehreren Seiten die Anregung erging, sind den Antisemiten erst recht ein Dorn im Auge. Die Herrschaften glauben ein Monopol zu haben auf Sammlungen und ärgern sich über jeden Groschen, d.r neben ihren Klingelbeutel fallt. Die Ausdrücke, in denen ihre Wuth sich äußert, sind vielfach geradezu köstlich. Doch diesmal hilst's nichts, Ihr Herrschaften, die Sammlungen, welche aus diesem Anlaß von Juden und Nichtjuden in schönem Wetteifer veranstaltet worden, werden eine recht stattliche Summe ergeben. Und über die Verwendung der Gelder brauchen sich die Antisemiten ihre geschätzten Kohlrüben auch nicht zu zerbrechen. Daß Buschhoff für alles, was er geduldet und gelitten, reichlich entschädigt, daß ihm eine auskömmliche Existenz gegründet wird, ist selbstverständlich; denn nicht durch eigenes Verschulden ist der Mann an den Bettelstab gekommen, sondern weil er ein Jude war und weil der christliche und „arische" Mob wieder einmal sein Opfer wollte haben. Die Summe, welche dazu gehört, Buschhoff zu entschädigen — soweit es für das, was er erduldet und gelitten, überhaupt eine Schadloshaltung giebt, — diese Summe festzusetzen, möge man getrost dem Ermessen jener Leute anheimgeben, welche an der Spitze der Hllfsaction stehen. Aber es wird weit mehr Geld zusammenkommen, als zur Entschädigung Buschhoffs erforderlich ist. Aus dem Ueberschuß möge man denjenigen eine Entschädigung bewilligen, die gleichfalls unter der durch die Xantener Borkommniffe hervorgerufenen Erregung in materieller Hinsicht zu lechen hatten. Eins aber unterlaffe man ja nicht! Einen Preis auszusetzen auf die Entdeckung des Mörders des Knaben Hegmann! Es ist nothwendig, daß, nachdem die Untersuchung durch die nichtsnutzigen antisemitischen Verdächtigungen auf eine falsche Fährte geleitet worden, auf's Neue die Aufmerksamkeit der Behörden sowohl, als auch der Privaten sich diesem geheimnißvollen Verbrechen zuwende, damit endlich der wahre Thäter entdeckt werde. Jedenfalls muß jüdischerseits Alles gethan werden, was irgendwie zur Erreichung dieses Zieles beitragen kann. Auch das gehört mit zum Kampf gegen den Antisemitismus." Wir 1 unsererseits können diesem Vorschläge nur vom Herzen zustimmen. Wien, 1. August. (Christlich-sociales Fiasco.) Aus Znaim wird gemeldet: Gestern veranstaltete der Christlichsociale Verein in Znaim eine Wanderversammlung in Schattau, zu welcher die Reichsraths-Abgeordneten Dr. Lueger und Schneider, sowie Landtags Abgeordneter G r e g o r i g geladen waren und an der sich ungefähr 800 Personen betheiligten. Als Abgeordneter Schneider zu sprechen begann, entstand ein derartiger Tumult, daß der Regierungs-Commiffär, nach wiederholten fruchtlosen Ordnungsrufen des Vorsitzenden, die Versammlung auflöste. Wien. (Baron Hirsch-Stiftung.) Man theiltuns mit, daß der Reichsrathsabgeordnete und Sectionschef i. P., Dr. Eduard Ritter v. Gniewosz auf die Stelle eines Mitgliedes des Präsidiums im Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung mittelst eines Schreibens an die Curatoren resignin und den Secretär des Curatoriums ersucht hat, dieses Schreiben den Curatoren bekanntzugeben. In der am 30. d. M. stattgehabten Sitzung des Präsidiums der Baron Hirsch Stiftung wurde die Ernennung der Leiter und Lehrer für in Galizien neu zu eröffnende Schulen vollzogen. Demnach werden, nachdem im Laufe des Sommers die sonstigen nöthigen Vorarbeiten bereits durchgeführt worden sind, im September d. I. einklaffige Schulen eröffnet werden in Rawa ruska, wo von 458 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 18 die Schule besuchen, Sassow.wo von 228 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 4 die Schule besuchen, Cwozazieo, wo von 230 jüd. schulpflichtigen Knaben bWs 0 die Schule besuchen, Horodenka, wo von 274 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 45 die Schule besuchen, Monasterziska, wo von 249 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 2 die Schule besuchen, Zborow, wo von 336 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 21 die Schule besuchen, Mielek, wo von 204 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 30 die Schule besuchen, Rozwadow.wo von 158 jüd-. schulpflichtigen Knaben blos 7 die Schule besuchen, Brzesko, wo von 295 jüd. schulpflichtigen Knaben blos 52 die Schule besuchen, Wiesnicz, wovon 281 jüd. schulpflichtige Knaben blos 12 die Schule besuchen. Außerdem werden Abendschulen für Handwerks-Lehrlinge und Analfabeten mit Beginn des neuen Schuljahres eröffnet werden in Zloczow, Kolomea, Borislaw, Buczacz, Sambor, Rzeszow und Tarobrzek. In Mielek wurde am 1. Juli d. I. eine Korbflechtereischule eröffnet. Die Vorarbeiten zur Einführung einer Schule für Kammfabrikation in Sarsow, für Schlossere in Rzeszow und für Färberei in Kolomea sind im Zuge und dürften im Septemb erbeendet sein. Wien. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung eines antisemitischen Grafen und Abgeordneten aus Berlin. Der Verhaftete heißt Georg Ernst Graf von Gersdorff- Hermsdorf, am 27. März 1843 geboren, Rechtsritter des Johanniter-Ordens, kön. preußischer Kammerherr, Laudesältester und Landrath des Kreises Hoyerswerda, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des Provinziallandtages von Schlesien, kön. preußischer Rittmeister a. D. Der Name des Grafen Gersdorff wurde im Winter d. I. anläßlich eines großen Berliner Processes, in welchem er eine eigenthümliche Rolle spielte, vielfach genannt. Es handelte sich um sehr bedenkliche Güter- und Realitätengeschäfte, welche den fteiconservativ - antisemitisch gesinnten Grafen, der ein eifriger Anhänger der Stöcker'schen Theorie war, veranlaßten, den Schauplatz seiner Thätigkeit nach Wien zu verlegen. Hier scheint Graf Gersdorff sich gleichfalls sehr bald in bedenkliche Geschäfte eingelaffen zu haben. Wien. Man schreibt uns aus Petersburg: Eine „Regierung" gibt es bei uns gar nicht mehr, die Orthodoxen prügeln sich mit den Evangelischen und Katholiken, die Christen mit den Mohanimedanern, die Sunniten mit den Schiiten und Alle zusammen sich mit den Juden. Da fast alles Militär nach dem Westen verlegt ist und die hier zurückgebliebenen Bestände nur gering sind, so konnten auch die Unruhen erst nach Ankunft von herbeigeholten Truppentheilen unterdrückt werden. Die Lage der Deuffchen wird immer schlechter, selbst Juden erklären, daß sie trotz der über sie verhängten Ausnahmsgesetze mit den Deuffchen nichttauschen möchten. Diese Gesetze haben nämlrchden Vorzug, daß sie vielfach nicht ausgeführt werden; sobald nur ein Beamter bestochen wird, denkt er überhaupt nicht mehr daran. Die Lage der Deuffchen ist deshalb so prekär, weil die pänslavistische Agitation es dahin gebracht hat, daß sie sowohl den Tschinow.

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