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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Vrstrrrrlchisrtze WochensttzrM Sette 891 derjenigen Schule geleitet, an welcher sich die Schüler gemeldet haben . . . anders bei Kindern jüdischer Confession. Nicht an der betreffenden Schule, nicht von dem an derselben wirkenden Religionslehrer, sondern in der Gemeindecentrale von speciell hiezu bestimmten Personen, wird die Prüfung solcher Schüler aus der Religionslehre vorgenommen." Diese Darstellung, ich bedauere es sagen zu müssen, entspricht nicht der Wirklichkeit. Der Sachverhalt ist vielmehr folgender: Der israelitische Religionsunterricht wird zum Theil intern ad hoc und zum Theil in Sammelschulen ertheilt. Wird der israelitische Religionsunterricht intern ertheilt, so ist der Religionslehrer Mitglied des Lehrkörpers, er ist - bei den Conferenzen anwesend, er schreibt allwöchentlich den absolvirten Lehrstoff ins Classenbuch u. s. w., mit einem Worte, er hat dieselben Rechte und Pflichten wie jeder andere Lehrer, den katholischen Religionslehrer mit eingeschlosseu. Nehmen wir beispielsweise an, eine israelitische Schülerin wird in der Mädchenschule I., Werderthorgasse privatim geprüft (in dieser Schule wird der Religionsunterricht intern u. zw. von Herrn Schnürmacher ertheilt); so wird dieses Mädchen aus israelitischer Religion von genanntem Herrn und nicht von den hierzu speciell ernannten Personen geprüft. Anders liegen die Dinge, wenn der Religionsunterricht in einer Sammelschule, wo Schüler oder Schülerinnen aus verschiedenen Schulen zusammen Religionsunterricht erhalten, ertheilt wird, weil die Zahl in jeder einzelnen Lehranstalt zu klein ist. Hier steht der israelitische Religionslehrer den betreffenden Lehrkörpern ganz fern; er bestimmt sogar ganz nach eigenem Gutdünken den Stundenplan und braucht sich diesbezüglich gar nicht mit den betreffenden Schulleitern in Berbindung zu setzen. Er hat nur darauf zu sehen, daß der Unterricht nicht zu jener Zeit ertheilt werde, wenn in den betreffenden Schulen anderweitig Unterricht ertheilt wird, weshalb in Sammelschulen der israelitische Religionsunterricht außerhalb der Schulzeit ertheilt wird. Amtlich steht daher der Religionslehrer in Sammelschulen mit den Schulleitern nur insoweit in Verbindung, daß er das Verzeichniß der israelitischen Schüler oder Schülerinnen von denselben erhält und daß der Religionslehrer dem Schulleiter quartaliter die Classification der Schüler oder Schülerinnen zusendet. Schüler und Schülerinnen jener Schulen, die den Unterricht in Sammelschnlen genießen, wo kein interner Religionsunterricht stattfindet, oder die an denselben privatim geprüft werden, werden von den speciell ernannten Personen geprüft. Es ist dabei die Absicht ausgeschlossen, irgend jemand zu kränken oder ihm nahe zu treten und glaube ich auch nicht, daß dies jemand annimmt. Der Vorstand hat übrigens diese Ordnung eingeführt, nicht blos mischum maasseh schehojo sondern mischum maassim schehoju auf Grund unliebsamer Erfahrungen, über die ich hier hinweggehen will. Zum Schluffe sei mir gestattet, noch folgendes zu bemerken: Als Jnspector des israelitischen Religionsunterrichtes halte ich mich verpflichtet, für die Religionslehrer einzutreten, wenn es gilt ihre Interessen zu fördern und ihre Wünsche zu erfüllen. Wiederholt habe ich mich daher veranlaßt gesehen, ungebührliche und ungerechtfertigte Angriffe gegen sie, wenn sie öffentlich vorgebracht wurden, auch öffentlich zurückzuweisen; aber es drängt mich auch, der Wahrheit die Ehre zu geben, wenn es sich um den Vorstand handelt. Und wahrlich, die Herren, die jetzt im Vorstände und speciell in der Schulsection sind, haben es am wenigsten verdient, daß man ihnen Borwürfe wegen der Religionslehrer macht. Sie haben vieles für die Religionslehrer gethan und sind im Begriff noch größeres zu thun, worüber ich wohl bald Gelegenheit haben werde, ausführlich zu berichten, Nun ist es gewiß wahr, daß die Herren Lehrer heute auch' noch nicht im Gelbe schwimmen und daß sie manche berechtigte Wünsche haben, aber um wie viel ist ihre Stellung heute besser, als sie noch vor vier oder fünf Jahren war. Ich zweifle nicht im entferntesten daran, daß der Verfasser des Artikels „Ein Wort zur Stellung unserer Religionslehrer" von den besten Absichten geleitet war; soweit mir jedoch die Verhältnisse bekannt sind, glaube ich nicht, daß der Becfaffer im Smne des weitaus größten Theiles der Religionslehrer (und eine kleine Minorität von Malcontenten mag es wohl geben) gesprochen hat. Dr. G. Wolf. LefeMchle. Jason von Kyrene. Am 4. November 1891 feierte in Greifswald Professor Dr. Zoeckler sein 25jähriges Amtsjnbiläum. Die theologische Fakultät überreichte dem Jubilar als Ehrengabe eine von Profeffor Schlatter verfaßte Festschrift: „Jason von Kyrene. Ein Beitrag zu seiner Wiederherstellung." (München, C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung.) Es wird den Lesern der „Oe. W." nicht unlieb sein, etwas von diesem wenig bekannten jüdischen Schriftsteller zu hören. Jason von Kyrene ist der 2. Makkabäer 2, 24 ff. erwähnte Geschichtsschreiber der griechischen Juden, der in 5 Büchern die Ereignisse in Jerusalem während des 2. Jahrhunderts v. Ehr. erzählt hat. Leider ist sein Werk, welches uns in die damaligen Verhältnisse einen genauen Einblick gestatten würde, nicht mehr vollständig erhalten. Nur kurze Auszüge find noch in unseren Händen. Auf Grund der letzteren sucht nun der Verfasser obiger Schrift das Werk Jasons wieder herzustellen. Außer einigen Stücken bei Josephus liegt uns im 2. Makkabäerbuch zunächst ein Stück aus Jason vor. Aber es hat, wie in der Schlatter'- schen Schrift nachgewiesen wird, nicht nur das 2. Makkabäerbuch aus Jason geschöpft, sondern auch das 1. Makkabäerbuch ist auf ihn zurückzuführen und als Uebersetzung einer hebräischen Bearbeitung des Jason aufzufassen. Im 1. Buch steht das hohe Priesterthum im Mittelpunkt, und es wird besonders hervorgehoben, worauf das gute Recht der Hasmonäer ruht, und welche Bedeutung das neue priesterliche Fürstenthum für Jerusalem hat. Im 2. Buch wird das angeführt, was die religiöse Empfindung unmittelbar anregt und zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins dient. Jasons Darstellung war in allen Einzelheiten genau; es fand sich bei ihm „eine Flut von Zahlen" und „eine Menge von Stoff." Er kannte, obwohl er aus Kyrene stammte, die Berhältllisse in Jerusalem aus eigener Anschauung. Als Grieche und Jude verstand er die Ereignisse im Zusammenhang der Geschichte. Er zeigt uns, inwiefern das Griechenthum auf die Juden günstig eingewirkt hat. Er hat aber auch eine feste Ueberzeugung von der Giltigkeit des Gesetzes und betont, daß der Sieg der Makkabäer gebunden ist an ihre Gesetzestreue. Der Zeitpunkt, mit dem Jason sein Geschichtswerk begann, liegt ftüher, als es nach den Auszügen scheinen könnte, indem er die Wirren in Judäa nicht erst mit Antiochus Epiphanes beginnen läßt, sondern auch dieselben bedingenden Ereignisse und die wechselnden Beziehungen von Alexandrien und Antiochien zu Jerusalem schildert. Auch der Schluß Jasons fällt mit dem Schluß der Makkabäerbücher nicht zusammen, sondern behandelt noch die folgende Geschichte. Der Tod Simons, mit dem das 1. Buch schließt, ist keine Epoche. Der Verfasser des Buches weist (l. Makk. 16, 24) noch hin auf ein Buch des Hyrkan. Ueber die Zeit Hyrkans darf Jason nicht hinuntergestellt werden. Mit dem Tode Hyrkans könnte seine Erzählung geschlossen haben. Vielleicht waren seine fünf Bücher so eingetheilt, daß das 1. die Vorgeschichte, das 2.—4. die Zeit von Judas bis Simon, das 5. die Zeit des Hyrkan behandelte. Fr. B. Frau Nahida Reruy ist in Berlin geboren und stammt aus einer orthodoxen protestantischen Militärfamilie. Ihr Aufenthalt in Jtallen bot ihr Stoff zu ihren „Sicilianischen Novellen". In ihrem 20. Lebensjahre wurde mit großem Beifall ein Lustspiel: „Die Rechnung ohne Wirth" von der Dichterin im Wiener Burgtheater gegeben; ihre Stücke „Constanz", „Die Grafen Eckartstein" und „Schicksalswege" wurden gleichfalls sehr beifällig ausgenommen. Nach dem Ableben ihres Gatten, des Dr. Remy, Kunstkritikers der „Boss. Zeit.", widmete sich die reichbegabte Frau nur dem Schriftstellerthum, und legt ihr preiswürdiges Werk „Geheime Gewalten" Zeugniß ab von ihrem Talente, über die höchsten Conflicte, wie den Kampf der Gewissensfreiheit gegen Vergewaltigung in Glaubenssachen, zu schreiben, wobei die episodenhaft verwerthete Figur des Juden „Abraham" viel Talent zur Seelenmalerei und gediegene Kenntniß des jüdischen Volkscharakters bekundet. Ihrer Liebe zur einfach erhabenen Sprache der heiligen Schrift ist es zuzuschreiben, daß fie fich die Kennttriß der hebräischen Sprache vollständig angeeignet und so das reiche jüdische Schriftthum sich zeitig eröffnet hatte. Da die Sprache die seelische Wurzel ist, aus welcher der Bolkscharakter fich entwickelt hatte, war die Dichterin, wie in den Geist der Sprache, so auch in den Geist des jüdischen Volkes eingedrungen, dessen edle wackere Bertheidigung sie führt im Kampfe gegen Borurtheil und Gehässigkeit. Einer tief empfindenden Seele entstammt das Buch „Das jüdische Weib", welches innerhalb weniger Monate drei Auflagen erlebt hat. — Ein größeres Werk „Die jüdische Volksseele" ist von der Dichterin zu erwarten, aus welchem dieselbe jüngst ein Kapitel „Das jüdische Gebet" im „Verein für jüdisch: Geschichte und Literatur" zu Berlin zum Bortrag brachte.

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