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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-05 · 32 (5.8.1892) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Vrstrrrrichifchr Worhrnschrifi. Seite 58g Aus Buschhoffs Briefmappe. Mainz, 25. Juli. Durch Herrn Heinrich Koßman in Köln erhielt der „Israelit" im Original einige von den Tausenden Glückwunschbriefen, die Herrn B u s ch h o f f von Christen ans Deutschland und dem Auslande zugegangen sind. Der Raum unseres Blattes gestattet uns nicht, dieselben vollständig zum Abdrucke zu bringen; doch können wir es uns nicht versagen, einzelne Stellen aus denselben zu veröffentlichen, wobei wir der Discretion halber Orts- und Personennamen nur anzudeuten uns veranlaßt sehen. Aus O . . . . c, 17. Juli schreibt Herr B. K .... g: Ich kann mich so recht in ihre gräßliche Lage hineindenken, in der Sie und Ihre Frau und Tochter, sowie d.r kleine Sigmund geschwebt haben, danken wir deßhalb unserem gemeinsamen Go t (ich bin Christ, evang.), daß er, wenn auch die Sacke selbst leider Nicht aufgeklärt ist io doch Ihre Unschuld an den Tag gelegt hat. Lassen Sie die Menschen, auch Andersgläubige nicht entgelten, was ein niedriggesinnter, verbrecherischer Pöbel und fanatischer Glaubenshaß Ihnen zu Leide gethan, vernünftige und vornrtheilslose Beurtheiler Ihrer Sache haben Sie jedenfalls stets für unschuldig gehalten. Seien Sie überzeugt, daß nicht nur in ganz Deutschland, sondern wohl in der ganzen Welt nicht nur Ihre Glaubensgenossen, sondern auch Christen Ihrer Sache im Innersten beigestanden haben. Herr H. R.r in K . . . . e läßt sich unterin 21. Juli vernehmen: Nehmen Sie herzliche Glückwünsche eines wahren Christen in Empfang, der darin das wahre Christenthum erkennt, daß man edel und human auch gegen Andersgläubige ist. Trotz aller Antisemitenhetze bitte ich Sie, nicht Groll im Herzen gegen die Christen zu tragen. Unterm 19. Juli schreibt Herr W. St ... n aun M . . . z: Ich bedaure Sie nicht deßhalb, daß man Ihnen Haus und Besitzthum zerstört hat, es wird ja dies alles Ihnen wieder ersetzt, aber ich bedaure Sie, daß Sie d^.s Opfer einer Rassenhetze werden sollten, weil Sie Jude sind. Ich bin Christ, und ebenso nennen sich diejenigen, die Sie so schmachvoll verfolgten, sie nennen sich Christen, ohne es zu sein; aber wie weit ist es noch bis sich alle Menschen zum wahren Menschenthum Vervollkommnet haben! Sie haben vieles erdulden müssen, man sucht Sie ja auch bereits zu entschädigen, und da ich für meinen Theil mich mit Geldmitteln nicht betheiligen kann, drängt es mich, Ihnen cuf diese Weise mein Mitgefühl erkennen zu geben, mein Mitgefühl, das ich Ihnen, nicht weil Sie Jude sind, entgegenbringe, sondern weil Sie auch ein Mensch sind, wie wir alle. Ich schätze nicht den Menschen nach seiner Religion, sondern nur lediglich als Mensch und als solchen nach seiner Gesinnung. Professor 3* in Str. drückt in einem längeren Schreiben sein Bedauern über den Antisemitismus als Schandfleck des 19. Jahrhunderts, aus. Als ein kleiner Beweis, wie weit derProzeßBuschhoff seine Wellen geschlagen, möge noch die Zusendung einer Brillantbroche an Frl. Hermine Buschhoff erwähnt werden, die von auswärtigen Touristen von Genua aus abgeschickt wurde. * * * Landgerichtsrath Brixins in Cleve hat gegen das Stocktr-Blatt „Das Volk" wegen Beleidigung, begangen durch Besprechung des Buschhoff-Prozesses geklagt: nach einer Version haben sich der erste Staatsanwalt Baumgard und der Justizminister dieser Klage angeschlossen. Die verklagte Redaktion will den Bürgermeister Schleß, Guertner, Mölders und viele andere Zeugen im Buschhoff-Prozeß als ihre Zeugen berufen. Der Clever Prozeß würde somit in Berlin eine Art Wiederholung erleben. Die Acten über den Prozeß des Xantener Knabenmordes sind übrigens bereits an das Landgericht I nach Berlin abgesandt worden, da auch auf höheren Befehl gegen eine Anzahl antisemitischer Blätter wegen beleidigender Aeußerungen über Beamte, welche in dem Proceß thätig waren, vorgegangen werden soll. In Xanten sind die Nachforschungen nach dem Mörder neuerdings mit großer Energie wieder ausgenommen worden. Die Adresse an den König von Rumänien. Im Folgenden geben wir den Wortlaut der dem Könige von Rumänien von den englischen Juden überreichten Adresse: An Se. Majestät den König von Rumänien. Möge es Eurer Majestät gefallen! Wir, das Londoner Comite der Deputirten der britischen Juden und der Anglo-Jewish-Affociation, sagen höchst ehrerbietig in unserem eigenen Namen und im Namen der von uns vertretenen Gemeinden britischer Juden Eurer Majestät herzliches Willkommen bei Ihrem Besuche dieses Landes. Wir bringen Eurer Majestät unsere aufrichtigsten Glückwünsche dar aus Anlaß der Verlobung Sr. Königlichen Hohett des Prinzen Ferdinand von Rumänien mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Maria Alexandrina von Edinburgh und wir hoffen zu Gott, daß die beabsichtigte Verbindung von dauerndem Glücke sich erweisen wird für Ihre königlichen Hoheiten und für Euere Majestät. Die Juden dieses Landes find dem Throne treu ergeben und für die Person Ihrer Majestät der Königin Victoria von inniger Liebe beseelt. Sie nehmen lebhaften Antheil an allem, was das Glück ihrer Regentin und das Heil des Königreiches betrifft. Sie find stolz darauf, zu der gedeihlichen Entwicklung ihres Landes beitragen zu können durch ihre Bemühungen auf dem Gebiete der Literatur, der Wiffenschaft und der Kunst, sowie in den mannigfaltigsten Zweigen der Gewerbe und Industrie, sind ihnen doch alle diese verschiedenen Bethätigungen auf Grund einer vollständigen Gleichberechtigung mit ihren andersgläubigen Mitbürgern zugänglich gemacht. Wir find sicher, daß unsere rumänischen Glaubensgenoffen, die mit uns von einer und derselben Raffe abstammen und dem gleichen Glauben huldigen wie wir, die gleiche Liebe hegen für König und Vaterland und wohl, wenn es das Gesetz gestattete, in den verschiedensten Berufsarten gleichen Eifer entwickeln würden, das Glück von Eurer Majestät Königreich zu befördern. Unglücklicherweise sind ihnen jedoch Mittel und Wege dazu benommen. Sie sind nicht nur von vielen Gewerben, Handels- und Industriezweigen ausgeschlossen, sondern auch ihr Patriotismus wird unterdrückt, ihre Bestrebungen werden gehindert, ihr Unternehmungsgeist durch drückende Maßregeln gelähmt. Wir wagen es geziemend Eurer Majestät in Erinnerung zu bringen: 1. Daß die höchste richterliche Behörde in Rumänien entschieden hat. daß sogar im Lande geborene Juden, deren Eltern nie Unterthanen einer anderen Regierung waren. Fremde sind. 2. Daß, obschon die Juden gezwungen sind, in der Armee zu dienen, ihnen doch durch ein in beiden Kammern der rumänischen Regierung angenommenes Gesetz verwehrt ist, eine höhere Charge zu bekleiden. 3. Daß sie ausgeschlossen sind von jeder Staatsanstellung und von der Ausübung vieler freien Gewerbe. 4. Daß ihnen die Zulassung zu allen technischen Anstalten verwehrt ist, obwohl diese Institute aus den Steuern erhalten werden, zu denen die Juden ihren Theil beizutragen genöthigt sind. 5. Daß von den mehr als dreitausend Petitionen zum Behufs der Naturalisation, die während der letzten 10 Jahre von den Juden präsentirt wurden, nur 10 Berücksichtigung gefunden haben. 6. Daß d e 250.000 rumänischen Juden vor dem Gesetze in gewissem Siuine rechtlos sind. In Anbettacht solcher Umstände bitten wir unterthänigst, Eure Majestät geruhe, die Lage der rumänischen Juden in höchsteigene und günstige Erwägung zu ziehen und wir wagen diese Bitte aus dem Grunde zu unterbreiten, weil wir überzeugt sind, daß wir von Eurer Majestät nicht mehr verlangen, als was der Berliner Verttag seinerzeit den Bewohnern Rumäniens gewährleistet hat. Wir ersuchen aufrichtig im Jntereffe der Humanität und Gerechtigkeit, Eure Majestät möge Ihren Einfluß und Ihre Autorität aufbieten, um alle die Unzukömmlichkeiten ehestens zu beseitigen, unter denen Ihre rumänischen Juden leiden. Wir sind dessen sicher, daß ein derartiger Schritt sowohl dem der gibt, als auch dem der empfängt, in gleicher Weise zum Segen gereichen würde, daß er zur materiellen Wohlfahrt des Landes und zum Ruhme der Regierung Eurer Majestät ausschlagen würde, abgesehen davon, daß Eurer Majestät und dem königlichen Hause der immerwährende Dank nicht nur der eigenen jüdischen Unterthanen, sondern aller, die sich zum jüdischen Glauben in der ganzen Welt bekennen, gesichert bliebe. Wir bitten den allmächttgen Lenker der Geschicke, Eure Majestät mit Gesundheit und langem Leben zu segnen, damtt Eure Majestät noch lange die Angelegenheiten einer treuen, zufriedenen und glücklichen Natton leiten können. Arthur Cohen, Präsident des Jewish Board of Deputtes, Rothschild, Bicepräfident der Anglo-Jewish-Affociation, Julian Goldsmid, Präsident der Anglo- Jewish-Affociatton. London, den 1. Juli 1892. Der Verleger dqr „Iudrnbordelle". Eine Erinnerung von Friedrich Streißler in Berlin. Es war im Jahre 1887, das genaue Datum chut ja nichts zur Sache, ich stand damals am Anfänge meiner litterarischen Laufbahn, da kam ich zufällig mit einer Persönlich-

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