Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 32 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 866 Orstrrrrichifchr WochrnfttzrM. Nr. 32 Abr Faritzol Mer Amerika. Bon Dr. A. L e w i n. 1451 wurde in Avignon Abraham Farissol geboren, der um 1470 nach Mantua und von da nach Ferrara wanderte, wo er eine Anstellung als Borbeter der israelitischen Gemeinde und Beschäftigung als Schreiber fand. Als solcher schrieb er Bücher ab, denn auch nach der Verbreitung der Druckerkunst wurden die in den israelitischen Gebethäusern benützten Exemplare der fünf Bücher Mosis auf Pergament- .rollen geschrieben. Dieser Vorbeter hat sich in seinen Mußestunden mit Naturwissenschaft beschäftigt. Er verkehrte mit Seefahrern und scheint den wissenschaftlichen Männern seiner Zeit beigezählt worden zu sein, wenigstens hatte er Zutritt an dem Hof Lorenzo's von Medici in Florenz (1485). Ein kleines Buch in hebräischer Sprache, „Brief der Wege des Lebens" hat seinen Namen erhalten. Es ist Anfangs 1526 geschrieben und wurde 1587 zum erstenmale in Venedig geruckt. Er spricht darin üb« die Bertheilung von Wasier; und Land auf der Erde, von den sieben Klimaten, in welche man bisher die bewohnbare Erde zerlegte, auch von den unbewohnten Ländern und gibt Reiserouten nach Palästina, Persien, Indien, von Venedig über Konstantinopel nach Alexandria, von dort nach Flandern und den Weg um Afrrka nach Indien. Nachdem .er von den Entdeckungsreisen ' der Portugiesen nach Aethiopien zum Capo de bona esperanza erzählt und geschildert hat, wie sie nach „Kalikut" gekommen find, sprüht er schließlich im 29. Eapitel von A m e r i k a. „lieber das Auffinden der großen und fruchtbaren neuen Welt und ihre Beschaffenheit, da sie über den Aequator hinaus liegt. Lb es möglich ist, daß Menschen südlich von diesem Aequator, der in der Sprache der Griechen und der Christen toriäa (torrida) zona heißt, wohnen." „Die meisten Physiker und Weltforscher, welche der Kosmographie und der Geographie kundig sind, und besonders der König Potolemäus in seinen Büchern und Zeichnungen, haben übereinstimmend behauptet, daß auf dem Festlands unten an der Südseite unter und gegenüber dem Aequator, der in ihrer Sprache torida zona heißt, und weiter hinaus , nach dem Süden der Welt eine Bevölkerung nicht gefunden weä>en kann wegen der starken Hitze, mit welcher die Sonnenstrahlen hier im Süden die Erdoberfläche treffen. Je weiter aber die Zeit vorschritt und die Entdecker sich vermehrten. Ge- . lehrte und Fürsten, welche aussendeten, das Meer zu durchspähen, um Neues in der Welt zu finden, wurde dieser frühere Hauptgrundsatz nichtig. Nachdem man gefunden hatte, daß das Gebiet des Capo de bona esperanza (Cap der guten Hoffnung) sehr weit vom Gleicher abliegt, meinte man, es wäre möglich, ein anderes neues Land zü entdecken, das noch viel weiter hinter demselben ist. Nachdem dies möglich erschienen ist, hat man es dann als nothwendig und später als wahr erklärt, da die Forscher und Entdecker des Königs von Portugal es jetzt vor zwanzig Jahren mit eigenen Augen gestruden haben." Er hat die Nothwendigkeit deffen, daß man jenseits des Aequators bewohntes Land finden müffe, eben sowohl am Hofe der Medicier in dieser Weise betonen gehört, als auch von einem praktischen Seemanne aus Piombino, der 20 Jahre „diese große Südseite" befahren hatte. Mir scheint, daß, wie uns die Tage länger und kürzer werden, uns, die wir in diesen sieben Klimaten wohnen, vom Gleicher herwärts, das heißt von Süden nach Norden, und wie es bei unS nach der Lage des Klima, in dem wir wohnen, kälter und wärmer wird, und wie die Abnahme und die Zunahme. von Hitze und Kälte, das Kürzer- und Längerwerden der Tage durch das Borschreiten von Sonnenauf- und -Unter- : gehen bewirkt wird, sei nachdem sie sich uns nähert oder von uns entfernt in dem nördlichen Erdviertel, das wir bewohnen, , ebarso es möglich ist , daß sich festes, bewohnbares Land in einem zweiten Erdviertel findet, dem sich die Zeit ebenfalls durch das . Auf- und Untergehen der Sonne, durch Sonnennähe und Sonnenferne ändert und daß dieselbe Verschiedenheit der Jahres und Tageszeiten hat. Es ist ebenso möglich, occh Land und Lmte über den Gleicher hinaus bestehen und dauern können in Folge ihrer Beschaffenheit von der Geburt, ja vom Mutterschoße an, daß sie durch die angeborene Naturanlage und die Mischüng chrer Säfte die gewöhnliche und übliche! Zeit am Lehen-bleiben. Als gewiß erzählen wir, daß die Schiffe des Königs von - Spanien auf Befehl des Königs ausliefen, durch die Straße - von Gibraltar fuhren und eine 16 Monate dauernde Reise machten. Als sie das Capo Verde, das ist das grüne Vorgebirge am südlichen Festlande, links vom Meere hatten und ihm gegenüber im Meere die insnlae fortunatae, welche Spaniolae oder insnlae canariae heißen, spannten sie die Segel am Maste ihrer Schiffe und wendete ihr Gesicht dem Süden zu, ein wenig nach Osten geneigt. Die gedachten Inseln ließen sie im Meere zu ihrer Rechten und das Festland von Nieder- Aethiopien, die westafrikanische Küste, zu ihrer Linken So gingen sie immer in der bezeichneten,. ein wenig östlich geneigten Südrichtung einen Weg von 2l/2 Monaten ohne etwas zu finden oder zu sehen. Fast war ihr Hoffen, daß sie je wieder heimkehren würden, dahin; denn schon war Mangel an Wasser und Holz auf den Schiffen fühlbar geworden, da hat der Willen des Schöpfers, gelobt sei er, sie begnadigt. Die auf den Mastbäumen Sitzenden sahen ein großes, langes grünes, bewohntes Land, das mit Bergen, Thälern, Hügeln, großen Wäldern und Strömen voll süßen und guten Wassers geziert war. Sie fuhren an dieser Seite mehr als 1000 Parafangen entlang, deny sie meinten, vielleicht ist es eine außerordentlich große Insel — und erkannten, an der Längenausdehnung und dem, was sie beim. Hin- und Herkreuzen wahrgenommen hatten, daß es ein Festland sei, das länger ist an Maß, als sonst ein Land und breit mitten im Meere liegt. Wegen seiner Größe und Länge nannten sie es „Neue Welt". Die Menschen, welche dieseGegenden bewohnen, in denen sie sich bald hier, bald da, säst zwölf Monate aufhielten, haben sie erreicht und gesehen, haben mit ihnen gegessen und getrunken und auch unter großer Mühe wie durch Dolmetscher ein wenig mit ihnen gesprochen. Diese Völker dort sind alle schwarz zur Röthe geneigt, mit röthlichen Augen und flammengleichen Gesichtern. Sie sind alle nackt, wohnen ihr ganzes Leben in Löchern, Schlupfwinkeln oder in Hütten, die Wände haben. Weder vorn noch hinten haben sie Kleider oder Hosen und sie verkehren mit einander gleich den Thieren." — Er schildert die Frauen als wenig sittsam und meint, daß die Verwandtschaftsgrade die Verehelichung — so weit bei der laxen Moral von einer solchen die Rede sein kann — nicht hindern. Sie haben weder Fürst, noch Herrscher, weder Lehre, noch Gottheit. Sie lasten sich nur vom Naturtrieb leiten. Sie kennen weder Mobiliar-, noch Grundbesitz, sondern Alles ist dort herrenloses Gut. Sie effen und verpflegen sich gemeinsam. . . „Ost entsteht Stteit und Hader zwischen ihnen, dann kämpfen sie voll Haß gegen einander mit Pfeil und Bogen, mit Steinen und Knütteln. Waffen haben sie nicht und Eisen wird in-diesem ganzen Gebiete nicht gefunden. Die Sieger nehmen ihre Feinde gefangen, tödten und essen sie. Oft salzen sie sie auch ein nach der Weise der Kannibalen, denen Menschenfleisch köstlich mundet. Diese Völker sind sehr gesund wegen ber guten Luft und der Winde, die-dort wehen. Sie werden sehr alt, mehr als 150 Jahre, und nurwenige Krankheiten kommen, vor. Erkranken sie aber, so curiren sie sich mit ihnen bekannten Baumwurzeln. An der Küste werden mit verschieden gestalteten Netzen Fische gefangen, die gut sind und deren Werth nicht nach der Gestalt unserer großen oder kleinen Fische gemessen werden darf, denn es sind dort viele uns ftemde Arten. Auf den hohen Bergen des 'Festlandes sind den Fußlaus en entlang gewaltige Wälder, welche alle Arten von Gewürzen hervorbringen. In diesen Waldungen gibt es viele große und kleine Raubthiere, Löwen und Panther ohne Zahl, balkendicke Schlangen und sonstiges Gewild und schlimmes Gewürm. Am Ufer der Flüsse, die gutes, süßes Waffer haben, findet sich ungemessenes Gold im Sande. Die kleinen Bruchsteine sind edle Steine, welche Werth sind, bearbeitet zu werden. Da Alles, was die Natur in diesem Bezirke hervorbringt, herrenlos Allen gehört, achten sie das Gold nicht und halten die Fundstätten der Edelsteine für werthlos. Abergläubig sind ksie Alle und wenden Zaubermittel und schlaue Künste an, um sich vor dem schädigenden Wesen zü schützen! Dieses Gebiet liegt unter dem Pole des autarctischen Meeres, wie es bei ihnen heißt, und weiter hinaus von der Spitze des Widders. Zur Abendzeit sieben ihnen Sterne am Himmel, die eine Gruppe bilden, uno, wenn man Striche zwischen ihnen zieht, aussehen, wie ein umgekehrtes Kreuz. Auf sie sehend, finden, die dieses Meer befahren, den Weg; wenn der Himmel aber viele Tage bewölkt ist, weicht ihre Zuversicht." Die dem Manuskripte beigegebene Karte des neuen Welttheils fehlt in der uns zugänglichen Ausgabe.