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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-29 · 31 (29.7.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Seite 581 laßt gesehen, eine Betheiligung abzulehnen, da er durch Teilnahme an dem Leichenbegängniß seinen Anstandspflichten gegenüber dem Verstorbenen bereits genügt habe. — In Königsberg in Preußen hat Herr Stadtrath Dr. Walter Simon der Stadt einen recht geräumigen Spielplatz geschenkt und auf eigene Kosten einrichten lassen. Vor einigen Tagen wurde dieser Platz, vor dem Steindammer Thor gelegen, der freien Benützung übergeben. — Der in Heidelberg verstorbene Kaufmann Wolffsohn hat der Stadt Breslau, in der er durch lange Jahre gewohnt hatte, letztwillig 40,000 Mark hinterlassen, deren Zinsen alljährlich an seinem Todestage an bedürftige Personen ohne Unterschied des Glaubens, doch mit Ausschluß von Geistlichen, vertheilt werden sollen. Wolffsohn hat ferner seiner Geburtsstadt Jnowrazlaw zur Errichtung eines Waisenhauses für jüdische Waisenkinder 400.000 Mark vermacht. Berlin. Der jüdische Dichter Ahlwardt. Man macht uns darauf aufmerksam, daß oer Sachverständige im Xantener Prozeß Professor N ö l d e k e 1863 in Göttingen ein Buch herausgegeben hat unter dem Titel: „Die Gedichte des Uvba ibn Alward". Sollte Ahlwardt mit dem jüdischen Sänger verwandt sein, vielleicht sogar in direkter Linie von ihm abstammen?? Braunschweig, im Juli. Die „Israel. Wochenschrift" ist in der erfreulichen Lage, von einer Auszeichnung berichten zu können, die einem Mitglieds des Vorsteher-Kollegiums der hiesigen jüdischen Gemeinde zu Theil geworden ist: Herr John Landauer wurde von der Universität Toronto in Canada zum Ehrendoctor ernannt; und zwar geschah dies in Anerkennung der Verdienste, welche sich Herr L. um die Wiederherstellung der im Jahre 1890 durch eine Feuersbrunst zerstörten Bibliothek der genannten Universität erworben. Das von ihm ins Leben gerufene Comite, dessen geschäftssührendes Mitglied er war, hat die stattliche Zahl von fast 10.000 Bänden für den genannten Zweck zusammengebracht. Unter den Spendern befanden sich auch Se. Majestät der deutsche Kaiser und andere regierende Fürsten. Herr L. verdient jedoch diese Auszeichnung nicht nur für diese geschäftliche Thätigkeit, sondern ist auch — obwohl Kaufmann — durch seine gediegenen Arbeiten auf naturwissenschaftlichem Gebiete in hiesiger Stadt, wie auswärts, rühmlichst bekannt. Schon seit mehreren Jahren ist er Mitglied der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie in Halle a. S., ferner vertritt er sehr häufig den hiesigen naturwissenschaftlichen Verein und den Verein für Gesundheitspflege auf den großen deutschen Kongressen als deren Abgeordneter. Rom. Signor Luzzatti, der vormalige Schatzkanzler, wird die italienische Regierung bei der internationalen Münzconferenz vertreten. Paris. Während eines Aufenthaltes in Luneville verlieh der Präsident der Republik die Insignien der Ehrenlegion dem Gründer der Sammtfabrik in Blamont, M. Edemund Blechmann. — Die städtischen Behörden in Nimes haben zum Ausbau der Synagoge die Summe von 6200 Francs votirt. — Herr Jesse Seligmann aus New-Iork, vergegenwärtig in Rom weilt, hatte eine Audienz beim Cardinal Rampolla, dem Secretär Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII., und ihm die Bitte um Intervention des Baticans zu Gunsten der in verschiedenen Ländern verfolgten Juden unterbreitet. Der Cardinal bemerkte zu Herrn Seligmann, daß das Papstthum noch zu jeder Zeit die Juden beschützt habe, und wo immer dieselben verfolgt wurden, sw stets in Rom sicher gewesen seien. Paris. Unter den Ordensverleihungen vom 14. Juli befindet sich auch die Verleihung des Ordens der Ehrenlegion an M. Samuel Wolf, Ex-Jnspector für Straßen- und Brückenwesen. Lyon. Baron Jonas Bitta, welcher durch 50 Jahre hier lebte, ist jüngst hier gestorben. Derselbe war im Jahre 1820 in Casale (Italien) geboren und hat während seines Aufenthaltes in Frankreich seine italienische Staatsbürgerschaft beibehalten. Seine Anhänglichkeit an sein Vaterland und an den angestammten Glauben sowie seine nicht ostentative Wohlthätigkeit sind die Hauptzüge seines Charakters. Baron Vitta war der Inhaber einer großen Seidenweberei in Piedmont und eines bedeutenden Bankgeschäftes in Lyon. Zur Ehrung seines Andenkens haben die Wittwe und die Kinder desselben 150.000 Francs unter Arme und an Wohlthätigkeits-Jnstitute ohne Unterschied der Religion vertheilt. Petersburg. Die strenge Durchführung der Gesetzesbestimmung, welcher zufolge Juden in den Dörfern des Gouvernements Wolhynien keinen Jmmobilienbesitz haben dürfen, und die Ausweisung vieler Juden aus ihren bisherigen Wohnsitzen hat für den Detailhandel in den Dörfern viele Unbequemlichkeiten nach sich gezogen. In Folge dessen hat der Gouverneur von Wolhynien ein Circular verlautbart, in welchem er ausführt, es sei zu seiner Kenntniß gekommen, daß in einigen Dörfern, aus denen sämmtliche Juden entfernt seien, der Handel mit Gegenständen bäuerlichen Bedarfes gänzlich aufgehört habe, so daß die Bauern oft selbst zur Anschaffung der gewöhnlichsten Bedarfsartikeln gezwungen seien, sehr bedeutende Strecken zurückzulegen. Um diesen Mißstand zu beseitigen, wird den Jsprawniks und Friedensrichtern anempföhlen, der Entwicklung des Klein Handels auf den Dörfern ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden und darauf hinzuwirken, daß in den Dörfern Gemeindebuden für den Detailhandel eröffnet werden. Moskau. Nächsten Monat wird hier eine anthropologische und zoologische Ausstellung eröffnet werden, welche mit einem wissenschaftlichen Congreß verbunden werden wird. Auf Ansuchen des russischen Generalconsuls in Berlin hat die russische Regierung bekannt gegeben, daß jüdischen Gelehrten der Aufenthalt in Moskau zum Besuche der Ausstellung gestattet werden wird. Conftantinopel. Der Saadet (türk.) bespricht den Blut- Prozeß in Cleve, erwähnt, daß in Deutschland, Oesterreich und Griechenland viele Fälle von Rttualmorden angeblich konstatirt wurden, die sich bei genauer Untersuchung als böswillige Berläumdungen ergaben und bedauert, daß sich noch Leute finden, die an solche Märchen glauben. Feuilleton. Eine jüdische Dorfgeschichte. (Schluß.) So erfteulich für Herrn und Frau Werner, wie für die Dame die Thatsache war, daß der bis jetzt von aller Welt sich so Abschließende wieder zugänglich wird, ebenso traurig stimmte sie die Schilderung der Kinder von seinem Innenleben. Tags darauf konnten die Kinder den Abend nicht erwarten und gingen noch am Hellen Tage zu der Klause des Alten und pochten um Einlaß. Er empfing sie fteundlich. Sie waren heute schon viel zutraulicher und gesprächiger als gestern, so daß sich im Gesichte des Alten öfters ein Lächeln zeigte. „Wie kommst du denn hieher in unseren Ort?" ftagte er Harry. „Der Vater konnte es in Amerika nicht mehr aushalten und Mutterl auch nicht. So zogen wir über das große Wasser herüber und werden hier irgendwo wohnen." „Habt ihr mich lieb, Kinder?" „Und wie!" sagten beide auf einmal. Da drückte er sie näher an sich. „Wollt ihr mir einen Gefallen thun, Kinder? nennt mich Großvater." „Das wollen wir thun, Großvater" und sie kletterten eins nach dem Andern an ihm hinauf, strichen ihm den Bart vom Munde weg und versetzten ihm herzhafte Küffe. * * * In der darauf folgenden Nacht ward der durch den Gast seit einigen Tagen wieder eingekehrte Frohsinn im Werner'schen Hause wieder in Trübsal verwandelt. Harry hatte einen unruhigen Schlaf. Seine Mutter wollte ihre Gastgeber nicht in ihrer Nachtruhe stören und setzte sich an das Bett ihres Kindes, es liebkosend, ohne jedoch irgend welche Vorkehrung zu treffen. Erst als es zu hüsteln begann und Athembeschwerden sich einstellten, weckte sie Herrn Werner, der sofort die Krankheit als häutige Bräune erkannte und, vom Schrecken erfaßt, schnell das ganze Haus alarmirte. Es wurde unverzüglich um den Arzt geschickt. Zufällig wurde aber dieser um eine Stunde früher zu einem gefährlichen Kranken nach einem etwa eine Meile entfernten Dorfe geholt. Es war der einzige Arzt im Orte und in der Runde von mehreren Meilen. Bis zur Rückkunft dieses Arztes hätten mindestens vier Stunden vergehen müffen, vier Stunden, wo schon eine Stunde Verzug entscheidend für das Leben sein kann. Frau Werner war so glücklich mit ihren Kindern, daß keines an einer schweren Krankheit litt, und sie wußte daher keines der Hausmittel, das man vor Ankunft des Arztes anzuwenden hat. Die Mutter Harry's wieder lebte in New-Iork in solchen glücklichen Verhältnissen, daß sie ihren

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