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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-29 · 31 (29.7.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 560 Vrstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 31 im Hohlweg hinter Wiemes-Hof steht nach der Neuß. Ztg. noch heute unten im Farren- und Dorngestrüpp ein altes Kreuz mit der Inschrift: „Anno 1791 den 14. Merz ist Anno Morgoretho Terporten alt 9 bis 10 Johr durch eines Mörders Hand grausamlich umgebrocht worden." Vmmjscktek. Wie«. (Preisvcrtheilung an der Akademie der bildenden Künste).Unter den vom Professoren-Collcgium an Modemiker zuerkannten Preisen befinden sich unter Anderen: Moritz 'K o ch e l e s (Wien) für den ersten Lampi- Preis für Aktzeichnen nach der Natur; Adolf Groß (Wien) für den Gundl-Preis für Naturköpfe; Jehuda Epstein aus Minsk in Rußland, Special-Preis fiir Historien-Malerei; Friedrich Fischer, Hofpreis I. Classe für die beste Lösung der Aufgabe auf „Ein Wiedersehen"; Ad. Schaff für ein Reise- Stipendium; Friedrich Brenner (Wien), Julius Jankowitz (Budapest), beide für Specialschul-Preise für höhere Bildhauerei und Rudolf Battek (Wien) Special-Preis für Graveur- und Medaillenkunst. Wie«, 25. Juli. Gestern Vormittags starb hier im hohen Alter von 96 Jahren der bekannte Kalligraph David Prager. Der Verstorbene war ein berühmter Specialist in der hebräischen Kalligraphie. Zahlreiche Votivblätter und Schriftlettern sind nach dem Schriftsystem Prager's vorhanden. In der Wiener Hofbibliochek befindet sich eine hebräische Handschrift Prager's, welche seinerzeit der Großmutter der Kronprinzessin - Witwe Stefanie, der Gemahlin des Erzherzogs Palattn Josef gewidmet wurde. Wie«. (Der „Jude" Richard Wagner.) In dem neuesten Hefte der antisemittschen Zeitschrift „Das zwanzigste Jahrhundert" macht Dr. Heinrich P u d o r auf den Gesichtsschnitt . Richard Wagners aufmerksam und sagt: „Man frage Virchow, ob irgend ein Zug, ob irgend ein Winkel im Wagnerschen Gesicht, im Wagner'schen Kopf deutsch oder germanisch ist?" Am Ende war auch so ein Kohn aus Pohrlitz der Ahnherr Wagner's, und unser Bruckner ist der einzige große Componist reindeutscher Abstammung. Wie«. (Muh am me d — Antisemit.) Die „Deutschsocialen Blätter" unternehmen es allen Ernstes, den Koran auf seinen anüsemittschen Gehalt zu prüfen, und einige gegen die Juden gerichtete Suren zu antisemitischen Hetzzwecken zu benützen. O, diese Herren sind wirklich von einer unausstehlichen Gescheitheit. Jeder in der Geschichte nur einigermaßen bewanderte Mensch weiß, daß der Semite Muhammed auch seine Zeit hatte, wo er gar eindringlich um die Gunst der Juden buhlte und ihnen bettächtliche Concessionen machte. Erst als er sah, daß eine vollständige Verschmelzung des Judenthums mtt seiner neuen Lehre an dem Widerstande des ersteren scheiterte, bekämpfte er die Juden auf Leben und Tod. Aber haben denn Mohammed und seine Nachfolger nicht auch die Christen bekämpft und ihnen alle nur erdenklichen Schlechtigkeiten nachgesagt? Was sollen denn überhaupt — ein für allemal sei's gesagt! — solch' alberne Citate beweisen? Offenbar nichts Anderes, als daß der Glaubens-, Racen- und Nattonalitätenhaß zu allen Zeiten und bei allen Völkern zu gegenseittgen Ungerechtigkeiten führte. Hat nicht der große Voltaire von den Deutschen wie von wilden Australnegern gesprochen? Hat nicht Victor Hugo chnen alle Laster aufgedichtet, und hat üicht Turgeniew, 'so oft er in einem seiner Romane einen elenden Schurken brauchte, ihn zu einem Deutschen gemacht? In Italien ist »poreo tedesco“ ein sehr mundgerechtes Sprichwort und auch dort haben sich die bedeutendsten Männer von Petrarca bis auf Alfieri und Goldoni von den gehäffigsten Beschimpfungen der Deutschen nicht reinhalten können. Glaubt man aber wirklich, daß eine Sammlung derartiger Aussprüche die Schlechtigkeit des deutschen Stammes beweisen würde? Es ist zu läppisch! Br«««. (Zum Dienstjubiläum des Stations-Chef Epler.) Zu Beginn dieses Monats feierte der Stations-Vorsiand der Nordbahn, Inspektor Epler, sein vierzigjähriges Dienst - Jublläum. Die Beamten und Diener der hiesigen Station benützten nun diese Gelegenheit, um ihren Chef in einer stilvoll ausgeführten Adresse zu beglückwünschen und ihrer Verehrung und Werthschätzung desselben Ausdruck zu geben. Es begaben sich nämlich die Beamten insgesammt und eine Abordnung des Dienstpersonales unter Führung des Expeditsleiters Ingenieurs Bosser und des Stationsvorstandstellvertreters Heinrich Sp itzer in die Wohnung des Gefeierten, um demselben die Adresse und einen prachtvollen silbernen Tafelauffatz zu überreichen. Nach Verlesung der Adresse durch Ingenieur Boffer dankte Inspektor Epler, von der Aufmerksamkeit seiner Beamten überaus freudig überrascht und tief gerührt, in warm empfundenen Worten, indem er betonte, daß er seine Erfolge bei der Anstalt haupffächlich den hervorragenden Leistungen seiner Beamten zu verdanken habe. — Unterkralowitz. — Dem Herrn Oberlehrer und Religionsweiser L. K l e i n z e l l e r in Unterkralowitz wurde von der k. k. Statthalterei in Böhmen auf Grund der Ministerial-Berordnung vom 27. Dezember 1891 die Befähigung zur Anstellung als Rabbiner in Böhmen zuerkannt. I. W. Budapest, 21. Juli. (Leichenbegängniß.) Unter großer Theilnahme wurde heute Nachmittags 3 Uhr der Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, Josef Fleischl, zu Grabe getragen. Im Trauerhause versammelten sich zu der angesetzten Stunde nebst den Verwandten und Freunden des Dahingeschiedenen die Mitglieder des Vorstandes der Gemeinde und die Beamten unter Führung des Secretärs Dr. Goldziher, die Vertreter der Chewra-Kadischa unter Führung des Präsidenten Reuß und des Secretärs Dr. Mezey, der israelitische Handwerkerverein mit dem Präsidenten Abgeordneten Dr. Armin Neu mann an der Spitze, Mitglieder des israelitischen Frauenvereins, eine Deputation des israelitischen Siechenhauses, zahlreiche Stadttepräsentanten und angesehene Mitglieder unserer Handelswelt. Zu beiden Seiten der Bahre standen die unter ihrer Fahne ausgerückten Zöglinge des israelitischen Handwerkervereines. Nachdem der Männerchor der israelitischen Gemeinde unter der Leitung des Obercantors Lazarus einen ergreifenden Trauerchoral vorgetragen hatte, widmete Oberrabbiner Dr. Kohn dem Dahingeschiedenen einen überaus warmen Nachruf. Er würdigte seine segensreiche Thätigkeit auf allen Gebieten des israelitischen Gemeindewesens, pries seine selbstlose und hingebungsvolle Wirksamkeit und legte zum Schluffe den „immergrünen Kranz der Anerkennung und Dankbarkeit" nieder auf den Sarg, welcher die irdischen Ueberreste des treuesten und ergebensten Würdenträgers seiner Gemeinde birgt. Unter dem Eindrücke dieser Rede, welche bei den zahlreichen Trauergästen das lebhafteste Echo erweckte, gaben die Leidtragenden dem Todten das Geleite zur letzten Ruhestätte. Berlin. Gegen die Fabel des jüdischen Ritualmordes nimmt der bekannte Berliner Professor der Theologie Hermann Strack in einer Zuschrift an die „Staatsb..Ztg." Stellung. Der in Mailand erscheinende „Osservatore Cattolico" hatte 10.000 Lires Demjenigen geboten, „der die in 75 Artikeln des Blattes gebrachten wissenschaftlichen Beweise für das Vorhandensein des jüdischen Ritualmordes widerlegt". Darauf hin erklärt sich Herr Sttack bereit, die Unwissenschaftlichkeit und Unrichtigkeit jener Auffätze zu beweisen, sobald drei Schiedsrichter ernannt sind, deren Namen in der Welt irgendwelchen Klang haben. Er stellt dem „Osservatore Cattolico" frei, selbst diese drei Schiedsrichter, von denen zwei Katholiken sein können, aus der Zahl derer zu erwählen, welche an irgend einer Universität des deutschen Reiches (oder an der gleichstehenden Akademie zu Münster) Theologie oder Orientalin lehren. Berlin, 23. Juli. Die „Hamburger Nachrichten" veröffentlichen einen Artikel über die Judenfrage, welcher von verschiedenen Zeitungen auf den Fürsten Bismarck zurückgeführt wird. In demselben wird die Agitation der Antisemiten entschieden verurtheilt. Eine antisemittsche Volksversammlung beschäftigte sich gestern Abends mit dem Prozeß Buschhoff und kam zu dem Resultate, daß derselbe den Antisemitismus fördern werde. Zum Schluß wurde eine Sammlung zur Errichtung eines Denkmals fiir den ermordeten Knaben Hegmann veranstaltet. Die „Germania" gedenkt in vaticanischen Kreisen die Canonisirung des ermordeten Knaben Hegmann anzustreben. Berlin. Der antisemittsche „Verein deutscher Studenten" hat ein charakteristisches Zeugniß von der Pietät der urarischen Jugend abgelegt. Wie mitgetbeilt wird, beabsichtigt der Rector der Universität, Geh. Rath Förster, eine gemeinsame Trauerfeier für den berühmten Chemiker Professor A. W. Hofmaun seitens der Professoren und Studenten stattfinden zu lassen. Der Verein „teutscher" Studenten hat sich aber veran-

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