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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-29 · 31 (29.7.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 576 Drstrrrrichtschr WochrnfchrM Nr. 31 „Weiset alle nicht vorher angekündigten Einwanderer zurück und kümmert euch nicht um sie. Vertreibt entschieden alle nicht angekündigten in Mauricio installirten zweifelhaften und unbrauchbaren Elemente. Jede weitere Sendung von Auswanderern ist endgiltig suspendirt. Raschester Bau Mauricio 600 praktischer einfacher Wohnhütten binnen Monatsfrist. Regelmäßiges, militärisches Arbeitsprogramm. Entziehet Faulenzern Nahrung, entfernet Renitente." Durch gutes Zureden wurden die erregten Gemüther beruhigt, die Arbeiten nahmen ihren ungestörten Lauf. AE Ende November Dr. Loewenthal zum anderen Male sich in Mauricio einfand, kam die Preisfrage wieder zur Erörterung. Auch der Preis der Lebensmittel — nach Berechnung des Koswnpreises wurden 30 Percent aufgeschlagen — wurde zu hoch befunden. Die Colonisten behaupteten, man übervortheile sie, und sie kennten bereits die Bedingungen des ihnen für später versprochenen Contracts. Abends 10 Uhr kam es zu lärmenden und drohenden Demonstrationen. Etwa 800 Mann, mit Stöcken, Aexten, großen Meffern bewaffnet, umringten das Verwaltungsgebäude, stießen Flüche und Drohungen aus, verlangten die sofortige Vertheilmig des Erdlots und einen provisorischen Contract. Sie wollten alles bisher Geschaffene vernichten, das Administrationshaus und sämmtliche Magazine in Brand stecken. Es gelang Dr. Loewenthal nur sehr schwer, die Wüthenden zu beruhigen. Der Lärm dauerte bis 2 Uhr Nachts und endete erst, als Dr. Loewenthal die Bertheilung des Erdlots für den kommenden Tag versprach. Um 6 Uhr Früh verließ Dr. Loewenthal die Colonie. Die Lots konnten nicht vertheilt werden, well die Erdmessungsarbeiten noch nicht fertig waren. Wegen des andauernd schlechten Wetters gingen diese Arbeiten nur langsam vor sich. Erst Ende Dezember waren die Erdmeffungen beendet. Mittlerweile wurden die Colonisten bei den Erdarbeiten des von christlichen Colonen gesäeten Weizens beschäftigt, wofür jeder zwei Dollars Papier täglich erhielt. Das Project des Ankaufs von dreizehnhundert Quadratmeilen in Chaco, Austral und in Formosa wurde von den Kammern verworfen, Dr. Loewenthal nach Paris zurückberufen und die Leitung der Jemsh Colonisation Association Dr. Adolf Roth anvertraut, der am 7. Januar in Buenos Aires eintraf. Der sofortige Bau von sechshundert Ziegelhäusern wurde jetzt in Angriff genommen, Hospital und Schule sollten eiligst gebaut werden. Täglich wurden ^acht bis zwölf Familien in die resp. Erdlots hinausgeschickt, nnd Alles schien in das richtige Geleise gekommen zu sein. Baron Hirsch entsendete im April den Colonel Smith, der die Oberleitung der Colonisatton zu übernehmen hatte, während Dr. Adolf Roth die Oberleitung der finanziellen Operattonen behielt. Durch den geringen Erfolg des ersten Versuchs entmuthigt, stellte Baron Hirsch vorläufig die weitere Entsendung von Auswanderern ein. Nach Ankauf weiterer Ländereien soll die Colonisation auf ganz anderer Basis weitergeführt werden. Erste Bedingung fiir die Aufnahme der Colonisten soll der Nachweis sein, daß der Auswanderer wirklich Erdarbeiter ist. Heute und in der nächsten Zeit kann ein Urtheil über die Lebensfähigkeit und das Gedeihen des Unternehmens nicht gegeben werden, da der erste Versuch mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten verbunden war, die Einwanderer sich auch noch nicht eingelebt und ebenso wenig Gelegenheit gehabt haben, ihre Thatkrast zu beweisen. Gedeiht das Unternehmen, kann den Bielverfolgten eine neue Heimath jenseits des Oceans geboten werden, so wird das humane Werk des Baron Hirsch vielleicht von geschichtlicher Bedeutung sein. Ein Wort xuq Stellung unserer Religionslehrer. Die Gleichstellung der jüdischen Religionslehrer mit den Katecheten und Religionslehrern anderer Confeffionen ist nicht nur eine Forderung der Opportunität, nicht nur ein Wunsch der Billigkeit und Gerechtigkeit, sondern ein Postulat der Nothwendigkeit, ein unabweisbares Corrolar zur Gleichstellung der Confeffionen überhaupt, damit eine Lebensfrage der Confeffion. Sowie unzweifelhaft eines der wesentlichsten Elemente der Macht der anderen Confeffionen ihr Priester- und Lehrerstand ist, der, materiell gesichert und von den Sorgen des Lebens beftett, den Erwachsenen mit dem Muche der wirthschastlichen Unabhängigküt, der JugendI— und das ist ein unbestritten äußerste gewichtiges^Erziehungsmoment — mtt dem Glanze der voll anerkannten Autorität und materiellen Freiheit umkleidet, in vollkommener Parität, ja Superiorität zu den weltlichen Lehrern, geaenüberzutteten vermag, so fordert mit gebieterischer Nothwendlgreit auch die hohe Aufgabe der jüdischen Religionslehrer, den Glauben in das kindliche Gemüth einzupflanzen, dem Kinde das unveräußerliche Erbtheil von Jahrtausenden ins Leben mitzugeben, eine entsprechende materiell sichere und genügende, immateriell nach allen Seiten hin achtunggebietende, unantastbare Stellung. Daß der gegenwärtige Zustand, wenn auch gegenüber der Vergangenheit ein wesentlicher Fortschritt, diesen Anforderungen noch nicht entspricht, ist offenbar, gerade die in jüngster Zeit angebahnten Reformen erweisen die Mängel des bisherigen Status zur Evidenz. Immer mehr bricht sich die Erkenntniß Bahn, daß die nothwendige Voraussetzung für eine Hebung des Religionsunterrichtes, damit der religiösen Verhältniffe überhaupt, die Hebung der Religionslehrer auf das materielle und sociale Niveau der entsprechenden Stände anderer Confeffionen ist, positiv die Schaffung der wirthschastlichen Unabhängigkeit, negativ die Vermeidung alles dessen, was auf eine gegenüber den andern Lehrern untergeordnete Stellung hindeuten, was die Autorität des Religionslehrers gegenüber Schülern, Eltern, Standesgenoffen schmälern oder erschüttern könnte. Nicht die Frage in toto zu behandeln, so verlockend das auch wäre, ist die Aufgabe dieser Zeilen; sie wollen nur einen Puntt herausgreifen aus dem Complexe von Thatsachen, welche mit den aufgestellten Forderungen, die ja auch von berufener Seite als berechtigt anerkannt worden sind, im Widerspruch stehen, die Aufmerksamkeit hinlenken auf einen Mißstand, der, so unbedeutend er an und für sich scheinen mag, wegen seiner principiellen Bedeutung Beachtung und Berücksichtigung finden sollte. Die Schüler, welche, ohne die öffentliche Schule zu besuchen, privaten Unterricht genießen, muffen sich zum Schluffe jedes Schuljahres über die Erreichung des gesetzlichen Lehrziels durch eine Prüfung auslveisen. Dieselbe wird von den Lehrern derjenigen Schule geleitet, an welche sich die Schüler gemeldet haben. Der Lehrer des entsprechenden Gegenstandes an der entsprechenden Claffe erscheint, wie natürlich, hiezu berufen, so auch der katholische Katechet rücksichtlich der Religionslehre — anders bei Kindern jüdischer Confeffion. Nicht an der betreffenden Schule, nicht von dem an derselben wirkenden Religionslehrer, sondern in der Gemeinde-Centrale von speziell hiezu bestimmten Personen wird die Prüfung solcher Schüler aus der Religionslehre vorgenommen. Warum dies? Warum diese Ausnahmsbestimmung, die eine persönliche Verletzung des betroffenen Religionslehrers, eine Herabsetzung desselben gegenüber seinen Collegen an derselben Schule, insbesondere gegenüber dem Religionslehrer der anderen Confeffionen involviert, eine Untergrabung seiner Autorität gegenüber Schülern und Eltern mit sich bringt? Sind etwa die Religionslehrer an den Borstadtschulen minder qualificirt als ihre Collegen? Warum vertraut man ihnen dann überhaupt den Unterricht an? Der Unterschied zwischen Religionslehrern erster und zweiter Qualität ist ja doch längst beseitigt. Dazu kommt die unnöthige Belastung der Schüler und ihrer Eltern mit dem oft sehr zeittaubenden Wege von entfernten Vorstädten in die Centtale, mit der Zweitheilung der Prüfung, worüber stets und immer wieder neue Klagen laut werden, die doppelte Classificirung u. s. w., eine Reihe prakttscher Unbequemlichkeiten als Folge dieser Einrichtung, fiir die sich ein stiöhhältiger Grund nicht entdecken läßt. — Etwa die Concenttation? Warum gerade hier der Centtalismus? Eine gewisse Berechtigung mochte er haben zur Zeit, als die Zahl der Religionslehrer eine sehr geringe, die Arbeitstheilung zwischen ihnen eine unausgebildete war. Heute sind jedoch diese Zustände glücklicherweise überwunden. Wozu also diese Einrichtung? Ein Grund für die Erhaltung derselben ist nicht vorhanden, dagegen viele für ihre Beseittgung, praktische wie immaterielle Rücksichten ans die Bequemlichkeit der Eltern, Schüler und Lehrer vor allem und darin die principielle hohe Bedeutung dieses Punktes, die Rücksicht auf das Jmponderabile der Autorität der Lehrer unserer Religion, welche nicht durch solche Disparitäten erschüttert werden darf, die Rücksicht auf den Lehrer selbst, in welchem nicht das Gefühl der Herabsetzung und Minderwerthigkeit erzeugt werden darf. Durch einen Federstrich ist der Mißstand zu beseitigen. Wir erwarten die Reform. F.

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