Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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Sette 556 Orstrrreichtsche Wochenschrift Nr. 30 Referendar Laueelle: Frau Beckmann habe viele Jahre bei sttner Mutter gearbeitet. Seine Mutter sei mit der Beckmann stets sehr zufrieden gewesen und er sowohl als seine Mutter haben nianals den geringsten Zweifel in deren Glaubwürdigkeit und Wahrheitsliebe gesetzt. Die Eltern der Beckmann seien durchaus achtbare Leute. . Kaufmann Oster, Synagogenvorsteher in Xanten: Der fremde Jude Fellemann sei nicht am 29., sondern am 28. Juni 1891 in Xanten gewesen. Seme (des Zeugen) Frau habe dem Fellemanu einen Rock geschenkt. Fellemann sei noch bei verschiedenen anderen Juden in Xanten gewesen; ob er auch beiBuschhoff war, könne er (Zeuge) nicht sagen. Es erscheint alsdann als Zeuge der fünfzehnjährige Schreiuerlehrliua Wilh. Hölskeu: Am 20. August 1891 war ich im Schlachthause von Bruckmann. Es waren in demselben zugegen die Juden Abraham und Hermann Bruckmann und Levi Paßmann. Da hörte ich, wie Abraham sagte: Sie haben schon viel herausbekommen, nun müssen wir dem Buschhoff einprägen, daß er sich nicht verplappert, mehr sollen sie nicht herausbekommen. Metzgermeister Abraham Bruckmann, der alsdann als Zeuge erscheint, bekundet, daß ihm ein auch nur ähnlicher Borgang gänzlich unbekannt sei. Hölske«, der dem Bruckmann hierauf gegenüber gestellt wird, bleibt bei seiner Aussage. Kaufmann Michels (Goch) stellt auf Befragen des Präsidenten entschieden in Abrede, daß er auf dem Bahnhof in Goch mit der Beckmann gesprochen habe. Er sei am Sonnabend gar uicht aus dem Bahnhof gewesen. Er sei am Freitag hier im Zuhörerraum gewesen, und habe Abends auf der Heimreise nur die Beckmann gefragt, ob sie etwas zu Hause zu bestellen habe; über den Fall Buschhoff habe er nicht mit der Beckmann gesprochen. Schnhfabrikant Geritzen (Goch). Präs.: Sie sollen gesehen haben, wie Kaufmann Michels am Sonnabend Abend auf dem Bahnhof in Goch mtt der Beckmann gesprochen habe. Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Dcr Zeuge bekundet im Wetteren: Ullenboom hat mir am 21. oder 22. April d. I. gesagt, indem er auf das Buschhoff'sche Haus zeigte: „Das ist das Mörderhaus oder die Mördergrube. Buschhoff und kein Anderer ist der Mörder, ich laß mir den Hals abschneiden, wenn dies nicht wahr ist." Präsident: Ullenboom, kommen Sie einmal her. Sie haben gehört, was der Mann bekundet hat, haben Sie eine solche Äußerung gethan? Zeuge: Nein, das habe ich jedenfalls nicht gesagt. Präsident: Wie sollte denn der Mann aber dazu kommen, das zu bekunden? Ullenboom: Ja, ich verstehe es auch nicht. Präsident: Sind Sie denn mit dem Manne verfeindet? * Zeuge: Nein. Präsident: Der Mann hat doch einen Eid geleistet? Ullenboom: Ich habe eine solche Aeußerung nicht gethan, wie kann ich auch etwas sagen, ich habe doch weder etwas gesehen, noch gehört. Oberstaatsanwalt: Halten Sie den Buschhoff für den Mörder? Zeuge: Nein. Obttstaatsauwalt: Sind Sie der Meinung, daß Buschhoff ««schuldig ist? Zeuge: Jawohl. Präsident: Zeuge Geritzen, hat Ullenboom vielleicht gesagt, indem er auf das Buschhoff'sche Haus zeigte: Siehst Du, da; steht angeschrieben: „Mörderhaus". Zeuge: Nein. Ullenboom sagte: „Das ist das Mörder-' haus oder auch die Mördergrube. Buschhoff ist es gewesen, ich laste mir den Hals abschneiden, wenn das nicht wahr ist." Wir habe« uns über die Buschhoffsche Angelegenheit noch weiter unterhatten und diese Unterhaltung noch in der Gastwirthschaft von Küppers fortgescht. Ullenboom: Ich gebe zu, daß wir uns über Buschhoff unterhalten haben, und es ist möglich, daß ich mich über Buschhoff nicht günstig ausgesprochen habe. Wenn ich das gethan, so geschah es lediglich, weil ich die vielen Verfolgungen und; wirthschaftlichen Schädigungen fürchtete. Eine solche Aeußerung, Wie sie der Zeuge bekundet, habe ich jedenfalls nicht gethan. Präsident: Sie geben aber zu, etwas Nachtheiliges über Buschhoff gesagt zu haben? Ullenboom: Das gebe ich zu; es geschah dann aber blos, weil ich mich vor den Verfolgungen und wirthschaftlichen Schädigungen fürchtete. Präsident: Sie haben vor Gericht stets zu Gunsten Buschhoff's ausgesagt? Zeuge: Jawohl. Präsident? Wo haben Sie die Wahrheit gesagt? Zeuge: Selbstverständlich habe ich vor Gericht stets die Wahrheit gesagt. Der Präsident läßt die beiden Zeugenaussagen protokolliren und ermahnt beide Zeugen nochmals eindringlichst, sich es vorher zu überlegen, ehe sie das Protokoll unterschreiben, da der Staatsanwalt wohl die Angelegenheit noch weiter verfolgen werde. Beide Zeugen erklären wiederholt, daß sie die Wahrheit gesagt, und unterzeichnen das Protokoll. Vertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Ist es wahr, daß der Vater des Ullenboom, als er bereits auf dem Sterbebette lag, sich den Zeugen Ullenboom und auch dessen Schwester Mathilde ans Bett hat rufen lassen und ihnen gesagt hat: „Ihr werdet in der Buschhoff'schen Angelegenheit jedenfalls vor Gericht als Zeugen erscheinen müssen. Ich ermahne Euch, nicht von der Wahrheit abzuweichen. Ich kenne den Buschhoff sehr genau, der ist viel zu brav, als daß er im Stande wäre, eine solche That zu begehen." Ullenboom: Das ist richtig. Präsident: Haben Sie Ihrem Vater nun auf dem Sterbebette versprochen, uicht von der Wahrheit abzuweichen? Zeuge: Jawohl. Präsident: Haben Sie das auch gethan? Zeuge: Jawohl. Präsident: Sie sind nicht von der Wahrheit abgewichen? Zeuge: Nein. Klempnermeister Alois und Theodor Laugenberg (Goch) bekunden übereinstimmend, daß Ullenboom 4 Jahre bei ihnen gearbeitet habe. Derselbe sei nicht unehrlich, er sei aber ein großer Schwätzer und Prahler gewesen. Klempnermeister Degroth (Calcar): Ullenboom, der vor einigen Jahren bei ihm gearbeitet, habe seiner Schwägerin Geld gestohlen, er habe ihn deshalb entlassen. Präsident: Ullenboom, was sagen Sie dazu? Ullenboom: Ich habe allerdings einmal in einer schwachen Stunde Geld genommen, ich habe das Geld aber auf Heller und Pfennig zuruckerstattet und bin auch noch weiter bei Dearoth geblieben. Frau Seegers, die alsdann als Zeugin erscheint, bestreitet auf Befragen des Präsidenten, daß Ullenboom ihr gegenüber einmal geäußert habe: „Buschhoff ist der Mörder." Die Zeugin bekundet im Weiteren, daß sie am Peter-Panlstage Nachmittag gegen 2XU Uhr zu Isaak gegangen sei, um dort Zeug zu kaufen. Sigmund Isaak sei zum Laden hereingekommen und wieder hinausgegangen. Sie sei alsdann in die Kirche und darauf wieder zu Isaak gegangen. Diese ihre Wahrnehmung habe sie im vorigen Herbst der Frau Küppers mitgetheilt, und letztere habe sie gestern daran erinnert. Steinmetz Brauer bekundet: Am Abende des 29. Juni 1891 sei er ebenfalls in der Küppersschen Scheune gewesen. Da es dunkel war — Küppers habe gesagt, des vielen Strohes wegen dürfe mit Licht nicht in die Scheune gegangen werden — so habe er wenig gesehen. Er habe gesagt: es komme ihm vor, als sei der Knabe dadurch zu Tode gekommen, daß die Kinder „Schweineschlachten" gespielt haben. Sigmund Isaak, der sich in der Scheune befunden, habe ttotz der Dunkelheit sehr bald eine Feile gefunden und gesagt: das ist ja ein scharfes Instrument, mit dem der Mord ausgeführt sein kann. Die Sitzung wird gegen 8'/r Uhr Abends vertagt. Achter Vrrhandlungstag. Cleve, 12. Juli. Gegen 9'/« Uhr Bormittags eröffnet der Präsident, Landgerichts-Director Kluth, die Sitzung mit dem Bemerken: In der „Kölnischen Volkszeitung" ist berichtet worden: ich hätte zu dem