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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 45

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 45)
Language
German
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Nr. 30 Vrstrrve^ifchrWottzrnfchrist. Sette 553 und hat sich keine drei Minuten dort aufgehalten, er kann sich: mithin die Leiche nur flüchtig angesehen haben. Präs.: Wissen Sie das bestimmt.; Zeuge: Jawohl, ganz bestimmt. In weiteren anonymen Briefen wird noch um Ladung! weiterer Zeugen gebeten. Oberstaatsanwalt Hamm: Ich bitte, doch nur solche Zeugen: zu laden, wenn angegeben wird, welche Bekundung die oorge-: schlagenen Zeugen machen sollen, die Verhandlung würde andernfalls kein Ende nehmen. Rechtsanwalt Stapper: Die Bertheidigung ist sehr erfreut, wenn dieser Grundsatz hier zum Ausdruck gelange. Allein die Vertheidigung will keiner Zeugenladung widersprechen, um nicht den Anschein zu erwecken, als fürchten wir irgend eine Zeugenaussage. Der Gerichtshof beschließt, da in einem weiteren anonymen Briefe Zeugen angegeben werden, die bekunden wollen, daß Sigmund Jsaac am Peter-Paulstage Nachmittags halb 3—3 Uhr nicht bei Buschhoff, sondern in seinem Laden gewesen sei. als Zeugen zu laden: Die Eheleute Beekmann, Wilh. Ullenboom, Stadtsekretär Devers, Michels, Görtzen, Hölskeu, Bürgermeister Kaiser (Goch), Helene Bräuer, Sigmund Jsaac, Aloys Langenberg, Friedrich Aangenbers, Abraham Bruckmann, Lheod. Bruckmann, Frau Seegers und Levi Paßmann. Es erscheint alsdann als Zeugin Frau Mauritz Eines Tages kam meine Tochter nach Hause und sagte mir: „Jetzt weiß ich auch Etwas über Buschhoff." Sie erzählte mir: Sie habe den Buschhoff mit seinem Sohne Sigmund in der Cleverstraße getroffen. Sie sei einige Schritte hinter Buschhoff gegangen, da habe der kleine Buschhoff gesagt: „Wenn's nur nicht herauskommt." Buschhoff habe sich nach dieser Bemerkung seines Sohnes ängstlich umgedreht und als er meine Tochter sah, habe er den kleinen Sigmund ängstlich an sich gezogen. Präs.: Was sagten Sie zu dieser Erzählung? Zeugin: „Ich verbot meiner Tochter, irgend Jemandem etwas davon zu erzählen, da ich keine Laufereien haben wollte." Präs.: In einer so wichtigen Sache, wo es sich um einen Mord handelt, da hätten Sie doch die Verpflichtung gehabt,. Ihre Tochter sofort zu veranlassen, der Behörde Miltheilung zu machen. Zeugin: Ich wollte keine Laufereien haben. Die folgende Zeugin ist die Köchin Remy (Goch): Anfang Juli v. I. fuhr ich per Bahn von Goch über Xanten nach Büderich. In Xanten stiegen zwei jüdische Herren ins Coupe. Einer dieser Herren sagte: Xanten wird mir zum Ekel! Der Andere sagte: Ich möchte gern fort, tvenn ich nur könnte. Jedenfalls hat er eine große Dummheit gemacht, daß er es in die Scheune gelegt, ich würde nicht so dumm gewesen sein." Präs.: Hat der Herr dabei einen Namen genannt? Zeugin: Nein, er sagte blos: „Jedenfalls hat er eine große Dummheit begangen, daß er es in die Scheune getragen." Am Bahnhof Büderich verließ ich das Coupe und begrüßte Fräulein Oster, Tochter des Alexander Oster. Als diese mich mit meinem Namen ansprach, stießen sich die beiden Herren an und begannen in einer mir unverständlichen Sprache zu sprechen. Präs.: Kannten Sie die Herren? Zengin: Nein. Präs.: Haben Sie Ihre Wahrnehmungen Jemandem erzählt? Zeugin: Jawohl, ich habe es der Frau Rademacher erzählt. — Kaufmann Gustav Brockhaus (Goch). Am vergangenen Sonnabend früh erzählte mir Janßen, Sohn erster Ehe der Frau Rademacher: Frau Remy weiß etwas von dem Morde, sie wolle sich nicht als Zeugin melden, deshalb habe ich es gethan.! Wittwe Rademacher: Die Remy hat mir eines Tages; ihre Wahrnehmungen erzählt. Präs.: Wann war das? Zeugin: Das weiß ich nicht mehr, jedenfalls ist es schon lange her. Präs.: Weshalb haben Sie davon keine Anzeige gemacht? Zeugin: Ich habe der Wahrnehmung kein Gewicht beigelegt. Es wird hierauf ein an den Staatsanwalt gelangtes Telegramm verlesen, wonach eine Marie Riesen, die einmal bei dem Juden David Brockmann gedient, gehört habe, wie David Brockinann zu seiner Frau, mit der er sich über den Mord unterhalten, gesagt habe: „Der war es." Die Riesen habe hinter der Thür gestanden, als Brockmann diese Aeußerung gethan. Frau Jansen, die hierauf als Zeugin erscheint» bekundet: Am Peter - Paulstage sei sie in früher Morgenstun e einem holländischen Juden» Namens Fellemann, begegnet. Auf ihre Frage: wohin es so früh gehe, sagte Fellmann: er gehe nach Holland. Frau Lenders: Am Abende des Peter-Paulstages, nachdem die Mordthat bereits bekannt war, sagte eine Fra« Schottern zu mir: ^Das hat ein Jude gethan." Ich bemerkte: „Das können Sie doch nicht sagen." In der Kirchstraße begegnete mir Frau Buschhoff. Ich fragte diese: „Ist das wahr." „Es ist nur zu wahr," versetzte Frau Buschhoff. Heute Nachmittag kam Frau Hegmann zu mir und jammerte, daß sie ihr Kind nicht finden könne. Ich suchte Frau Hegmann zu beruhigen und bot ihr eure Tasse Kaffee an. Frau Hegmann hat den Kaffee aber mit den Worten abgelehnt: „Ich trinke keinen Kagee, ich will erst mein Kind haben. Ach Frau Buschhoff, ich habe heute Nacht von so vielem Blut geträumt, das bedeutet zweifellos Unglück." Frau Buschhoff, so erzählte mir letztere weiter, habe darauf erwiedert: „Man darf nicht immer gleich das Schlimmste denken. Der alte Dr. Ueberhorst pflegte zu sagen: Man solle den Teufel nicht an die Wand malen." Ich sagte nach dieser Erzählung zu der Frau Buschhoff: „Es ist doch schrecklich, in welch schrecklicher Verstümmelung das arme, unglückliche Kind gefunden wurde. Das Kind war so gut, das hat doch keinem Wurm etwas zu Leide gethan. Frau Buschhoff war sehr aufgeregt und weinte. Sehr bald kam auch der Ehemann Buschhoff hinzu. Frau Buschhoff sagte zu ihrem Gatten: Adolf, wir können dem lieben Gott nicht genug danken, daß unsere Kinder im Bett gestorben find. Das arme Kind! Es hat vielleicht Mama gerufen, und Niemand hat es gehört. Buschhoff war ganz starr und sagte kein Wort. Schlaffer Schmidthuysen: Am 1. oder 2. Juli v. I. ging Mölders an meinem Hause vorüber und rief: „Haben Sie noch nicht gehört, daß sie den Juden gepackt haben." Ich versetzte: „Nehmen Sie sich in Acht, es sind Juden in der Nähe." Mölders erwiederte: „Und wenn alle Juden von Xanten dabei sind, dann sage ich doch: „Buschhoff hat es gethan." Ich warnte den Mölders, Derartiges zu sagen, wenn er es nicht beweisen könne. Bertheidiger Rechtsanwalt Stapper: Das war am 1. Juli vorigen Jahres? Zeuge: Jawohl. Der Zeuge bekundet im Weiteren: Der verstorbene Jude Paßmann hat mir einmal erzählt: Ich habe in der Zeitung gelesen, daß man Einen zum Tode verurtheilt hat. Der dumme Kerl hat die That eingestanden." Ich erwiederte: „Sein Gewissen wird ihn wohl zu dem Geständniß gedrängt haben." Darauf versetzte Paßmann: „Ich kann Ihnen sagen, wenn unter unseren Leuten so etwas passirt, dann kommt es niemals heraus» das bleibt unter uns, wir sind alle verschwiegen." Präsident: Wen mag er wohl mit „unseren Leuten" gemeint haben? Zeuge: Ich nehme an: er hat die Juden damit gemeint. Präsident: Sie hatten wenigstens diese Auffassung? Zeuge: Jawohl. Präsident: Nun, was haben Sie sonst noch zu bekunden? Zeuge: Bor etwa drei Wochen wurde mir erzählt und gestern hörte ich es wieder: Als der kleine Hegmann beerdigt wurde, da war Buschhoff gerade bei Evers» um etwas zu unterschreiben. Buschhoff habe dabei derartig gezittert, daß ihr» die Hand geführt werden mußte. Präsident : Wer hat Ihnen das erzählt? Zeuge : Wilhelm Huiskens, der Schwager von Evers, hat es dem Deckers und dieser hat es mir erzählt. > Es betritt nun Fra» Hegmann» die Mutter des ermordeten Knaben, bitterlich weinend, den Gerichtssaal. - - Präsident: Nun beruhigen Sie sich, ^raü Hegmänn^ das viele Weinen bringt Ihnen Ihr Kind nicht mehr zurück. Was Einem der liebe Gott auferlegt, muß man mit Geduld ertrage». Rach und nach beruhigt sich die Zeugin und bekundet ans Befragen des Präsidenten, daß sie am Peter-Paulstage überhaupt nicht bei. Buschhoff war. Oberstaatsanwalt Hamm: Früher haben Sie aber bekundet, daß Sie bei Buschhoffs waren? Zeugin: Nein. : . Besitzender Landgerichtsrath Grütering: Als Sie Ihr Kind suchten, sind Sie da nicht bei Buschhoffs gewesen? - Zeugin: Ja, als ich vom Suchen zurückkam. Beisitzender Landgerichtsrath Grütering: Wann mag das wohl gewesen sein?

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