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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 42

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 42)
Language
German
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Srstrrrrkhischr Wochrnschrift Nr. 30 Sette 550 Erster Stnatsanwalt Baumgard: Ich habe soeben ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft zu Dortmund erhalten. Danach hat ein dortiger Buchdruckereibesitzer Namens Reinhard bekundet: „Bor 30 Jahren habe ihm in Wesel ein Jude Blut abzapfen wollen." Ich habe hierzu keine Anträge zu stellen. Es wird alsdann nochmals Fra« Winthuis vernommen. Diese bekundet^auf Befragen: Sie sei am Sonntag, den 2<S. Juni Nachmittags zu Besuch bei der Wittwe Ahls (Mutter des Zeugen Karl Ahls) gewesen. Da sei Mallmann und Karl Ahls in die Ahls'sche Wohnung gekommen. Mallmann habe sie gefragt: ob sie eine Vorladung nach Cleve erhalten habe. Sie habe mit Nein geantwortet. Darauf habe Mallmann gesagt: Sie haben doch gesehen, Frau Winthuis, daß am Peter-Panlstage Nachmittags ein Jude in dem Küppers'schen Garten gewinkt hat. Sie habe darauf geantwortet: Winken habe ich nicht gesehen, ich weiß auch nicht, ob es ein Jude war. Präsident: 9dm Mallmann wie war das? Mallmann: Frau Winthuis hat mir gesagt: der Mann war ein Jude, den sie habe winken sehen. Frau Winthuis bestreitet entschieden, daß sie gesagt, der Mann sei ein Jude gewesen und habe mit der Hand gewinkt. Die folgende Zeugin ist die Wittwe Ahls: Diese bestätigt die Bckundung der Frau Winthuis. Letztere habe gesagt: der Mann habe eher ausgesehen wie ein Christ als wie ein Jude. Präsident: Hat Frau Winthuis gesagt, sie habe den Manu winken sehen? Zeugin: Nein. Das hat sie nicht gesagt. Oberstaatsanwalt Hamm: Mallmann! Sie haben gehört, was zwei Zeuginnen bekundet haben, wie kommen Sie dazu, zu behaupten, Frau Winthuis habe gesagt, sie habe eine» Juden im Küppers'schen Garten winken sehen? Mallmann: Ich habe die Wahrheit gesagt. Oberstaatsanwalt Hamm: Sie hören doch, daß Ihre Aussage falsch ist. Die Zeuginnen sagen doch das Gegentheil. Sie scheine« eure besondere Befähigung zu habe«, alle Zeugenaussagen zu falschen. Mallmann (sehr erregt): Sie haben doch von dem Karl Ahls gehört, daß ich Recht hatte, ich bitte doch den Zeugen Ahls noch einmal zu vernehmen, denn es scheint mir, als wolle man mich blos hier verwirren. Präsident: Ich bemerke Ihnen, Mallmann, daß Sie sich solcher Bemerkungen zn enthalten haben. Sie könnten andernfalls bestraft werden. Oberstaatsanwalt Hamm: Ich bemerke Ihnen, Mallmann, daß die Zeugin Ahls ausdrücklich bekundet hat: Frau Winthuis habe gesagt: es kann eher ein Jude als ein Christ gewesen sein. Mallmann: Frau Winthuis sagte: Der Manu habe wie ein Jude ausgesehen. Ein Jude hat es doch auch gethan. Bertbeidiger Rechtsanwalt' Stapper; Sind Sie heute Früh mit Carl Ahls von Goch nach Cleve gefahren? Mallmann: Jawohl. Bertheidiger: Ich constatire, daß Mallmann gestern Abend bis zmn Schluß der Verhandlung hier gewesen ist, wie ist Mallmarm gestern Abend noch nach Goch gekommen? Zeuge: Ich bin gestern Abend noch mit dem Omnibus nach Xanten gefahren und heute Früh über Goch nach Cleve gefahren. Bertheidiger: Haben Sie heute früh mit Karl Ahls über den Prozeß gesprochen? Zeuge: Jawohl, ich habe ihn aber aufgefordert, nur die Wahrheit zu sagen. Es erscheint als Zeugin Fräulein Helene Bräuer. PräsÄent: Haben Sie am Peter-Paulstage Herrn Siegmund Isaak im Mppersschen Garten gesehen? Zeugin : Nein. Präsident: Haben Sie eine solche Mittheilung einmal der Marie Küppers gemacht? Zeugin: Nein, ich habe einige Tage nach Peter-Paul Herrn Isaak am Wall stehen sehen. Ich ging vorüber, Herr Isaak begrüßte mich und erzählte mir: Er habe sich einige Tage vorher im Küppersschen Garten den Tabak angesehen, er habe selten den Tabak so schön blühen sehen. Präsident: Isaak, ist das richtig? Isaak: Ich erinnere mich nicht, eine solche Aeußerung gethan zu haben. Präsident: Haben Sie einige Tage nach Peter und Paul auf dem Wall gestanden? Isaak: Das ist möglich, ich weiß es aber nicht mehr. Präsident: Sie sagten gestern: Sie seien seit fast 2 Jahre nicht in dem Küppersschen Garten gewesen? Isaak: Ich bin jedenfalls schon seit langer Zeit nicht in dem Mppersschen Garten gewesen. Präsident: Sie sind doch ein Nachbar von der Bräuer und jedenfalls mit der Familie befreundet, es wäre also doch möglich, daß Sie ein solches Gespräch mit der Bräuer geführt haben? Isaak: Wir waren bis zu dem Tage des Hegmann'schen Mordes befteundet, seit dieser Zeit hat aber in Xanten die Freundschaft zwischen Juden und Christen aufgehört. Ich bezweifle aber auch schon deshalb, das Gespräch geführt zu haben, da ich mich für Tabak nicht interessire. Präsident: Zeugin Bräuer, hat Isaak denn gesagt: er sei im Küppersschen Garten gewesen. Zeugin: Jawohl er sagte, er habe sich den Tabak angesehen. Präsident: Isaak, können Sie von Ihrer Wohnung aus in den Küppersschen Garten sehen? Isaak: Jawohl. Präsident: Dann können Sie ja den Tabak gesehen haben, ohne im Garten gewesen zu sein? Isaak: Jawohl. Präsident: Fräulein Bräuer! Was haben Sie nun der Marie Küppers erzählt? Zeugin: Ich habe sie gefragt, was wohl Isaak in ihrem Garten gemacht habe, dieser habe nur gesagt, daß er sich den Tabak angesehen habe. Bertheidiger Rechtsanwalt Gammersbach: Haben Sie heute früh mit der Marie Küppers gesprochen? Zeugin: Jawohl. Bertheidiger: Haben Sie über den Prozeß gesprochen? Zeugin: Nein. Präsident: Dann frage ich die Zeugin, weshalb sie heute früh geweint hat? Zeugin: Ich habe nicht geweint. Bertheidiger: Als ich heute ftüh durch den Corridor ging', habe ich die Zeugin, als sie mit der Marie Küppers sprach, weinen sehen. Die Zeugin hat sich die Augen gewischt und hatte ein ganz rothes Gesicht. Zeugin: Das ist eine Lüge, ich habe nicht geweint, Bertheidiger: Ich denke, daß der Herr Präsident mich vor solcher Beleidigung schützen wird. Präsident: Zeugin, ich muß bemerken, daß Sie sich dem Herrn Bertheidiger gegenüber nicht derartiger Redensarten bedienen dürfen. Ein gebildeter Mensch sagt: „das ist ein Jrrthum." Bertheidiger Rechtsanwalt Gammersbach: Ich habe noch zu bemerke«», daß, «vie «nir berichtet wird, auf dem Corridor fortwährend Zeugenbeeinflussungen stattfiuden; ich ersuche daher den Herrn Präsidenten, Vorkehrungen zu treffen, daß dies verhütet wird. Die folgende Zeugin ist Fräulein Marie Küppers. Diese bekundet: Helene Bräuer habe sie gefragt, was Sigmund Isaak denn in ihrem Garten gemacht habe; dieser habe ihr erklärt, daß er sich den Tabak im Garten angesehen habe. Präs.: Haben Sie eine derartige Mittheilung dem Mallmann gemacht? Zeugin: Jawohl. Präs.: Haben Sie dem Mallmann gesagt: Sie hätten den Isaak am Peter-Paulstage Nachniittags in Ihrem Garten gesehen? — Zeugin: Nein. Präs.: Mallmann, was sagen Sie zu der Bekundung dieser Zeugin? ' Mallmann: Ich habe die Zeugin so verstanden, wie ich es bekundet habe. . . Präs.: Fräulein Küppers, haben Sie heute Früh auf dem Corridor mit 'der Bräuer über den Prozeß gesprochen? Zeugin: Nein. Präs.: Hat die Bräuer geweint? Zeugin: Nein. Verth. Rechtsanwalt Gammersbach: Ich war der MeimutQ, daß die Bräuer geweint habe, jedenfalls war sie auffallend roth im Gesicht und wischte sich die Augen aus. Präs.: Herr Rechtsanwalt, sie behaupteten positiv, daß die Zeugin geweint hat. Es wäre besser, wenn Sie die Behauptung nicht in der bestimmten Form gethan hätten, dann wäre uns das Vorkommniß von vorhin erspart geblieben. Bertheidiger Rechtsanwalt Gammersbach: Ich muß um Verzeihung bitten, ich war der bestimmten Meinung, daß das Mädchen geweint habe.

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