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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 39

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Nr. 30 VrstrrrÄchisrhr Wochrnschrftt.Seite 547 halten. Buschhoff sei hinzugekommen und habe an der Unterhaltung theilgenommen. Postbote Meyering: Er habe am Peter-Paulstage, Vormittags zwischen 10 und 10'/, Uhr den Buschhoff auf dem Markt getroffen, Buschhoff sei in der Richtung der Klug'schen Wirthschaft zu gegangen. Briefträger Legers: Er habe am Peter-Paulstage zwischen 10'/« bis 11 Uhr den.Buschhoff getroffen. Zimmermann Esser: Am Peter-Paulstage Vormittags gegen 9'/a Uhr, sei er dem Buschhoff auf dem Marktplatz begegnet. Buschhoff sei auf ihn zugekommen, habe mit ihm gesprochen und sei alsdann in die Klug'sche Wirthschaft gegangen. Sattler Heumann: Am Peter-Paulstage habe er den Buschhoff, Kock und Dranks in Buschhoffs Parterrewohnung am offenen Fenster sitzen sehen. Nach 3 Uhr Nachmittags sei er zur Pumpen-Kirmes gegangen und habe den Buschhoff dort getroffen. Buschhoff sei bis 5 Uhr hei der Pumpen-Kirmes gewesen, und alsdann in die Gastwirthschast zu Schaut gegangen. Er hatte von Ullenboom gehört, daß dieser am Freitag vor dem Peter-Paulstage das Schlachthaus vernagelt habe. Schmied Dockers: Er sei der Leiter der Pumpen- Kirmes. Er hatte gegen 3 Uhr Nachmittags den Buschhoff eingeladen, zur Pumpen-Kirmes zu kommen. Buschhoff sei dieser Einladung sogleich gefolgt und sei bis 5 Uhr bei der Kirmes gewesen. Alsdann sei er mit Buschhoff zu Schaut gegangen. Mastwirth Schaut: Er sei einer der Ersten auf der Pumpen-Kirmes gewesen. Als er zur Kirmes kam, sei Buschhoff schon dort gewesen. Er habe nichts Auffälliges an Buschhoff wahrgenommen. Nach Beendigung der Kirmes, gegen 5 Uhr Nachmittags, sei Buschhoff in seine Gastwirthschast gekommen und habe gekegelt. Es sei ihn: aufgefallen, daß Buschhoff, der sonst sehr schwer Geld herausgebe, an diesem Nachmittag ohne Weiters bezahlt habe. Als die Nachricht von dem Morde in seiner Gastwirthschast eintraf, sei gerade Sigmund Buschhoff dort gewesen. Dieser sei nach dem Eintreffen der Nachricht fortgelaufen, sei aber bald w'edergekommen und habe seinem Vater etwas ins Ohr gesagt. Letzterer habe darauf bemerkt: „Er wird wohl gefallen sein." Präsident: Buschhoff, tvas hat Ihnen wohl Ihr Sohn ins Ohr gesagt haben? Buschhoff: Ich kann mich absolut nicht erinnern, ich bin doch taub; wenn mir mein Sohn etwas ins Ohr gesagt hätte, dann würden es doch die anderen Anwesenden gehört haben. Kaufmannslehrling Paul Richter : Am Tage nach dem Morde habe er gehört, wie in dem Buschhoff'schen Schlacht- Hause Wesendrup mit Buschhofs über den Mord gesprochen habe. Wesendrup habe gesagt: ich habe meine Bermuthung über den Mörder, ich kann dieselbe aber hier nicht aussprechen. Buschhoff habe mit den Achseln gezuckt. Dasselbe bekundet Reetoratsfchüler Straaten. Dienstmagd Lenfing: Am Peter-Paulstage habe sie gegen 8% Uhr Bormittags den Buschhoff mit einem stemden Juden gehen sehen. Gärtner Doerenberg will ebenfalls den Buschhoff am Peter-Paulstage mit einem stemden Juden haben gehen sehen. Witwe van Grambusch: Sie sei am Peter-Paulstage Nachmittags zu Frau Buschhoff gegangen. Bor dem Hause habe sie Kinder weinen sehen, welche klagten, daß ihr Brüderchen schon seit 10 Uhr Bormittags fort sei urtt> nicht gefunden werden könne. Als sie dies Frau Buschhoff erzählte, habe diese gesagt; „Das Kind wird wohl nach den Kirschen gegangen sein." — Präsident: Haben Sie in dem Buschhoff'schen Hause irgend etwas Auffälliges bemerkt? — Zeugin: Keineswegs. — Präsident : Es ist behauptet worden, Sie hätten in dem Buschhoffschen Hause Schreien und Wimmern gehört? Zeugin: Das ist unwahr, ich habe weder Schreien noch Wimmern gehört. — Präsident: Frau Buschhoff soll Ihnen erzählt haben, daß ihr Vater einmal wegen Kindesmordes in Untersuchung gewesen ist. — Zeugin: Jawohl, lange vor dem Hegmann'schen Morde erzählte mir Frau Buschhoff, daß dies vor länger denn dreißig Jahren geschehen sei. Erster Staatsanwalt Baumgard: Ich habe, da bezüglich dieses Falles die verschiedensten Geriichte umherliefen, eingehende Ermittelungen angestellt und habe festgestellt, daß im Jahre 1834 zu Altenhof bei Neuß ein derartiger Falls geschwebt hat. Der Name Cohn, so heißt der Vater der Frau Buschhoff, kommt aber dort m den Akten nicht vor. Ich habe alsdann Ermittelungen bei dem Land gerichte in Düffeldorf angestellt, von dort aber die Mittheilung erhalten, daß die Men aus dem Jahre 1834 nicht mehr vorhanden seien. Später soll ein Gensdarm auf dem Sterbebette gestanden haben, der Mörder des Kindes gewesen zu sein, auch hierüber habe ich trotz eingehender Ermittlungen nichts feststellen können. Fra» Rose«: Am Tage vor Peter-Paul sei ein stemder Jude in der Gastwirthschast von Ullenboom in Beek bei Xanten, woselbst sie (Zeugin) zur Zeit gedient habe, eingekehrt, habe etwa '/, Stunde dort verweilt und sei alsdann nach Xanten gegangm. Es sei ihr und auch dem Wirth Ullenboom aufgefallen, daß der Jude nicht wieder gekommen war, was er sonst stets zu thun pflegte. Metzger Brockmann: Er sei der Judenverfolgungen wegen aus Xanten weggezogen. Am Peter-Paulstage, Vormittags gegen 8*/2 Uhr, habe er den Buschhoff mit zwei Leuten auf dem Marktplatz auf einer Bank sitzen sehen. Die Verhandlung wird gegen 8'/a Uhr auf Sonnabend vertagt. Sechster Verhandlnngstag. Cleve, 9. Juli. Gegen 9 Uhr eröffnet der Präsident, Landgerichtsdirector Kluth, die Sitzung. Erster Staatsanwalt Baumgard: Ich lege hier einen Sack vor, der bei Buschhof beschlagnahmt worden ist. Es finden sich in demselben Spreuspuren vor, derselbe hat auch zum Theil eine rauchbraune Farbe. Da behauptet worden ist, daß der Sack bei Buschhof versteckt vorgefunden worden ist, so beantrage ich, den Polizei-Sergeanten Schlöer, der bei der Haussuchung dabei gewesen ist, zu vernehmen. Polizei-Sergeant Schlöer: Ich war bei der Haussuchung bei Buschhoff zugegen. Unter verschiedenen Lumpen und anderen Säcken befand sich auch in einem unverschloffenen Schrank dieser Sack. — Präsident: Lag der Sack versteckt? — Zeuge: Er lag unter verschiedenen Sachen und anderen Säcken. — Präsident: Machte es auf Sie den Eindruck, als ob der Sack absichtlich versteckt war? — Zeuge: Nein. —Präsident: Befanden sich Blutspurenam Sack? — Zeuge: Nein. — Präsident: Haben Sie sonst etwas auffälliges an dem Sacke wahrgenommen? — Zeuge: Jawohl, die dunkelrothbraune Farbe. — Präsident: Buschhof, der Sack ist bei Ihnen gefunden worden, ist das Ihr Sack? — Buschhoff: Jawohl. — Präsident: Wie erklären Sie sich die braune Farbe des Sackes? — Buschhoff: Herr Präsident, den Sack haben wir beim Fleischräuchern benützt. — Präsident: War etwas in dem Sack drin? — Buschhoff: Ich glaube, es ist Stroh drin gewesen. — Der Präsident zeigt den Geschworenen den Sack, die in demselben Vorgefundene Spreu und auch die Spreu, die in den Händen des ermordeten Knaben vorgefunden wurde. Es wird konstatirt, daß die Spreu, die in dem Sack gefunden wurde, mit der Spreu in den Händen der Leiche nicht übereinstimmt. Bürgermeister Schlest: Ich habe geglaubt, die braune Farbe rühre von Blutflecken her. Diese Ansicht gewann ich, als Frau Buschhoff bei chrer Vernehmung über die Beschlagnahme des Sackes sich ungemein aufgeregt zeigte und sagte: „Ach Gott, Herr Bürgermeister, nun haben Sie uns auch diesen Sack beschlagnahmt, den wir über das Faß legen, wenn wir Fleisch räuchern." — Oberstaatsanwalt Hamm: Haben Sie gleich nach erfolgter Beschlagnahme geglaubt, daß an dem Sacke Blutspureu seien? — Zeuge: Nein, erst nachdem sich Frau Buschhoff so sehr aufgeregt zeigte und die erwähnte Aeußerung that. — Oberstaatsanwalt Hamm: Zu welcher Tageszeit haben Sie den Sack befichttgt? — Zeuge: Es war bereits Abeno, ich hatte aber die Lampe angezündet. — Präsident: Herr Polizei-Sergeant Schlöer, weshalb haben Sie gerade diesen Sack konfiszirt? — Zeuge: Weil ich die dunkle Farbe für Blutspuren hielt. — Präsident: Wohnten Sie der Vernehmung der Frau Buschhoff bei dem Herrn Bürgermeister bei? — Zeuge: Jawohl. — Präs.: Haben Sie auch wahrgenommen, daß sich Frau Buschhoff sehr aufgeregt gezeigt hat, weil dieser Sack confiszirt war? Zeuge: Jawohl. Präsident: Frau Buschhoff hat gesagt: „Ach. Herr Bürgermeister, uun haben Sie uns noch diesen Sack konfiscirt, denn brauchen wir, wenn wir Fleisch räuchern, um ihn über das Rauchfaß zu legen?" — Zeuge: Jawohl. — Der Oberstaatsanwalt bemerkt, daß die letzte Bekundung der beiden Zeugen neu sei. — Präsident: Mir ist diese Bekundung auch nicht bekannt, in den Acten ist nichts davon enthalten.

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