Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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Sette 546 Arsterrekchtfchr Wochenfchrtfl. Nr. 30 Der folgende Zeuge ist der Branereibesttzer Robert Stamms Mesel). Dieser bekundet: Er glaube von seiner Kinderfrau Katharina Rienen einmal gehört zu haben: Die Schwester der Kinderfrau habe bei einer jüdischen- Familie gedient. Dem Mädchen habe emmal bei der Zubereitung von Speisen der Finger geblutet. Als sie sich das Blut abwaschen wollte, habe der Hausherr gesagt: „Lass nur, es schadet nichts, wenn etwas Bült in die Speisen kommt." Staatsanwalt: Sie sagen heute, Sie glauben es gehört zu haben, früh« haben Sie bestimmt gesagt, daß Sie es gehört haben. Der Zeuge schweigt. Rittergutsbesitzer Busch: Bor 30 Jahren habe chm eine Magd erzählt, daß sie bei einem Juden gedient habe. Dieser habe chr an jedem jüdischen Festtage gegen Entgelt etwas Blut abgezapft. Präs.: Lebt die Magd noch? Zeuge: Nein, diese Magd hat sich am 20. Februar 1863 ertränkt. Staatsanwalt: Die eingehendsten Erhebungen haben keinen Anhalt für diese Erzählung gegeben. Ich will noch bemerken, daß der Zeuge Busch vor 30 Jahren 12 Jahre alt war. - Es erscheint alsdann als Zeugin die Kinderfrau van Rieue«: Sie habe vielfach bei Juden gedient und sei von diesen stets gut und liebevoll behandelt worden. — Präs.: Hat Ihnen ein Jude einmal Blut abzapfen wollen? — Zeugin: Nein. — Präs.: Haben Sie eine solche Erzählung einmal Herrn Stamms gemacht? — Zeugin: Nein. Staatsauwalt: Der Zeuge Stamms wollte auch einmal gehört haben, daß ein Artillerist, ein Einjährig-Freiwilliger in Wesel, gebürtig in Essen, eine ähnliche Geschichte erzählt habe. Eingehende Erhebungen haben ergeben, datz zur Zeit überhaupt kein Einjahrig-Freiwilliger in Wesel gewesen ist. Nun meldet sich wiederum Fuhrherr Mallmann und bemerkt, daß eine Witwe Schmelzer in Xanten seine heute Bormittags von ihm gemachte Bekundung bestätigen könne. Auf Antrag des Staatsanwaltes beschließt der Gerichtshof, die Witwe Schmelzer als Zeugin zu laden. Der folgende Zeuge ist der Zimmermeister Rothers. Dieser bekundet: Er habe, nachdem er von dem Morde gehört, hiervon zuerst dem Knippenberg, der der Onkel des kleinen Johann war, mitgetheilt. Knippenberg habe sich lachend auf seinem Stiefelabsatz umgedreht und gesagt: „Was geht mich die ganze Mordgeschichte an?" Sehr bald habe sich die Nachricht von dem Morde in der Stadt verbreitet. Es bildeten sich Gruppen auf den Straßen, unter diesen befand sich auch Buschhoff. Es habe nicht genau hören können, was Buschhoff gesagt, er habe blos das Wort „Hegebaum" von demselben gehört. Knippenberg habe bei seiner Schwester Katharina gewohnt, sich oftmals mit dieser gezankt und ihr oftmals gedroht, er werde ihr den Hals abschneiden. Ende August oder Anfang September 1890 sei in dem Hause Knippenberg's großer Spektakel gewesen. Er habe einen Augenblick auf der Straße gewartet, unö da sei sehr bald die Katharina mit bebluteter Hand aus dem Hause gekommen und habe alsdann acht Tage lang die Hand in der Binde getragen. Der Zeuge bekundet im Weiteren auf Beftagen des Präsidenten: Er kenne den Buschhoff schon seit vielen Jahren. Er habe denselben als einen sehr gutmüthigen, braven Mann, kennen gelernt, der nicht im Stande sei, Jemandem eine Ohrfeige zu geben. Endlich bemerkt noch der Zeuge: Der frühere Lehrer in Xanten habe ihm einmal gesagt: Buschhoff mache rhm viel zu schaffen. — Präsident: Was mag der Mann damit gemeint haben? — Zeuge: Das weiß ich nicht. — Präsident: War er vielleicht der Meinung, Buschhoff erfülle nicht alle den Israeliten vorgeschriebeneu Zeremonien? — Zeuge: Das ist möglich. Geh. Medieinalrath Dr. Pellmaun bemerkt zu der Bekundung dieses Zerren: Er halte an seinem Gutachten fest. Präsident: Halttn Sie für ausgeschlossen, daß Knippenberg den ' Mord begangen hat? — Sachverständiger: Ich halte es nicht für wahrscheinlich, für ausgeschloffeu halte ich es nicht. Lehrer Gottschalk: Er habe ürrz vor dem letzten Weihnachtsfest ein«r Streit zwischen Knippenberg und seiner Schwester Katharina beobachtet. Letztere ist aus dein Hause hinausgelaufen und habe gerufen: „Du Mörder, du Halsabschneider!" — Präsident: Herr Geh. Rath Pellmann, glauben Sie, daß Knipparberg, um an seinem Schwager Hegmann Rache zu üben, die That begehen konnte? — Sachverständiger: Nein, ich bin der Meinung, wenn er die That begangen hätte, würde er sie eingepehen. — Ober-Staatsanwalt Hamm: Sie haben gesagt, Herr Geheimrath, daß Knippenberg seit einem Jahre bedeutend schwachsinniger geworden ist. Kann derHerr Geheimrath uns sagen, ob er vor einem Jahre der That fähig gewesen wäre? — Sachverständiger: Das läßt sich schwer sagen. — Bertheidiger Gammersbach: Ist der Zerfall oer Geisteskräfte des Knippenberg von Einfluß auf sein Gedächtniß gewesen? — Sachverständiger: Er erinnert sich gewisser Dinge noch, es ist mithin wohl anzunehmen, daß er sich auch der That erinnern würde. Bertheidiger Gammersbach: Er hat aber soeben auch den Herrn Bürgermeister nicht erkannt. Gehr. Pellmann: Eine solche Vergeßlichkeit ist nicht eingetreten. Hier z. B. kennt er den Bürgermeisten von Xanten nicht, in Xanten kennt er ihn. Geheimrath Pelmann bittet den Bürgermelster Schleß, unmittelbar vor den Kn. zu treten, und dann entsteht zwischen Pelmann und Kn. folgende Fragen und Antworten: Kennt Ihr diesen Mann? — Ne. — Aber doch! Ne. — Ist das nicht Euer Bürgermeister? Früher ist er es gewesen. — Lebt er nicht mehr? — Ne, nicht mehr. — Wie hat er geheißen? — Schleß. — Wie viel Kinder hat er? — Vier. (Knippenberg zählt vier Namen auf.) — Hat Eure Schwester auch Kinder gehabt? — Ja, Gretchen, Schängchen. (Kn. uennt noch zwei) — Bon wem sind die Kinder? — Vom Wilhelm. (So heißt der Schwager Hegmann.) — Wo sind die Kinder? — Todt. — Wann ist das Schängchen gestorben? — Ich weiß es nicht. — Wo ist er gestorben? — Ist lange todt. — Habt Ihr ihm etwas gethan? — Ich bin nicht dabei gewesen. — Wer hat es Euch gesagt? — Die Militärs. Geheimrath Pellmann erklärt nochmals, wenn Knippenberg den Knaben Hegmann getödtet hätte, würde er es nicht verheimlichen, sondern es für eine Heldenthat halten. Witwe Bernsmann: Am Peter-Paulstage, Mittags gegen zwölf Uhr, habe sie einen häßlichen Juden an ihren! Fenster vorübergehen sehen, der Jude sei nach der Cleverstraße zu -gegangen, sie wisse aber nicht, ob er zu Buschhoff gegangen sei. Viehhändler Portmann: Etwa 8 bis 9 Tage nach, dem Morde sei er mit dem Kaufmann Acker nach seiner Behausung gegangen. Da habe er lautes Sprechen auf der Straße . gehört. Es habe sich umgedreht und zwei Betrunkene gesehen. ’ Er sei der bestimmten Meinung, daß dies Wesendrup und Mölders gewesen seien. Er habe Beide an der Stimme erkannt, genau habe er die Männer nicht erkennen können, da es bereits dunkel war. Eine weitere Zeugin, Frl. Bertha Kahn, bestätigt vollinhaltlich die Bekundung des heute Vormittags vernommenen Zeugen Isaak. Die folgende Zeugin ist Fran Jansen: Sie sei am Peter-Paulstage Nachmittags gegen 5 Uhr zu Buschhoff gekommen. Sehr bald sei Buschhoff, den sie augenblicklich in seiner Behausung nicht angetroffen, nach Hause gekommen und etwa */4 Stunde zu Hause geblieben. Buschhoff bat seine Frau, ihm etwas Kleingeld zu geben, da er Kegelschieben gehen wolle. Sie habe den Buschhoff, mit dem sie viel Geschäfte gemacht, als einen reellen Mann kennen gelernt. Conditor Wilhelm Küppers: Er sei ani Peter-Paulstage gegen 2% Uhr Nachmittags zum Hochamt gegangen. Als er bei dem Schlachthause des Buschhoff vorüberging, habe er Klopfen und ein lautes Gespräch gehört. — Präsident: Haben Sie Schreien oder Klagetöne gehört? — Zeuge : Nein, es kam mir vor, als wäre so durcheinander gesprochen worden. fprstelede Karl Küppers schließt sich der Aussage ruders, des Borzeugen, vollständig an. Der Zeuge bekundet im Wetteren, daß, als er des Abends vom Schützenfeste kam, Buschhoff ihn gefragt habe: ob in seines Vaters Scheune scharfe Messer seien; es sei doch möglich, daß der kleine Hegmann auf diese Messer gefallen sein könnte. Fra« Lohmann: Sie sei am Peter-Paulstage gegen 11 Uhr Vormittags zu Buschhoff gekommen und habe dort die Hermine und Frau Buschhoff antzetroffen, Frau Buschhoff habe zu Bett gelegen. Buschhoff kenne sie als ehrlichen, guten Mann. Metzger Everts: Er schlachte seit 10 Jahren mit Buschhoff zusammen. Buschhoff habe ihn niemals übervortheilt. Am Peter-Paulstage Vormittags gegen 11 Uhr sei Buschhoff bei ihm gewesen. -Sie haben sich lediglich über Geschäfte unterhalten : er habe an Buschhoff nichts Auffallendes bemerkt. Handelsmann Salders: Am Peter-Paulstage, Vormittags zwischen 9—10 oder zwischen 10—11 Uhr, habe er mit einem Bekannten auf dem Markt gesessen und sich dort unter»