Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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Seite 544 M-chmrWM. zu stMeu. Präsident: Aber nur durch mich. Das Gesetz sagt, der Vectheidiger habe das Recht, das zu verlangen. Der Vorsitzende hat nur berechtigte Fragen zuzulaffen. Auf weiteres Befragen bekundet noch Kaplan Breffer, daß. er keineswegs Kinder, die über die Sache etwas wußten, vernommen, fonbern sie nur aufgefordert habe, die volle Wahrheit zu sagen. Taglöhuer Schmeltzer: Seine Fenster führen nach dem sogenannten Portewege. Er habe am Peter-Paulstage von 4 bis gegen 6 Uhr am Fenster gesessen, zum Fenster hinausgesehen und nichts Auffälliges wahrgenommen. Frau Schmeltzer: Sie sei am Peter-Paulstage den ganzen Tag über zu Hause gewesen, habe oftmals zum Fenster hiuausgesehen, aber nichts Auffallendes wahrgenommen. Am folgenden Tage habe Frau Büschhoff nichts gegessen, sie habe gehört, daß dieselbe an Magenschinerzen gelitten habe. Sie habe am Tage nach Peter und Paul auch gewaschen, habein Folge dessen viel auf dem Hofe zu thun gehabt. Sie habe gesehen, daß das Buschhoff'sche Schlachthaus fest zu war; ob dasselbe vernagelt gewesen, wiffe sie nicht. Präs.: Haben Sie im vorigen Jahre den Keller des Buschhoff gereinigt? Zeugin: Nein, ich weiß aber, daß der Keller Ostern gereinigt und mit Sand bestreut worden ist. Präs.: Woher wissen Sie das? Zeugin: Ich kann von dem Hofe aus in den Keller hineinsehen. Präs.: Ich will hiebei bemerken, daß der Herr Staatsanwalt den Keller sauber vorgefunden hat. Erster Staatsanwalt Baumgard bestätigt das. Präs.: Buschhoff, wozu benutzen Sieden Keller? Buschhoff: Zur Aufbewahrung von Gemüse, Kartoffeln, u. s. w. Präs.: Wann wurde der Keller das letzte Mal gereinigt? Buschhoff: Der Keller wird stets zu unserem Osterfeste gründlich germnigt. Kanfman» Oster bekundet, daß im Jahre 1891 das jüdische -Osterfest Ende April gewesen fft und derartige gründliche Reinigungen stets vor diesem Feste geschehen müffen. Fr«m Schmitz: Sie sei am Peter-Paulstage gegen 11'/, uhr Bormittags über den Porteweg zu Mallmann gegangen, habe aber nichts Auffälliges wahrgenommen. Der folgende Zeuge ist der Kaufmann Sigmund Jfaae. Dieser bekundet: Er habe früher in Lauten gewohnt, sei aber aus Anlaß der Crawallc gegen die Juden aus Xanten fortgezogeu. Er sei am Peter-Paulstage Nachmittags 2 Uhr mit Fräulein Bertha Kahn zu Buschhoff gekommen und habe dort Buschhoff, die Hermine Büschhoff und den Sigmund Buschhoff angetroffeu. Frau Buschhoff sei krank gewesen und habe im oberen'Zimmer auf dem Sopha gelegen. Bis 4 Uhr Nachmittags, so fuhr Zeuge Isaak wörtlich fort, blieb ich bei Buschhoff. Während dieser Zeit, also von 2 bis gegen 4 Ubr hat Hermine Buschhoff nur zwei Mal auf höchstens je eine Minute das Zimmer verlaffen. Das eine Mal geschah es, we.l das Mädchen uns Kaffee kochen wollte. Da wir aber den Kaffee nicht haben wollten, und deshalb das Mädchen zurückriefen, so kehrte es auch gleich zurück. Das zweite Mat verließ Hermine Buschhoff das Zimmer, um ihrer Düttter, die, wie erwähnt, im oberen Zimmer auf dem Sopha lag, eine Photographie zu zeigen,: kehrte aber auch diesmal nach Verlauf von etwa einer Minute' zurück. Präs.: Ist es möglich, daß die Hermine «ms dem Hause hinaus ottf de» Hof gegangen ist. Zeuge: Nein, ich weiß mit voller Bestimmtheit, daß Hermine nur zwei Mal das Zimmer verlaffen, sticht aber aus dem? Hause gegangen, ist. Präs.: Mallmann, treten Sie einmal vor. Dieser Zeuge bebmdet mü voller Bestimmtheit, daß Hermine Bufchhdff zwischen 2 nnd 4 Ahr Nachmittags das Zimmer nicht verlaffen - hat, während Sie behauptet haben. Sie hätten die Hermine entweder viertel vor oder viertel nach drei Uhr mit einem sack-! artigen Gegenstände unter der Schürze in die Küpper'sche Scheune * gehen gHchen? Mallmau» :Jch bleibe bei meiner Aussage und habenoch zu sagen: Am Sonntag vor acht Tagen, den 26. Juni, sprach in Gegenwart eines Karl Alst mit Fräulein Huiskens. Letztere bemerke, sie wundere sich, daß Frau Mndthurs zu der Verhandlung keine Vorladung erhalten habe. Sie (die Windhms) habe gesehen, wie am Nachmittage ein Jude/ Namens Nr. 30 ( Isaak, auf dem Küppers'schen Hofe auf und ab ging nnd mit der! Hand nach der Buschhoff'schen Wohnung zu gewinkt habe. Die Windthuis hatte den Eindruck, als gebe der Jude der Hermine das Zeichen, daß die Lust rein sei und sie jetzt unbemerkt zur Küppers'schen Scheune gehen könne. Ich ging in Folge dessen sofort mit Karl Alst zu der Frau Windthuis und stagte diese, ob die Erzählung der Huiskens auf Wahrheit beruhe. Frau Windthuis hat mir in Gegenwart des Karl Alst die Erzählung der Huiskens bestätigt und hinzufügt: Ich wundere mich, daß ich keine Vorladung erhalten habe. Wenn ich vor Gericht erscheinen würde, so könnte ich diese meine Wahrnehmung mit gutem Gewissen beschwören. Staatsanwalt: Ich warne Sie, Mallmann, etwas Urrwahres auszusageu, Sie haben vor Ihrer Vernehmung einen Erd geleistet, daß Sie die reine Wahrheit sagen werden. Nun kann ich Ihnen wittheilen, daß die Windthuis vernommen worden ist und bekundet hat: sie sei am Peter-Paulstage krank gewesen, habe den ganzen Tag über zu Bette gelegen und habe in Folge dessen nicht sehen können, was sich aus dem Hofe zugetrageu hat. Mallmann: Ich kann nur sagen, was mir die Windthuis in Gegenwart des Karl Alst mitgetheilt hat. Präs.: Wer ist dieser Karl Alst? Zeuge: Es ist ein junger Mann von 18 Jahren. Der Zeuge gibt die genaue Adresse des Karl Alst an und bemerkt noch, daß Fräulein Marie Küppers, Tochter des Stadtverordneten Küppers, ihm erzählt habe, sie habe den Juden, der am Peter-Paulstage Nachmittags in ihrem Garten auf und ab gegangen sei, gestagt, was er hier wolle. Der Jude habe geantwortet: Ich will mir blos den Tabak ansehen. Stadtv. Küppers, hierüber befragt, bekundet: Mallmann müsse sich irren. Seine Tochter habe an diesem Tage keinen Juden im Garten auf und ab gehen gesehen, auch eine solche Frage nicht gestellt, sondern diesen Vorgang von einem Fräulein Lina Bräuer gehört: - Präsident: Mallmann, wie ist das? Mallmann: Dann habe ich das Fräulein Küppers mißverstanden. Ich habe es aber vom Fräulein Küppers. Präsident: Haben Sie denn auch den Ihnen hier gegenüberstehenden Zeugen Isaak in dem Küppers'schen Garten auf und ab gehen sehen? Mallmann: Nein, das konnte ich von meinem Fenster ans nicht sehen. Präsident: Aber Sie bleiben dabei, daß Sie gesehen haben, wie die Hermine Buschhoff entweder viertel vor oder viertel nach drei Uhr etwas Sackartiges in die Küppers'sche Scheune getragen hat. — Zeuge: Jawohl, das weiß ich ganz genau. Präs.: Haben Sie das Gesicht der Hermine gesehen? Mallmann: Nein, aber ich habe sie trotzdem genau erkannt. Präs.: Sollen Sie sich nicht in der Person geirrt haben? Zeuge: Nein. Präs.: Sahen Sie die Hermine in die Küppers'sche Scheune hineingehen? Zeuge: Das habe ich nicht gesehen, ich sah aber, daß sie zur Scheune ging. Präs.: Die Hermine Buschhoff hat, wie zeugeneidlich bestätigt ist, Vormittags Schnaps geholt und bei dieser Gelegenheit die Flasche unter ihrer Schürze getragen, sollen Sie vielleicht den Bormittag mit dem. Nachmittag verwechselt haben? Zeuge : Nein, Herr Präsident, ich weiß ganz genau, daß es am Nachmittag gewesen ist: Präsident : Herr Isaak, sind Sie an jenem Nachmittag, in dem Küppers'schen Garten gewesen? Zeuger Nein. Präsident: Sie wissen das ganz bestimmt? - Zeuge: Jawohl, ganz bestimmt. Präs.: Sie bleiben auch bei Ihrer bereits gemachten Aussage, daß Hermine Buschhoff zwischen 2 bis 4 Uhr Nachmittags das Haus nicht verlaffen Hat? Zeuge: Jawohl. Auf. Anttag des Staatsanwaltes werden. die Aussagen beider Zeugen protocollirt. Nachdem dies geschehen, fordert der Präsident die Zeugen wiederholt auf, ehe sie das Protokoll unterschreiben, sich genau zu überlegen, ob Alles genau mit der Wahrheit übereinstimsile,