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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 33

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 33)
Language
German
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mmmmmsm > Nr. 3o __ Orstrrrrichtfchr WmtzrnschrW. _ SM 541 Ein Geschworener: Die Art und Weise der Vernagelung ist mir nicht klar geworden. Buschhoff hat bis jetzt behauptet, daß die Thür mit sogenannten Schlagsliften (das sind spitze Instrumente, die der Steinhauer benützt) vernagelt war, während der Zeuge bekundet: er habe die Thür mit Nägeln zugenagelt. Präs.: Zeuge, wie ist das? Ullenboom: Ich habe die Thür mit Nägeln zugenagelt. Präs.: Buschhoff, was sagen Sie dazu? Buschhoff: Die Thür war mit Eisen zugenagelt, die Nägel dürsten gar nicht hinreichend sein, die Thür sest zuzunageln. Menboom: Ich habe die Thür mit Nägeln zugenagelt. Staatsanwalt: Buschhoff, wiffen Sie genau, daß die Thür mit Eisen vernagelt war? i Zeuge: Ich habe dem Ullenboom wenigstens die Eisen dazu gegeben. Staatsanwalt: Ob Ullenboom nicht aber trotzdem Nägel zu der Vernagelung verwandt hat, ist Ihnen vielleicht nicht bekannt? Bnschhoff: Ich bin der Meinung, die Thür wäre mit Eisen vernagelt gewesen. Staatsanwalt: Hatten Sie sich überzeugt, daß die Eisen verwandt worden sind? Buschhof: Nein. Präs.: Ullenboom, wer hat Ihnen die Nägel übergeben? Zeuge: Sigmund Buschhoff. Staatsanwalt: Erinnern Sie sich, daß Ihnen Buschhoff die Eisen gegeben? Zeuge: Nein. Buschhoff: Ich habe die Eisen auf einen Stein neben der Thür gelegt. Präsident: Ullenboom, haben Sie die Eisen auf dem. Stein liegen gesehen? Zeuge: Ich erinnere mich nicht, ich gebe aber die Möglichkeit zu. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Ist es wahr, daß Sie dem Buschhoff das Betreten Ihres Hauses verboten haben, da Sie durch den Verkehr mit Bnschhoff Ihre Kundschaft verloren hatten? Zeuge: Das ist richtig. Zeuge bekundet, daß er wegen seiner Aussagen 3 Monat ohne Arbeit gewesen. Bertheidiger: Sie wohnen dicht neben Buschhoff und sind im Stande, das geringste Geräusch in dem Buschhoff'schen Hause zu vernehmen? Zeuge: Jawohl. Bertheidiger: Haben Sie irgend ein Schreien oder Klagen am Peter-Paulstage gehört? Zeuge: Nein. Bertheidiger: Wie gingen Sie am Peter-Pauls-Tage gekleidet? Zeuge: Ich trug einen braunen Rock. Fräulein Ullenboom, die Schwester des Borzeugen, bestätigt im wesentlichen die Bekundung ihres Bruders. Ein Geschworener fragt die Zeugin, in welchem Zimmer die Familie Buschhoff sich am Nachmittage des Peter- Paultages aufgehalten habe. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhaner: Ging Ihr Bruder, wenn er bei Buschhoff war, bisweilen in Hemdärmeln? Zeugin: Jawohl. Präs.: War der Pflegling Ihres Bruders mit dem kleinen. Hegmann zu verwechseln? Zeugin: Nein. Präs.: Wie alt war der Pflegling? Zeugin: 2'/, Jahre. Präs.: Das Kind war also kleiner als der kleine Hegmann. Zengin: Jawohl. Nunmehr wird Sigmund Bnschhoff in den Saal . gerufen. Dieser, ein hübscher, aufgeweckter 12jähriger Knabe,. betritt bitterlich weinend den Gerichtssaal. Der Angeklagte birgt sein Gesicht in sein Taschentuch und schluchzt heftig. Auch im Zuhörerraum und auf den Tribünen sieht man mehrere Leute weinen. Es dauert eine geraume Zeit, ehe sich der kleine Buschhoff beruhigt, so daß der Präsident im Stande ist, denselben zu vernehmen. Der Knabe erklärt: Er wolle Zeugniß ablegen. Er bekundet auf Befragen des Präsidenten, daß er behufs Vernagelung der Thür die Nägel von Hegmann geholt und diese denl Ullenboom übergeben habe. Ob aus einem Stein vor der Schlachthausthür Eisen gelegen haben, wiffe er nicht. Der Kleine bittet: alsdann den Präsidenten, mit seinem Vater sprechen zu dürfen. Der Präsident bemerkt jedoch, daß dies jetzt nicht angehe; in einigen Tagen werde er seinen Vater sprechen können. Der kleine Knabe verläßt weinend den Saal. Der folgende Zeuge ist Handelsmann Meyer Alexander. Dieser erzählt, daß sein Schwager Claßen, welcher inzwischen verstorben, am Morgen des Festtages Peter und Paul mit Aengenydt und Buschhoff zusammen durch die Marschstraße zur Weide gegangen sei. Ein helleres Moment in diese ernste Sitzung brachte der Ackerer Kempes, ein gebrechlicher Mann, der aber den Humor nicht verloren hat. Als der Präsident die Eidesformel beginnt, erklärt er, er sei ein bischen taub. Er humpelt dann mit Hülfe des Botenmeisters direct vor den Präsidenten, leistet dort den Eid und gibt in längerer Darlegung unter mimischer Darstellung von Aufregung zeigenden Kopfbewegungen an, daß er am Tage nach dem 29. Juni den B. in Auftegung gesehen und sich gedacht habe, der .B. könne es wohl gethan haben. Als der Präsident dann ihm sagte, er sei als Zeuge entlassen, machte er dem Präsidenten eine bekannte Fingerbeweguug unter die Nase und ftagte in platter Sprache: „Wie steht es denn mll den Pfennigen?" Als das hierauf folgende Gelächter sich gelegt hatte, erklärte der Präsident dem biedern Manne: „Die werdet Ihr an der Gerichtscasse bekommen." „Ja, aber ich bin auch gefahren", entgegnete der schlaue Bauer, der glaubte, er werde nur Tages-, aber nicht Fahrspesen erhalten. Nach der Zusicherung, daß ihm auch seine Fahrkosten erstattet würden, humpelte der Biedermann hochvergnügt aus dem Saal. Fra« Renings: Sie wohnte auf einem Dorfe bei -kanten. Am Tage nach dem Morde sei Bnschhoff zu ihr gekommen, um ein Kalb zu kaufen. Sie habe sich mit Buschhoff über den Mord unterhalten. Sie habe zu Buschhoff gesagt: das Kind werde wohl vom Balken gefallen sein, Buschhoff antwortete: Das kann nicht möglich sein. Das Kind wird von der Schaukel in die Häckselmaschine gefallen sein. Es sei ihr ausgefallen, daß Buschhoff sehr aufgeregt gewesen und es sehr eilig gehabt habe. Hieraus erschien StaÄtfecrelär Devers. Dieser bekundet: Er habe das Protocoll mit Maümamt in sehr sorgfältiger Weise ausgenommen. Buschhoff hatte wenige Tage nach der Thai den schon als Zeuge vernommenen Mallmann verklagt, weil M. ihn als Mörder bezeichnet. M., aufgefordert, sich zu vertheidigen, gab am 9. Juli v. I. dem Devers zu Protokoll, daß er «ichtselbftgesehen, aber wohl vom Hörensagen gehört, daß B.'s Tochter Hermine den gemordeten Knaben in der Schürze nach der Küpper'schen Scheune getragen haben soll. Gestern erklärte M. unter Eid, er habe selbst gesehen, wie Hermine B. eigenthümlich mit einem Sack auf die Scheune zugeschlichen sei. Stadtsecretär Devers gab weiters an, daß das Protokoll vom 9. Juli v. J.,wo M. bestimmt erklärte, er habe es nicht selbst gesehen, sondern nur gehört, gewissenhaft gefertigt, dem M. genau vorgelesen und mit einzelnen Fragen nochmals wiederholt worden sei. Schneidermeister Schmitt: Er habe am Tage nach den: Morde mit Buschhoff über den Mord gesprochen. Buschhoff habe zu ihm gesagt: Der Junge werde wohl vom Balken gefallen sein. Er (Zeuge) habe aber dies bestritten. Buschhoff: Der Zeuge irrt sich, ich habe gesagt: Das Kind sei vielleicht aus der Schaukel gefallen. Der Zeuge bleibt bei seiner Bekundung. Frankem Marie Huiskens: Am Peter-Paulstage Nachmittags gegen drei Uhr ist Frau Hegmann bei Buschhoffs vorüber gegangen. FrauBuschhoff stand an derThür. FrauHegmann sagte: Ich habe mein I ohannchen noch immer nicht gesunden, ich habe einesolche Angst, ich habe heute Nacht vonBlut geträumt. Frau Buschhoff versetzte: der Junge wird sich schon noch finden, der alte Dr. lleberhorst pflegte zu sagen: „man solle den Teufel nicht an die Wand malen". Frau Bufchhoff bot der Frau Hegmann eine Taffe Kaffee an, letztere lehnte diese aber ab. Am Abend, nachdem das Kind ermordet worden war, sagte Buschhoff: ich kann vor Auftegung nicht essen, ich habe innerhalb 13 Wochen vier Kinder verloren und weiß in Folge dessen, welchen Schmerz Eltern durch den Verlust empfinden. Präsident: Sie sagten früher, Frau Bnschhoff war sehr theilnahmslos, das sei Ihnen ausgefallen. Zeugin: Jawohl. Präsident: Buschhoff dagegen hat große Theilnahme gezeigt? Zeugin: Ja. 2

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