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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 32

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Sette 540 Nestrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 30 bei der Mstegung in Lauten doch näher gelegen hatte, über den Mord zu sprechen? Bnschhoff: Ich-erinnere mich wirklich nicht, was ich an diesem Abende gesprochen habe. Staatsanwalt: Haben Sie gesagt, Sie hätten sich herausgckgelt? Buschhoff: Das ist möglich, ich weiß es aber nicht. Präsident: Nun Kernder, erzählen Sie einmal, w^s Ihnen Ihr Sohn Stephan erzählt hat? Zeuge: Am 5. Juli des Morgens, zu einer Zeit wo Stephan noch im Bett lag und ich sowie auch meine Frau der Meinung waren, daß Stephan noch schlafe, sprach ich mit meiner Frau über den Mord. Da schlug Stephan plötzlich die Augen auf und fragte: ^Papa, ist Busch hoffschonim Thurm?" Ich fragte den Jungen, wie er zu dieser Frage komme. Darauf erzählte mir der Kleine, er habe gesehen, wie am Bormittage des Peter-Paulstages Frau Buschhosfaus dieStraßegegangenund zudemkleinen Hegmann gesagt habe: „Joanchen, komm doch einmal herein." Da Joanchen aber nicht kam, so habe ihn Frau Buschhoff in ihr Haus geführt. Präsident: Wie alt war damals Ihr kleiner Sohn? Zeuge: Fünf Jahre. Präsident: Sind Sie sicher, daß der Knabe die Wahrheit gesagt hat? Zeuge: Ich zweifle nicht daran, denn der Junge war niemals lügenhaft. Präsident: Am Peter-Paulstage, Mittags gegen 1 Uhr, soll die Schwester des ermordeten Knaben zu Ihnen gekommen und den Stephan gefragt haben: „Hast Du nicht unser Joanchen gesehen?" Zeuge: Das ist richtig. Präsident: Was antwortete damals der kleine Stephan? Zeuge: Er sagte: der ist nach den Kirschen. Präsident: Der Junge meinte damit: Joanchen sei vor's Clever Thor gegangen, um sich dort Kirschen zu suchen? Zeuge: Ja. Präsident: Haben Sie dem Knaben seinen Widerspruch: vorgehalten? Zeuge: Jawohl, mein Sohn begann zn we'nen und äußerte: er habe damals nur so gesagt. Oberstaatsanwalt Hamm: Wußten Sie an dem Tage, als Ihr Sohn Ihnen das Vorkommniß erzählte, daß Mölders bebmdet hat: der ermordete Knabe sei in das Buschhoff'sche Hans gezogen worden? Zeuge (zögernd): Jawohl. Bercheidizer Rechts-Anwalt Fleischhauer: Haben Sie oder Ihre Frau dem Stephan gesagt: Buschhoff liege bereits in Ketten geschlossen im Thurm? Zeuge: Jawohl. Präsident: Weshalb haben Sie dies dem Jungen gesagt? Zeuge: Weil der Junge nicht zum Herrn Amtsrichter kommen wollte; er sagte, er fluchte sich vor Buschhoff. Präsident: Haben Sie den Jungen gefragt, weshalb er seine Wahrnehmung erst acht Tage später erzählt hat? Zeuge: Jawohl, der Junge begann bei dieser Frage zu weinen und war zu weiterem Sprechen nicht mehr zu bewegen. Präsident: Der Junge soll bei dem Herrn Amtsrichter, obwohl er ihn auf den Arm genommen, platt mit ihm gesprochen habe rc., nicht zum Sprechen zu bewegen gewesen sein. Zeuge: Das ist mir nicht bekannt. Bercheidiger Fleischhauer: Sb» 3. Deeember v. I. wurde« Sie vom hiesige« Land-Gericht Wege« Misthaudlung vo« Judenkinderu verurtheilt. Als nun Ihr Sohn Sttphan vor dem Herrn Land-Gerichts-Rath Brixius erscheinen sollte, sollen Sie zu dem Herrn Polizei-Sergeanten Schwer gesagt haben: Ich laffe den Jungen nicht hingehen, die Mörder kommen ja doch frei und unsereiner wird bestraft. Haben Sie eine solche Aeußerung gethan? Zeuge: Das habe ich allerdings gesagt; ich war an diesem Tage ungemein aufgeregt. * MÄulei« Riesenkamp, die hierauf als Zeugin erscheint, bekundet: Sie sei am Peter-Paulstage Abends gegen 7 Uhr zu Buschhoff gekommen, dieser selbst sei nicht zu Hause gewesen. Sie habe die Frau Buschhoff wegen des Mordes gefragt. Letztere habe ihr geantwortet: der Junge habe einen Sonnenstich bekomme und sei von einem Scherenschleifer in die Scheune gebracht worden. _ Präsident: Ich will Ihnen bemerken, Zeugin, daß Frau Buschhoff diese Äußerung mit vollster Entschiedenheit als unwahr bezeichnet. Zeugin: Das hat Frau Buschhoff gesagt, ich erinnere mich der Worte ganz genau. Präsident: Nun sind Sie sehr bald darauf dem Buschhoff begegnet? Zeugin: Jawohl, ick ging in die Kirchstraße und unterhielt mich dort mit Frau Kernder über den Mord. Ich sagte dieser: Es ist doch furchtbar, daß dem kleinen Joanchen der Hals abgeschnitten worden ist. In diesem Augenblick kam Buschhoff vorüber und rief mir zu: „Halten Sie das Maul". Vertheidiger Fleischhauer: Buschhoff sagte mir, er habe in der Plattsprache der Zeugin gesagt, Sie thäte besser, das Maul zu halten und mit ihrem Urtheil nicht so voreilig zu sein. Ich beantrage eventuell die Ladung eines Sachverständigen der plattdeutschen Sprache. Präsident: Ich glaube nicht, daß das nöthig sein wird, Herr Rechtsanwalt! Rechtsanwalt Fleischhauer: Ich habe auch nur, wenn erforderlich, diesen Antrag gestellt. Präsident: Buschhoff, wie kommt es, daß Sie der Zeugin zugerufen haben: „Halten Sie das Maul". Buschhoff: Bereits an jenem Abende hat man die Juden beschuldigt, den Mord begangen zu haben. Ich war deshalb sehr ärgerlich und ärgerte mich auch über die leichtfertige Aeußerung der Zeugin. Ich war nämlich der Meinung und habe diese auch heute noch, der Joanchen ist von der Schaukel in __bie Häckselmaschine gefallen und dadurch ist das Unglück passirt. Ein weiterer Zeuge ist der Viehzüchter und Viehhändler Junkermann, ein Sohn des Handelsmanns und ehemaligen Metzgermeisters Junkermann. Dieser erzählte: Am Tage nach dem Mord habe ihn Buschhoff nicht in sein Schlachthaus herein laffen wollen. Etwas Auffälliges habe er an Buschhoff nicht wahrgenommen. Vertheidiger Stapper: Ich ersuche, dem Zeugen das an die Staatsanwaltschaft gerichtete anonyme Schreiben vorzulegen. Präsident: Junkermann, sehen Sie sich einmal dieses Schriftstück an, kennen Sie das? Zeuge: Jawohl, das habe ich nach dem Diktat meines Vaters geschrieben. Präsident: Es ist das das anonyme Schreiben, das der alte Junkermann, als von ihm herrührend, vollständig in Abrede gestellt hat. Hierauf tritt eine längere Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung ersucht der Vertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer den Präsidenterl, dem Publikum den Gebrauch von Operngläsern zu untersagen. Der Präsident bemerkt, daß der Gebrauch von Operngläsern nicht gestattet sei. Alsdann erscheint als Zeuge Klempnermeister Ullenboom. Dieser bekundet auf Befragen des Präsidenten, dast Busch off ein ehrlicher, braver, ja gntmüthiger Mann sei, dem jeder Jähzorn fern liege. . Sigmund Buschhoff habe ihm kurz vor dem Peter-Paulstage erzählt: Wesendrup habe zu ihm gesagt: „Ihr seid Sattfresser, Ich werde Deinem Vater etwas anthun, dast er keinen Schabbes mehr halten wird." Sigmund sagte mir: sein Vater wünsche, daß ich, da Wesendrup nicht mehr das Schlachthaus betteten solle, dasselbe vernageln möge. Die Nägel hatte Sig. Buschhoff bei Hegmann geholt. Die Vernagelung war so sehr fest, daß sie nicht ohne Weiteres geöffnet werden konnte. Der Zeuge erzählte alsdann weiter: Am Peter- Paulstage ging ich gegen 10 Uhr Vormittags mit meinem Pflegling zu Buschhoff. Letzterer saß mit seiner Frau und seiner Tochter Hermine im Hinterzimmer. Gegen 10'/« Uhr brächte ich den Pflegling nach Hause. Ich begab mich alsdann gleich wieder zu Buschhoff. Letzterer verließ gegen 101(2 Uhr seine Behausung und kehrte gegen 12V, Uhr zurück. Buschhoff ttank, zu Hause angekommen, eine Taffe Kaffee. Ich begab mich alsdann nach Hause zum Mittagessen und kam zwischen I V« —1V2 Uhr wieder zu Buschhoff. Ich ttaf Buschhoff und seine Tochter Hermine an. Ich las mit Buschhoff zusammen die Zeitung, unterhielt mich mit ihm und blieb bis 3 Uhr bei Buschhoff. Zu dieser Zeit war auch Sigmund Buschhoff, ein Fräulein Kahn und ein Mann Namens Isaak iu der Buschhoff'schen Wohnung. Gegen 3 Uhr Nachmittags begab ich mich mit Buschhoff zur Pumpen-Kirmeß. Abends gegen 5 Uhr traf ich mit Buschhoff bei Schaut zusammen.

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