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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 29

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Nr. 30 Veyerrrichischr Wachrnschrifl. Sette 537 Ich gab mich unterwegs nicht zu erkennen, um etwas zu hören. Als wir in Xanten ausstiegen, winkte ich Junkermann zu mir heran. Dieser wurde, als ich mich ihm vorstellte, etwas kleinlaut, hielt aber seine Behauptung aufrecht. Ich gewann jedenfalls im Großen und Ganzen sehr bald die Ueberzeugung, daß die Leute in Xanten alle unter einem gewissen Drnckgefühl stehen, so daß es geboten sei, sehr vorsichtig zu sein. Der Zeuge berichtet nun, in welcher Weise er den Thatort gefunden u. s. w. Er habe alsdann mehrere Leute, Mann und Frau Hegmann, Steinmetz Wesendrup u. s. w. vernommen Letzterer habe ganz besonders einen sehr schlechten Eindruck ans ihn gemacht. Er habe immer nur antisemitisches Geschimpfe, . aber keine Thatsachen gehört. Er sei alsdann zur Staatsanwaltschaft nach Cleve gefahren, um diesen Bericht zu erstatten. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft sei er nach Xanten wieder znrückgefahren und habe bei Buschhoff am 14. Oktober 1891 Haussuchung vorgenommen. Als er zu Buschhoff kam, war dieser gerade in der Synagoge. Er habe gewartet, bis Buschhoff aus der Synagoge zurückkam. Er habe eine Reihe Messer bei Bnschhoff beschlagnahmt. Er habe sonst in der Buschhoff'schen Wohnung nichts Auffälliges gefunden. Präs.: Welchen Eindruck machten Buschhoff, Frau und Tochter und welchen Eindruck haben die Hauptzeugen auf Sie gemacht? Zeuge: Ich kann das schlecht sagen, da ich die Leute einfach vernehme. Präs.: Sie sehen sich doch die Leute mit dem geübten Auge eines Polizeibeamten an? Zeuge: Allerdings. Präs.: Wie benahm sich Buschhoff, als Sie ihn vernahmen, war er befangen? Zeuge: Durchaus nicht. Präs.: Welchen Eindruck machte Mölders auf Sie? Zeuge: Mölders machte einen guten Eindruck auf mich. Präs.: Welchen Eindruck machte Ullenboom auf Sie? Zeuge: Dieser machte auf mich einen sehr unficheren Eindruck. Staatsanwalt: Die Meffer bei Buschhoff sollen vielfach auf, hinter und unter einem Schrank versteckt gelegen haben? Zeuge: Allerdings, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß die Messer absichtlich versteckt waren. — Gegenüber der letztern Aussage des Wolfs bemerkte Staatsanwalt Baumgard Buschhoff habe vor dem Untersuchungsrichter erklärt, die beschlagnahmten seien es nicht alle; es fehlten noch mehrere, und Buschhoff habe veranlaßt, daß diese noch eingezogen würden. Bnschhoff sagte heute, ein Messer, das noch nicht abgezogen war, habe er stets auf dem Schrank verwahrt. Die übrigen Messer seien sonst immer in Reihe aufgehängt gewesen. Als man ihm aber die Fenster eingeworfen, habe seine Frau die Messer mit andern: Geräthe weggeschafft; er wisse nicht, wohin., Polizei-Sergeant Schlöer, der dem Criminal-Commiffar Wolff bei der Haussuchung assistirt hat, bestätigt die letzte Bekundung des Criminal-Commiffärs. Der folgende Zeuge ist der Schreinermeister Brandts: Er sei am Vormittage des Peter-Paulstages zwischen halb und dreiviertel elf Uhr dem Buschhoff auf der Kirchstraße begegnet. Buschhoff sei von der Kirchstraße in die Cleverstraße gegangen. Es sei ihm vorgekommen, als sei Buschhoff verrückt. Er habe ganz verstört ausgesehen und wäre so schnell nach seinem Hause zu gelaufen, als wenn er von Jemandem verfolgt würde. Dieses Borkommniß sei ihni so sehr aufgefallen, daß er noch den ganzen Nachhauseweg darüber nachgedacht und als er nach Hause gekommen, seiner Frau sofort das Erlebte erzählt habe. Präs.: Buschhoff, was sagen Sie dazu? Buschhoff: Ich erinnere mich nicht, dem Mann an diesem Tage begegnet zu sein, es ist aber möglich. Daß ich verstört ausgesehen, bestreite ich. Ich bin vielleicht etwas in Gedanken gewesen. Präs.: Weshalb liefen Sie aber so furchtbar schnell? Buschhoff: Es ist möglich, daß die Kirche sehr bald aus war, und ich meinen Laden öffnen wollte. Er habe Brandts nicht gesehen und ihm deshalb keinen „guten Tag" geboten. Er und Brandts seien immer gute Freude gewesen. Ihm würde es auch aufgefallen sein, wenn ihm Brandts beim Begegnen keinen Gruß geboten hätte; er würde dann auch sofort seine Frau zu Hause gefragt haben, ob sie etwas mit dem Brandts gehabt hätte. Oberstaatsanwalt Hamm; Sie haben heute zum ersten Male gesagt, daß Sie auf dem ganzen Wege über das auffallende Wesen des Buschhoff nachgedacht haben. Wie kommt es, daß Sie bisher darüber nichts gesagt haben? Zeuge: Ich hatte das vergessen. Es erscheint sodann als Zeuge der Fuhrherr Mallmann. Dieser bekundet auf Befragen des Präsidenten, daß er am Peter-Paulstage Nachmittags gesehen habe, wie die Hermine Buschhvff etwas, was wie ein Sack ausgesehen, in die Küpper'sche Scheune getragen habe. Präs.: Wann war das? Zeuge: Es war entweder viertel vor oder viertel nach drei. Präs.: Was mag in dem Sack wohl gewesen sein? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Wann haben Sie diese Ihre Wahrnehmung angezeigt? Zeuge: Ich habe diese meine Wahrnehmung dem Polizei- Commiffär Berhütsdonk am 21. Juli angezeigt. Präs.: Weshalb haben Sie so lange mit dieser Mittheilung also gezögert? Zeuge: Ich hatte das in der Aufregung vergessen. Präs.: Weshalb waren Sie so sehr aufgeregt? Zeuge: Ich habe von dem Tage des Mordes an kaum noch geschlafen, so sehr hat mich der Mord aufgeregt. Präs.: Umso eher hätten Sie doch eine solch' wichtige Wahrnehmung anzeigen müssen. Zeuge: Ich hatte in der Aufregung das vergessen. Ober-Staatsanwalt Hamm: Der Zeuge scheint an einer ganz merkwürdigen Gedächtnißschwäche zu leide». Er ist am 1. Juli von dem Herrn Amtsrichter Risbroeck und am 12. Juli von dem Herrn Stadtsecretär vernommen worden. Bei den Vernehmungen hat der Zeuge von seiner Wahrnehmung nichts bekundet. Bor dem Herrn Bürgermeister wurde der Zeuge auf die Anzeige Buschhoff's, daß er ihn fortwährend verfolge und ihm auf der Straße „Mörder" Nachrufe, verantwortlich vernommen. Aber auch bei dieser Wahrnehmung hat der Zeuge von seiner heutigen Bekundung nichts gesagt, sondern zu Protokoll erklärt; „Ich weiß aus eigener Wissenschaft nichts über den Mord. Ich habe Verschiedenes von dem Kutscher erfahren, dieser hat es von der Schneiderin Mölders gehört und dieser ist es von einer Frau erzählt worden". Und nur: am 21. Juli kommt er zum Polizeicommiffär und macht seine heutigen Aussagen. Es ist auffallend, daß dem Mallmann, der vor das Bürgermeisteramt als Beschuldigter geladen war und den Wahrheitsbeweis antreten sollte, das nicht einfällt, was er heute wenige Tage vorher gesehen haben will und wenige Tage später erklärt, gesehen zn haben. Wenn der Widerspruch des Zeugen sich nicht ansklärt, dann ist er meineidig. Präsident: Nun Mallmann, wie kommt es, daß Sie sowohl bei dem Herrn Amtsrichter, als auch bei dem Herrn Stadtsecretär zu Protokoll erklärt haben: Sie wissen aus eigcner Erfahrung nichts von dem Morde, während Sie jetzt mit einer solch schwerwiegenden Behauptung hervortreten. Zeuge: Ich habe heute die Wahrheit gesagt, bei meine« ersten Vernehmungen war mir nicht Alles erinnerlich. (Große Bewegung im ganzen Saale. Der Präsident mahnt zur Ruhe.) Mallmann er'lärt seine heutige Aussage als reine Wahrheit. Da er bezweifelt, ob er früher anders auf dem Bürgermeisteramt ausgesagt, wird der L tadtsecretär Dovers von Xanten nochmals geladen, um die Richtigkeit jenes Protokolls zn bestätigen. Präsident: Sonst pflegt man bei den ersten Vernehmungen sich bedeutend besser auf geschehene Vorkommnisse zu erinnern, als bei späteren Vernehmungen, bei Ihnen scheint das umgekehrt zu sein. Zeuge: Herr Präsident, ich habe schon gesagt, ich war so aufgeregt, die ganze Zeit über, daß ich nicht schlafen konnte. Ich habe am allermeisten in der Sache gethan und da ist mir nicht gleich Alles im Gedächtnisse gewesen. Wenn ich das erzählen wollte, was Frau Buschhoff vor zwei Jahren zu mir gesagt hat, das wäre noch viel schwerwiegender. Präs: Erzählen Sie einmal das. Zeuge: Bor zwei Jahren traf ich die Frau Bnschhoff in der Kirchstraße. Da sagte mir Frau Buschhoff: Unsere Verwandten reden uns zu, wir sollen nach Neuß ziehen, denn hier sei ja doch kein Geschäft zu machen. Aber wir wollen erst hier noch ein gutes Geschäft abwarten, dann verkaufen wir alles und ziehen nach Neuß, das ist doch jedenfalls etwas noch schwerwiegender. (Allgemeine Heiterkeit.) Präsident: Welche Beziehung soll diese Erzählung zu dem Morde haben?

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