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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 27

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Nr. 30 Oefterreichische Wochenschrift Seite 535 Präsident: Warm erzählte Ihnen das die Frau Hegmann? Zeuge: Einige Wochen nach dem Morde. Es erscheint alsdann als Zeuge der Gärtnereibesitzer Mölders aus Zkanten. Dieser bekundet auf Befragen des Präsidenten: Er sei am Peter-Paulstage des Morgens gegen 9 Uhr iu seinen Garten gegangen, er sei dort etwa l/A Stunde geblieben, sei aldann nach dem Clever Thor gegangen und habe dort in der Gastwirthschaft von Kluge einen Korn getrunken. Gegen 10 Uhr sei er durch die Cleverstraße in die Kirchstraße gegangen, 14 Schritte vor ihm gingen 2 Kinder. Als diese am Hanse Buschhoffs vorüber gegangen seien, sah er, wie aus dem Hause von Buschhoff ans Hausflur ein Arm herauslangte und einen Knaben in das Haus zog. Präsident: Kannten Sie den Knaben? Zeuge: Nein. Präsident: Wie war der Knabe gekleidet? Zeuge: Er hatte ein blaues Schürzchen vor. Präsident: Wie sah der Arm aus, der das Kind in das Hau» hineinzog? Zeuge: Der Arm sah weiß aus. Präsident: Haben Sie nur einen Arm gesehen? Zeuge: Jawohl. Präsident: Haben Sie noch andere Kinder in der Nahe gesehen? Zeuge: Ich glaube, es waren zwei. Präsident: Sahen Sie denn noch gut? Zeuge: Jawohl. Präsident: Sie sind bereits 68 Jahre? Zeuge: Jawohl. Präsident: Sie hatten an dem Tage schon eins getrunken? Zeuge: Jawohl. Präsident: War das ein großes Glas Schnaps? Zeuge: Jawohl. Präsident: So ein Glas thut Ihnen nichts? Zeuge? Nein. . Präsident: Sie trinken oftmals einen Schnaps? Zeuge: Ja, bei der Arbeit, Präsident: Des Sonn- und Feiertags trinken Sie aber auch eins? Zeuge: Jawohl. Präsident: Haben Sie auch heute schon etwas getrunken? Zeuge: Jawohl. Präsident: Wie viel Glas haben Sie heute getrunken? Zeuge: Zwei. Präsident: Haben Sie das Kind, das in das Haus gezogen wurde, schreien gehört? Zeuge: Nein. Präsident: Haben Sie auf dem Prellstein an der Kirch- und Cleverstraßen-Ecke einen Knaben sitzen gesehen? Zeuge: Nein. Präsident: Wissen Sie, wann Sie zu dem Herrn Amtsrichter gegangen sind. Zeuge: Fünf Tage nach Peter und Paul. Präsident: Weshalb haben Sie nicht früher Anzeige gemacht? Zeuge: Ich wollte nicht so viel Laufereien haben. Präs.: Wem haben Sie zuerst etwas von Ihrer Wahrnehmung erzählt? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Warum haben Sie aber so spät von Ihrer Wahrnehmung der Behörde Mittheilung gemacht? Sie mußten sich doch sagen, daß eine solche Wahrnehmung höchst wichtig ist, und mußten sie doch durch Ihr Schweigen in Ihrem Gewissen gedrückt fühlen? Zeuge: Ich wollte nicht Laufereien haben. Präs. : Waren Sie nicht am 5. Juli bei Hegmann? Zeuge: Nein. Präs.: Hegmann hat Sie doch aber zum Amtsrichter geschickt? Zeuge: Das ist möglich. Präs.: Was thaten Sie bei dem Herrn Amtsrichter? Zeuge: Ich habe einen Eid geleistet und dasselbe gesagt wie heute. Es erscheint alsdann als Zeuge der zehnjährige Knabe Gerhardus Heister, ein sehr aufgeweckter Knabe. Dieser er« zählt auf Befragen des Präsidenten: Er sei am Peter-Paulstage gegen halb 9 Uhr in die Messe gegangen und gegen halb 10 Uhr aus der Messe gekommen. Gegen 10 Uhr habe er sich an der Clevernnd Kirchenstraßen-Ecke auf einen Prellstein gesetzt und habe gesehen, wie ein Arm aus demBuschhosfschen Hause herausla ngte und den kl^inenJoanchen in das Haus hineinzog. Präs.: Wie sah die Hand aus. Zeuge: Ganz nackt. Präs.: War das der Arm eines Mannes oder einer Frau? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: War der kleine Joanchen allein vor dem Buschhoff'schen Hause, oder waren noch andere Kinder dort? Zeuge: Ja noch zwei andere Knaben. Peter Benhoff und Stephan Kernder. Präs.: Was thaten diese Kinder. Zeuge: Die gingen nach Hause. Präs.: Kennst Du Mölders. Zeuge: Sehr gut. Präs.: Hast Du den Mölders gesehen, als das kleine Joanchen in das Buschhoff'sche Haus gezogen wurde? Zeuge: Ja. Mölders ging von der Clevestraße in die Kirchstraße bis zum Knippenberg'schen Hause. Präs.: Hat Mölders auch sehen können, wie der kleine Joanchen in das Buschhoff'sche Haus gezogen wurde? Zeuge: Ja. An der Hand von Plänen und Photographien wird der Junge eingehend befragt, ob und wie er vom Prellstein aus den Borgang an Buschhoff's Haus gesehen hat. Man kann dort nicht sehen, ob die Thüre zu Buschhoff's Haus offen oder geschlossen ist, wohl aber einen aus der Thüre gestreckten Arm. Präs.: Du hast drei Wochen nach PeterPaul zum ersten Male Deinen Eltern erzählt, daß der kleine Joanchen in das Buschhoff'sche Haus gezogen wurde? Zeuge: Ich hatte Furcht, ich komme in den Thurni? Criminalkommiffär Borhülsdonk (Creseld) bekundet: Er habe bezüglich der Aussagen des Mölders und des Knaben Heister festgestellt, daß Mölders in Gegenwart des Knaben über seine Wahrnehmungen gesprochen. Mölders habe sich wohl mehrfach in Widersprüche verwickelt, in: Allgemeinen aber einen glaubwürdigen Eindruck gemacht. Auch der kleine Heister und seine Eltern, die er (Kommissär) vernommen, haben im Allgemeinen einen glaubwürdigen Eindruck gemacht. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Herr Kommissär! Wann hat Ihnen Mallmanu mitgetheilt, er habe gesehen, daß die Hermine Buschhoff den Leichnam in einem Sack in die Scheune getragen hat. Zeuge: Am 21. Juli. Bertheidiger: Haben Sie den Mallmann gefragt, weshalb er nicht früher schon von seinen Wahrnehmungen Anzeige gemacht hat? Zeuge: Jawohl, ich fragte, warum er nicht schon längst dem Herrn Bürgermeister von seiner Wahrnehmung Anzeige gemacht habe. Mallmann antwortete mir; Er habe anfänglich keine Anzeige erstatten wollen, nun lasse ihm aber seit drei Tagen sein Gewissen keine Ruhe mehr. Der Criminalkommiffär bekundet im Weiteren, daß der bereits gestern erwähnte Knabe Stephan Kernder, der ebenfalls den kleinen Hegmann in das Buschhoff'sche Haus habe ziehen gesehen, bei seiner Vernehmung trotz aller Mmühungen nicht zum Sprechen zu bewegen war. Danach tritt eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird nochmals der Arbeiter Mölders vernommen. Auf Befragen des Staatsanwaltes bekundet der Zeuge, daß er den Knaben Heister oder andere Knaben, die am' Peter-Paulstage vor dem Buschhoff'schen Hause waren, nicht gesehen habe. Die Thür des Buchhoff'schen Hauses, an der er dicht vorübergegangen, sei zugemacht gewesen. Er habe weder Schreien noch Klagetöne gehört. Präsident: Sehen Sie denn noch gut? Zeuge: Ja. Präsident: Können Sie noch lesen? Zeuge: Nein lesen kann ich gar nicht. Bertheidiger Rechtsawalt Fleischhauer: Sie können auch nicht schreiben? Zeuge: Nein. Präsident: Wenn hier im Zuhörerraum ein Nachbar von Ihnen wäre, würden Sie den erkennen? Zeuge: Nein Präsident: Dann sind Sie also sehr kurzsichtig? Zeuge: Ja.

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