Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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Seite 534 Oesterreichischr Worhenfrhrist Nr. 30 Es erscheint alsdann als Zeuge der Bürgermeister Schloß zu Laute«. Dieser bekundet, auf Befragen des Präsidenten: Buschhoff' erfreute sich ein s sehr gute« Leumunds, er sei weder jähzornig, «och rachsüchtig, sondern im Gegeutheil ei« gutmüthiaer Mau«. Präs.: Gestern haben uns mehrere Zeugen gesagt, Buschhoff sei auch ein sehr reeller Mann, er habe sie beim Fleisch - Handel niemals übervortheilt; können Sie das bestätigen? Zeuge: Soweit mir bekannt, kann ich dies Zeugniß durchaus bestätigen. Präs.: Buschhoff hat sich einige Tage nach dein Morde bei Ihnen mit dem Ersuchen gemeldet, daß Sie ihn verhaften sollen? Zeuge: Jawohl. Buschhoff kam einige Tage nach dem Morde zu mir und sagte: Herr Bürgermeister, ich kann es nicht »lehr aushalteu, ich werde von allen Seiten des Mordes beschuldigt, bitte verhaften Sie mich. Ich antwortete dem Buschhoff: Ich könne das nicht thun, er müffe sich eventuell an die Staatsanwaltschaft wenden. Präs.: Machte Buschhoff dm Eindruck eines Schuldbelvußten? «, Zeuge: Das kann ich nicht sagen; er machte jedenfalls den Eindruck eines Verfolgten. Vercheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Ich richte an den Herrn Bürgermeister die Frage, ob Junkermann am Tage nach dem Morde zu ihm gekommm ist und ihm gesagt hat: Ich kenne de , Mörder, das ist Niemand weiter, als der Jude Buschhoff. Die Juden brauche« Christcnblut. das weiß ich von meinem Sohne, dem Doetor. Zeuge: Das ist richtig. Junkermann kam am Tage nach dem Morde zu mir und sagte: Ich kenne den Mörder, das ist der Jude Buschhoff, die Juden brauchen Christenblut, das weiß ich ganz genau von meinem Sohne, der Arzt ist. Präs.: Junkermann, was sagen Sie dazu? Ist das richtig, was der Herr Bürgermeister sagt? Junkermann: Der Herr Bürgermeister wird sich erinnem, daß ich am Tage des Mordes zu ihm gekonunen bin und ihm gesagt habe: Ich habe auf zwei Leute Verdacht, zunächst auf Knippenberg. Da antwortete mir der Herr Bürgermeistex: Das glaube ich nicht, Knipprnberg ist ein viel zu gutmüthiger Mensch. Darauf sagte ich: Ich habe noch einm zweitm Verdacht, auf Büschhoff. Da besetzte der Herr Bürgermeister: Ja, daran haben wir auch schon gedacht. Mwäs Anderes habe ich dem Herrn Bürgermeister nicht gesagt, von einem Ritualmorde habe ich nicht gesprochen. Präs.: Herr Bürgermeister, ich bitte, sich hierüber zu äußern. Bürgermeister Schleß: Ich halte meiue Aussage auf Grund meines Eides vollständig aufrecht. Auf Antrag des Rechtsanwalt Fleischhauer wird der Zeuge Junkermann noch einmal vorgerufen. Vercheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Unterhalten Sie mit Wesendrup keinen Verkehr? Zeuge Zunkermann: Nein, den habe ich aus bestimmten Gründerr abgebrochen. Bertheidiger Rechtsanwalt Fteffchhauer: Waren Sie nicht am 4. Juli mit Wesendrup zusammen verreist? Zeuge Junkerman: Min. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Haben Sie den Wesendnlp am 4. Juli nicht in der Stadt Goch getroffen? Zeuge Zunkermann: Das weiß ich nicht. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Wir werden die Richtigkeit bewerfen. Präsident: Herr Bürgermeister, hatten Sie den Mölders für einen glaubwürdigen Mann? Zeuge: Mölders ist Gärtnereiarbeiter und trinkt wohl bisweilen etwas über den Dürft, namentlich an Sonn- »nd Feiertage», ich glaube aber, daß er wissentlich keinen Meineid leisten wird. G Präsident: Können Sie uns -etwas über die Familie Wenboom sagen? Zeuge: Die Menbooms sind anständige Leute und meiner Meinung nach, vollständig glaubwürdig. Präsident: Können Sie uns über Wesendrup etwas sagen. Zeuge: Wesendrup ist ein sehr geschickter Steinmetz, aber ein de« Trunk rrgebeuer, ganz verbummelterMevch. der in Folge seines lüderlicheu Lebenswaudels wirthschastlich sehr heruntergekommen ist. Wes.udrup it auch ei« sehr jähzornige?, roher Man«, der fei** Fra» stets arg mißhandelt hat. Es ging sogar in Xanten das Gerücht, daß seine Frau in Folge der Mißhandlungen ihres Mmrns im Wochenbett gestorben sei. Ich halte den Wesendrup für sehr wenig glaubwürdig. Wesendrup unterhält mit seiner Haushälterin ein intimes Liebesverhältniß. Er arbeitet vielfach auswärts, schickte aber nichts für seine Kinder, die in Fotgc dessen der Armenverwaltung zur Last liegen. Staatsanwalt: Berkehrte Wesendrup mit Mölders? Zeuge: Jawohl. Präsident: War Wesendrup im Stande, auf Mölders Einfluß auszuübeu? Zeuge: Jawohl, Wesendrup ist dem Mölders geistig überlegen und ist wohl im Stande, denselben zu beeinflussen. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Können Sie uns etwas über das Verhältniß zwischen Wesendrup und Junkermann sage«. Zeuge: Wesendrup und Junkerrnann sind Halbschwäger; dieselben waren lauge verfeindet: es ist mir aber aufgefallen, daß nach dem Morde die beiden Leute sich wieder befreundeten. Bertheidiger: Hat Junkermann nicht vielfach öffentlich behauptet, daß Buschhoff der Mörder sei? Zeuge: Jawohl, Junkermann hat in den Wirthschaften das große Wort geführt, Junkerrnann ist, wie «tan so zu sagen pflegt, ein richtiger Schwadroneur und hat stets behaüptet, daß Buschhoff der Mörder sei. Bertheidiger: Hat Junkermann in Xanten antisemitische Flugschriften vertheilt? Zeuge: Es sind wohl in Xanten viele antisemitische Schriften, wie die „Dortmunder Reform" n. s. to.. vertheilt worden, ob sich aber Junkermann an dieser Vertheilung betheiligt hat, kann ich nicht sagen. Die antisemitischen Schriften wurden zumeist im Hotel Wittens irr Xanten vertheilt, in diesem Hotel hat auch Junkermann vielfach verkehrt. Präsident: Was können Sie uns über den hier auch als Zeugen geladenen Kutscher Mallmann sagen. Zeuge: Mallmann hat sich an den Unruhen, die nach dem Morde in Xanten gegen die Israeliten stattfanden, in hervorragendster Weise betheiligt. Wenn ich des Abends mit meinen Beaniten die Straße inspizirte, dann befand sich Mallmann gewöhnlich in de« ersten Reihen der Skandalmacher und leistete meinen Aufforderungen, sich zu entferne«, oder wenigstens nicht stehen zu bleiben, keine Folge. Präsident: Mallmann war also gewissermaffen Agitator bei den Krawallen gegen die Juden? Zeuge: Jawohl. Präsident: Halten Sie den Mallmann für glaubwürdig?" Zeuge: Nein, keineswegs. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Ist es dem Herrn Bürgermeister bekannt, daß Buschhoff sich am 9. Juli bei ihni beschwerte, daß Mallmann ihn förmlich auf der Straße verfolge und ihm Mörder Nachrufe? Zeuge: Jawohl. Bertheidiger: Buschhof hat in Folge deffen Sie um Schutz gebeten: Zeuge: Jawohl. Bertheidiger: Hat nicht einmal Mallmann das Gerücht verbreitet, er habe gesehen, wie die Tochter des Angeklagten, die Hermine Buschhoff, die Leiche in einem Sack in die Küpperfche Scheune getragen habe? Zeuge: Jawohl. Der Zeuge bemerkt im Weiteren, daß, als er die Leiche zum erste» Male gesehen, der sehr geschickte Halsschnitt de« Verdacht ihn ihm rege machte, einer der m der Nähe wohnenden jüdischen Metzger habe den Mord begangen. Präsident: Machte lediglich der geschickte Schnitt diesen Verdacht in Ihnen rege? Zeuge: Lediglich der geschickte Schnitt. Der folgende Zeuge ist de. Polizei-Sergeant Schlöhr. Dieser bekundet, daß er sofort nach Auffindung der Leiche nach menschlichen Spuren gesucht, er habe aber nur auf dem Gartenweg Fußspuren entdeckt. Das Thor fand er verschlossen, doch konnte e ne starke Person die Flügel soweit auseinanderdrücken, daß ein Mensch durchkriechen konnte. Frau Hegmann habe ihm erzählt, als Buschhof am Abend des Mordes zu ihr kam, habe sie förmlich geahnt, daß Buschhoff der Mörder sei.