Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Nr. 30 Orstrrrrichtfchr Wochenschrift. Seite 533 „Du mußt es so sagen" und zu ihr: „Er muß so sagen, es muß alles so stimmen, wie Mölders es gesagt hat." Buschhoff fügt hinzu, seine Frau habe dies gehört. Frau Heister stellt jene Aeußerung in Abrede; ihr Mann habe sie nur ein dummes Weib gescholten. Der Ehemann der Borzeugin, Drechslermeifter Heister, bestätigt die Bekundung seiner Gattin. Er habe am Vormittage des Peter-Paulstages das kleine Joanchen mit anderen Kindern in der Nähe der Küppers'schen Scheune aus dem sogenannten Porteweg spielen sehen. Präs.: Wann war das? Zeuge: Etwa gegen 10 Uhr. Er erzählt, er sei am nächsten Morgen bei Buschhoff vorbeigegangen und habe durch das offene Fenster gesehen, daß Buschhoff - mit% den Seinen Kaffee getrunken; er habe die Familie Buschhoff angeredet und gesagt: „Das war ein ordentlicher Schnitt, den das Kind bekommen hat." Buschhoff habe darauf außerordentlich gezittert, so daß die Taffen klapperten und der Kaffee im Bogen darüber spritzte. Buschhoff bestreitet heute dies mit den Worten: „Warum soll ich gezittert haben? Heute wäre es möglich. Mer zu jener Zeit zitterte ich nicht." Heister erzählt nochmals zum ersten Mal bei Buschhoff die Scheiben eingeWagen worden seien, habe er bei Buschhoff durchs Fenster gesehen und Frau Buschhoff sagen hören: „Um so ein Kind werden uns die Scheiben eingeschlagen," lvorauf B. ertoiderte: „Ich wußte ja, daß es so kommen würde." Der Zeuge bekundet im Weiteren, daß Buschhoff an dem Peter-Paulstage bei der Pumpen-Kirmes sehr schweigsam gewesen .sei, wahrend er sonst immer Karten gespielt habe. Ferner sei es ihm (dem Zeugen) aufgefallen, daß Buschhoff nicht in die Scheune gegangen sei, wo der Leichnam gelegen hat, und daß, als er den Buschhoff am anderen Morgen besuchte, dieser gezittert habe. Buschhoff bemerkt: Er habe am Bormittage des 29. Juni 1891 einige geschäftliche Differenzen gehabt und sei mithin zum Discutiren nicht aufgelegt gewesen. Daß er gezittert habe, bestreite er. Jetzt in Folge der weiteren Schicksalsschläge zittere er wohl bisweilen, damals habe er aber nicht gezittert. Die Scheune, wo der Leichnam gelegen, habe er deshalb nicht betreten, weil dies ihm, ha er zum jüdischen Priesterstamme gehöre, seine Religion verbiete. Jetzt thue es ihm allerdings leid, daß er diese Sünde Nicht gethan, dann wäre ihm vielleicht das viele Unglück, das überihn und seine Familie gekommen, erspart worden. Es wurden die Kinder vernommen, die am 29. Juni mit dem Knaben Hegmanns'Vormittags gespielt haben: Maria Benhoff, Maria und Elise Müller, Käthchen und Dora Kernder, Peter Benhoff und Stefan Ke rüder. Die Mädchen ließen um V,10 Uhr die Knaben allein, gingen in's Hochamt und nach den: Hochamt war der Knabe.Hegemann verschwunden. Sonst wissen die Mädchen nichts anzugeben; aus dem Knaben Benhoff ist kein Wort herauszubringen und der Knabe Kernder ist erkrankt. Die folgende Zeugin, Frau Kernder, bekundet, daß sie am Tage nach dem Morde der Buschhvff'schen Familie eine Photographie habe zeigen wollen. Die Buschhoffs haben sie in die Hinterzimmer nicht hineingelassen. Auch sei es ihr (der Zeugin) ausgefallen, daß die Frau Buschhoff und Tochter furchtbar blaß ausgesehen haben. Präsident: Sie haben einen kleinen Sohn, Namens Stephan? Zeugin: Jawohl. Präsident: Wie alt ist das Kind? Zeugin- 9 Jahre. Präsident: Was hat Ihnen der kleine Stephan erzählt? Zeugin: Stephan erzählte mir: Am Vornüttage des Peter- Paulstages habe Frau Buschhoff hei; kleinen Joanchen in ihr taus gerufen und dem Kinde Kirschen gegeben, damit es einige änge machen sollte; von diesem Augenblicke sei der kleine Joanchen nicht mehr zum Vorschein gekommen. Ich fragte den Stephan: weßhalb er sich nicht die Kirschen verdient habe, der Kleine aber antwortete: Frau Buschhoff hat uns fortgejagt. Präsident: Wann hat Ihnen das Ihr Sohn erzählt? - Zeugin: Am 7. Juli. Präsident: Wie kam es, daß der Kleine Ihnen das erst am 7. Juli erzählt hat? Zeugin: Ich habe über den Mord nicht gesprochen, weil ich den Buschhoff der That nicht für fähig hielt. Ich habe auch die Erzählung meines Sohnes nicht geglaubt. Als er mir aber genau erzählte: wie Frau Buschhoff die Thüre ausgemacht u. s. w., dann sagte ich zu meinem Manne: Nun scheint doch die Sache wahr zu sein, wir find jetzt verpflichtet, sofort die Anzeige zu machen. Präsident: Ist Ihr Sohn lügenhaft? Zeugin: Wenn mein Sohn einmal die Unwahrheit sagt, dann wird er sofort ganz roth im Gesicht. Frau Heister bemerkte zu dieser Erzählung, sie und ihr Mann hätte» es erst nicht glauben wollen, als aber der Junge seine Erzählung wiederholt und dabei gezeigt habe, wie weit bei Buschhoff die Thür offen war. hätten sie es geglaubt. Frau Heister gibt aber zu, daß am 29. Juni Nachmittags ein Mädchen des Schreinermeisters Hegmann zu ihr gekommen sei und ihr Söhnchen Stefan gefragt habe, ob er das „Schängelchen" nicht gesehen. Stefan sagte, er werde auf die „Kirschen" gegangen sein, und acht Tage später erst erzählte er das vorher Mitgetheilte. Solch räthselhafte Vorkommnisse kommen in großer Zahl im Proceffe vor. Der Präsident bemerkte, die Staatsanwälte, die Untersuchungsrichter und die Bertheidiger hätten sich vergeblich alle Mühe gegeben, aus dem Knaben etwas herauszubringen, es sei niit allen Mitteln nicht möglich gewesen. Schreinermeister Behlow bekundet, daß der Gastwirth Schaut die Nachricht von dem Morde brachte, als er mit Buschhoff und. anderen in der Schaut'schen Gastwirthschaft Kegel schob. Sehr bald sei auch Sigmund Buschhoff zu Schaut gekommen und habe gesagt: Der kleine Joanchen sei in die Häckselmaschine gefallen und dadurch zu Tode gekommen. Hier wird gegen 83/* Uhr Abends die Sitzung vertagt. Dritter Verhandlungstag. Cleve, 6. Juli 1892. Der Präsident, Landgerichtsdirector Kluth, eröffnet gegen 9V, Uhr Vormittags die Schung. Der Staatsanwalt beantragt/, den bisher 'nicht erschienenen Zeugen Knippenberg fistiren und vorführen zu lassen und denselben in eine entsprechende Strafe wegen seines Ausbleibens als Zeuge zu nehmen. Der Präsident bemerkt, daß Knippenberg schwachsinnig sei, es sei daher fraglich: ob derselbe in Strafe genommen werden könne. Der Gerichtshof beschließt: den Zeugen Drechsler Kuippenberg sistiren und ihn zum Freitag vorführen zu lassen. * Es erscheint alsdann als Zeuge Anstreicher Köters: Am Vornrittage des Peter-Paulstages sei er etwa IO Minuten vor 10 Uhr aus der Messe gekommen. Er sei über den sogenannten Porteweg gegangen und habe dort auf einem kleinen Häuschen, das an das Buschhoffsche Hinterhaus grenzt, seinen Neffen, den kleinen Joanchen sitzen sehen. Letzterer habe ihn noch mit den Worten begrüßt: „Guten Morgen, Onkel!" Er habe von dieser Zeit ab das Kind nicht mehr gesehen. Er sei einer der ersten gewesen, der auf der Mordstätte war. Verth. Rechtsanwalt Fleischhauer: Sie haben dem Vater des ermordeten Kindes. Ihrem Schwager, zuerst die Nachricht von der Ermordung gebracht. Was haben Sie Ihrem Schwager als Todesursache angegeben? Zeuge: Ich sagte meinem Schwager, daß der Joanchen in die Wannmühle gefallen sei. Bertheidiger: Ich wollte damit blos beweisen, daß Buschhoff mit seiner Ansicht: Der Knabe sei in die Wanumühle gefallen, nicht allein stehe. Präsident: Glaubten Sie, daß der Knabe in die Wannmühle gefallen sei? Zeuge: Jawohl, anfänglich glaubte ich es; ich habe allerdings dem Vater zunächst gesagt, daß sich der Kleine blos eine Beinverletzung zugezogen habe, ich wollte ihm nicht sofort sagen, daß das Kind tobt sei. Bertheidiger Rechtsanwalt Stapper: Ich muß hier bemerken, daß Bufchhoff alle seine Messer selbst, der Polizei ansgeliefert hat. Präsident: Das werden wir nachher feststelle«, in» Uebrkgen geht aus den Acten hervor, daß die Polizei die Messer 1p ihm confiscirt hat. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Die Messer wurden aber nicht sämmtlich beschlagnahmt, Bufchhoff hat die fehlenden der Polizei aus eigenem Antriebe ausgeliefert. Der folgende Zeuge ist der Lehrer der jüdische» Gemeinde Gottschalk: Er sei Lehrer und Schächter der jüdischen Gemeinde zu Xanten; Buschhoff habe während der Zeit, wo er (Zeuge) , in Xanten sei, nur als Hilfsschächter fuugirt. Sigmund Bufchhoff sei ein sehr gutmüthiger und aufgeweckter Knabe; er fei nicht schüchtern, aber auch nicht frech.