Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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----Ri--"' L -. -»-- -.» DeArrrrichischr Wochenschrift. Sette 531 Nr. 30 Frau Buschhoff geantwortet: Sie werden den Joanchen schon noch finden, beten Sie nur ein Vater unser. Sie sei darauf nach Hause gegangen und habe eine Kerze des heiligen Antonius angezündet. Kaum sei dies aber geschehen gewesen, so habe sie die Nachricbt erhalten, daß ihr Kind in der Küppers'schen Scheune geschlachtet worden sei. (Weinend) Es kamen verschiedene Leute und auch Buschhoff, seine Frau und sein Sohn Sigmund. Mein Mann bekam einen Ohnmachtsaufall, Buschhoff hielt ihn fest und ha ich auch bald in Ohnmacht fiel, so ließ mir Busch hoff'ein Brausepulver holen. Buschhoff wollte das Brausepulver bezahlen, meine alte verstorbene Tante hat es aber nicht gelitten und auch schließlich dem Buschhoff und seinem Sohne die Thüre gewiesen. Präs.: Ist Ihnen denn an Buschhoff etwas ausgefallen? Zeugin: Ja, er war sehr zudringlich. Präs.: Ist Ihnen auch außerdem an Buschhoff etwas .ausgefallen? Zeugin: Mein Mann sagte mir Abends, als Buschhoff ihn anfaßte, sei es ihm so vorgekommen, als wenn seine Hände beblutet waren. Präs.: Haben Sie Blut an den Händen des Buschhoff wahrgenommen? Zeugin: Nein. Blut habe sie an den Händen des Busch - hoff nicht gesehen, aber ihr Mann habe es gemeint. Präs.: Hat Ihnen das kleine Joancheu einmal erzählt, ob ihm Buschhoff gedroht habe, er komme in den Thurms Zeugin: Ja. Präs.: Weshalb geschah das? Zeugin: Das Kind erzählte: ein Grabstein sei beschädigt, er habe es nicht gethan. Präs.: Hat Sigmund Bnschhoff einmal bei Ihnen Nägel geholt? Zeugin: Jawohl, einige Tage vor dem Morde hat der kleine Buschhoff bei mir Nägel geholt, ich habe ihm eine Handvoll gegeben. (Die Zeugin verläßt weinend den Saal.) Präs.: Buschhoff, Sie sollen sich der Familie Hegmaun gegenüber aufdringlich benommen haben? Buschhoff: Das ist nicht wahr. Ich habe selbst Unglück in meiner Familie gehabt und nahm in Folge dessen Antheil au dem tyrurigen Schicksal der unglücklichen Familie. Präs.: Ihre Hände sollen beblutet gewesen sein? Buschhoff: Das ist nicht wahr. Der folgende Zeuge ist Schreinermeister Hegmann, Vater des ermordeten kleinen Hegmann. Während dessen Vereidigung schaut Buschhoff ihnr frei, unbefangen und stätig in's Auge. Hegmann ist leidend und durfte sich während der Vernehmung setzen. Dieser bekundet, gleich seiner Frau, daß das kleine Joanchen am Peter und Paulstage gegen 10 Uhr Vormittags fortgegangen und nicht mehr zurückgekehrt sei. Es habe ihm so geschienen, als seien die Hände des Buschhoff, als er Abends zu ihm kam, beblutet gewesen. Ich wollte B. iunner von mir abwehren, aber er hielt mich fest. Ich bekam auf einmal Abneigung gegen ihn. Präs.: Da kamen Sie auf den Gedanken, er habe Ihr Kind getödtet, und da bekamen Sie Abneigung gegen ihn. Hegmann: Ja. Hegmann bekundete noch, daß Buschhoff sonst höflich und liebenswürdig gewesen sei; Buschhoff würde sich in einem anderen Falle ebenso theilnehmend verhalten haben; Buschhoff sei nicht hinterlistig und jähzornig. Staatsanwalt: Es ist sehr auffallend, Zeuge, daß Sie mit dieser Bekundung heute zum erste» Male hervortreteu. Weshalb habe» Sie denn nicht sofort bei Ahrer Vernehmung etwas von de» bebluteten Händen des Buschhoffs gesaat? Zeuge: Ich hatte das vergeffen. Präs.: Es ist auffallend, daß Sie dies vergaßen. Ich würde das zuerst gesagt Laben, weil es etwas ganz Außerordentliches zu sein scheint. Bertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Als Sie zum ersten Male von dem Herrn Amtsrichter vernommen wurden, hatten Sie da üicht Verdacht gegen Ihren schwachsinnigen Schwager Knippenberg. Zeuge: Jawohl. Bertheidiger: Warum haben Sie dem Herrn Amtsrichter nicht gesagt, der Bnschhoff habe beblutete Hände gehabt. Zeuge: Das hatte ich vergeffen. Bertheidiger: Hat der kleine Joanchen Ihnen einmal geklagt, daß Sigmund Buschhop ibm gedroht habe, er werde in den Thurm gesperrt werden, weil er einen Grabstein beschädigt habe? Zeuge: Ja. Präs.: Hat der kleine Joanchen zugegeben, daß er den Grabstein beschädigt habe? Zeuge: Nein, der kleine Joanchen versicherte, daß er es nicht gethan habe. Ich habe mir sogar den Grabstein angesehen, ich wollte eventuell den Schaden bezahlen, es war aber gar kein Schaden entstanden. Präs.: Lebten Sie mit Buschhoff in guter Freundschaft? Zeuge: Jawohl. Präs.: Sind Sie der Meinung, daß, wenn Ihnen irgend ein anderer Unfall zugestoßen wäre, Buschhoff nicht solchen Antheil genommen hätte? Zeuge: Das weiß ich nicht, ich glaube, er hätte es alsdann auch gethan. Präs.: Wer hat Ihnen erzählt, daß Frau und Tochter des Buschhoff den kleinen Joanchen ins Haus gezogen hatten? Zeuge: Das hat mir Mölders erzählt. Präs.: Wie ist wohl der Charakter des Buschhoff? Ist er gutmüthig, oder besonders jähzornig und rachsüchtig? Zeuge: Bnschhoff ist durchaus gutmüthig. Präs.: Sie sind auch der Meinung, daß Buschhoff an anderer Leute Unglück Antheil nimmt? Zeuge: Jawohl. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Pellmann: Ist Ihr Schwager Knippenberg ein bösartiger Mensch? Zeuge: Je nachdem, bisweilen ist er sehr ruhig, bisweilen ist er auch bösartig. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Pellmann: Hat er schon einmal Jemandem etwas gethan? Zeuge: Nein. Geh. Medizinalrath Pros. Dr. Pellmann: War der kleine Joanchen ein kräftiges und gesundes Kind? Zeuge: Jawohl. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Pellmann! Nach dieser Brknndung habe ich zu bemerken, daß die Bermuthung des Criminal - Commiffärs Wolff keinerlei Wahrscheinlichkeit für sich hat. Geheimrath Pellmann. der die Eheleute Hegemann während der Vernehmung auch über ihre und ihrer Kinder gesundheitliche Verhältnisse befragt hatte, äußerte sich über die „blutige Hand" wie folgt: Es liegt hier eine Wirttmg des Gehirns bei dem Vater Hegmann vor. Hegmann ist geistig geschwächt und macht den Eindruck eines Mannes, der sehr langsam denkt und sehr langsam Fragen beantwortet und der auch eine gehörige Portion Aberglauben besitzt. Bei Menschen mit Erinnerungsdefecten kommt es häufig vor, daß sie Ansichten und Gefühle zu haben glauben, die sie an einem anderen Tage gehabt haben. Es ist die Annahme möglich, daß Hegmann Erinnerungen auf einen anderen Tag datirt und glaubt, er hätte etwas einen Tag früher gesehen und gehört, als es wirklich der Fall war. Präs.: Aber die Frau hat es gesagt. Geheimrath Pellmann: Es kommt häufig vor, daß in Familien, bei häufigen Umgang und Verkehr die andern Mitglieder gerade so mangelhaft datiren. Deshalb kann die Frau ebenso gut und schlecht in der Erinnerung datiren wie der Mann. Präsident und Staatsanwalt stellen fest, daß heute in die Verhandlung eine ganz neue Sache mit der „blutigen Hand" gekommen sei. In den Acten stehe davon gar nichts. Frau Hegemann sei dreimal vernommen worden und habe bis heute nichts von der „blutigen Hand" angegeben. Es erscheint alsdann Professor Dr. Nödelke, Professor der semitischen Sprachen an der Straßburger Universität. Präs.: Ich weiß nicht, worüber der Herr Profeffor vernommen werden soll. Verth. Rechtsanwalt Gammersbach: Die Bertheidigung hat den Herrn Profefforgeladen, weil, wie der Herr Präsident heute Vormittag sehr richtig erwähnte, die Behauptung aufgetreten ist: der Mord sei geschehen, weil die Juden zn ihren rituellen Zwecken Christenblut brauchen. Der Herr Profeffor ist nun in der talmudischen Wissenschaft eine Autorität ersten Ranges, Ich richte deshalb die Frage an den Herrn Professor, ob in den Religionssatzmigen der Juden etwa die Blutabzapfung Andersgläubiger geboten ist?