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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 520 Orstrrrrichifchr Wochenschrift Nr. S0 berichtigen, der sich in unsere vorwöchtentliche Notiz eingeschlichen hat, indem ein Lungenleiden als Ursache des Rücktrittes des Herrn Dr. Feilbogen angegeben wurde, während thalsächlich ein Augenleiden den ehrwürdigen Religionslehrer der Mittelschüler von Währing - und Hernals zum Verzichte auf seine Lehrthätigkeit gezwungen hat. JurrSbruck, 14. Juli. (Schulschluß) Hier fand am 6. d. M. der solenne Schluß des Schuljahres der israelitischen Religionsschule durch den Religionslehrer für Volks- und Mittelschulen, Herrn Obercantor Emil Fränkel, statt. Die Anstalt besuchten die israelitischen Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums, der Ober- und Unterreal-, Bürger- und Volksschulen, der Handels-Akademie und der Ursulincrinnen höhere Töchterschule. Tie Stadt Innsbruck stellte in bereittvilligster Weise das große Lehrzimmer im Gebäude der städtischen Bürgerschule in der Gilmgasse zur Beifügung. Die Inspektion hatten die Herren S. Abeles, Wilh. Dannhauser und Louis Bauer. Breslau. An Stelle des an der hiesigen neuen Synagoge thätigen zweiten Cantors Mannes, welcher seine Stellung gekündigt hat, ist der Cantor F iedland aus Hamburg (ei» Schüler des verstorbenen Obereantors Moritz Deutsch) gewählt worden, nachdem er an einem der jüngsten Sabbathe mit günstigem Erfolge vorgebetet und sich als ebenso mmmbegabter. als wohlgejchulter Sänger eingeführt. — Ter Chorgesang an der Synagoge soll künftig von einer größeren Anzahl hiesiger Damen und Herren tan Stelle der Knaben) aus dem Schooße unserer Gemeindemitglieder ausgefiihrt werden. — Auf die diesbezügliche Aufforderung hin, sollen bereits zahlreiche Meldungen stimmfähiger Kräfte aus den besseren Kreisen cingegangeN und mehrfache Engagements perfect geworden sein. Moskau. Daily News berichten, daß die armen Juden in Moskau nunmehr den Auftrag seitens der Polizei erhalten haben, ihre Synagoge bis längstens 1. Jänner 1893 zu verkaufen. Die Synagoge wurde vor etwa zwei Jahren mit einem Aufwande von 150.000 Rubel erbaut und ist ein prachtvoller Bau. Der Berckaufsaustrag ist mit der Drohung verbunden, es werde, falls demselben nicht entsprochen wird, die Synagoge den Juden weggenommen und zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden. Voraussichtlich werden die Behörden keine Entschädigung geben, auch dürften die Juden beim Verkaufe kaum mehr als den Grundwerth erlösen, denn wer wird einen Preis für eine jüdische Synagoge in Rußland bieten? Paris. Der „Eclaire" veröffentlicht eine Reihe von Zuschriften hervorragender Personen, welche die gehässigen und verläumderrschen Angriffe gegen die Juden verdammen. M. Jules Simon bezeichnet dieselben als verabscheuungswürdig und findet darin die Aufhebung der Gewissensfreiheit. M. Renan erklärt, er könne nicht glauben, daß die Juden ihren Reichthum in weniger ehrenhafter Weise erworben haben, als die Christen, von welchen viele enorm reich seien. M. Jules Ferry erklärt die Agitation für verachtenswerth. London. Bon 11. jüd. Parlamentscandidaten wurden 7 gewählt und zwar 4 Unionisten und 3 Anhänger von Gladstone. Erstere sind: Baron Henry de Worms, Sir Julian Goldsmid, Baron Ferdinand de Rothschild, und Mr. Benjamin Cohen. Letztere Mr. Samuel Montagu, Mr. Sydney Stern und Mr. Herbert S. Leon. Feuilleton. Eine jüdische Dorfgeschichte. Fortsetzung. Josef stürzte darauf in seine Kammer und packte sein Reisebündü. Wohin er in der Nacht wollte, wußte er nicht, aber fort, um jÄen Preis fort, das wollte er. Als er sein Bündel fast beisammen hatte, klopfte es an der verschlosienen Thür. „Wer pocht?" fragte er. Er vernahm ein Schluchzen und erkannte die Mutter. Er öffnete und als diese das Reisebündel bemerkte, stürzte sie mit einem lauten Schrei an die Brust des geliebten Sohnes und hielt ihn mit krampfhafter Angst mit ihren Armen umschlossen. Auch er legte seine Arme um sie und weinte. „Geh' Josef." bat sie den Sohn, und sah ihn dabei mit unbeschreiblicher Wehmuth an, „geh' und beurlaube Dich vom Vater." Und der Sohn folgte. Aber der Vater war unversöhnlich, er erwiederte ihm nicht das „Zum Leben und zum Frieden", das man jedem Scheidenden als Geleite gibt. Und so zog der Sohn in stürmischer Nacht aus dem Elternhause, einer ungewissen Zukunft entgegen. Er ging nicht mehr nach Preßburg zurück, sondern setzte sich die Hauptstadt zum Ziele, wo er seine Studien vollenden wollte. Und wie er bei Wind und Wetter und in tiefster Dunkelheit, die nur durch Blitze durchbrochen wurde, auf der Landstraße dahinschritt fand er Muth und Trost in dem Gedanken, der ihn ganz erfüllte, sich auszuzeichnen und als großer Mann zurückzukehren, um dem Vater zu zeigen, daß man im Judenthunl auch auf anderen Gebieten als den Talmudstudien Ehren erringen kann. Mit eisernem Fleiße lag er in der Hauptstadt seinen Studien ob. Alle studentischen Unterhaltungen blieben ihm ftemd; er hätte sie auch nicht mitmachen können, denn es fehlten ihm dazu die Mittel. Vom Hause sind die Unterstützungen in der That ausgeblieben. Der Vater war unbeugsam in seinen Grundsätzen, und die Mutter hatte ihm wohl von Zeit zu Zeit heimlich zukommen lassen, wie sie es in seinem Jeschiwah-Leben gethan, aber sie kannte den Stolz des Sohnes, der es ihr gewiß zurückgeschickt hätte und ihr nur Verdruß mit ihrem Manne verursacht haben würde, dem die Rücksendung in die Hand gekommen wäre. Es unterblieb sogar jede Correspondenz zwischen dem Sohne und ven Eltern, so daß diese nicht einmal seine Adresse wußten. Er bewohnte eine elende Kammer bei armen Leuten, wofür er einen Knaben seines Quarüergebers im Hebräischen unterrichtete. Oft versuchte die Frau, den Studenten auch zu ihrem frugalensMahle einzuladen, aber er schlug es jedesmal ab. Aennchen, die sechzehnjährige Haustochter, sann auf die verschiedensten Mittel, wie dem jungen Manne die nothwendigste Nahrung verschafft werden könnte und trug ihm einmal an, ihr eine Lection im Schönschreiben und Rechnen zu geben, wofür sie khnl etwas von ihrem wöchentlichen Verdienste durch die Nadel zahlen wolle. Er willigte ein, aber unter der Bedingung ohne Aequivalent. „Ich weiß nicht," sagte er ihr, wohl merkend, was sie bezwecke, „was ich mehr bewundern soll, Ihre Sorgfalt für mich oder die feine und freundliche Weise, wie Sie dieselbe kund geben." Die Stunden begannen; aber nachdem das Mädchen seinen eigentlichen Zweck, ihn in etwas zu unterstützen, nicht erreichte und er dadurch nur in seinen Studien gehindert werde, schützte sie Mangel an Zeit vor und hörte wieder auf. Entbehrung und Noth brachten den jungen Mann ganz herab. Sein bleiches Gesicht, seine gerötheten Augen verriethen, daß er krank sei. und die Folge war, daß er auch nicht mehr regelmäßig die Collegien besuchen konnte. Da schrieb einer seiner Professoren, der ihn besonders liebte, an dessen Vater, er möge den Sohn nach Hause holen, damit er nicht gänzlich zu Grunde gehe. Der Vater war schnell zur Abreise gerüstet, mußte aber der Mutter früher versprechen, daß er dem Kinde nicht eher als zu Hause Borwürfe machen werde. Josef kam; die Mutter erkannte kaum ihr Kind mehr- Seine Wangen waren eingefallen, die Stimme tonlos. Der Vater, der auf dem ganzen Wege Schmerz und Zorn mit Gewalt zurückgedrängt und nicht ein einziges Wort mit dem Sohne gesprochen hatte, brach kaum, daß sie zu Hause waren um so heftiger los: „Da haben wir unseren lieben Studenten. Er hat gewiß auch gelumpt, daß er so elendlich herabgekommen ist. Was sollen wir mit dem studirten Herrn jetzt anfangen, ihn zum Geschäfte stellen, den verluderten Müßiggänger und so oft ich ihn anschauen müßte, vor Verdruß und Gram mich einen Schritt ans Grab ärgern? Oder soll ich ihn, um ihn mir aus den Augen zu bringen, wenn er ein paar Wochen zu Hause ordentlich gelebt und zu Kräften gekommen, neuerdings wegschicken und ihn vollends an Leib und Seele zu Grunde richten lassen? O Gott, ich hoffte, dir ihn zu einem frommen Manne zu erziehen, zur Ehre unserer Familie, zu deinem Ruhme: warum züchttgst du mich so?" In der Unschuld seiner Seele hörte der Sohn ruhig diese Reden an; aber der Vater glaubte, diese Ruhe sei Verstocktheit, und gereizt erhob er seine Hand und versetzte dem Kranken mehrere Streiche in's Gesicht, daß das Blut aus Mund und Nase floß. Die Mutter war, ehe sie noch zwischen Vater und Sohn sich werfen konnte, zusammengebrochen. Da Josef die Mutter ohnmächtig hinsinken sah, wollte er ihr zu Hilfe eilen, aber der

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