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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Orstrrrrichlfrhe WochrnschrW. Sette Lrs Nr. 30 Josef Mayer aus Müllheim denunzirte Müller bei der Staatsanwaltschaft des Betrugs; die Verhandlung erwies jedoch, daß nicht Mayer, sondern Müller der Betrüger war. Die Untersuchung gegen Mayer, der nach Aussage des Staatsanwalts unschuldig ins Zuchthaus gekommen wäre, wurde sofort niedergeschlagen. Mit Bürgermeister Müller verliert die antisemitische Partei des badischen Oberlandes eines ihrer eifrigstell Mitglieder. London, 7. Juli. Der Erzbischof von Canterbury hat ein Geschenk von 25 Pfund (500 Mk.) zu dem Fond für die verfolgten Juden von Rußland beigestenert und die Spende mit folgendem Briefe an den Oberrabiner begleitet: Lambeth-Palast S. C., 3. Juni 1892. Mein lieber Dr. Adler! Darf ich Sie freundlichst bitten, einliegende Kleinigkeit anzunehmen und dieselbe nach Ihrem Ermessen für unsere armen Freunde, die leidenden Juden in Rußland, anzuwenden? Ihr aufrichtig ergebener E. Cantuar. M. H e.r be r t S p e n c e r hat den folgenden Brief an ein Mitglied des Londoner russisch-jüdischen Komites geschrieben: Fairfield, Pewsey, Wilts, 25. Juni 1892. Werther Herr! Ich habe wohl kaum nöthig zu sagen, daß ich in der schärfsten Weise jede religiöse Verfolgung verurtheile, möge es die von Juden, irgend einer Sekte Christen oder Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse sein. Ein entschiedenstes Verdammungsurtheil des in dieser Hinsicht von Rußland ausgeübten Verfahrens ist die nothwendige Folge meiner bekannten Ansichten. Meine Hoffnung ist, daß der auf's Aeußerste gespannte Despottsmus, der sich in seinen Maßnahmen sowohl gegen die Juden als nach anderen Richttrngen hin zeigt, zur Ansammlung von mannigfachen Explosivstoffen führt und in einer Katastrophe enden wird, welche dieses große barbarische Reich in ein halbes Dutzend Königreiche zerstückeln wird. Ich bin Ihr treu ergebenster Herbert Spencer. Unter dem Namen Cho wawe-Zion (Zionsfreunde) hat sich hier vor einiger Zeit ein Verein gebildet, der sich die Kolonisirung Palästinas und der anliegenden Länder zur Aufgabe gestellt. Der erste Schritt zur Ausführung ihres Planes ist gethan, indem nach einer Bekanntmachung in den hiesigen jüdischen Blättern, 2400 Acres Land in Gilead für 40.000 Mark erworben sind, worauf eine erste Kolonie von 50 Familien angesiedelt werden soll. Der Boden soll sich vorzüglich zum Anbau eignen, und die türkische Regierung, die den Zufluß von armen Einwanderern abwehrt, erhebt gegen die Gründung gut organisirter Kolonien in spärlich bevölkerten Landestheilen keinen Einspruch. Das Kauigeld ist bereits entrichtet und es werden nur die Mittel zum Bau und zur Einrichtung von Häusern, zur Pflanzung von Bäumen, zum Ankauf von Zuchtvieh und zur ersten Aussaat gesammelt. Die Kolonisten werden in der ersten Zeit unterstützt, bis sie sich durch den Ertrag der Ernten selbst erhalten und allmählich mit der Rückerstattung der Auslagen beginnen können. So soll auch im heiligen Lande eine Heimat für die aus ihrem Geburtslande verstoßenen Juden gegründet werden, wo sie ohne stete Furcht vor Verfolgung und Unterdrückung als Ackerbauer frei und ungehemmt leben können. VenmMes. Wie«. Der Präsident des isr. Humanitäts-Vereines „Nachlath Jeschurun“ feierte am 17. d. M. seinen 70. Geburtstag. Bei diesem Anlasse wurden ihm von dem genannten Vereine, dessen Begründer der Jubilar ist, eine herzliche Ovation bereitet. In Gegenwart der Familienangehörigen des Jubilars, welcher selbst in Folge seines leidenden Zustandes bedauerlicherweise nicht erscheinen konnte, wurde nämlich am 18. d. M. im Locale des von ihm ins Leben gerufenen Freitisches ein lebensgroßes Porträt des Herrn Michael Winkler enthüllt, welches berufen ist, diesen Raum künftighin zu schmücken. Der Präsident des Tempelvereines, Herr Architect Max- Fleischer, hielt als persönlicher Freund des Jubilars eine Ansprache an die Versammelten und an die kleinen Speisezöglinge, die Bedeutung und Wirksamkeit des Jubilars hervorhebend. Namens der Borstandscollegen des Jubilars überreichte Herr M. Knepler, sodann eine entsprechend ausgestattete Glückwunsch- Adresse, welche der anwesende Sohn Herr I. Winkler für seinen Vater mit dem Ausdrucke des Dankes entgegen nahm. ' Wie». Se. Majestät der Kaiser hat dem Großindustriellen Salomon Reich in Groß-Karlowitz in Anerkennung seiner verdienstlichen industriellen und gemeinnützigen Wirksamkeit das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens verliehen. Budapest. Se. Majestät der Kaiser hat den ungarischen Großgrundbesitzer in Budapest und Szalanta, Herrn Adolf Sternt h a l, mit dem Franz Josef-Orden ausgezeichnet. Herr von Sternthal genoß auch die Auszeichnung, bei den letzten Krönungsseierlichkeiten zu allen Empfängen und Festlichkeiten geladen zu werden. Baden. Herr Jacob Mayer aus Wien, gestorben am 9. Juni a. c., hat der Badener isr. Cultus-Gemeinde. für das laut Beschluß der Gemeinde-Repräsentanz zu gründende israelitische Bersorgungshaus, 2000 fl. baar testirt. Möge dieser humane Act Nachahmung finden. Ischl. Sonntag, 17. d. M. gastirte ^rm hiesigen Theater der Opernsänger Hr. Szengery, bekanntlich ein Sohn des Wiener Obercantor Singer, als Graf Luna im Troubadour. Der noch junge Künstler verfilzt über prachtvolle Stimmmittel, schöne Bühnenerscheinung und verständnißvolles Spiel und hatte bei dem distinguirten Publicum einen großen Erfolg. IW. Taus. 17. Juli. Mittelst Erlasses der h. k. k. Statthallerei von Böhmen dto. 8. Juli 1892 wurde der Religivnslehrer am k. k. Staatsgymnasium Herr A. Stein zum Rabbiner in Böhmen für qualisizirt erklärt. Ausiee in Mähren. Am 28. Juni l. I. trugen wir eine würdige, fromme, edle Frau zu Grabe, die Gattin unseres verdienstvollen Vorstehers Herrn S. A. Pollak, Frau Netti Pollak. Die edle Verblichene, die eine Jüdin im edelsten Sinne des Wortes war, war eine Tochter unseres, ehemaligen Rabbiners s. A. und eine Enkelin des in der jüdischen Gelehrtenwelt bekannten und berühmten Verfassers der Schaare Thora. An ihrer Bahre trauerten mit dem schmerz- und tiefgebeugten Ehegatten 2 Söhne und 3 Töchter, am offenen Grabe gab der gramgebeugte Ehegatte, unser würdiger Vorsteher mit thränenerstickter Stimme seinen Schmerz über den unersetzlichen Verlust beredten Ausdruck. Mähr. - Weißkirchen. Ohne Opfer an Zeit und Mühe zu scheuen, ertheilte den 60 Schülern des Staatsgymyasiums;u Weißkirchen durch 3 Semester Herr Oberrabbiner Dr. Jacob Tauber aus P r e r a u, eine Capacität im Lehrsache, hingebungsvoll den Religionsunterricht. Aus diesem Anlasse brachten die Schüler dem scheidenden beliebten Lehrer herzliche Ovationen dar und der Lehrkörper verabschiedete sich in ehrenvollster Weise von dem Pflichteifrigen College«. Herr Direktor Eduard Kutschern hob in seiner Ansprache hervor: „Daß Herr Prof. Dr. Tauber durch die zielbewußte gediegene Lehrweise sich ein hohes Verdienst um die Anstalt erworben habe. In kurzer Zeit sei der durch Jahre darniederliegende Religionsunterricht so sehr gehoben worden, daß er nun ebenbürtig den anderen Doktrinen dastehe. Der edle Vertreter des jüdischen Wissens und der Moral, habe durch seine Begeisterung, mit der er sich der schwierigen Ausgabe, in der Zeit in welcher hier kein Rabbiner war, unterzog, nicht nur ihn zum Dank verpflichtet, sondenr auch einen Anerkennung gebührenden Liebesdienst der Gemeinde und dem Staate, erwiesen, welchen er nach Verdienst der Vorgesetzten Behörden mit Vergnügen notificiren werde". Eger, 17. Juli. Zwei erfreuliche Nachrichten habe ich Ihnen heute zu melden. Der Tempelbau schreitet rasch vorwärts und wird bis Ende August schon unter Dach kommen. Der Bau, so viel man jetzt schon beurtheilen kann, wird ein Pracht-, ein monumentaler Bau, auch ist der Platz der geeignetste in Eger, frei nach allen Setten, still und ruhig, und liegt im Villen-Viertel. Den Plan machte .der Architekt Haberzettl, die Ausführung ein jüdischer Baumeister Herr Leo Buchen, der auch einen Tempel in Bielitz-Biala und in Warasdin gebaut. Medio Juli nächsten Jahres muß der Bau übergeben werden. Wie bekannt, war Eger seit Jahren so wie Wien verseucht. Bei der vorigen Wahl zum Gemeindeausschuffe drangen auch einige Antisemiten durch, bei der am 11., 12. und 13. d. M. vollzogenen Wahl gaben sich diese Herren alle Mühe, ihre Candidaten durchzubringen, sie haben aber ein glänzendes Fiasco gemacht, nicht Einer drang durch, es wurden vielmehr zwei Juden gewählt, Herr Sal. Wetzler in den Ausschuß und Cultusvorsteher Max Gottlieb als Ersatzmann. Hernals. Im Nachtrage zu unserem in der vorigen Nummer enthaltenen Berichte über die Adresse, welche der Lehrkörper des k. k. Obergymnasiums von Hernals dem verdienstvollen Religionslehrer dieser Anstalt, Herrn Dr. Benjamin Feilbogen überreicht hat, onstati.cn wir mit besonderem Vergnügen, daß seither auch der Lehrkörper der Währinger Oberrealschule durch eine in den Ausdrücken her^ichster Hochachtung abgefaßte Adresse, dem scheidenden Eollegen einen Beweis vornehmer, von confessioneller Engherzigkeit freier Gesinnung gegeben hat. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch einen unliebsamen Fehler

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