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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 516 Orstrrrerchkfche Wochenschrift. ( Nr. 36 opfer des Rabbinismus" (Paderborn bei S^oder 1833) dargelegl ist. i Diese Darlegung ist heute noch völlig überzsügend für mich, und wenn ' ich auf private Publieationen der Zeitungen und Broschüren wie Strack's „Blutaverglaubt." nicht reagirte, so geschah cS, weil die weltliche Obrigkeit. der ich unterthan bin, die Sistirung des Judenstreites begehrte. Nachdem aber amtlich vor Gericht meine heilige Ueberzeugung als eine Frivolität gebrandmarkt wurde, hielt ich es für meine Pflicht, das Vorstehende Ihnen bekannt zu geben: im Angesicht des Todes und meines Ewigen Richters kann ich nicht anders reden und muß bekennen, daß die Blutbeschuldigung Wahrheit ist. Hochachtungsvoll . Canonicus vr. theol. et phil. A. Rohling, o. ö. Prof, der hebr. Altcrthümer an der k. k. deutschen . Universität in Prag. Prag, 10. Juli 1892. Die „Germania", welche dieses Schreiben des Professor Rohling mitcheilt, veröffentlicht auch nach der „Niederrheinischen Volkszeitung" ein Telegramm, welches der antisemitische „Deutsche Reformverein" in Crefeld an Rohling gerichtet hat. Das Telegramut lautet: Geheimrath (?) Rohling, Prag. Im Prozeß Buschhoff behauptet Sachverständiger Noeldccke, Straßburg. Irgend eine Vorschrift des Talmud über Erlaubtheit oder Gottgesälligkeit des Ritualmordes und des Betruges sei bis jetzt nicht erwiesen. Nur boshafte Auslegung erkläre das. Professor Delitzsch, Leipzig, habe alle deraAigeu Stellen widerlegt. Talmud enthalte über Nitu^lmord so viel wie über Eisenbahnen. Solche Behauptungen seien frivol. Wir bitten um baldige, telegraphische Rückäußerung. „Deutscher Reformvcrein." Dr. Jürgens. 9lls Antwort sandte Professor Rohling die folgende Depesche: Dr. Jürgens Crefeld. Delitzsch wurde durch Victor widerletzt bei Fritzsch, Leipzig. Talmudausgaben sind castrirt, deuten aber den speziellen Oslermord sogar an, welchen die Geschichte bestätigt. Rohling. In der Eingabe an das Gericht beruft sich Rohling auf die bei Fritsch in Leipzig 1887 erschienenen Victor'sche Schrift. Dasselbe thut er in dem. Telegramm an ben antisemitischen Reformvcrein. Es soll bei dem Gerichte und im Publikum der Glaube entstehen, es sei in der Person des Abb6 Victor eine geheimnißvolle Autorität vorhanden, welche mit ihrer Meinung die Behauptungen des Profcsiors Rohling unterstützt. Wir aber behaupten, Abbv Victor und Professor Rohling find vollkommen identische Persönlichkeiten. Wir sind in der Lage sofort hiefür den Beweis anzutreten. Wir erklären den Abb« Victor für einen Lumpe» gerichtsbekannter Prägung und wenn er irgendwo existirt: soll er sich melden und sein Visir lüsten. Er soll als Ehrenmann sich erweisen, seine Existenz darthun. Es hat Professor Rohling das dringliche Bedürfniß Autoritäten für sich in Anspruch zu nehmen. Aber der Abb« Victor ist eben kein anderer als der Rohling selber. Es ist ja schon vorgekounnen, daß auf Wechseln Firmen genannt wurden, die gar nicht existiren. Allein dann weiß der Wechselaussteller wenigstens, daß die Gerichte ihn zur Rechenschaft ziehen. Wie soll man es aber vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bezeichnen, wenn Jemand der autorativ wissenschaftlich imponiren will, einen Wechsel auf eine fingirte Finna ausstellt. In einer Eingabe an das Gericht, verbunden mit einem feierlichen Eid, versucht er den Betrug, und wä e er nicht aus dem Proceß Bloch mit dem Brandmal des Meineides hervorgegangen, die famose Eingabe hätte vielleicht dem Gericht imponirt! So aber ist Hen' Rohling nun einmal gerichtsbekannt, die Autoritäten, die er citirt, sind dadurch allein jedem Richterverdächtig. Gewiß Rohling ist im Rechte, wenn er sich über den Ausdruck „frivol" beschwert; das was er gethan hat, ist nicht frivol, das verdient eine ganz andere Bezeichnung. Und ein solcher Mann will über die Moral des Judenthums zu Gericht sitzen; man wendet sich mit Widerwillen ab von diesem Bilde der moralischen Selbstvernichtnng. „Im Angesicht des Todes und meines Ewigen Richters kann ich nicht anders reden und muß bekennen, daß die Blutbeschuldigung Wahrheit ist." Das ist Meineid. — „Talmudausgaben deuten speziellen Ostermord an." Das ist bewußte schamlose Lüge. Für den Fall selbst als in der jüdischen Literatur keine Andeutung zu finden wäre, beruft sich Rohling auf die Geschichte. Das ist ein Kunstgriff zum Zwecke der Irreführung und zwar ein ganz gemeiner, Kunstgriff. Die Geschichte hat ihre mrthvollen, unwiderleglichen Zeugnisse in den großen weltgeschichtlichen Vorgängen und in den unzweifelhaften Thatsachen. Das ist wirklich Geschichte; aber wenn man jeden, irgendwo verzeichneten Vorgang mit der Würde der Geschichte -ausrüsten will, dann sucht man unter falscher Marke das Urtheil der Menge gefangen zu nehmen. Aber auch die ernste Geschichte muß sich fortwährend Correcturen gefallen lassen. Man erinnere sich nur an die verschiedenen Versionen über den Rücktritt des Fürsten Bismarck und man wird einsehen, daß die Feststellung der geschichtlichen Wahrheit mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Und das soll Geschichte, ernste, autoritative Geschichte sein,daß die Anschuldigungen wegen des rituellen Mordes im Laufe der Jahrhunderte wiederholt auftauchten und daß eine Legende daiüber aus dunkler Zeit erhalten blieb. Rabelais ertheilt den Rath, daß wenn Jemand beschuldigt werde, die Thüren von Notredame gestohlen zu haben, so solle er zuschaueu, daß er schnell aus Paris fortkomme. Und gegen die Juden erst, wenn eine fanatisch aufgeregte Menge Blut und Beute verlangte, da sollen Anschuldigungen, da sollen Prozesse als geschichtliche Wahrheitszeugnisse'dienen? Jener Torquemade, der mehr als zwanzig Tausend Juden verbrennen ließ, der hatte doch das Material um angebliche Geheimnisse des Judenthums aufzudecken. Das ist Geschichte und die Geschichte lehrt, daß die rituellen Blutopfer zu hundert Tausenden nur von den Vorgängern und Geistesgenossen der „Rohlinge" auf dem Altäre des Aberglaubens und des Blutdurstes dargebracht worden. Und wenn es noch eines Werkes bedarf,dann mußman auf die jüdische Literatur verweisen. „Professor Dr. Noeldecke hat nicht den ganzen Talmud gelesen;" das ist wieder ein gemeines Taschenspielerkunststück, um naive Gcmüther in die Irre zu führen. Ein Mann der Wissenschaft weiß, wo er das zu suchen hat, was er in einem Werke zu finden wünscht. Er weiß, daß die Bibel den Blutgenuß verbietet und daß der Talmud und die späteren Sammlungen minutiöse Vorschriften enthalten, um dem Genüsse selbst des Thierblutes auszuweichen. Und er hat speciell alle Stellen des Talmud geprüft, welche Rohling und Genossen für ihre Anklagen mißbrauchen und er hat beeidet, daß speciell diese Stellen zu den Anklagen nicht den geringsten Anlaß geben. Er kann also mit aller Sicherheit behaupten, daß der Talmud vom rituellen Mord so wenig etwas weiß wie von den Eisenbahnen. Leichtfertiger und frevelhafter ist niemals eine feierliche Formel mißbraucht worden wie Rohling es mit den Worten thut: „Im Angesichte des Todes und meines ewigen Richters kann ich nicht anders reden und-muß bekennen, daß die Blutbeschuldigung Wahrheit ist". Dem Gericht zu Cleve hat diese feierliche Eidesleistung des Prager Canonikus nicht imponirt und der Gerichtshof verzichtete auf das Vergnügen der persönlichen Bekanntschaft eines Herrn, dessen Eidesleistungen eine Specialität in Europa bilden, die überall aus- und angeboten werden und nirgends einen Abnehmer finden. Zu Cleve hat der Gerichtshof den geisteskranken Knippenberg einvernommen, den würdigen Prager Canonikus aber abgelehnt. Der geheime Kirchenrath Professor Delitzsch hat ihn nämlich als moralisch angefault vor Jahren gezeichnet und der genannte Gerichtshof war offenbar derselben Ansicht. Wamm hat dieser meineidlüsterne Professor schmählich die Flucht ergriffen, als es galt die wenigstens subjective Wahrhaftigkeit seiner Eidesangebote gegenüber dem Reichsrathsabgeordnelen Dr. Bloch vor dem k. k. Wiener Landesgericht zu bekräftigen? Warum trägt er noch heute das Brandmal, welches vor ganz Europa ihm auf die Stirne gedrückt worden? Und warum hat er den famosen Aron Brimann zu seinem Talmudmeister erkoren und nicht, den Abbe Victor?

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