Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 29 (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. SS OrfLerrrichifchr Wochrnschrist Sette 505 der Brünner Diöcese verkündet, wo das kaiserliche Familiengut Göding liegt, also derKaiserPatronats- Herr ist. Leitmeritz. (Matrikenführer.) Die Herren Adolf Nrbach, Religionslehrer in Auscha, und Heinrich Saar, Religionslehrer in Lobositz, wurden von der Bezirshauptmannschaft, jeder für seinen Gemeindesprengel als beeidete israelitische Matrikenführer bestellt. ProHrntz. Montag am 4. d. M. verschied in unserer Gemeinde H. I. L. B r o l l nach längerem Krankenlager in einem Alter von 81 Jahren, beweint von seiner Familie, betrauert von allen die ihn kannten. Der Verblichene gehörte noch zn den alten Gemeindegenossen, die auf dem Gebiete der hebräischen wie rabbinischen Litteratnr heimisch gewesen, aber auch das Studium moderner Wissenschaft insbesondere fremder Sprachen, mit Vorliebe gepflegt und große Fertigkeit im Gebrauche dieser letzteren bekundet haben. Eine bedeutende Zahl von Schülern, denen er die Kenntniß moderner Sprachen leicht faßlich und gründlich vermittelte, und die ihm auch pietätvoll anhingen, nehmen gegentvärtig hochansehnliche Lebensstellungen im Staate ein. Prag. Bei den am 23. Juni stattgehabten Wahlen der Decane für das nächste Studienjahr wurde Herr Professor Dr. Sigmund Mayer zum Decan an der medicinischen Facultät und Herr Professor Dr. Berthold Hatschek zum Decan an der philosohhischen Facultät der deutschen Universität in Prag gewählt. Prag. Dem Religionslehrer der Cultusgemeinde Sch w e issing, Herrn Bürgerschullehrer Albert Munk wurde auf Grund der Ministerialverordnung vom 27. December 1891 der erforderliche Nachweis allgemeiner Bildung behufs Anstellung als Rabbiner in Böhmen erlassen und dem Moritz Sabbath, Religionslehrer in Mies, von der k. k. Statthalterei die Befähigung als Rabbiner zuerkannt. Teplitz. (Jubiläum.) Der hiesige Kaufmann Max Ko h n beging am 9. d. M. ein seltenes Jubiläum. Es sind nämlich 50 Jahre, seitdem er in das Geschäft als Lehrling eintrat, in welchem er seither ununterbrochen thätig war und dem er als Chef vorsteht. Bon zahlreichen Seiten wurde an diesem Tage, aus diesem Anlasse der hier allseits hochgeachtete Jubilar beglückwünscht. Jungbunzlau. Ezechiel Fischel, Alt-Kultusvorsteher der hiesigen isr. Cultusgemeinde, ist 72 Jahre alt gestorben. Der Verblichene, einer Patrizierfamilie entstammend, erfreute sich bei Lebenszeit großer Sympathien, welche bei seinem Leichenbegängnisse in jeder Richtung zum Ausdrucke gelangten. Sniatyn. In jüngster Zeit hat der griechisch-katholische Bischof Kajloski aus Johanislau seine Diöcöse bereist, bei welcher Gelegenheit er auch Sniatyn berührte. Unter der großen Ovation die ihm die hiesige christliche Bevölkerung darbrachte, befand sich auch eine Deputation der jüdischen Cultusgemeinde um diesen seitens der Sniatynen Judenheit zu begrüßen. Tief gerührt sprach er feinen herzlichsten Dank der Deputation für ihrem Erscheinen ans. Bei einer großen Betheiligung, eines christlichen Publikums hielt er seine feierliche Rede, bei welcher Gelegenheit, er energisch die Hetzereien verwarf, das friedliche Zusammenleben mit den Juden eifrigst empfahl, sowie die Voraussetzung im Gegentheile in ausdrucksvollen Worten zerlegte. Mögen die Worte dieses edlen Menschen im Herzen der Zuhörer einen Widerball finden, sowie dem übrigen Clerus zum Neuster dienen. Budapest. (Ein „Menschenfreund".) Der Secretär der ungarischen Wohlthätigkeitskanzlei des Baron Hirsch, Michael Singer, hat ihm fiir Arme übergebene 25.000 fl. deftaudirt und sich von Budapest nach Amerika geflüchtet. Er hat erst kürzlich geheirathet, eine reiche Mitgift erhalten und Frau und Mitgift sammt dem defraudirten Gelde nach Amerika mitgenommen. Bor einem Jahre begann er eine Zeitung: „Der Menschenfteund" herauszugeben, die viele Abonnenten bekam. Dem Baron Hirsch hat dessen Budapester Bevollmächtigte, eine Frau B i s ch i tz, die defraudirte Summe ersetzt und gegen den sauberen „Menschenfreund" keine Anzeige erstattet. Arad, 6. Juli. (Ovation). Der Budapester Großindustrielle Herr Emil Neuschloß kaufte vor einigen Jahren den im Araber Comitat gelegenen Grundkomplex Silingyia, Lugozo und Jarkos, bestehend aus 3200 Joch, und nachdem er daselbst bedeutende Ameliorationen vorgenommen, gab er vor zwei Jchren den ganzen Complex an 65 ungarische Familien zu günstigen Bedingnissen in Pacht. Neberdies unterstützte Herr Neuschloß seine Pächter in so munifizenter Weise, daß dieselben jetzt in der Lage waren, den Besitz anzukaufen. Die ihrem Grundherrn zu Danke verpflichteten 65 Familien bereiteten ihm anläßlich der feierlichen Uebergabe des Besitzes einen solennen Empfang, indem ein Banderium der Ankunft desselben in Ternova harrte, ihn bis Silingyia begleitete, wo weißgekleidete Frauen und Mädchen vor dem Wagen Blumen streuten. Der Präsident des Compossefforates hielt an Herrn Neuschloß eine begeisterte Ansprache, worauf dieser erwiderte, daß er gern auch weiter den Colonisten mit Rath und That beistehen werde. Diese Antwort rief unter allen Anwesenden — es waren auch viele Notabilitäten aus Arad und Umgebung erschienen — Begeisterung hervor. Herr Neuschloß hat durch diese Colonisation nicht allein 65 Familien einen nicht zu unterschätzenden Dienst erwiesen, sondern er vollzog auch noch eine Culturmiffion, indem er eine größere Anzahl kernmagyarischer fleißiger Landleute in eine bisher nur von rumänischen Bauern bewohnte Gegend verpflanzte. BerbLez. Am 27. Juni d. I. verschied hier der penfionirte Cantor der Gemeinde Ung.-Skalitz, Herr Hermann.Fränkl, im 73. Lebensjahre. Der Verblichene war ein streng religiöser Mann, bedeutender Talmudist und als Mensch einer der besten und edelsten, der während seines langen Aufenthaltes bei seiner hier lebenden Tochter jeden Zwist in der Gemeinde durch seine liebenswürdige Intervention beilegte. Die hohe Achtung, die der Verblichene genoß, zeigte sich bei dessen Leichenbegängnisse, an dem sich die ganze Bevölkerung von hier und der Umgebung betheiligte. Die Bahre umstanden die zwei Söhne des Verblichenen, Herr Lazar Tolnai, Berkehrsbeamter bei der königl. ung. Staatsbahn in Raab und Herr Dr. Leopold Tolnai. ein angesehener Advocat in Budapest. Se. Ehrwürden, Herr A. Friedmann, Rabbiner in Ung.-Skalitz, widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der alle Anwesenden bis zu Thränen rührte. Diese Trauerknnde dürfte auch in weiteren Kreisen Ihrer Leser interessiren, denn der Verblichene hat als ehemaliger Lehrer viele Schüler in der Welt zerstreut und besitzt in den beiden Hauptstädten der Monarchie zahlreiche Freunde und Bekannte, die ihm gewiß theilnahmsvoll den Gruß in das Grab nachsenden: Friede seiner Asche! Hamburg, 22. Juni. Die Mitglieder der hochdeutschen Jsraelitengemeinde, Justizrath Heymann und Kaufmann Wetzlar, hatten dieser Tage eine Audienz beim Minister des Innern in Berlin, um denselben zu bitten, die von der Gemeinde vollzogene Wahl des Dr. Rosenfeld in Oroshoza zum Oberrabbiner zn bestätigen. 67 stellenlose Rabbiner Deutschlands haben sich mit einer Eingabe an den Minister gewandt und unter Klarlegung der Verhältnisse darum ersucht, dem Obgenannten als Ausländer die Bestätigung zu versagen. Der Minister hat denn auch die Wahl bislang nicht bestätigt. Nachdem die Deputation, welcher eine sehr freundliche Aufnahme beim Minister zn Theil wurde, ihr Anliegen vorgebracht, dasselbe eingeh^ld motivirt und eine von fast allen Gemeindemitgliedern Unterzeichnete Petition überreicht, wurde sie von dem Minister mit dem Bescheide entlassen, daß er die Angelegenheit nochmals eingehend in Erwägung ziehen wolle. Rom. Der Kaiser von Deutschland hat dem ehemaligen Schatzmeister Signor Luzzatti eine der höchsten Auszeichnungen, nämlich den Rothen Adler-Orden erster Claffe verliehen. Diese Auszeichnung erfolgte für die Verdienste, welche sich Signor Luzzatti um das Zustandekommen des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Italien erworben hat. Paris. Eine jüdische Lehrerin, Mme. Mathilde Salomon wurde von der Regierung zum Mttgliede des höchsten Rathes für öffentlichen Unterricht ernannt. London. Bon den Resultaten der bisherigen Wahlen ist die Wiederwahl von Sir Julia Goldsmid, welcher zum dritten Male zum Vertreter von Süd-St. Panbeaz gewählt wurde, und die Neuwahl von Mr. Benjamin Louis Cohen, welcher im Bezirke Ost-Jelington gewählt wurde, zu verzeichnen. Lissabon. Die portugiesische Regierung erhielt von ihrem Generalgouverneur am Congo telegraphische Mittheilung, daß mehrere jüdische Familien aus Argentinien daselbst angekommen seien und um die Bewilligung zur Niederlassung als Oeconomen und Pflanzer ansuchen. Der Minister für die Colonien antwortete dem Gouverneur, er möge die neuen Ankömmlinge freundlich empfangen und ihnen unentgeltlich einen passenden Platz für ihre Niederlassung anweisen. Der General-Gouverneur hat den Ansiedlern demgemäß einen Landstrich in der Nähe der Stadt Kavangombo unweit der Seeküste angewiesen. (Jew. Chr.s